18.05.2011 Architekturgeschichte 9

Leihzelte. Mobile Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts

Vorträge aus der Architekturgeschichte 9: Berthold Burkhardt

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Ganz im Mittelpunkt des Vortrags des Braunschweiger Architekten und Bauingenieurs Berthold Burkhardt stehen „Leihzelte. Mobile Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts.“

Der Wandel der bürgerlichen Gesellschaft im Zuge der Industrialisierung forderte ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts große Räume, kurzfristig und flexibel. Vor allem kleine und mittelgroße Städte verfügten in der Regel über keine Hallenbauten für Tausende von Besuchern. Einige große Zelthersteller deckten diese Marktlücke mit Leihzelten bzw. Leihhallen für regionale und nationale Ausstellungen, Sänger und Sportfeste oder Jubiläen ab. Diese standardisierten Hallen wurden in der Regel durch örtliche Architekten mit bemalten Stofffassaden und Innendekorationen individuell gestaltet, modern oder traditionsbewusst.

Voraussetzung für den Bau von Großzelten in erheblichem Umfang war der Import geradezu industriell angebauter Baumwolle und der Einsatz mechanischer Web und Nähmaschinen. Das Anwendungsspektrum der Leihhallen, von Volksfesten bis zu Industriemessen, ist unvermindert aktuell. Die Technologie der Tuchherstellung, Verarbeitung und Montage der Holzgerüste mit imprägniertem, teilweise eingefärbtem Baumwolltuch eingedeckt, kann bau- und konstruktionsgeschichtlich als eine abgeschlossene Epoche bezeichnet werden. Stahl- und Leichtmetallkonstruktionen mit Kunststoffmembranen bestimmen den heutigen Zeltbau von den Festhallen bis zu den Überdachungen großer Stadien. Die gestaltete Fassade der Leihhallen findet eine Renaissance in den großformatigen textilen Werbeflächen und Einhausungen von Baustellen.

Der Referent: Berthold Burkhardt

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Berthold Burkhardt

Prof. Dipl.Ing. Berthold Burkhardt, Architektur- und Bauingenieurstudium in Stuttgart und Berlin, Mitarbeiter bei Peter Poelzig in Berlin, bei Frei Otto an der Universität Stuttgart, Mitglied in den DFG-Sonderforschungsbereichen „Weitgespannte Flächentragwerke“ und „Natürliche Konstruktionen“, Mitarbeit bei den Projekten Deutscher Pavillon Montreal EXPO 1967 und Olympia München 1972; seit 1984 Professor am Institut für Tragwerksplanung in der Fakultät Architektur an der TU Braunschweig. Lehraufträge an der RWTH Aachen und Universitäten in Syrien, Forschungsschwerpunkte Leichtbau, Formen der Natur und Technik, Geschichte des Leichtbaus, Denkmalpflege 19. und 20. Jahrhundert (www.twl.tu-bs.de), Gutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Berater der Wüstenrot Stiftung u.a.; Architektur- und Ingenieurbüro mit Martin Schumacher in Braunschweig (www.burkhardt-schumacher.de)

 

Veranstaltungsort und -zeit

Hochschule Augsburg
An der Hochschule 1
86161 Augsburg

Campus am Brunnenlech
Raum G 1.10

Mittwoch, 18. Mai 2011, 18.30 Uhr

 

Weitere Informationen erteilt gerne Prof. Dr.-Ing. Klaus Tragbar, 0049-821-55.86.31.11 oder .02, klaus.tragbar@hs-augsburg.de