Fakultät für Allgemeinwissenschaften in Zusammenarbeit mit
Verein Deutscher Ingenieure e.V.
Astronomische Vereinigung Augsburg e.V.
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Dr. Manfred Gottwald - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Durch die Raumfahrt besitzen wir die Möglichkeit, unseren Heimatplaneten Erde aus bisher unbekannten Blickwinkeln zu betrachten. Raumsonden heben unseren Beobachtungsstandort hinaus in den nahen Weltraum. Seit dem Start des ersten Erdsatelliten im Jahr 1957 hat eine Armada unterschiedlichster Raumfahrzeuge unzählige Darstellungen unseres Heimatplaneten geliefert. Sie reichen von hochgenauen Bildern der Erdoberfläche bis zu Abbildungen, in denen die Erde als kleiner blauer Punkt im Universum erscheint. Im Laufe des Vortrags verlassen wir die Erde auf einer Reise in den interplanetaren Bereich und erleben, wie die Erde dabei immer mehr als Planet ins Blickfeld rückt.
Ich habe Physik und Astronomie in München studiert, promovierte am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und war danach mehrere Jahre für die europäische Raumfahrtbehörde ESA in Darmstadt und Noordwijk/Niederlande tätig. Arbeitsinhalte umfassten Gammaastronomie, Röntgenastronomie und optische Astronomie. Nach meiner Mitarbeit an der deutschen Röntgenastronomiemission ROSAT wechselte ich zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München, wo ich mich mit erdwissenschaftlichen Untersuchungen aus dem Weltraum befasse.

Mit meinem Vortrag möchte ich einen allgemeinen Überblick über die Tätigkeitsbereiche ambitionierter Hobbyastronomen geben. Ein interessantes Gebiet ist der Selbstbau eines Teleskops: angefangen vom Schleifen des Spiegels bis zum Bau der Montierung. Obwohl die Oberfläche des Spiegels sehr exakt gearbeitet werden muss, ist diese Aufgabe ohne große technische Hilfsmittel zu bewältigen.
Darüber hinaus werde ich auf das Thema Astrofotografie näher eingehen. Durch den Einsatz digitaler Kameras und der Weiterverarbeitung der Fotos mithilfe des Computers erreichen inzwischen Bilder von Hobbyastronomen eine Qualität, die vor wenigen Jahren noch professionellen Großteleskopen vorbehalten waren.
Ergänzend zum Vortrag stellen die Fotografen der Astronomischen Vereinigung Augsburg eigene Bilder aus. Der Verein wurde 1965 gegründet und betreibt die Volkssternwarte Diedorf. Dort stehen mehrere leistungsfähige Teleskope zur Verfügung, um einen Blick in die Weite des Universums zu werfen. Im Planetarium der Sternwarte kann den Besuchern auch bei schlechtem Wetter der Sternenhimmel gezeigt werden.
Das Zentrum unserer Milchstrasse gehört zu den faszinierendsten und kompliziertesten Szenarien, die wir im Kosmos kennen. Verborgen hinter großen Mengen an Gas und Staub kann es mit optischen Teleskopen nicht beobachtet werden. Im Infrarotbereich kann man jedoch die Bewegung der Sterne in unmittelbarer Umgebung des Zentrums präzise studieren und findet so, dass das Zentrum ein Objekt mit einer Masse von etwa 4 Millionen Sonnenmassen beherbergen muss - nach allen physikalischen Vorstellungen, die wir besitzen, ein Schwarzes Loch. Die Position dieses Objekts fällt zusammen mit der einer seit langem bekannten starken Radioquelle. Über die Natur dieses Schwarzen Lochs ist kaum etwas bekannt, auch nicht, warum es in allen anderen Spektralbereichen so schwach strahlt, viel schwächer, als wir das von den Zentren anderer Galaxien her kennen, in denen wir ebenfalls Schwarze Löcher vermuten. Mittlerweile konnten Strahlungsausbrüche sowohl im Röntgen- als auch im Infrarotstrahlungsbereich nachgewiesen werden; allerdings ist deren Ursache bisher noch nicht geklärt. Auch die Umgebung des Zentrums selbst beherbergt eine ganze Reihe von weitgehend noch unverstandenen Phänomenen, die vor allem mit modernen Röntgenteleskopen entdeckt wurden.
Ich habe Physik in Erlangen studiert, dort auch promoviert, und arbeite seitdem am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik. Neben meinen wissenschaftlichen Interessen – hauptsächlich im Bereich Interstellarer Staub und Galaktisches Zentrum – habe ich mich mit Instrumentierungen für die Röntgenastronomie befasst, u.A. für ROSAT, XMM-Newton und Chandra. Gegenwärtig bin ich als technischer und wissenschaftlicher Leiter für den Bau eines neuen großen Röntgenteleskops mit Namen eROSITA verantwortlich.
Die Suche nach einer Antwort auf diese einfache Frage erweist sich als komplexes Problem.
Erst die Erkenntnisse und Methoden der letzten 50 Jahre moderner Astronomie ermöglichen die Beantwortung dieser Frage. Der allgemein verständliche Vortrag wird somit zu einem spannenden Spaziergang durch die aktuelle "Werkzeugkiste" der Astrophysik.
Aktualisiert am: 04.05.2012 | © Hochschule Augsburg