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  Johans, der Jansen Enikel
um 1230/40 - nach 1300
     
   



D e r   A u t o r

«Johans, der Jansen enikel» (Johannes, der Jansen-Enkel) nennt sich der Dichter in seiner «Weltchronik» (V. 83ff.). Ob sich urkundliche Erwähnungen - «Johannes, Neffe des Paltram» bzw. «Johann der Schreiber» - auf ihn beziehen lassen, ist nicht zweifelsfrei erwiesen. Er dürfte zwischen 1230 und 1240 geboren sein und in Wien im Kreis der bürgerlichen Oberschicht gelebt haben. Das Riesenwerk seiner «Weltchronik» - 28958 Verse in vierhebigen Reimpaaren - verfaßte er wohl in den Jahren nach 1272. Im Unterschied zu älteren Werken dieser Gattung tritt die chronistische und heilsgeschichtliche Perspektive in den Hintergrund, stattdessen dominiert die erzählerische, anekdotische Ausgestaltung, wobei auch Anrüchiges und Spektakuläres über Kaiser, Fürsten und Papst berichtet wird, orientiert an den Interessen des Wiener Stadtbürgertums und am habsburgischen Herrschaftsanspruch. Dies wird auch in seinem zweiten Werk deutlich, dem unvollendeten «Fürstenbuch», von dem 4258 Verse erhalten sind, und das vermutlich nach der Weltchronik abgefasst wurde. Johans' Todesdatum - wohl bald nach 1300 - ist nicht bekannt.

Der ditz getiht gemachet hât,
der sitzt ze Wienn in der stat
mit hûs und ist Johans genant.
an der korôniken er ez vant.
der Jansen enikel sô hiez er.
von dem buoch nam er die lêr.
(Weltchronik, 83 ff.)
Ich bin Jans genant
daz getiht ich von mir selben fand
hern Jansen eninchel heize ich
des mac ich wol vermezzen mich,
daz ich ein rehter Wienner bin.
(Fürstenbuch, 19 ff.)


D a s   W e r k

Weltchronik (nach 1272)
Fürstenbuch (um 1285) >>> (Faksimile-Ausgabe der BSB)


S e k u n d ä r e s

Faksimile-Ausgabe der Werke des Jans Enikel (MGH, Bayerische Staatsbibliothek München)
Graeme Dunphys Jans-Enikel-Seite (Uni Regensburg)
Jans Enikel, Adams Tod (Audiodatei, Uni Tübingen)
Quellen/Kolophon