B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Ulrich von Liechtenstein
ca. 1200 -1275
     
   



V r o w e n   d i e n s t

E r s t e r   D i e n s t
( 8 - 1 3 8 9 )


Turnieren, erster Dienst
(Strophe 46 - 114)


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L i e d   I
(Bechstein I,23; Lachmann 18,5)

Daz ist ein tanzwîse, diu êrste

1
     Wîbes güete      niemen mac
volloben an ein ende gar.
mîn herzeblüete      mangen tac
si machet mich gar sorgen bar,
5
swenn ich si sihe gekleidet stân
und alsô schœne vor mir gân
alsam ein engel wol getân.

2
Ein wîp      mich des betwungen hât
daz ich ir iemer dienen muoz,
der lîp      vil wol ze wunsche stât;
ir rôter munt gît reinen gruoz.
5
ich hân den wunsch an ir gesehen,
daz man ir muoz des besten jehen,
odr ich enkan niht frouwen spehen.

3
Dîner reine      trœste ich mich
noch baz denn ich gedienet hân.
dû bist eine      der wil ich
mit triuwen wesen undertân.
5
des tages swenn ich dich sehen sol,
sô wart nie manne mêr sô wol,
und ist mîn herze fröiden vol.

4
Hôhen muot      ich von dir hân ;
des weiz ich niemen mêre danc.
dû bist guot       ân argen wân;
ich dien dir immer âne wanc.
5
nu sprich daz ez dîn wille sî;
son wirde ich nimmer mêre frî,
und wone dir mit dienste bî.

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L i e d   I I
(Bechstein I,35; Lachmann 30,1)

Daz ist diu ander tanzwîse

1
     In weiz wiech singe
von der naht: diu gît mir fröide niht.
mîn hôhgedinge
der lît an dem tage: wan er ist liht.
5
ouch ist sîn schîn
der frouwen mîn
vil gelîch. des müeze er sælic sîn.

2
Er mac von schulden
loben die naht, der sæliclîchen lît.
sô muoz ich dulden
sendiu leit: dâ von trag ich ir nît
5
und lobe den tac,
swenn ich si mac
sehen, diu mir wol heilet sorgen slac.

3
Den tac ich êre,
dô ich die vil guoten êrste sach.
sît immer mêre
gab diu naht mir leit und ungemach.
5
si ist mir gram,
und ich ir sam.
wol dir tac, vil sælic sî dîn nam.

4
Sô mich besezzen
nahtes habent die sorge alsam diu mar,
des wirt vergezzen
sâ, sô mir der tac erschînet klâr.
5
sô kümt ein wân,
daz ich sül gân
die vil schœnen tougen sehen an.

5
Vil gerne ich wolde
loben die naht, ergienge ez immer sô
daz ich ir solde
nâhen ligen diu mich nu tuot unfrô.
5
wer wære ich dan,
ich sælic man!
wê daz mirs diu guote niht engan.

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