B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Ulrich von Liechtenstein
ca. 1200 -1275
     
   



V r o w e n   d i e n s t

Z w e i t e r   D i e n s t
( 1 3 9 0 - 1 8 3 5 )


Lob der Frouwe,
Begegnung, Zeitklage
(Strophe 1610 - 1752)


_____________________________________

 
[ . . . ]

L i e d   X X X I X
(Bechstein II,162; Lachmann 507,11)

1
     Er ist komen wider mit gewalde
den der meie het vertriben.
sumerwunne ist im entrunnen balde:
der ist vor im niht beliben.
5
den sul wir ze mâzen klagen,
sît diu sunne      uns des meien wunne
wider gît in kurzen tagen.

2
Swem der winder hôchgemüete swendet,
der muoz ofte trûric sîn.
mir hât hôhen muot ein wîp gesendet.
dâ von ist daz herze mîn,
5
swie ez witert, frô, frô, frô.
von ir güete      stîget mîn gemüete
für die liehten sunnen hô.

3
Schœne von ir güete ist mîn frouwe,
sî ist von ir schœne guot.
swanne ich in ir spilnden ougen schouwe
mich, sô blüet mîn hôher muot
5
rehte als in des meien zît
tuont die rôsen,       ir güetlîchez lôsen
mir vil hôhe fröide gît.

4
Ir vil lieplîch güetlîch lœslîch gruezen
tuot mir hôhe fröide kunt.
süeziu wort diu kunnen süezlîch süezen
ir vil süezen rôten munt.
5
swaz ich munde hân gesehen
mîne stunde,      sô muoz ich ir munde
für si alle rœte jehen.

5
Sî hât ir wîpheit vil wol behüetet
vor unfrouwelîcher tât.
wol ir daz si mir sô güetlîch güetet;
dâ von mîn muot hôhe stât.
5
sîst mir süezer danne iht sî,
in dem muote      liep vor allem guote.
sus ist ir mîn herze bî.

6
Wie si sî gevar, diu wol gemuote,
daz wil ich iuch wizzen lân.
brun rôt wîz ist diu vil reine guote,
von den varwen sô getân
5
daz nie engel schœner wart
an ze schouwen.      man muozs eine frouwen
nennen von ir hôhen art.

7
Lieplîch priune, roter rôsen rœte,
snêwes wîze hât ir lîp.
ir gebærde ist mînes trûrens tœte:
siest von tugenden ein guot wîp.
5
ir lîp ist des herzen mîn
hœhstiu wunne,      mîner fröiden sunne
ist ir rôt wîz prûner schîn.

[ . . . ]
 
L i e d   X L
(Bechstein II,240; Lachmann 512,7)

1
     Ein schœniu maget
sprach ‹vil liebiu frouwe mîn,
wol ûf! ez taget.
schouwet gein dem vensterlîn,
5
wie     der tac ûf gât. der wahter von der zinnen
ist gegangen. iuwer friunt sol hinnen:
ich fürhte er sî ze lange hie.›

2
Diu frouwe guot
siufte und kuste ir lieben man.
der hôchgemuot
sprach ‹guot frouwe wol getân,
5
der     tac ist hôch ûf: ich kan niht komen hinnen.
maht du mich verbergen iender innen?
daz ist mîn rât und ouch mîn ger.›

3
«Und möhte ich dich
bergen in den ougen mîn,
friunt, daz taet ich.
des kan leider niht gesîn.
5
wil     du hie in dirre kemenât belîben,
disen tac mit fröiden wol vertrîben,
dar innen ich dich wol verhil.»

4
‹Nu birge mich,
swie du wil, vil schœne wîp;
doch sô daz ich
sunder wer iht vliese den lîp.
5
wirt     mîn iemen inne, sô soltû mich warnen.
kumich ze wer, ez muoz sîn lîp erarnen,
der mich mit strîte niht verbirt.›

5
Sus wart verspart
der vil manlîch hôchgemuot
und wol bewart
von der reinen süezen guot.
5
wie     pflac sîn den tac diu süeze minneclîche?
sô daz er wart hôhes muotes rîche.
sô kurzen tac gewan er nie.

6
Diu naht quam dô.
sâ huop sich der minne spil:
sus unde sô
wart von in getriutet vil.
5
ich     wæn ie wîp würde baz mit liebem manne
danne ir was. ouwê dô muoste er danne.
dâ von huop grôzer jâmer sich.

7
Urloup genomen
wart mit küssen an der stunt.
schier wider komen
baten ir süezer rôter munt.
5
er     sprach ‹ich tuon. dû bist mîner fröiden wunne,
mînes herzen spilndiu meien sunne,
mîn fröiden geb, mîn saelden wer.›

[ . . . ]
 
L i e d   X L I
(Bechstein II,244; Lachmann 515,12)

1
     Guot wîp, mîner fröiden lêre,
tugende rîche frouwe mîn,
wizze daz mich jâmert sêre
in daz reine herze dîn.
5
dâ solt dû mich hûsen in:
in dem süezen paradîse ich gerne bin.

2
Dâ hât inne guot gemüete
mit der wîpheit fröiden vil:
dîn vil hôchgelopte güete
spilt dâ êrenbernde spil
5
mit den tugenden alle zît.
wol mich, wol, ob mir dîn güete hûs dâ gît.

3
Tuo ûf: ich klopf an mit worten.
lâ mich in: sô bistu guot.
sliuz ûf schiere mir die porten.
bî mir hie ist hôher muot,
5
der ouch gerne dienet dir.
erst dir holt mit triuwen, daz geloube mir.

4
Er hât sîn vil wol genozzen,
daz er dir ist alsô holt:
ich hân in zuo dir geslozzen
in mîn herze, dâ er holt
5
wunnebernder fröiden vil.
er tuot dir dâ, liebiu frouwe, swaz er wil.

5
Hôher muot gewan mit wîbe
nie sô mange fröide grôz.
ich hân in bî dînem lîbe
ofte funden decke blôz.
5
dâ kust er wol tûsentstunt
dînen kleinvelhitzerôten suezen munt.

6
Güetlîch triuten, küssen suoze,
drucken brust an brüstelîn,
dise liebe süeze unmuoze
trîbet in dem herzen mîn
5
mit dir, reiniu frouwe guot,
dîn guot friunt, mîn minnegernder hôher muot.

7
Alse er im ein fröide tihtet
in dem herzen mîn mit dir,
arme und bein er danne flihtet,
im und dir, dir unde mir,
5
hin und her, sus unde alsô.
daz tuot herzenlîchen wol und machet frô.

[ . . . ]
 
L i e d   X L I I
(Bechstein II,246; Lachmann 518,1)

1
     Frouwe mîn, got gebe dir guoten morgen,
guoten tac, vil fröide rîche naht.
got behüete dich vor al den sorgen,
dâ von dîn lîp werde in trûren brâht.
5
bistu frô, sô bin ich hôhes muotes:
mirst ze hôhem muote niht sô guotes
sô      daz dû sîst herzenlîchen frô.

2
Dû hast ein liep liep vor allen dingen:
daz ist mir als herzenliep sô dir:
nâch des hulden wil ich immer ringen.
nie niht wart sô rehte liebes mir
5
sô dîn lîp: des bringe ich dich wol inne.
frouwe, mînes herzen küneginne,
tuot      mir dîn lîp wol, sô bistu guot.

3
Liebiu frouwe, liebest aller wîbe,
dîn lîp ist mir in dem herzen mîn:
sost dîn reinez herze in sînem lîbe:
welhem sol ez denne næher sîn?
5
des kan ich vor liebe niht bescheiden.
ez ist uns sô rehte nâhen beiden,
daz      sîn unser twederz nie vergaz.

4
Lieb vor allem liebe sost mir, frouwe,
dîn vil süezer minneclîcher lîp.
an dem selben lîbe ich mîn liep schouwe:
daz bistû, vil reine sælic wîp.
5
mîn lîp treit dîn herze, daz in lêret
tugende vil: des sît ir beidiu gêret.
wol      mich des daz ich iu dienen sol.

5
Guot wîp, ich wil dienen ritterlîche
dir ûf den vil herzenlieben wân
daz ich kome noch in daz himelrîche
dâ nie mannes lîp wart in verlan.
5
dest dîn herze, dâ dîn tugende, frouwe,
wahsent inne ûz der güete touwe.
lâ      mich drin: ich tuon dir sanfte dâ.
dar      wil ich und niender anderswar.
kum      ich dar, ez ist uns beiden frum.

[ . . . ]
 
L i e d   X L I I I
(Bechstein II,249; Lachmann 520,25)

1
     Wunneclîchen hôhe mîn gemüete
stât. des habe mîn frouwe danc,
diu mir mit ir manicvalten güete
mînen muot ie hôhe twanc.
5
diu vil reine süeze tuot mir sô
daz ich bin in aller zît von herzen frô.

2
Diu vil guote zweier hande lachen
lachet, diu ich nennen wil.
diu kan sî sô minneclîchen machen,
daz si sint mîn herzen spil.
5
so ich ir süezer lachen einez sol
sehen, sô ist mir in dem herzen wol wol wol.

3
Einez sî mit rôsenvarwem munde
kan: daz ist sô minneclîch,
daz ein man dar inne fröide funde,
der ê nie wart fröiden rîch.
5
sîst der minne gernden meien zît:
in ir lachen fröiden hort der süeze lît.

4
Lachen kan mîn tugentrîchiu frouwe
mit ir spilnden ougen sô,
swanne ich mich dar inne rehte schouwe,
daz ich bin von herzen frô.
5
swen ir ougen güetlîch lachent an,
der muoz immer sîn ein fröiden rîcher man.

5
Mit ir spilnden ougen lachen schône
kan diu reine süeze wol.
des trag ich der hôhen fröiden krône,
alse ir ougen touwes vol
5
werdent ûz ir reines herzen grunt,
von ir lachen: sâ sô wirde ich minne wunt.

6
Ir vil kleinvelwîzer hals, ir kinne,
munt, brâ, wängel, ougen liht,
ist der minnen spiegel, dâ man inne
manger hande wunne siht.
5
solde ich in den süezen spiegel sehen
alle zît, mir kunde nimmer baz geschehen.

7
Wolde got, sold ich ir hals, ir ougen,
brüstel, kinne, wängel, munt
mit ir guotem willen küssen tougen
hundert tûsent tûsent stunt!
5
manger giht, des wær mir alze vil,
der mit wîben niht kan spiln der minne spil.

[ . . . ]
 
L i e d   X L I V
(Bechstein II,253; Lachmann 524,14)

1
     Ich bin hôhes muotes:
hôher muot mir sanfte tuot.
nie niht wart sô guotes,
sô mit zuhten hôher muot.
5
hôch geboren schœne wîp
mac vil wol erwerben hôchgemuotes ritters lîp.

2
Ein wîp mich behüetet
hât vor trûren mîne zît.
güetlîch sie mir güetet:
an ir al mîn fröide lît.
5
ich bin durch si hôchgemuot.
sô ist diu vil schœne von ir hôhen tugenden guot.

3
Mit rôt süezem munde
sprach diu guote wider mich
ein wort zeiner stunde,
des muoz mîn lîp fröiwen sich.
5
smielend ir munt daz wort sprach,
dô ich in ir liehten spilnden süezen ougen sach.

4
Ir guot wîplîch güete
nam es ûz ir herzen grunt.
fröiden hôchgemüete
blüet mir an der selben stunt,
5
dô si sprach daz süeze wort,
daz ich immer hân für mîner hôhen fröiden hort.

5
Mit ir worten süezen
machet sî mich hôchgemuot.
ir urloup, ir grüezen
mir von schulden sanfte tuot.
5
ich bin alles des gewert
mit der tugende rîchen, des mîn lîp ze fröiden gert.

6
Ich hân von ir êre,
ich hân von ir hôhen muot.
dannoch hân ich mêre
von ir daz mir sanfte tuot:
5
fröide, wunne, ritters leben,
daz hât sî ze lône mir umb mînen dienest geben.

7
Ich hân von der guoten
lîp, guot, êre gernden sin.
der vil wol gemuoten
ritter ich mit triuwen bin.
5
swaz si wil, daz wil ouch ich:
sîst gewaltic küneginne immer über mich.

[ . . . ]
 
L i e d   X L V
(Bechstein II,262; Lachmann 533,13)

1
     Wâfen über die gar unguoten,
die dâ selten werdent frô.
die heiz ich die ungemuoten:
dest ir nam von rehte alsô.
5
wâfen über si immer mêre:
sî verliesent mit ir trûren sælde und êre.

2
Swâ ein wîp niht frô gemachen
kan ir herzenlieben man
mit ir triuten, mit ir lachen,
dem ist fröide gar zergân.
5
frôit in niht ir süezez lôsen,
in gemachent nimmer frô des meien rôsen.

3
Ich bin frô von einer rôsen:
diu kan sprechen süeziu wort.
ir vil lieplîch güetlîch lôsen
gît mir hôher fröiden hort.
5
mit ir kleinvelrôtem munde
ziuhet sî mir trûren gar ûz herzen grunde.

4
Schouwet wie diu bîe ir süeze
ûz den bluomen ziehen kan.
alsô ziehent mir ir grüeze
trûren von dem herzen dan.
5
ir urloup und ouch ir grüezen
kan si mir mit süezen worten suoze süezen.

5
Sî hât hôhes muotes krône
mit ir güete mir gegeben.
die hân ich von ir ze lône:
des muoz mîn muot hôhe sweben.
5
wol ir daz si mich sô krœnet
unde ir wîpheit mit vil hôhen tugenden schœnet.

[ . . . ]
 
L i e d   X L V I
(Bechstein II,265; Lachmann 536,9)

1
     Disiu liet diu heizent frouwen tanz:
diu sol niemen singen, ern sî frô.
swer mit zühten treit der fröiden kranz,
und dem sîn muot stât von wîben hô,
5
dem erloube ich sî ze singen wol:
blîdeclîchen man si tanzen sol.

2
Trûren ist ze wâre niemen guot
wan dem einen der sîn sünde klaget,
hôhen lop erwirbet hôher muot.
guoten wîben hôchmuot wol behaget:
5
dâ von wil ich immer mêre sîn
hôchgemuot durch dich, guot frouwe mîn.

3
Fröide gibt mir dîn wol redender munt,
hôhen muot dîn reine senfte sit:
fröiden tou mir ûz des herzen grunt
kumt von dir in elliu mîniu lit.
5
got hât sînen flîz an dich geleit,
dâ von dîn lîp êren krône treit.

4
Liehtiu ougen, dâ bî brûne brâ,
hâstu und zwei rôtiu wängelîn.
schœne bistu hie und schœne dâ.
brûn rôt wîz, der drîer varwe schîn
5
treit dîn hôchgeborner schœner lîp.
tugende hâstu vil, guot wîplîch wîp.

5
Daz du alsô mange tugende hâst,
dâ von bin ich alles trûrens frî.
sô du alsô schœniu vor mir gâst,
sost mir alse ich in dem himel sî.
5
got sô schœnen engel nie gewan
den ich für dich wolde sehen an.

[ . . . ]
 
L i e d   X L V I I
(Bechstein II,275; Lachmann 545,3)

1
     Nû hilf, wîbes güete:
mir ist nôt der helfe dîn.
mir wil hôchgemüete
sterben in dem herzen mîn.
5
wîbes güete, du bist guot:
hilf daz iht verderbe
      jæmerlîch mîn hôher muot.

2
Swâ man saget mære
daz mîn lîp gevangen lît,
dest den frouwen swære:
wan den diene ich mîne zît.
5
swelhiu wîplîch güete hât,
ich weiz wol, mîn kumber
      ir ze herzen nâhen gât.

3
Von swem mich verliesent
guotiu wîp, der habe für wâr,
die schult sî verkiesent
nimmer endelîchen gar.
5
daz ist reht: ez ist alsô;
sît ich bin ir leides
      trûric unde ir êren frô.

4
Mîner frouwen güete
unde ir lieplîch schœner lîp
nert mir hôchgemüete:
durch sî êre ich elliu wîp.
5
daz hât sî verschuldet wol,
daz ich durch ir êre
      allen frouwen dienen sol.

5
Dem vil werden wîbe
muoz man hôher tugende jehen.
an ir süezen lîbe
wart unwîpheit nie gesehen.
5
sî ist schœne, sî ist guot,
kiusche, blîde, stæte,
      zühte rîch, wîplîch gemuot.

6
Rœter denne ein rôse
ist ir munt süez unde heiz.
sîst mit züchten lôse
(schœner wîp ich niender weiz),
5
brûn ir brâwe, wîz ir lîp.
von geburte ein frouwe
      ist si, und von tugenden wîp.

7
Kiuschlîch smielen lachen
kan ir kleinvelrôter munt.
sie kan süeze machen
ir gebærde zaller stunt.
5
ir munt unde ir ougen liht,
sô mich diu an lâchent,
      hôhes muotes man mich siht.

[ . . . ]
 
L i e d   X L V I I I
(Bechstein II,279; Lachmann 549,17)

1
     Frouwe, mîner fröiden frouwe,
frouwe mîn übr allez daz ich hân,
swanne ich iuwer schœne schouwe
und mich iuwer ougen lachent an,
5
sô wird ich als herzenlîchen frô,
daz mîn muot stât für die sunnen hô.

2
Wîplîch wîp, von iuwer güete
bin ich ofte worden hôchgemuot.
nûst mîn lîp in ungemüete
komen: dâ für sult ir mir wesen guot.
5
lachet mich mit spilnden ougen an:
sô muoz al mîn trûren gar zergân.

3
Lachen iuwerm rôten munde
schône stât und iuwern ougen liht:
dâ von fröit ez mich von grunde
sô daz man ûz mînen ougen siht
5
fröiden tou vor herzenliebe gân,
sô mich munt und ougen lâchent an.

4
In dem herzen mîn versigelet
hân ich iuwern reinen süezen lîp,
mit der stæte alsô verrigelet,
daz dar ûz in nimmer magt noch wîp
5
mac verdringen weder naht noch tac.
ir sît diu an der mîn fröide ie lac.

5
Mich fröit diu vil süeze unmuoze,
daz ich iu sol immer diende sîn.
iuwer munt der kan sô suoze
sprechen, daz er fröit daz herze mîn.
5
iuwer minneclîchen süeziu wort
sint gar mîner hôhen fröiden hort.

[ . . . ]
 
L i e d   X L I X
(Bechstein II,283; Lachmann 553,21)

1
     Ein man bedarf wol sinne,
der eines werden wîbes hulde wil
verdienen unde ir minne:
jâ muoz er haben tugend und fuoge vil.
5
ungefüeges mannes werben
muoz für wâr gar verderben,
sô      dem gefüegen wirt gelônet hô.

2
Swâ sô von tumben wîbe
gar ungefüegem manne liep geschiht,
daz birt ir beider lîbe
iedoch die lenge herzen wunne niht.
5
sîn unfuore muoz ir leiden.
sô gât ez an ein scheiden:
ier      beider liebe hât ein ende schier.

3
Und sol ich niht erwerben
mit dienste die vil lieben frouwen mîn,
sô muoz mîn lîp verderben
gar sunder wanc: sô stæte wil ich sîn.
5
jâ kan nimmer liep von wîbe
geschehen mînem lîbe,
wan      von der guoten diech ze frouwen hân.

4
Diu mac mich frô gemachen.
sist mînes herzen fröiden lêre alsô,
daz ir vil süezez lachen
mir ofte brâht hât mîn gemüete hô.
5
ir gebærde, ir schœne, ir güete,
ir wîplîch guot gemüete,
hât      tugende vil ân alle missetât.

5
Und obe ich wünschen solde
ein wîp mir selben nâch dem willen mîn,
wie ich si haben wolde,
diu müeste glîch gar mîner frouwen sîn,
5
an dem lîbe, an dem muote.
diu reine süeze guote
tuot      mir alsô daz ich bin hôch gemuot.

[ . . . ]
 
L i e d   L
(Bechstein II,285; Lachmann 555,21)

1
     Waz dar umbe, ist verswunden
uns der sumer? des mac werden rât,
sîn zît wirt wol wider funden.
ich klag daz diu werlt sô übel stât,
5
daz nu trûret manges lîp,
der frô solde sîn durch guotiu wîp.

2
Frôide und zuht hât vil nâch ende.
junge und alte sint niht wol gemuot.
got den grôzen kumber wende,
sô daz noch die rîchen werden guot.
5
die siht man ungüetlîch leben:
trûren hât in ir grôz übel geben.

3
Mich nimt wunder daz die jungen
und die rîchen trûrent bî ir zît.
waz hât sî dar zuo betwungen,
daz in wîp noch jugent fröide gît?
5
nû sîn trûric unde unfrô:
mir stât durch ein guot wîp mîn muot hô.

4
Diu hât sich vil wol behüetet
und bewart vor aller missetât.
ir lîp mir sô güetlîch güetet,
daz mîn muot von schulden hôhe stât.
5
sîst sô reht güetlîchen guot,
daz ir güete mir gît hôhen muot.

5
Durch die reinen süezen guoten
herzenlieben werden frouwen mîn
wil ich mit den wol gemuoten
immer gerne hôhes muotes sîn.
5
ir ist liep daz ich bin frô:
dâ von stât mir mîn gemüete hô.