B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Ulrich von Liechtenstein
ca. 1200 -1275
     
   



V r o w e n   d i e n s t

Z w e i t e r   D i e n s t
( 1 3 9 0 - 1 8 3 5 )


Didaxe
(Strophe 1753 - 1835)


_____________________________________

 
[ . . . ]

L i e d   L I
(Bechstein II,289; Lachmann 560,7)

1
     Ich wil durch die frouwen mîn
guoten wîben râten einen rât,
daz si frô mit zühten sîn.
zuht bî fröiden frouwen schône stât.
5
swelch wîp ist mit züchten hôch gemuot,
diu hât êren vil, und ist si guot.

2
Güetlîch sol ein ieslîch wîp
gerne tuon: deswâr daz wîbet wol.
diu wol kleiden wil ir lîp,
diu sol tuon ir herze güete vol.
5
güete ist ein daz beste wîbes kleit
daz an frouwen lîp wart ie geleit.

3
Swelch wîp güetlich lachen kan
schôn mit züchten, hât diu rôten munt,
diu mac einem werden man
siuften bringen ûz des herzen grunt.
5
guot gebærde frouwen schône stât.
wol ir diu bî schœne güete hât.

4
Swâ ein guot wîp minnen wil,
diu sol minnen daz ir rehte zeme.
valscher manne derst nu vil:
dâ von wol bedenke wen si neme:
5
der ir êren hüete und stæte sî,
sô daz er gein ir sî wankes frî.

5
Swelch man sich vor missetât
hât behuot und immer hüeten wil,
swâ ein wîp sich an den lât,
der lîp darf gesorgen nimmer vil.
5
erst ir êren frô: daz weiz ich wol.
biderbe man guot wîp bedenken sol.

6
Ein guot wîp diu solde die
haben liep die manlîch sint gemuot.
swer nie grôz untât begie,
der ist werdem wîp ze friunde guot.
5
swelch man sîner êren hüeten kan,
an den sol ein wîp ir êre lân.

7
Swes mîn frou sich an mich lât,
des pflig ich ir sô ich beste kan.
ich begie nie missetât
gein ir: valschen muot ich nie gewan.
5
sîst mir lieber dan mîn selbes lîp.
dest mîn reht: sî ist ein wîplîch wîp.

[ . . . ]
 
L i e d   L I I
(Bechstein II,292; Lachmann 563,1)

1
     Wol her alle, helfet singen
wîbes lop, daz ich ie gerne sanc.
tuot ir daz, iu mac gelingen,
swie mir noch nie wol an in gelanc.
5
doch geloubet daz ir twingen
biderben man ûf hôhen muot ie twanc.

2
Man sol frouwen wol gedenken:
swer daz tuot, daz ist ein guot gedanc;
unde in dienen sunder wenken:
des wirt wol gelônet sunder wanc.
5
niemen sols mit worten krenken:
wan ir lop kan nimmer werden kranc.

3
Man siht mich in hôhem muote:
durch ein wîp bin ich vil hôchgemuot.
diu vil reine süeze guote
ist envollen schœne und dar zuo guot.
5
ir guot wîplîch êren huote
hât ir lîp vor wandel wol behuot.

4
Wol ir kleinvelrôtem munde!
immer sælic sî ir süezer munt.
solde ich den in kurzer stunde
küssen hundert tûsent tûsent stunt,
5
swanne ichs in dem willen funde,
das wær mîner hôhen fröiden funt.

5
Tugende hân ich an ir funden
mêr dann ich ir ie an wîbe vant.
dâ von bin ich ir gebunden:
minne mich ir mit der stæte bant.
5
des ist trûren mir verswunden:
von ir grôzen güete mir daz swant.

[ . . . ]
 
L i e d   L I I I
(Bechstein II,295; Lachmann 565,25)

1
     Fliuch, fliuch, trûren, von uns verre
ûz dem lande balde.
hôher muot, dîn rehter herre,
der kumt mit gewalde.
5
junge und alde
hebt unhôhe swar du kêrest,
sît du niemen êrest.

2
Hôher muot der bringet êre
uns von wîbes güete.
erst gar aller tugende lêre:
got in uns behüete.
5
hôchgemüete
lêret frouwen dienen schône
nâch ir süezem lône.

3
Wil ein frouwe schœne belîben
gerne stæticlîchen,
diu sol sich mit güete rîben,
stæt vast under strîchen.
5
êren rîchen
muoz si von den varwen immer:
sie verderbent nimmer.

4
Wîp und froun in einer wæte
sol man gerne schouwen.
swâ ein frouwe .unwîplîch tæte,
wer möht der getrouwen?
5
werden frouwen
stât wol daz si güetlîch güeten
unde ir êren hüeten.

5
Guoten wîben wil ich immer
dienen sunder wenken
von dem muote kume ich nimmer.
wie möcht ich gedenken
5
sî ze krenken,
sît an in stât al mîn êre,
unde an niemen mêre.

6
Mîn lîp muoz von einem wîbe
hôher fröiden rîchen.
ir vil reinem süezen lîbe
kan ich niht gelîchen:
5
endelîchen
sîst diu beste in mînem muote,
und für wâr diu guote.

7
In des herzen grunde schône
blüet mir hôchgemüete:
daz gît mir ir lîp ze lône
mit ir süezen güete.
5
got behüete
mir ir lîp, ir schœne, ir êre.
sîst mîn fröiden lêre.

[ . . . ]
 
L i e d   L I V
(Bechstein II,295; Lachmann 571,7)

1
     Wizzet alle daz ich kan
guoten wîben in diu herze sehen.
swaz ir lîp hât kleider an,
dar durch kan ich alle ir tugende spehen.
5
hât      ein frouwe missetât
iender in ir herzen schrîn,
die tuont mir bekant diu ougen mîn.

2
Manger frouwen schœne siht,
der doch nimt ir güete kleine war.
der enbin ich einer niht:
ich kan alle ir tugende merken gar.
5
sol      den frouwen iemen wol
sprechen, daz sol tuon mîn munt:
wan mir sint ir güete wunder kunt.

3
Mir sint alle ir tugende gar
unde ir güete volleclîch bekant:
dâ von hân ich drîzic jâr
in ir dienste ritterlîch verswant.
5
hân      ich iender missetân
gein den guoten, dest mir leit:
des bin ich ze buoze in vil bereit.

4
Wie ich in ir herzen grunt
alle ir tugende sunder müge sehen,
daz wil ich iu machen kunt
sô daz ir der wârheit müezet jehen.
5
mit      gedanken ich ir sit
unde ir muot betrahte gar;
dâ mit ich ir heinlîch alle ervar.

5
Swaz ein frouwe tugende hât,
diu muoz ûz ir herzen grunde gân,
sam daz saf ûz wûrzen gât
in vil mange bluomen wol getân.
5
diu      wîpheit muoz sîn getriu:
dâ von êret frouwen lîp
daz swâ man si nennet wîplîch wîp.

6
Ich hân mîner frouwen lîp
unde ir herze funden wandels frî.
ich gesach nie wîplîch wîp
der sô hôhe tugende wæren bî.
5
in      ir herzen kan mîn sin
niht ervinden noch erspehen,
wan des man ir muoz für tugende jehen.

7
Dô ich êrst ir rede vernam
unde ich in ir reinez herze sach,
dâ vant ich zuht, wîplîch scham.
dâ von gihe ich noch des ich dô jach,
5
daz      mir wîp geviel nie baz.
sie ist kiusche, stæte, guot,
schœne, hôch geborn, wîplîch gemuot.

[ . . . ]

1804
Ich wil dar dienen mîniu jâr.
got gebe, daz ich kom schire dar,
hin dâ ir reinez hertze treit
kiusche, triwe, stæticheit,
5
guot gebærde und senfte site!
den wolde ich gerne wonen mite.
ich vinde ouch zuht und güete dâ
vil mêr dannị iender anderswâ.

1805
Und solde ich bî den tugenden sîn
gesinde, wer wær der lîp mîn?
er wær ôt freuden rîche,
den engeln vil gelîche:
5
sunder trûren wold ich leben.
wil mir diu guote hûs dâ geben,
sô bin ich aller der genôz,
die immer habent freude grôz.

1806
Mir tuot vil hertzenlîchen wol,
swennị ich die guoten sehen sol.
ir kleinvelsüeze redenter munt
tuot mir vil hôhe freude kunt.
5
ir spilender, liehter ougenschîn
tuou mir wol in dem hertzen mîn.
ich bin si an ze sehen vrô.
ich sange ir liet, diu sprechent sô:
 
L i e d   L V
(Bechstein II,305; Lachmann 576,5)

1
     Wol mich, wol mich, wol mich des daz ich hân funden
ûf der erde ein himelrîch.
dâ von ist mir al mîn trûren gar verswunden.
nie niht wart sô wunneclîch.
5
da ist genâden alsô vil,
daz ich dar mit dienest immer werben wil.

2
Mîner frouwen tugentrîchez herze ich meine.
daz ist sô gar wandels frî
und für wâr sô rehte lûterlîche reine,
daz im wont wan tugende bî.
5
sælden hort dar inne lit:
dâ ist inne manger fröiden hôchgezît.

3
Wîplîch zuht und wîplîch güete sint dar inne,
kiusche, triuwe, stætikeit,
dar zuo wol gemuotes werdes wîbes sinne.
an daz herze hât geleit
5
got sô minneclîchen lîp,
daz man sî von wârheit nennet wîplîch wîp.

4
Jâ muoz immer mich von sçhulden wol belangen
in daz reine himelrîch,
sît daz selbe süeze himelrîch bevangen
hât ein lîp sô minneclîch,
5
der nie wandelmeil gewan.
er ist kiusche, schœne, guot, lieplîch getân.

5
Nie niht wart sô lieplîch schœne in mînen ougen
alse ir minneclîcher lîp.
sîst mir in dem herzen immer sunder lougen
lieber vil denn elliu wîp.
5
sî mac mir gelônen wol:
dâ von diene ich ir mit triuwen alse ich sol.

6
Sîst des herzen und des lîbes mîn gewaltec,
dar zuo alles des ich hân.
sost mîn triuwe gein ir alsô manicvaltec,
daz ich ir baz guotes gan
5
dan mir selben: dest alsô.
mich tuot ir güetlîch gebærde ofte frô.

7
Schouwet wie der hûse an der Tuonouwe grunde
lebt des trôres süeze gar.
alsô lebte ich wol des luftes von ir munde
endelîchen mîniu jâr.
5
an ir stât mîn fröiden leben:
des hât sî mir mit ir güete wunder geben.

1807
Diu liet mit lobe vil hôhe stigen;
dar nâch von mir vil wart genigen
der hertzenlieben vrowen mîn,
der ich wil immer diende sîn.
5
ir ist mîn dienest stæte bî.
des hân ich reht: si ịst wandels vrî,
ir lîp begie nie missetât:
dâ von ir lop vil hôhe stât.

1808
Soldẹ ich ir kleinvelrôten munt
küssen hundert tûsent stunt,
daz wær gar mîner freuden hort:
ich wolt dar in vil süeziu wort
5
küssen nâch dem willen mîn.
ich wil dar nâch ir diende sîn,
daz sîs mit willen gunne mir:
dar umbe wil ich vil dienen ir.

1809
Ir munt hât rôsenvarben schîn:
er mac wol innen süeze sin.
dar ûz gât vil manịc süeze wort:
dâ ligt ouch inne der freuden hort.
5
soldẹ ich des dar ûz küssen vil,
daz wær gar mînes hertzen spil
und tæt mir verre baz danne wol;
dar umbe ich gerne ir dienen sol.

1810
Küssen ist ein süezez dinc,
ez ịst hôher freuden ein ursprinc:
dâ reitzet minne mit ir spil,
sô si ir friunden lônen wil.
5
von friunden küssen sanfte tuot:
man wirt dâ von vil hôchgemuot.
liep sîn liep vil küssen sol:
ez tuot in hertzen grunde wol.

1811
Küssen hât sô grôzze kraft,
daz man dâ mit süenet vîentschaft.
küssen ist ein süezer sit:
sîn woltuon gât in ieslîch lit.
5
ez tet für wâr nie niht sô wol
wan einez, daz man niht ensol
nennen: daz tuot verre baz.
ich nennẹ sîn niht: ir wizzẹt wol waz.

1812
Daz selbe süeze minnespil
hât süezes woltuons alsô vil,
daz sich im niht gelîchen kan.
des müezẹn mir jehen wîp unde man.
5
sîn woltuon sô vil süeze hât,
daz ez vor allen dingen gât
mit der wolheit: daz ist alsô:
ez tuot vil manic hertze vrô.

1813
Der rede wil ich hie gedagen
und wil iu von mir selben sagen:
daz minnegernde hertze mîn
wolt zẹ allen zîten gerne sîn
5
bî miner vrowen naht unde tac:
vor gir ez niht geruowen mac,
ez gert als ein vederspil,
mit gir hât ez unmuoze vil.

1814
Und wirt ez sîner gir gewert,
sô hât ez sæliclîch gegert:
belîbet ez aber ungewert,
sô hât ez schedelîch gegert.
5
sîn girde und ouch diu girde min
die müezen beidiu sælic sîn,
ob uns diu sælde beidiu wert,
des unser wille mit triwen gert.

1815
Sîn gir ist hintze der guoten grôz
mit hôhen sprungen manigen stôz
an di brust ez stœzet mir:
vil gern ez wold sîn bî ir.
5
ez wærẹ gern in ir hertzen grunt:
daz tuot ez mir vil ofte kunt.
in dem vil süezen himelrîch
wær ez vil gern stæteclîch.

1816
Als ez ersiht ir rôten munt,
vor freuden an der selben stunt
woldẹ ez sâ ûz dem lîbe mîn
springen zuo der vrowen sîn:
5
zuo ir ist aller sîn gelust.
vil manigen stôz an mîne brust
stôzẹt ez mit hôhen sprüngen mir:
vil gerne ez wolde sîn bî ir.

1817
Von disen dingen lît ich nôt.
minnen bleich und minne rôt,
der beider varbe man mich siht.
mîn hertze lât mich ruowen niht,
5
und ist doch hôchgemuot min lîp
durch daz vil reine, süeze wîp,
diu mir ie hôchgemüete riet.
der sanc ze dienst ich disiu liet:
 
L i e d   L V I
(Bechstein II,309; Lachmann 580,15)

1
     Wîchet umbe, lât der guoten
nîgen mich, diu tugende hât.
der vil reiniclîch gemuoten
lîp begie nie missetât.
5
sîst ein wîp gar wandels frî:
dâ von ist si mir vil lieber danne iht sî.

2
Zuo dem reinen süezen wîbe
wær daz sende herze mîn
ofte gerne ûz mînem lîbe:
bî der guoten wolde ez sîn.
5
ez vert gein ir spilnde sô
sam ez hin zer süezen welle springen hô.

3
Sô diu guote mich an lachet,
sô siht man mich minnevar.
sâ mîn herze sich ûf machet
und wil zuo ir springen dar.
5
durch die brust ist al sîn gir
von der grôzen herzenliebe gegen ir.

4
Solde ich der vil minneclîchen
ein wort küssen in den munt,
sô sæh man mich fröiden rîchen
hiute und immer zaller stunt.
5
ich wolt ez sô küssen dar,
daz si von dem kusse würde minnevar.

5
Ich wold ûz ir rôten munde
küssen daz mir tæte wol
immer in des herzen grunde.
ir munt lît der süeze vol,
5
diu für trûren fröide gît:
wizzet daz der in ir munde wunder lît.

6
Küssen ist der Minnen rôse,
dâ si reitzet wunne mit,
sô si mit der liebe lôse
ist nâch ir vil süezem sit.
5
sô getet nie niht sô wol,
wan daz eine des man nennen niht ensol.

7
Gerne ich von dem selben spræche,
waz ez wunne und fröide gît.
obe ich mîne zuht niht bræche,
ich nantz fröiden hôchgezît
5
und der minnen lôn alsô,
daz vil manic reinez herze machet frô.

1818
Nâch disen lieden wart ich dô
von wünschen hertzenlîchen vrô.
ich wart wol innẹ, daz wünschen tuot
vil wol: wan ez gît hôhen muot.
5
ein man vil gerne wünschen sol:
ez tuot in hertzen grunde wol.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
 
L i e d   L V I I
(Bechstein II,311; Lachmann 582,4)

1
     Mîn muot der muoz stîgen immer
dâ von daz mir wünschen tuot sô wol.
des wil ich getrûren nimmer.
mich tuot wünschen ofte fröiden vol.
5
dâ von wil ich gerne wünschen vil:
wan ich hân von süezen wunschen
      ofte wunne bernder fröide spil.

2
Min lîp der lac niulîch eine
unde wunschte nâch der frouwen mîn,
daz si, diu vil süeze reine,
mit ir willen solde bî mir sîn.
5
von dem wunsche ein wunder mir geschach,
daz ich die vil minneclîchen
      mit des herzen ougen bî mir sach.

3
Dô ich sî mit wünschen brâhte
zuo mir alsô nâhen, ich wart frô.
al zehant mîn lîp gedâhtê
mit ir fröiden vil, sus unde sô.
5
mir wart für wâr nie mêr alsô wol,
als mir dâ was mit der süezen,
      dâ von ich vil gerne wünschen sol.

4
Zuo uns kam diu werde Minne
unde slôz uns beide vaste in ein.
ich und sî, wir wurden inne
wol wie minne flihtet arme und bein,
5
und wie sî gemachet daz ein wîp
unde ein man von herzenlîcher
      liebe werdent niht niuwan ein lîp.

5
Swâ diu minne zeinem lîbe
machet einen man und ein guot wîp,
wol dem manne, wol dem wîbe!
daz muoz sîn ein minne süezer lîp,
5
unde ein lîp der mange wunne hât.
ez ist gar ein himelrîche,
      dâ ein liep mit liebe umbe gât.

6
Ich bin alsô minne wîse
unde ist mir sô rehte liep ein wîp,
daz ich in dem paradîse
niht sô gerne wisse mînen lîp,
5
als dâ ich der guoten solde sehen
in ir ougen minneclîchen.
      dâ möht lieplîch wunder mir geschehen.

7
Siht ein wîp in mannes ougen
daz si des erlât ir minne niht,
unde er ir hin wider tougen
in ir liehten spilndiu ougen siht,
5
dâ muoz von der liebe mêr geschehen,
güetlîch triuten unde küssen,
      dannoch vil des ich niht tar gejehen.
 
L i e d   L V I I I
(Bechstein II,313; Lachmann 584,1)

1
     Ich bin her bî mînen stunden
ofte worden minne wunt.
dâ für hân ich helfe funden:
des siht man mich wol gesunt.
5
swaz diu minne mir mit twingen tuot,
dâ für hân ich arzenîe, diu ist guot.

2
Sô diu minne mir verwundet
mit ir strâl daz herze mîn,
daz hât schiere mir gesundet
mîner frouwen liehter schîn.
5
swenne ich sihe ir liehte varwe klâr,
sô sint mir geheilet mîne wunden gar.

3
Ich salb mit vil süezer salben
mîne wunden hie und dort
in dem herzen allenthalben.
diu salb ist manc süezez wort;
5
diu ûz mîner frouwen munde gânt;
dâ von mînes herzen wunden ende hânt.

4
Alse ich salben wil diu ougen
herze sinne und den lîp,
sô gên ich al sunder lougen
und sih an daz werde wîp.
5
dâ von wirt mîn lîp sâ fröiden junc
und muoz mir daz herze springen mangen sprunc.

5
Uz ir kleinvelrôtem munde
süeze süeze suoze gât:
die nimt sî in herzen grunde,
der si dâ grôz wunder hât.
5
sî ist schœne reine güetlîch guot:
ez ist lieplîch süeze guot, swaz si mir tuot.

6
Ich wold daz ir liehten ougen
in mîn herze möhten sehen.
dâ sæh sî der liebe tougen,
sô daz sî des müeste jehen
5
daz si mir ist liep für elliu wîp
und für wâr vil lieber dan mîn selbes lîp.

7
Got weiz wol, mir ist. ir êre
lieber dan diu êre mîn:
ir lîp ist mîn êren lêre,
ich wil ir ze dienste sîn
5
sunder wenken al die wîle ich lebe.
sîst mîn trôst für trûren und mîn fröiden gebe.

1819
Ich wil iu vrowen râten daz,
daz ir iuch nû behüetet baz
dannẹ ê vor mannen: des ist iu nôt.
ir zuht ist leider vil nâch tôt:
5
si habent fuoge sich bewegen
und wellent kleiner stæte pflegen.
ich râte iu: frâgen unde sehen,
mit zühten merken unde spehen!

1820
Wem ir vil reinen, suezen wîp
welt ze freuden iwern lîp
ze stæter liebe wellent geben
und wem ir welt ze willen leben,
5
daz sult ir gar bedenken ê,
ê daz die afterriwe ergê.
ist iu ze gæher liebe gâch,
dâ kumt diu afterriwe nâch.

1821
Ir sult bedenkẹn, daz manic man
diu wîp vil wol betriegen kan
und wil daz haben für ein kunst,
diu kunst gît unstæte gunst.
5
swelch man betriuget wîbes lîp,
den hazzent elliu guotiu wîp.
daz ist reht, wan er gegen in
treit in hertzen valschen sin.

1822
Swelch wîp hât sin, diu volget mir,
daz sî lât sîn ir gæhe gir.
diu wîp süln gâhes niht gewern
und süln lân sîn ir gæhez gern.
5
gæhes dar und gâhes dan
daz êret weder wîp noch man.
nu wizzet, daz unstæter muot
ist weder wîbẹ noch manne guot.

1823
Ich hân iu nû genuoc geseit
von valscher manne unstæticheit.
sagẹt ich sîn mêr, daz wær in zorn.
ich hân ir hulde doch oft verlorn.
5
dêswâr des mac wol werden rât,
hân ich ir hulde, an den gar stât,
des mir ze freuden gert der lîp:
daz sint diu reinen, süezen wîp.

1824
Ich wil iu tuon fünf dinc bekant,
swaz herren lebt übẹr elliu lant,
daz sî für wâr habẹnt anders niht,
swie rîchẹ man doch ir manigen siht,
5
daz in von rehte sanfte tuo
oder daz gẹlîche sich dar zuo.
niht anders man gewinnen kan,
daz von rehtẹ tuo wol dem man.

1825
Daz einẹ sint diu vil reinen wîp:
die gẹfreunt von rehte des mannes lîp;
daz ander muoz guot lîpnar sîn:
ich nim daz ûf di triwe mîn;
5
schœniu ross und guot gewant:
diu tuont ouch freuden vil bekant;
schœn gezimir tuot ouch wol:
dar inne der man freudẹ haben sol.

1826
Swer diu dinc elliu fümfiu hât,
des muot von schulden hôhe stât:
er ist für wâr ein rîcher man.
ob er si rehte genützen kan,
5
sô wirt er ofte freuden rîch.
ich sage iu für wâr endelîch,
daz er wirt nimmer rîcher man,
der sîn guot niht gebiderben kan.

1827
Noch weiz ich vier dinc, daz ist wâr,
dar nâch die liute allẹ werbent gar.
swelch wîser man ir einez wil
erwerben, der mac des wol vil
5
gewinnen: wizzet, das nie man
si elliu vieriu gar gewan.
si mugen zuo einander niht:
des ist daz werben drumbe enwiht.

1828
Er wær ein sælden rîcher man,
der disiu vieriu möhte hân:
des kan ôt leider niht geschehen,
als ich di wîsen hœre jehen.
5
ietwederz dem andern schaden tuot:
dâ von ist ez ein tumber muot,
der sị elliu vieriu wænet haben:
dem ist sîn hôher sin begraben.

1829
Daz eine ist: swer des hulde hât,
in des gewalt ez allez stât,
daz ie wart oder immer wirt.
wê im, der sîner hulde enbirt!
5
der ist êwiclîch verlorn:
jâ wær er bezzer ungeborn.
im wirt dort wê und nimmer wol:
dâ vor man sich behüeten sol.

1830
Daz ander ist diu êre hie,
dâ man ê vastẹ mit umbe gie;
daz dritte gemach, daz vierde guot.
nâch disen vieren al der muot
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stât, di iender lebendic sint,
si sîn alt oder sî sîn kint.
si werbẹnt dar nâch naht unde tac,
swie sî doch niemen gẹwinnen mac.

1831
Man vindet manigen sô gemuot,
daz er gemach, êrẹ unde guot
vil gar durch gotes hulde lât;
der selbe ist, der daz wægestẹ hât
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im ûz erwelt und ûz erkorn.
sîn lîp ist sæliclîch geborn
und ist an witzen gar volkomen,
sît er daz wægẹst im hât genomen.

1832
Vil maniger gotes hulde ouch lât
dar umbe, daz er hie êre hât:
dar umbe verswendet er sîn guot,
gemach er im vil selten tuot:
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in sorgen altet im der lîp.
und lobent in man und lobent in wîp,
dêswâr daz kumt in tiwer an,
wan ez mit leidẹ muoz ende hân.

1833
Vil maniger solher witze ouch pfliget,
daz er sich gotes hulde bewiget,
ern ahtet ouch ûf êre niht,
gemach in dunket ouch enwiht;
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sîn hertzẹ daz ist alsô gemuot:
er hât liep für diu driu daz guot
und machẹt des ie mêr und mê,
dem ist hie wê und immer wê.

1834
Die vierden,die ịch iu nennen wil,
der vindet man ouch leider vil.
die sint alsô diu swîn gemuot,
die gotes hulde, êrẹ unde guot
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lâzent niht wan durch gemach,
ach owê und immer ach!
pfy, wie swendet er die zît,
der durch gemach als ein swîn lît!

1835
Daz fünft hat uns unsælde gegeben:
daz heizzet daz versûmte leben.
der sî wil elliu vieriu hân,
der muoz si elliu vieriu lân,
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er sûmt sich hie und sûmt sich dort,
ern hât die mitte, ern hât daz ort.
er trüege im selben billîch haz,
sît er hât weder ditz noch daz.