B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Heinrich von Mügeln
um 1320 - nach 1371
     
   


D i e   G ö t t i n g e r   S p r u c h s a m m l u n g
X V I .   B u c h .


Kritischer Text aus:
Die kleineren Dichtungen Heinrichs von Mügeln.
Erste Abteilung: Die Spruchsammlung des Göttinger Cod. Philos. 21,
hrsg. v. Karl Stackmann, 3 Teilbände, Berlin 1959
(Deutsche Texte des Mittelalters 50 - 52), 2. Teilband, S. 488


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[Vorrede im Göttinger Cod. philos. 21:]

Hie wil der meister leren, wie  a l l e  vorrede
gegen dem Meyen, gegen dem Somer, gegen
dem wintter setzen vnd blumen sal, wer von
der mynne tichtet.

[ . . . ]

402
Ein frouwe sprach: 'min falk ist mir entflogen
     so wit in fremde lant.
des ich fürcht, den ich lange han gezogen,
     den feßt ein fremde hant.

5
ich han der truwe fessel       im gar zu lang gelan.
des brut die afterruwe sam ein nessel       min herze sunder wan.


403
Ich hoffe doch, das er mir kumet wider,
     wie er nu sweimet wit.
wann er verlüst die schell und das gefider
     bricht und die winterzit

5
im drouwet und die beiße       vergat und rist der hag,
so swinget er dann wider in sinen weiße,       wann er nicht fürbaß mag.


404
Ach, hett ich einen blafuß für den falken:
     ab er nicht wer so risch,
doch blib er stan uf mines herzen balken.
     was hilfet mich der fisch,

5
der in des meres grüfte       wart alles angels fri?
mich stüret klein der vogel in der lüfte,       wie edel das er si.'

[ . . . ]