B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Heinrich Wittenwiler
vor 1387 - nach 1410
     
   



 D e r    R i n g

 Z w e i t e r   T e i l
 D i e   H o c h z e i t   v o n
 B e r t s c h i   u n d   M ä t z l i


_________________________________________

 
 
 | Des ward Bertschi fröden vol;
 | Es geviel im alles wol
2625
 | Und sprach: "Ich wil und muoss sei haben,
 | Hietz mîr all mein freunt erschlagen.
 | Wie ich mag, sei muoss mîr werden,
 | Scholt ein gantzes land verderben."
 | Des nam er seinen freund dar zuo:
2630
 | Engelmaren Farindkuo
 | Und seinen vetter Gumpost,
 | Herman den Rüerenmost,
 | Niggeln Fesaföggelin,
 | Jänseln Snellagödellin,
2635
 | Hafenschleken, Nagenfleken,
 | Schlinddenspek und Ofensteken
 | Und den alten Colman
 | (Den scholt ich vor genennet han),
 | Nabelraibern mit dem stil
2640
 | Und andrer erbrer leuten vil;
 | Er rüeffet seinen muomen,
 | Jützin Scheissindpluomen
 | Und Elsbethen Völlipruoch,
 | Engeldrauden Erenfluoch,
2645
 | Snatereinen, Töreleinen,
 | Juncfrawn Feinen nit der seinen
 | Und die alten Laichdenman
 | Mit dem blöden reffzan,
 | Die sich daucht so witzich sein.
2650
 | Die chamend all zuo im hin ein;
 | Seu wurden alleu umb in sten
 | Und fragen, wes er wolt begen:
 | Daz scholt er freileich in verjehen;
 | Bertschi sprach: "Daz sei geschehen!"
2655
 | Sein parlament so huob er an:
 | "Hört, îr frawen und auch man!
 | Lieben freunt, vernempt mich eben
 | Und geruocht mir rat ze geben!
 | Ich mag nicht lenger sein an weib,
2660
 | Scholtz mich chosten meinen leib.
 | Ich han mir eineu ausderkorn,
 | Die mir ze sälden ist geporn.
 | Ich muoss sei han, es tuot mir not:
 | Anders ich würd ligen tot.
2665
 | Daz ist ein dink, daz ich euch bitt,
 | Und trauw, îr sait mîr treuleich mit
 | An rat und auch an hilf dar zuo."
 ! Des antwürt im do Farindkuo,
 ! Der sein nächster öhaim was:
2670
 ! "Ich chan dir nicht geraten bas:
 ! Tuo ein dink, daz wesen muoss,
 ! Und aht nicht umb einr hennen fuoss,
 ! Was man sing und was man sag!
 ! Des hilf ich dir, so vil ich mag.
2675
 ! Des wunders mich joch gar bevilt,
 ! Daz du von uns nu haben wilt
 ! Rat umb sach nach deiner sag,
 ! Die anders nit gewesen mag."
 ! Hin wider sprach do Triefnas:
2680
 ! "Wetter zieggel! Was ist das?
 ! Wer chan iedem man gevallen
 ! In ernst, in schimph und auch in schallen?
 ! Nie chain dinch daz ward so schlecht,
 ! Guoter rat der chäm im reht.
2685
 ! Dar umb, Gumpost witzen vol,
 ! Rat mir, wie ich varen schol!"
 ! Gumpost der huob an und sait:
 ! "Ich brüef, daz in der cristenhait
 ! Dreu ding man vindet guot von art,
2690
 ! Zuo den nie guot ze raten wart
 ! Durch der grossen flüechen wegen,
 ! Die man geit den rategeben:
 ! Daz ist, zuo einem münch ze werden,
 ! Weit ze farn auf diser erden
2695
 ! Und auch zuo der hailigen e.
 ! Also sag ich dir nicht me."
 ! "Woi, was wunders! Was ist das?"
 ! Sprach do Bertschi Triefnas.
 ! "Wie mag iemer misselingen
2700
 ! Weisem rat zuo guoten dingen?
 ! Nu dar, mein lieber Rüerenmost,
 ! Gib mir warm in disem frost,
 ! Mach mir chüel in diser hitz
 ! Mit deinem rat von chluoger witz!"
2705
 ! Rüerenmost der sprach aldo:
 ! "Dein dink daz ist gestalt also,
 ! Daz du jo reuwich muost beleiben,
 ! Welhen weg du dich wilt scheiben.
 ! Nimpst ein weib, ditz wesen muoss,
2710
 ! Daz dir wirt sorgen niemer buoss;
 ! Arbait get dîr selten ab.
 ! Merk vil eben, was ich sag!
 ! Hast du danne weibes nicht,
 ! Chain sälde deinem leib geschicht;
2715
 ! So wilt dein aigen pluot verderben,
 ! Ein frömder gast der wirt dich erben."
 ! Do daz nu Bertschi so vernam,
 ! Vor laid er von im selber cham;
 ! Er sprach: "Nu we mir heut den tod:
2720
 ! Umb und umb ist angst und not!
 ! Fesafögili, sag an:
 ! Was tät noch ein cristen man?"
 ! Des huob der guot man an und sprach:
 ! "Wîr hörrend, daz in disem bach
2725
 ! Ieder furt ist bös ze reiten;
 ! Dar umb so lassen wir die seiten,
 ! Die die böser ist genant,
 ! Und kerin zuo der bessern hand!
 ! Daz ist, du scholt also beliben,
2730
 ! An ein weib die zeit vertriben!"
 ! Scheissindpluomen ditz vernam;
 ! Wie schier sei huob îr chläffen an,
 ! Des auch nicht zfersweigen was!
 ! Sei sprach: "Her Niggel, wisset das!
2735
 ! Ein weiser man der chan her zellen
 ! Alleu stuk und dar aus wellen,
 ! Was daz besser wesen schol,
 ! Dar inn man spürt sein witze wol.
 ! Daz böser habt ir aus gelesen;
2740
 ! Des müest îr unser narr wesen.
 ! Ist nicht wäger, daz ein man
 ! Hab ein frawen wol getan,
 ! Die sein phlege nacht und tag
 ! Mit flisse, so sei beste mag,
2745
 ! Dann daz er also beleib,
 ! Arm und ellend, an ein weib?
 ! Was sorgen wil er danne haben,
 ! Der sich würkent mag betragen,
 ! Daz im gesund ist an dem leben,
2750
 ! Wil er guoter sinnen phlegen?"
 ! Snellagödili vil drat
 ! Sprach: "Ditz dink wil haben rat
 ! Und bedarff noch witzen vil;
 ! Es ist nicht ein chindenspil.
2755
 ! Wiss, das besser ist ze sterben
 ! Dann ein böses weib erwerben,
 ! Die dich sirtet durch daz jar
 ! Taugenleich und offenbar
 ! Mit schelten und mit fluochen,
2760
 ! Mit straffen und versuochen!
 ! Nieman mag vor îr genesen:
 ! Pist du aus dem haus gewesen,
 ! So snarcheltz her in irem zorn
 ! Und spricht: «Du hast dein trew verlorn
2765
 ! Gen mir; des muost du liden!
 ! Du gest zuo andern wiben.»
 ! Stest du aver in dem haus,
 ! So sprichtz: «Die nunn kümpt niemer aus;
 ! Mich duncht, es sei ein stubenritter.
2770
 ! Er stinkt so saur, er feist so bitter
 ! In der äschen bi dem feur,
 ! Daz mir alleu fröd ist teur.»
 ! Emphilhst du ir das haus mit sampt,
 ! So wil sei herschen in dem ampt;
2775
 ! Wilt du dir ein tail behalten,
 ! So sprichtz: «Sein müess der tiefel walten!
 ! Getar er mir getruwen nicht,
 ! Ich stift im gift, dem bosen wicht.»
 ! Setzt sei dir dann hürner an,
2780
 ! So muost du tuon reht sam ein man,
 ! Der sein laster schol verswigen,
 ! Und sam ein wolf gefangen liden."
 ! Dar zuo sprach fro Follipruoch:
 ! "Mich zimpt, du seist der weiben fluoch.
2785
 ! Waist nicht, daz in aller hal
2785
 ! Waist nicht, daz in aller hab
 ! Guot und bös man vinden mag?
 ! Dar umb spricht ein wiser man:
 ! «Suoch ein weib nicht verr hin dan!
 ! Wilt du aver einen herren,
2790
 ! Sich, den vinde dir von verren,
 ! Von dem dich mügest brechen wol,
 ! Halt er dich nicht, sam er schol!»
 ! Hie pei macht du merken gar,
 ! Wie ein man im reht dervar
2795
 ! Ein weib geschikt von guoter art,
 ! Vor der kain dink nie besser ward;
 ! Wenn beleibst du in dem haus,
 ! Sei ist dein phleg, sei wart dîr aus;
 ! Verst du aus, sei ist dein segen,
2800
 ! Gest du ein, sei kümpt hin gegen
 ! Mit îrem minnechleichen gruoss:
 ! Er tuot dir alles leides buoss;
 ! So hatz mit trewen schon behuot
 ! Haus und er und ander guot."
2805
 ! Havenschlek mocht ditz nit leiden;
 ! Er sprach: "Waz schol ich fürbas sweigen?
 ! Siha wunder, was die chlaft!
 ! Si wil uns leren kauffmanschaft
 ! Zuo weiben, dar an ieder man
2810
 ! Betrogen wirt, wie vil er chan.
 ! Man versuochet älleu dinch,
 ! E daz man den chauff volprinch,
 ! Dann allain die faigen frawen,
 ! Die sich so selten lassen schauwen
2815
 ! Aigenchleichen vor der e.
 ! Daz pringt vil mangem jamers we,
 ! Der im da lernet gar ze spat
 ! Die tädel, die sein weibe hat."
 ! Erenfluoch der ward so gach
2820
 ! Ze reden, daz sei sich vil nach
 ! Besaichet hiet ze stunde;
 ! Seu ruoft aus îrem schlunde:
 ! "Her Hafenschlek, îr seitz ein chnecht,
 ! Der wider got und widers recht
2825
 ! Wüesten wil die hailigen e:
 ! Daz müet mich ser und tuot mir we.
 ! Sagt mîr, wo habt îrs gelesen,
 ! Daz iecleich weib schol übel wesen?
 ! Habt îr noch nicht daz gesehen,
2830
 ! Daz man iedem wol schol jehen,
 ! All die wil er nicht enist
 ! Bewärt ein mensch mit böser list?"
 ! Dis verhörret Nagenflek;
 ! Er schre: "Sim, siha, durch ein zwek!
2835
 ! Die hat gelernt nach irm versehen
 ! Der siben chünste vierzehen.
 ! Noch waiss sei wenich, daz die schrift
 ! Für wars von allen frawen spricht:
 ! «Von natur ist iecleich weib
2840
 ! Unkeusch gar an irem leib.»"
 ! Snattereina ditz verredt;
 ! Sei sprach: "Und ist es noch nicht wett,
 ! So hörr noch eins: daz sag ich dir!
 ! Wer nach seines hertzen gir
2845
 ! Leben wil, der tuot nicht recht,
 ! Es sei ritter oder knecht;
 ! Dar umb so hat uns got gegeben
 ! Beschaidenhait, nach der wir leben
 ! Gmainchleich und nit sam die hund,
2850
 ! Den kain er ist worden chunt."
 ! Schlinddenspek sich macht her für;
 ! Er sprach: "Hi jo! was ich noch spür
 ! Müe und zerung pei der e:
 ! Gnuog und vil und dannoht me!
2855
 ! Haben muost du so zehant
 ! Gelt und reiches pettgewant,
 ! Frawenclainet, hausgeschier,
 ! Claider vil für ander vier,
 ! Wein und brot und flaisch und visch
2860
 ! Und anders, daz gehört zum tisch,
 ! Haus und hof und knecht und vich,
 ! Aker, wisen: Bertschi, sich,
 ! Merk und hör, waz ghei dir wirt,
 ! Daz uns armen leute sirt!"
2865
 ! Töreleina sprach: "Sim so?
 ! Mich dunkt, du seist gemacht us stro:
 ! Also get dîr von dem mund
 ! Torenred ze diser stund.
 ! Du sprichst: «Wil er ein frawen haben,
2870
 ! So muoss er gelt im päutel tragen,
 ! Dar zuo gewand und ander ding.»
 ! Hörr ein anders, daz ich sing!
 ! Sag mîr, wie tet Adam,
 ! Der dhain phenning nie gewan
2875
 ! Und lebt neun hundert jar und me
 ! Mit eren in der alten e?
 ! War zuo ist daz bette guot?
 ! Sichst nit, wie ein Unger tuot,
 ! Der nie kain vedergwand gesach
2880
 ! Und schaft im dannocht guot gemach?
 ! Wilt du haben ander gwand,
 ! Sich ein weib von Spangenland,
 ! Die kain andreu chlaider hat:
 ! Ein leinlachen ist ir wat,
2885
 ! Gestrichet ob der achseln zuo;
 ! Da mit so hüetet sei der kuo
 ! Und get zuo fuoss, wie schon sei spint,
 ! Und trait ein wiegen mit eim kint.
 ! Frawenchlainet, was ist daz?
2890
 ! Daz ist îr tugend, die vil bass
 ! Zieren scholt ein iecleich weib
 ! Dan mit perlen chrönter leib.
 ! Hausgeschier daz ist wol guot:
 ! So tuo, sam oft ein söldner tuot,
2895
 ! Der im umb einen schilling vint
 ! Küchingrät zuo seim gesint!
 ! Mag er dan nicht wein gehaben,
 ! So schol er sich mit wasser laben
 ! Sam ein man von Preussenland,
2900
 ! Dem chain weinreb ist derkant!
 ! Wem ist dann des flaisches not?
 ! Ein prediger hat wängel rot,
 ! Dar zuo faissü angesicht
 ! Und isst doch kains ochsen nicht.
2905
 ! Du retst umb visch? Du bist nicht weis.
 ! Wiss, es ist ein herren speis!
 ! Der wein und pfeffer nicht enhab,
 ! Der tuo sich aller vischen ab!
 ! Haus und hoff daz ist ein er;
2910
 ! Hörr, wie tuot ein Lamparter,
 ! Der in eins andern herberch stet
 ! Und sich noch dreistund bas beget
 ! Mit seinem gelte fruo und spat,
 ! Dan der daz haus geschaffet hat?
2915
 ! So sprichst du: «Wo ist knecht und dîrn?»
 ! Mich dunkt, du seist ein tobigs hîrn.
 ! Wer nicht haben mag en knecht,
 ! Der dien im selber: daz ist recht!
 ! Nu muoss oft einr eim andern dienen
2920
 ! Und im in seinen drüssel gienen.
 ! Vich ist nütz nach deiner sag:
 ! Ja, äss es weder nacht noch tag,
 ! Geschäch im von kaim schalmen laid
 ! Noch von wolfen auf der haid.
2925
 ! Aker, wisen wärind guot,
 ! Bhielt seu got vorm schaur behuot
 ! Und vor frömder sichel gar,
 ! Vor mäusen und vor vogel schar.
 ! Protz des ist uns allen not:
2930
 ! Gelobt sei er, der uns es bot!
 ! Doch bedarff man sein nicht vil,
 ! Der nach der masse leben wil.
 ! Nach der weisen lerer sag
 ! Kainem man gebresten mag,
2935
 ! Der sich benüegt, die weil er wert,
 ! Des da die sein nataur begert."
 ! Ofenstek da wider sprach:
 ! "Jamer, not und ungemach
 ! Ist noch an den weiben vil,
2940
 ! Sam ich euchs beschaiden wil.
 ! Ist sei schön und junger tagen,
 ! Kain guot du macht von îr gehaben.
 ! Du pist versmacht, so kans auch niht;
 ! So ist es swär nach meinr versicht,
2945
 ! Ein dinch ze halten sunderbar,
 ! Nach dem man stellet durch daz jar.
 ! Ist sei alt und ungeschaffen,
 ! So mag sei anders nicht dan klaffen.
 ! Du pist versaumpt, sei fröwt dich nicht;
2950
 ! So ist auch hart, sam man da spricht,
 ! Ewekleich ein dinch ze halten,
 ! Des da niemant wil gewalten.
 ! Hat sei dann der freunden vil,
 ! So traist du sorg zuo allem spil,
2955
 ! Ob îr einer richt ein schand
 ! Und pring dich sampt mit im vom land.
 ! Die armen nagend dich aufs pain,
 ! Die reichen ahtend dein vil klain.
 ! Wilt du leben ungeschlagen,
2960
 ! So muost sei für ein frawen haben.
 ! Ist sei ungefreund und arm,
 ! So hast du wirser nie gevarn.
 ! Wie oft man dirs ind augen schlecht:
 ! «Du hast dich gnidert und geswecht:
2965
 ! Du bist ze einem bettler worden,
 ! Mit weib und kindern gar verdorben!»"
 ! Junchfraw Fina sprach zehant:
 ! "Iederman der sait sein tant:
 ! So wil ich auch den meinen an
2970
 ! Heven, so ich beste kan.
 ! Ofenstech, noch pist ein gpaur.
 ! Waz sait der maister von nataur?
 ! Spricht er nicht, daz seubreu gstalt
 ! Rains gemüet in îr behalt?
2975
 ! Dar umb schol kain weiser man
 ! Schönes weib für übel han!
 ! Ist sei jung und chan nicht vil,
 ! Dar zuo ich dir sagen wil,
 ! Daz sei noch gelernet wol,
2980
 ! Was ein hausfraw kunnen schol;
 ! Sei lat sich piegen und auch smiegen
 ! Sam ein kindel in der wiegen.
 ! Muost du dann ein alteu haben,
 ! Daz scholt du dannocht wol verklagen.
2985
 ! Sei ist dein amm und peut dirs wol,
 ! Sei tuot dir alles, das sei schol.
 ! Mag sei dann nit kinder tragen,
 ! So scholt sei für ein muoter haben.
 ! Ist sei dann nicht hübsch, daz sei!
2990
 ! So scheint sei dester bas da pei.
 ! Wie schon ich das bewären mag
 ! Nach der chluogen logich sag!
 ! Ie ungestalter ist ein weib,
 ! Ie mer sei zieret iren leib
2995
 ! Mit bstreichen und auf machen,
 ! Mit gwand und andern sachen;
 ! Ie mer sei dann gezieret ist,
 ! Ie schöner scheint sei ze der frist."
 ! "Warta, warta, durch ein schaiss!
3000
 ! Was sei der sophistrei waiss!"
 ! Sprach do Ofenstech vil drat.
 ! "Der tiefel dichs geleret hat.
 ! Nu dar, daz sei des tages guot:
 ! So sag, wie er des nachtes tuot,
3005
 ! Wann sei so nakent pei im leit,
 ! Ungetan recht sam ein scheit!"
 ! Des antwurt sei im so ze stet:
 ! "Kain liecht so lass er pei dem pett!
 ! Des mag er auch geraten wol
3010
 ! Ze ligen, da man schlaffen schol.
 ! Ist nu, daz er wench gesicht,
 ! Ir ungestalt die schadet nicht;
 ! Wan an dem griff sind älleu weib
 ! Des einen leders, wie mans treib.
3015
 ! Ze glicher weis ist es gestalt
 ! Umb die hüenr, die manichvalt
 ! Federn tragend in der heut:
 ! Und so mans pringet für die leut
 ! Auf den tisch, gepraten haiss,
3020
 ! So zaigents doch nur ein flaisch.
 ! So wän ich auch in minem muot,
 ! Du sprechist, es werd selten guot,
 ! Ze hoh ze weiben und ze nider;
 ! Dar umb so sag ich dir hin wider:
3025
 ! Welher wil mit sälden reichen,
 ! Der füeg sich zuo den sein geleichen!"
 ! Do nu die red ein end gewan,
 ! Die alt fro Berchta Laichdenman
 ! Ruoft vil laut: "O jungen kinder,
3030
 ! Es setzt den wagen für die rinder!
 ! Wisst îr nicht, daz alter hat
 ! Für die andern weisen rat?
 ! Dar umb so was ze heven an
 ! Pei unserm vattern Colman
3035
 ! Und nit ze rauschen in dem rat
 ! Einr fürn andern ungefragt."
 ! Dar zuo sprach do Engelmar:
 ! "Die red ist an îr selben war;
 ! Doch sprichst sei mit neider list,
3040
 ! Won du die aller eltest bist."
 ! Der rat wär graten zschanden,
 ! Hiet mans nit understanden
 ! Mit stangen und mit rechen.
 ! Bertschi huob an ze sprechen:
3045
 ! "Ir herren, wisst, es ist nicht recht,
 ! So man daz chrumb schol machen schlecht,
 ! Daz mans noch danne chrumber mach!"
 ! Da mit und er zuo Colman sprach:
 ! "Du waist wol, daz ze aller zit
3050
 ! In dem rat und in dem strit
 ! Die ersten und die lesten
 ! Schüllen sein die besten;
 ! Dar umb sag an, vil guoter man,
 ! Was daz wägist sei getan!"
3055
 ! Colman sprach aus chluogem sin:
 ! "Wisst, daz ich her chümen pin
 ! Lüsens und nicht claffens wegen,
 ! Won mir got geruocht ze geben
 ! Oren zwai und einen mund!
3060
 ! Da pei schol euch auch wesen kund,
 ! Daz einer wenich reden schol,
 ! Hören vil: so tuot er wol."
 ! Hin wider sait do Triefnas:
 ! "Wiss, daz mîr gevellet bas
3065
 ! Weiseu red in guoter zungen
 ! Dann ein sweigen von dem stummen!
 ! Mas ist guot zuo allen dingen;
 ! Bessers chan ich dir nicht singen."
 ! Also huob der grawe man
3070
 ! Sein red vil züchtichleichen an:
 ! "Daz sprüchwart ist mir oft gesait:
 ! Alter part hat weisshait.
 ! Dar zuo bin ich worden innen:
 ! Junges hîrn phligt cluoger sinnen.
3075
 ! So duncht mich auch, sam gwissen ist,
 ! Die frawen sind nicht ane list.
 ! Daz hab ich sunderleichen gsehen
 ! In diesem rat; des muoss ich jehen.
 ! Hie ist gerüert so manger punt
3080
 ! Und auch geschait so gar von grunt,
 ! Daz ich euch nichtz gesagen chan
 ! Dann kindelred; die heb ich an:
 ! Nu hin, daz sei, das iecleich weib
 ! From und erber sei von leib
3085
 ! (Daz doch laider nicht gewesen
 ! Mag, sam ich es han gelesen):
 ! Dannocht füegt dir dhaine nicht.
 ! Hörr, was uns die warhait spricht:
 ! Niemant zwain gedienen mag
3090
 ! Schon und eben nacht und tag;
 ! So macht du nicht gevallen
 ! Deinem weib mit schallen
 ! Und mit andacht deinem got.
 ! Daz sag ich dir aus kainem spot:
3095
 ! Wie gleich es tönt ze einem zil,
 ! Der psalter mit dem saitenspil!
 ! Dar zuo hab ich auch gelesen:
 ! Wil ein man behalten wesen,
 ! So bedarff er weibes nicht;
3100
 ! Daz ist auch war nach meinr versicht.
 ! Hie mit legt sei sich da nider
 ! Auf die benk und in daz gfider;
 ! Du muost sei für ein siechen halten
 ! Und von îr nimer dich geschalten
3105
 ! Und voll, wan sei nu swanger wirt.
 ! Wann sei nu dann daz kind gepirt,
 ! So spricht man, daz sei gnesen sei.
 ! Hörr, was ich versten da pei!
 ! Sei ist genesen glich sam der,
3110
 ! Dem zergangen ist ein gswer
 ! Und der rüt ist an gevallen:
 ! Daz swer ich allen pei sant Gallen.
 ! Secht îr nicht, daz erst sich hebt
 ! Kindelgschrai und kindelpett,
3115
 ! Windelwäschen, kindelpaden?
 ! Dar zuo muoss man ammen haben:
 ! Chamerweib die gtrinkend me,
 ! Dann man wassers vind im se;
 ! Seu fressent vil und sagent an,
3120
 ! Es hab daz kindel alz getan.
 ! Diss ist dannocht alz ein wind,
 ! Bis daz jo nu gewächst daz kind:
 ! Erst so muoss man leiden haben,
 ! Wie mans erleich müg betragen
3125
 ! Mit chlaidern und mit nerung,
 ! Mit gschüech und ander zerung.
 ! Den knaben muoss man bsorgen
 ! Den abent und den morgen
 ! Vor stelen und vor rauben
3130
 ! Offenbar und taugen,
 ! Vor schlahen und vor stechen,
 ! Vor knüsten und auch brechen.
 ! Die tochter muoss man bhüeten
 ! Vor laster und vor wüeten,
3135
 ! Vor schuolern und vor phaffen
 ! In heusern und in gassen.
 ! Nu dar, daz sei derlitten!
 ! So hat daz kind den sitten,
 ! Wenn nu der vatter leib und sel
3140
 ! Gewaget hat umb guot und er
 ! Im ze fröden und ze gwin,
 ! Daz es im spricht in seinem sin:
 ! «Zarter vatter, wärist bgraben,
 ! Daz ich das erbe möcht gehaben!»
3145
 ! Des jamers wirt man selten an,
 ! Wie schon daz kindel sei getan.
 ! Wirt es aver gar verlorn
 ! Oder lam und plint geporn,
 ! Zum narren oder zstummen,
3150
 ! So ist uns erst zerunnen
 ! Älleu fröd und sälichait.
 ! Die mär sein euch von mir gesait!
 ! Doch hiet ich üch ze sagen mer:
 ! So martret mich der huost so ser,
3155
 ! Daz ich es nicht volpringen mag,
 ! Waz ich in den sinnen trag."
 ! Do die rede so vergie,
 ! Kainer kond gewissen, wie
 ! Man scholt da wider sprechen
3160
 ! (Seu warend gar derlechen
 ! Und woltens älleu mit im han)
 ! Dann die alt fraw Laichdenman,
 ! Die sich ieso fürher macht.
 ! Wie laut sie spacht, wie ser sei pracht!
3165
 ! "Und tätin mir die zen nicht we,
 ! Ich hiet euch wol geantwurt e.
 ! Mit urlaub sprich ichs, lieben kinder:
 ! Aus kelbern werdent stärkeu rinder,
 ! Mit den man pauwet und auch ert,
3170
 ! So in die hürner werdent hert.
 ! Hie pei scholt es merken das:
 ! Die wil ich chlainer tagen was,
 ! Do verstuond ich mich auch chlain;
 ! Do redt ich sam die kind gemain
3175
 ! Und tet auch nach der jungen orden.
 ! Nu pin ich, secht, zum menschen worden
 ! Und han verworffen kindelspil;
 ! Dar umb so wisst, daz ich nicht wil
 ! Volgen eines mannes sag,
3180
 ! So ich daz besser haben mag.
 ! Îr scholt mîrs nicht für übel haben,
 ! Her Colman, daz ich euch wil sagen:
 ! Do îr es scholtent heben an
 ! Ze raten sam ein weiser man,
3185
 ! Daz ertrich ward sich wegen
 ! Und übersich derheben;
 ! Ich forcht, ein drak scholt kumen her:
 ! Do sach ich zuo - es was ein scher
 ! Plint und plöd und ungestalt.
3190
 ! Den wil ich temmen also bald
 ! Und heven an dem lesten an,
 ! So ich nu aller beste chan.
 ! Îr sprecht, îr hiet uns mer gesait:
 ! Do mocht îr nicht vor huostes laid.
3195
 ! Nu dar, der huost der ist da hin!
 ! Sagt, waz hiet îr in dem sin?"
 ! Des äntwürt so her Colman:
 ! "Lengeu red stet übel an;
 ! Dar umb so sag ich anders nicht
3200
 ! Dann kürtzeu wörter, die man spricht.
 ! Daz gwärest sprüchwart daz ist daz:
 ! Einiger vatter füeret bas
 ! Siben kinder durch einn gatter
 ! Dann siben kinder einen vatter.
3205
 ! Hie mit, fraw von hoher list,
 ! Tuot es durch den süessen Crist
 ! Und zaigt uns ewer witzichait!
 ! Ze lernen was ich ie berait."
 ! Do sprach Laichdenman zehant:
3210
 ! "Her Colman, wisst, es ist ein schand
 ! Ze lernen einem greisen palch
 ! Siben und sibentzig jaren alt!
 ! Doch ist böser, wann ein man
 ! Pei alten zeiten nicht enkan
3215
 ! Und im auch lernen nicht enwil;
 ! Des hat er schand und lasters vil.
 ! Dar umb so merk die rede mein,
 ! Welt îr bas geleret sein!
 ! Got do er geschaffen hiet
3220
 ! Daz erste mensch in rechter lieb
 ! Und im verpott des öpfels mas,
 ! Die geschepht sein trew vergas
 ! Und des schepfers gpott zerprach.
 ! Dar umb so hab kain ungemach,
3225
 ! Ob dir deineu kinder nicht
 ! Dankin nach deinr zuoversicht,
 ! Won du deinen vordern so
 ! Gelonet hast mit haberstro!
 ! Doch so muoss ich dir des sprechen:
3230
 ! Ein man ist sneller vil, ze rechen
 ! Seinen vatter dann daz kind,
 ! Ob seu im paideu gsmähet sind.
 ! So sprichst, der rede sei genuog:
 ! Claffen vil sei narren fuog.
3235
 ! Daz möcht sich alles wol vergen,
 ! Woltist du die red versten
 ! Für üppig und verdrossen,
 ! Für schedleich, ungenossen;
 ! Aver ist die zunge guot
3240
 ! Und nütz, sei kainen schaden tuot;
 ! So mags auch nicht ze lang gesein:
 ! Daz leg dir in daz hertze dein!
 ! Hast du nie gehöret das:
 ! Grosses vich wil michel gras?
3245
 ! Da vor so hast du uns gesait
 ! Den grösten jamer und daz laid,
 ! Die wir tragin auf und nider,
 ! Hat daz kind nicht älleu glider.
 ! Hier zuo sag ich dir geswind:
3250
 ! Wiss, daz edler ist ein kind,
 ! Hatz ein wesen in der hell,
 ! Dan daz mans für nichti zell!"
 ! "Hörr auf!" sprach do Colman;
 ! "Mich duncht, der aller vilest kan,
3255
 ! Der leugt und fället aller maist
 ! Wider got und seinen gaist.
 ! Waist nicht, daz die warhait spricht
 ! Von Jaudessen, dem falschen wicht,
 ! Sein dink hiet im vil bas gedigen,
3260
 ! Wär er ungeporn beliben?"
 ! Secht, daz tet fraw Berchta zorn:
 ! Vil nach sei hiet îr sin verlorn!
 ! Sei sprach: "Verhört, her Colman!
 ! Mich duncht, îr leugt euch selber an.
3265
 ! Îr sprecht, daz lernen euch behag,
 ! Und welt mich straffen nacht und tag:
 ! Daz stet nicht wol, es ist kain recht
 ! Von einem schuoler oder knecht.
 ! Wolt îr lernen, swigt und hörrt
3270
 ! Mit gantzer diemuot hie und dört!"
 ! Des sprach do Cholman züchtichleich:
 ! "Genad, vil liebeu säldenreich!
 ! Hab ich wider euch gejehen,
 ! Daz ist umb anders nicht geschehen,
3275
 ! Dann daz ich die warhait gar
 ! Mit red und widerred dervar.
 ! Ich zweiveln in der vinster ler:
 ! Helft mîr, fraw, durch ewer er!"
 ! "Ja du", sait do Laichdenman,
3280
 ! "Noch so wilt mirs gwinnen an.
 ! Woltist sölheu rede tuon,
 ! Du möchtist chomen noch ze suon;
 ! Wiss, ich pin da wider nicht!
 ! Waz got tuot und was er spricht,
3285
 ! Ich sich es mit der warhait gen,
 ! Der es gar eben mag versten.
 ! Dar zuo ist die glos vil guot,
 ! Wan der text uns zwivel tuot,
 ! Daz sei uns beschaide schon
3290
 ! Rechtes sinns in chluogem don.
 ! Nu spricht mein text: «Das böste ist
 ! Nichtznicht wesen älleu frist.»
 ! So sait der dein, daz besser wär,
 ! Dem gotzverräter nicht so swär,
3295
 ! Ob er gewesen wär ungporn;
 ! Wan sein sel ist gar verlorn.
 ! Hie pei so dunkt dein witzichait,
 ! Es si ein widerwärtikait.
 ! Daz wil ich so geleichen dir:
3300
 ! Es ist auch war, gelaub es mir!
 ! Wäger wär im, daz er gsnitten
 ! Von seiner muoter wär emmitten,
 ! Dan daz er geporn wart
 ! Und die muoter nicht enstarb;
3305
 ! Won er sei bschlieff dar nach vil tag,
 ! Den hals er schluog dem vatter ab.
 ! Ein anders glösel also spricht:
 ! «Wäger wär im, daz er nicht
 ! Pei Cristes zeiten wär geporn;
3310
 ! Won daz schuoff im disen zorn.»
 ! Doch schol diss ein end haben
 ! (älleu mär sein nicht ze sagen)
 ! Und schüllen cheren zuo der sach,
 ! Die dein torhait vordem sprach
3315
 ! Umb die chinder, die da gporn
 ! Werdent tod und gar verlorn.
 ! Hie verleust der vatter an
 ! Ze gleicher weis recht sam der man,
 ! Dem man ieso gebent wirt
3320
 ! Ein paum, der taubeu nüssel gpirt.
 ! So hast gerett gar ane not,
 ! Daz kind beger des vatters tod.
 ! Was schadt mir daz? Sam man do spricht:
 ! Gedench und wünsch mich chrenkent nicht.
3325
 ! So sprichst, man leide fruo und spat
 ! Von gwachsner kinden missetat.
 ! Hie für so ist daz lernen guot
 ! Und daz straffen, daz man tuot
 ! Jungen kinden nacht und tag,
3330
 ! Die wil man seu gepiegen mag.
 ! Waz saist danne von der zerung,
 ! Von den chlaidern und von nerung?
 ! Waist nicht, daz der mensche werden
 ! Schol derzogen auf dirr erden
3335
 ! Mit einem sach, mit gfüeger speis,
 ! Wil man in machen from und weis,
 ! In seiden alten werdend,
 ! Vil reich und sälich sterbend?
 ! So ist kain gelt dem jungen guot,
3340
 ! Dem die zerung schaden tuot.
 ! Macht dann alter weiben nicht
 ! Gehalten nach der ammen phlicht,
 ! So emphilch der muoter zart
 ! Îr kind, daz sei sein selber wart
3345
 ! Mit säugen, hüeten und auch phlegen!
 ! Daz ist dirr von nataur gegeben.
 ! Was chlafft von windeln und von wäschen,
 ! Die weil daz wasser und die äschen
 ! Mit holtz und altem leingewand
3350
 ! Sind so wolfail in dem land?
 ! Da pei so wilt uns auch derschrechen
 ! Mit kindelgschrai und kinderpetten,
 ! Mit siechtuom und mit arebait;
 ! So hab dir daz von mîr gesait:
3355
 ! Aigen haus und aigen chind
 ! Machend grosseu müe ze wind
 ! Und klaineu fröd ze paradeis!
 ! Der red ich dich also beweis:
 ! Ist der smid in seinem haus,
3360
 ! So stet er von im selber auf
 ! Und smidet lustleich über tag,
 ! Daz er den gwin im peutel hab.
 ! Ist er in eines andern smitten,
 ! In duncht, er hab ein jar gelitten,
3365
 ! So er gearbait einen tag.
 ! Wie chlain er sich geheven mag
 ! Aus dem pett des morgens fruo!
 ! Wan daz gelt get im nicht zuo.
 ! Greint mein kind, mich dunkt, es sing:
3370
 ! So wol gevellet mîr die stimm;
 ! Es ist dem nachgepauren schad,
 ! Der da bei nicht gschlaffen mag.
 ! Hab ich dann aiger in dem haus,
 ! Da mach ich grosseu hüener aus,
3375
 ! Die mich dunchent faisser sein
 ! Dann des müllners mesteswein.
 ! Nuss und prott auf meinem tisch
 ! Smekend bas dann all die visch,
 ! Die der marchgraf von Ferrär
3380
 ! Gäb mir, ob ich pei im wär.
 ! Sprichst du aver, daz ein man
 ! An ein weib müg haus gehan,
 ! Das ist nicht stät nach meinr versicht;
 ! Won es enhat des grundes nicht.
3385
 ! Die gruntfest ist ein bider weib,
 ! Die daz haus mit irem leib
 ! Auf enthalt mit manigen sachen,
 ! Mit kochen und mit kindermachen.
 ! Wîrt sei siech und dar zuo blöd,
3390
 ! So wirtz auch gsunt: daz ist ein fröd.
 ! Du hast gelesen in der gschrift,
 ! Ein man bedorff des weibes nicht,
 ! Ob er gottes reichs geruoch:
 ! Waz ghört daz zuo grawem tuoch?
3395
 ! Ist nit da geschriben pei,
 ! Daz im daz weibe schedleich sei?
 ! So hort ich pei der ersten sag:
 ! Niemant zwaien gdienen mag.
 ! Das merke, zwain, sam ich es vind,
3400
 ! Die enander wider sind!
 ! So ist dein weib der tiefel nicht;
 ! Dar umb so aht ich wench der gschrift
 ! Und ker mich lieber an daz wort,
 ! Daz ich hab funden an eim ort
3405
 ! Und spricht, daz nicht allain die mait
 ! Wesitzent ewich sälichait:
 ! Es mag auch sein, daz gmähelt leut
 ! Wehalten werden mit der heut.
 ! Wie gwär es ist und nicht ein trom!
3410
 ! Sant Eustächi, purger zRom,
 ! Hiet ein weib und dar zuo kind,
 ! Die sampt mit im wehalten sind,
 ! Und ander grosser hailigen vil.
 ! Claff nu, wer der gaffer wil!"
3415
 ! Do die red sich hiet verdrapt,
 ! Der an Cholman sich gehabt
 ! Hiet, der warff sich wider umb:
 ! Da mit so ward die tädinch krumb.
 ! Dennocht ruort sich alter part
3420
 ! Hin wider umb ein ander vart;
 ! Er sprach: "Dis muoss der tiefel geben
 ! Oder got mit sinem segen,
 ! Daz ein weib zuo disen stunden
 ! So gentzleich hat mich überwunden
3425
 ! An bschaidenhait und an der gschrift.
 ! Doch so mag ich glauben nicht,
 ! Daz Mätzli füeg dehainem man,
 ! Dem die welt der eren gan,
 ! Die so flach ist, dar zuo hinkt,
3430
 ! Der der aten also stinkt.
 ! Sei ist so bugglocht und so churtz;
 ! Der eren aht sei nit ein furtz.
 ! Wie swartz sei ist und ungevar!
 ! Vor schand sei niempt genennen tar.
3435
 ! Do hatz auch nicht: daz ist der galg.
 ! War zuo ist uns diser balg,
 ! Den die fliegen so beschissen
 ! Hant und auch die hund zerrissen?"
 ! Laichdenman huob wider an:
3440
 ! "Sim, was er chan, der schimlig zan!
 ! Wiss, ich sag dirs unterd augen:
 ! Wilt du der warhait nit gelauben,
 ! So glaubt man aver das von dir,
 ! Du seists ein esel und ein stîr!
3445
 ! Was chaist du uns mit deiner list?
 ! Du waist noch wenich, wer du pist.
 ! Ist sei chropfecht, krumph und lam,
 ! Do schol man sei für edel han.
 ! Stincht îr aten über tag,
3450
 ! Kain frömder sei gechüssen mag.
 ! Ist sei kurtz und hogrocht vil,
 ! Dest minner tuochs sei haben wil.
 ! Gesicht sei wenich an den augen,
 ! So machts auch kind, daz scholt du glauben!
3455
 ! Der swartzen frawen milch ist guot:
 ! Grosses tüttli gipt ir gnuog.
 ! Rosenwängel, roter mund
 ! Sind vil scheder dann gesund,
 ! Won sei oft die jungen chnaben
3460
 ! Machent alt in kurtzen tagen.
 ! Schönes har die frawen îrt,
 ! An dem gepett die man es siert;
 ! Nützer ist ein gärnel spinnen
 ! Dann mit pürsten härli swingen.
3465
 ! Rüerenzumph ist sei genant:
 ! Daz ist allaine dem ein schand,
 ! Der sei also haissen wolt,
 ! Do man sei zcristan machen scholt.
 ! Chan sei dan geparen nicht,
3470
 ! Von rehten treuwen daz geschicht.
 ! Und hiet sei joch, die wol geporn,
 ! Ir er in süesser minn verlorn,
 ! So gdient er antlass nach der schrift,
 ! Der sich zuor e mir îr verphlicht.
3475
 ! Ist sei arm, nu hin, daz sei!
 ! Dannocht lebt sei noch da pei;
 ! Sei schlaft dest bas und fürcht ir nicht
 ! Vor teupen und vor feursch geschicht.
 ! Es ist behuot îr leib und guot:
3480
 ! So hats verguot, wie man ir tuot.
 ! Neid îr auch nicht kan geschaden:
 ! Daz recht wir sehend armuot haben,
 ! Von der noch vil ze sagen wär,
 ! Wurd daz püechel nicht ze swär.
3485
 ! Hörr zuo, was der weis gepeut!
 ! Von rehter liebschaft sich die leut
 ! Nemen schüllen, nit umb gelt,
 ! So sein seu sälig in der welt.
 ! Nu dar, so hat seu Bertschi lieb!
3490
 ! Dar umb so sing ich im das lied:
 ! Pertschi Mätzen nemen schol
 ! Zuo seinem weib, so tuot er wol!"
 ! Do sängelt junker Triefnas:
 ! "Ich ghöret nie gesingen bas."
3495
 ! Noch ward der tädinch also vil
 ! Hin und wider ze dem zil,
 ! Daz in swindelt in den sinnen;
 ! Ieder schre: "Ich wil verprinnen
 ! Und dertrinken in der witz,
3500
 ! In dem rat und in dem switz.
 ! Wîr möhtens ewicleichen treiben;
 ! Dar umb so lassin wirs weleiben
 ! Oder hörrin all gemain
 ! Des torffes schreiber muoters ain!
3505
 ! Der hat der büecher vil gelesen
 ! Und, was er sag, daz sei geschehen!"
 ! Henritze der ward aus derwelt,
 ! Ze einem gmainen man gestelt,
 ! Daz er die urtail scholte geben;
3510
 ! Der sprach: "Nu dar, vernempt mich eben!
 ! Îr hietind wol ein weisern funden;
 ! Doch geschicht es ze den stunden,
 ! Daz ein närrli vindt ein list,
 ! Die dem weisen seltzen ist.
3515
 ! Ich sich wol, war umb es gevält
 ! Habt und gäntzleich nichtz dertält:
 ! Es seit gestanden ze den witzen,
 ! So man mit ruowen scholte sitzen.
 ! Îr habt gereimet und geticht:
3520
 ! Chluogeu sach wil reimens nicht;
 ! Wer mag ein disputieren
 ! Mit gmessner red florieren?
 ! Dar umb so setz ich mich da hin
 ! Und sag euch schlechtleich minen sin:

1
 ! In gottes namen! Amen.
2
 ! Hie mag man ein frag schephen,
3
 ! ob ein man ein weib schül nemen.
4
 ! Dar zuo wil ich also sprechen:
5
 ! Ist, daz ein man wil und mag stät be-
6
 ! leiben, chinder machen, weib und chinder
7
 ! füeren mit rechtvertigem guot
8
 ! noch got wil dienen sam ein engel keu-
9
 ! schechleich, der nem ein hausfrawen
10
 ! ze einer chan, die gevallen und frucht-
11
 ! per sei, weis und from und sein geleich!"

3525
 ! Der urteil ward do Bertschi fro;
 | Er sprach: "Mein dinch daz stet also,
 | Ze gleicher weis nach deinem sagen;
 | Dar umb so wil ich Mätzen haben."
 | "So hab sei!" sprach do Varindkuo;
3530
 | "Got geb dir glük und hail dar zuo!"
 ! Colman sprach: "Lass mich dir sagen!
 ! Glük und säld daz mag er haben:
 ! Sich nur, daz er îr gevall
 ! Und iren freunden über al!"
3535
 ! Da mit so wurden aus gezelt
 ! Zwen der besten und derwelt
 ! (Daz was der schreiber sinnereich
 ! Und Rüerenmost im selber gleich),
 ! Daz seu zuo Fritzen giengin,
3540
 ! Die red mit im an viengin
 ! Von verrem her mit worten schelben,
 ! Sam seu es tätin von in selben,
 ! Und also prittlen zemen machen
 ! Die ee an schuoler und an phaffen.
3545
 ! Also traften seu da hin:
 ! Zuo Fritzen haus stuond in der sin.
 ! Der seu fragt: "Wo hin also?"
 ! "Um ein sach!" sei sprachent do.
 ! "Lass uns gen!" Henritze sprach:
3550
 ! "Wis, es ist ein endleich sach!
 ! Es ist ein sach, und ist so gros:
 ! Kain sach die ward nie îr genos."
 ! Rüerenmost sich ward besinnend
 ! Eines andern und beginnend;
3555
 ! Er sprach: "Mich dunkt, uns sei ze gach.
 ! Und gen wir so dem Fritzen nach
 ! Mit eillen und mit lauffen,
 ! Wie teur wir müessend kauffen,
 ! Daz wir von im nu wellin haben!
3560
 ! Dar umb lass dir ein anders sagen:
 ! Wîr schüllen cheren zur tavern!
 ! Fritz der trincht des abents gern;
 ! Wir mügent mit im zechen.
 ! So heb du an ze sprechen:
3565
 ! «Wärleich, Fritz, du pist ein man,
 ! Dem ich er und guotes gan!
 ! Dein früntschaft gfiel mir alweg wol;
 ! Won du pist from und eren vol.
 ! Nu dar, so hast ein tochter da,
3570
 ! Die wîrt dir untern henden gra!
 ! Es wär vil langes zeit gewesen,
 ! Daz sei an einem chind genesen
 ! Wär und stüend mit er auf erd;
 ! Won sei ist gross und mannes werd.
3575
 ! Dar umb so han ich in dem muot
 ! Ein dinch, das möcht wol wesen guot,
 ! Ob mîr so wurd gelingen,
 ! Daz ich es zuo möcht pringen,
 ! Daz Triefnas, der vil sauber knecht,
3580
 ! Mätzen nemen wolt ze recht.
 ! Der ist jung und dar zuo reich,
 ! Einem fromen man geleich;
 ! So ist er auch von guotem gschlächt,
 ! Sam man im dorff gehaben mächt.»
3585
 ! Und so du dann gesprichst daz dein,
 ! So leg ich auch dar zuo daz mein
 ! Und rat im so, daz er das tuo,
 ! Und was ich ghelffen müg dar zuo,
 ! Daz well ich werben nacht und tag,
3590
 ! Won mîr sein magschaft auch wehag.
 ! Hie mit wir werdent innen,
 ! Wes er im wil beginnen."
 | Der schreiber reden do began
 | Und sprach: "Nu hin, daz sei getan!"
3595
 | Wie schier sie hieten vollepracht,
 | Des Rüerenmost im do gedacht!
 ! Des dankt in Fritzo züchticleich
 ! Und sprach: "Got mach euch sälden reich!
 ! Ewer liebschaft gfiel mîr wol:
3600
 ! Die suoch ich gern, mit we man schol.
 ! Doch mich dünkt, er sei mir zwäch,
 ! An seinen sinnen gar ze gäch."
 ! "Enruoch!" so wurden seu im sagen,
 ! "Wie gross er ist, er lat sich ghaben.
3605
 ! Acht umb deiner freunden willen:
 ! Wir getrauwent in wol stillen!"
 ! Da mit so huob er auf und tranch
 ! Und sprach: "Der red habt imer danch!
 ! Dar zuo so schol man haben rat
3610
 ! Des morgens fruo und nit so spat.
 ! Got der müess des ewern phlegen!
 ! Trinkt hin sant Johansen segen:
 | Der wein sei euch geschenkt von mir!"
 | Des danktens im mit hertzen gir
3615
 | Und schieden von enander do.
 | Fritz der was der rede fro;
 | Er schlieff bis an den morgen fruo
 | Und nam auch seinen freunt dar zuo:
 | Der erste was der Ochsenchroph,
3620
 | Der ander haisset Lärenchoph,
 | Den dritten nempt man Lastersak,
 | Der vierd sei Uotz der Übelgsmak,
 | Straub und Härtel Saichinchruog
 | Und ander erber leut genuog.
3625
 | Sein freundin chamend auch dar zuo:
 | Daz was fro Hilda Leugafruo,
 | Schürenprand und Nimindhand,
 | Richteinschand und Siertdasland
 | Und ander frome frawen gar,
3630
 | Der ich doch nicht genennen gtar.
 ! Fritz der hiess sei nider sitzen
 ! Und sprach also von seinen witzen:
 ! "Lieben muomen, freunt und mag,
 ! Wisst, daz ich vil ungern wag
3635
 ! Grosseu dink an ewern rat!
 ! Won der weis gesprochen hat:
 ! «Niemant ist im selber gnuog
 ! In seiner sach» mit rechtem fuog.
 ! Man hat mir zuo gesprochen
3640
 ! (Von wan es sei gerochen,
 ! Des waiss ich nicht): mich dunckt also,
 ! Triefnas wär meinr tochter fro,
 ! Der im sei gäb ze einer chan.
 ! Sagt mîr, waz ist guot getan?"
3645
 ! Ochsenchropf was namhaft,
 ! Dar zuo hiet er sin und chraft;
 ! Er sprach: "Des sein wîr schuldig dir,
 ! Ze helfen nach deins hertzen gir
 ! Und auch ze raten zallem spil.
3650
 ! So wiss, dein tochter haben wil
 ! Einen man, der cristan sei,
 ! Jung und frisch und gsunt da pei,
 ! Starch und sauber an dem leib,
 ! Nicht ze lind reht sam ein weib.
3655
 ! Die aller beste varw daz ist
 ! Weiss, ein tail mit rotem gmist.
 ! Harr und part die schüllen sein
 ! Ein wenich straublocht an irm schein,
 ! Nicht ze swartz, ze rot, ze hert,
3660
 ! Ein wenich auf daz praun geferwt.
 ! Daz haubt schol haben hohes hîrn,
 ! Nicht ze gross, mit gfüeger stîrn,
 ! Prauneu augenprauwen leis.
 ! Mund und nas ze mittler weis;
3665
 ! Starker hals und nicht ze lang,
 ! Noch ze waibisch sei daz gsanch;
 ! Weiteu prust und stärkeu pain,
 ! Enmitten in der wüesti chlain;
 ! Hend und armen lanch und gross:
3670
 ! Die finger sein auch îr genoss;
 ! Negel churtz die stend vil wol;
 ! Der fuoss ze dik nicht wesen schol.
 ! Sein ganch der sei vil rösch und schlecht!
 ! Mittel man der kumpt uns recht.
3675
 ! Ist nu Bertschi so gestalt,
 ! So rat ich, daz sein Mätz gewalt."
 ! Lärenchoph des nicht benüegt;
 ! "Schönes haus uns wenig füegt,"
 ! Sprach er, "da ein böser wîrt
3680
 ! Die geste auf und nider siert:
 ! Ist nu Bertschi sauber gar
 ! An dem leib und wol gevar
 ! Und hat der frümkhait nit dar zuo,
 ! Ich schätz in böser dann ein kuo.
3685
 ! Dar umb so muoss er sein ein knecht
 ! Da mit vil erber und gerecht,
 ! Der wenig schlaff, nit müessig ste
 ! Noch gern mit bösen leuten ge;
 ! Der reden künn und doch nicht liegen
3690
 ! Noch den freunt mit listen triegen;
 ! Dem der wein sei underchant
 ! Noch der würffel in der hand;
 ! Der den frass auf im nicht trag,
 ! Won der gieng im niemer ab;
3695
 ! Der mit dem seinen müg besten
 ! Und lass der leuten rinder gen;
 ! Dem daz hertz sei nicht ze hellig
 ! Noch daz haubet gar ze schellig;
 ! Der leid und tuo, sam einer schol,
3700
 ! Dem zucht und er behaget wol.
 ! Und hiet er alles daz an im,
 ! So däucht mich des in meinem sin,
 ! Mätzen der geschäch nicht we,
 ! Näm sei Bertschi zuo der e."
3705
 ! Füllenmagen her sich rekt;
 ! Er sprach: "Diss dinch vil wenich klecht.
 ! Was hilft, daz einer sauber sei,
 ! Erber und auch from da pei,
 ! Ist er nicht weis und chluog da mit?
3710
 ! Won es ist nu der welte sit,
 ! Daz die esel und die narren
 ! Zeuhent baid in einem charren,
 ! Der mit rainvail ist geladen,
 ! Und müessent sich des wassers laben!"
3715
 ! Fro Leugafruo mit unfuog
 ! Die red im ieso underschluog;
 ! Sei sprach: "Vergest des ewern nicht
 ! Und hört des ersten, was man spricht!
 ! Der älleu dink dergründen wil,
3720
 ! Der siert sich selb und schafft nit vil.
 ! Dhain e die wär noch nie geschehen,
 ! Hiet man ens und ditz besehen:
 ! Dhain weltleichs mensch ward nie so rain,
 ! Es hunch an einem überpain.
3725
 ! Secht, ich sag euchs recht her aus:
 ! Triefnas ist mir nicht ein laus!
 ! Dar umb so wil ich nicht enliegen
 ! Noch die fromen tochter triegen.
 ! Er ist ein junger, grader knecht,
3730
 ! From und erber, dar zuo schlecht,
 ! Dann daz er mich dunchet ful
 ! Und hat ein überweites mul.
 ! Dem wil ich selber antwürt geben.
 ! Chleiner mund chumpt frawen eben
3735
 ! Und nit dem man; ich sagt euchs vor:
 ! Grosseu stat wil weites tor.
 ! Ist er faul und schlaffet gern,
 ! Des wîrt er allessampt enbern,
 ! So daz chindel wirt von not
3740
 ! Singent: «Ätti, gib mîr prott!»
 ! Was schol er dann der witzen haben,
 ! Ein junger knab pei chlainen tagen,
 ! Der auch geschrift in im nit hat?
 ! Dar umb so wisst, es ist mein rat,
3745
 ! Daz wir nu senden hin zuo im
 ! Und auch derfarin seinen sin
 ! Chluochleich, sam er hat getan.
 ! Und wil er unser muomen han,
 ! So haiss man'n chömen so zehand
3750
 ! Und setzt in nider zuo der want
 ! Und sagt im alles sunder wol,
 ! Was er tuon und meiden schol!
 ! Und ist, daz er gelernen mag
 ! Und auch getuon nach ewer sag,
3755
 ! So schol man im sei geben so."
 ! Des rates wurdens alleu fro
 ! Dann der vatter Fritz allain;
 ! Der sprach: "Es wisst wol all gemain,
 ! Was mir Bertschi hat getan
3760
 ! Und meiner tochter vor an."
 ! Daz verredt im ieso zhant
 ! Junchfraw Hächel Schürenprand
 ! Und sprach: "Du saist sam einr, der schlaft.
 ! Hat dir Bertschi schande pracht,
3765
 ! Won er hofieren kan so wol,
 ! Dest e man im sei geben schol:
 ! So behaltz îr dest bas.
 ! Waist nicht, daz man sprichet daz:
 ! Maus im sak und laus im nak,
3770
 ! Mätz im haus und feur im kübel,
 ! Die bzalent iren wîrten übel?
 ! Ich waiss es selber wol an mir:
 ! Do ich nu cham zuo mannes gir,
 ! Und wär mir schier ze hilf nicht komen,
3775
 ! Ich hiet mir selber vier genomen.
 ! Alteu junchfraw ist ein gift
 ! Iedem haus, sam man da spricht."
 ! Seu sprachent all: "Du redest recht;
 ! Wîr schüllen senden nach dem chnecht
3780
 ! Und tuon, sam uns geraten ist
 ! Von Leugafruo ze diser frist!"
 ! Des stuonden Fritz und Härtel auf
 ! Und traten gen des schreibers haus:
 ! Den fundens da zuo irm gewin.
3785
 ! Er gruosst seu schon: des danchtens im.
 ! Da mit so huob an Fritz und sprach:
 ! "Umb die red, die nächt geschach,
 ! Wis, wîr sein des überain:
 ! Wir wollen wissen, wie ers main!
3790
 ! Und wil er tuon nach deinem rat,
 ! So chüm mit im und nicht ze spat
 ! Haim, her freunt, in ewer haus!
 ! Da wöllen wir im legen aus,
 ! Waz er tuo und lass da pei."
3795
 ! Henritze sprach: "Daz sei, daz sei!"
 ! We, wie schier ditz was geschehen:
 ! Einr der hiet nit umb gesehen!
 ! Do nu Pertschi chomen was,
 ! Man gruosst in schon: er dankt vil bas;
3800
 ! Seu sprachen: "Wes hast du ze muot?"
 ! Des äntwürt er: "Mich deuchti guot,
 ! Es gäbt mir Mätzen zuo der ee;
 ! Ich tät îr wol und dannocht me."
 ! Lastersak huob an ze jehen:
3805
 ! "Daz dinch möcht allessampt geschehen,
 ! Woltist stellen nach der er
 ! Und dar zuo volgen unser ler."
 ! Bertschi sprach: "Es gfelt mir wol:
 ! Ich tuon alles, das man schol."
3810
 ! "So sitz da nider," sprach do Fritz,
 ! "Und sag uns etwas deiner witz!
 ! Chanst den paternoster so?"
 ! "Ja do," äntwurt Pertschi do.
 ! "Daz avemari und den glauben
3815
 ! Auch da mit an alles laugen?
 ! So sag auf eben, nicht enlach!"
 ! Triefnas der huob an und sprach:

1
 ! "Pater noster, Herrgot vatter unser, der
2
 | du pist in dem himel, gehailiget werd
3
 | dein nam! Zuo chüm uns dein reich! Dein
4
 | will werd hie in der erd sam in dem
5
 | himel! Du verleich uns unser tägleich
6
 | prot und vergib uns unser schuld, sam
7
 | wir tuon schüllen unser schuldigern,
8
 | und verlass uns nicht in böser versuoch-
9
 | ung, sunder lös uns von allem übel! Amen.

10
 ! Ave Maria. Gegrüsset seist du, raineu
11
 | maget Maria, vol aller gnaden! Got ist
12
 | mit dîr. Du pist gesegnet über alleu
13
 | weib, gesegnet ist die fruht deines
14
 | leibes, unser herr Jesus Cristus. Amen.

15
 ! Credo in deum. Ich gelaub an einen
16
 | got, vatter almächtigen, der schepfer
17
 | ist himelrichs und ertreichs, und ge-
18
 | laub an seinen eingepornen sun, unsern
19
 | herren Jesum cristum.  !  Ich gelaub, daz der
20
 | selbig gottes sun emphangen wart von
21
 | dem hailigen gaist und auch geporn
22
 | ward von der rainen mait Marien,  !  und
23
 | gelaub, daz er gemartert ward untter
24
 | dem richter Pilaten, an dem hailigen cre-
25
 | utz derstarb, dar zuo auch begraben ward.
26
 ! Ich gelaub, daz sein hailigeu sel in die vor-
27
 | helle fuor und nam alle die dar aus, die
28
 | seinen willen hieten getan,  !  und daz er an
29
 | dem dritten tag erstuond von dem tod,
30
 | gewärer got und gewärer mensch,  !  und
31
 | gelaub, daz er auf ze himel fuor und da
32
 | sitzet ze der rechten hand des almä-
33
 | chtigen gotz, seines vatters.  !  Ich glaub,
34
 | daz er dar nach chünftig ist, ze rich-
35
 | ten über die toten und über die lebentigen,
36
 | ieden man nach seinen werchen.  !  Ich gelaub
37
 | auch an den hailigen gaist, an die hailigen
38
 | kirchen der cristenhait und
39
 | an die gemain aller hailigen  !  und gelaub
40
 | antlass aller meiner sünden zu gewinnen,
41
 | ob seu mich reuwent von gantzem hertzen
42
 | meinem.  !  Ich gelaub an der toten urstend
43
 ! und gelaub nach disem leben daz ewig
44
 | leben ze besitzend werden, ob ich es verdient
45
 | han. Amen  ! , amen,  !  amen, amen."

 ! "Hörr auf lieber: sein ist gnuog!"
 ! Sprach do Fritz. "Du pist so chluog,
3820
 ! Daz mich des dünkt, du seist gestanden
 ! Manich jar in frömden landen."
 ! Pertschi wand, im wär also,
 ! Und hiess im Mätzen geben do.
 ! Secht, daz wär do nicht vermitten,
3825
 ! Hiet es Lastersak gelitten!
 ! Dem geviel daz eillen nicht.
 ! "Grosseu sach wil zuoversicht,"
 ! Sprach er do, "und voll die ee.
 ! Sag mir, gesell, kanst du icht me?"
3830
 ! Des äntwurt Pertschi also schier:
 ! "Ich als vil sam ander vier:
 ! Erren, tröschen und auch sän,
 ! Hakken, sneiden und auch män
 ! Und, was zuo prott gehören schol,
3835
 ! Daz tuon ich gern und kans auch wol."
 ! Lastersak huob wider an
 ! Und sprach: "Der mensche nicht enkan
 ! Geleben mit dem prott allain
 ! An lib und an der sel gemain,
3840
 ! Sunder mit dem gottes wort,
 ! Des leibes hail, der sele hort,
 ! Daz im da fleust aus seinem mund
 ! Und tuot uns alle sälde kunt.
 ! Dar umb so muost du lernen bas."
3845
 ! "Daz tuon ich gern", sprach Triefnas.
 ! "Des ersten ich doch hören wolt,
 ! Wie ein junger lernen scholt."
 ! "Daz ist vil weisechleich geredt,"
 ! Sprach do Lastersak ze stet.
3850
 ! "Dar umb so wiss, daz ich da wäss!
 ! Zehneu sind dem schuoler gmäss,
 ! Der ze maister werden wil,
 ! Nutz und er gewinnen vil.
 ! Daz erst ist, daz er dienen schol
3855
 ! Unserm herren sunder wol,
 ! Der selb mit seinem hailigen mund
 ! Sprach gen uns ze einer stund:
 ! «Des ersten schült es gruochen,
 ! Gottes reich ze suochen:
3860
 ! So wirt euch dar zuo auch gegeben,
 ! Was man haben schol ze leben.»
 ! Salomon auch dar zuo spricht:
 ! «In böseu sel kumpt weisshait nicht.»
 ! Ein anvanch aller witzen ist
3865
 ! Gottes forcht mit sälger list.
 ! Daz ander, daz er haben schol,
 ! Ist frömdes land: daz füegt im wol.
 ! Nach der vil gwären lere sag
 ! Niemand wol gewesen mag
3870
 ! Ein prophet in seinem land;
 ! Won er ist ze wol bekant.
 ! Freunt und gsellen, dar zuo weib
 ! Saument in an sel und leib,
 ! An guot, an nutz und auch an er,
3875
 ! An kunst, an zucht und dar zuo ler.
 ! Doch wolt er sich îr massen,
 ! Böseu gsellschaft lassen,
 ! Er möcht gelernen ane zal:
 ! Die chunst ist offen über al.
3880
 ! Daz drit ist, daz er hab da pei,
 ! Ein gsundes haubt, das glirnig sei.
 ! Und wil er chomen über all,
 ! So lerne, daz im best gevall!
 ! Daz vierd ist, sam ich han gelesen,
3885
 ! Daz er vil diemüetich schol wesen;
 ! Won hat er hochfart in dem muot,
 ! Kain schuoler wol er han verguot:
 ! Er duncht sich seinem maister gleich;
 ! Dar umb so wirt er selten reich
3890
 ! An chunst und auch an weiser hab;
 ! Won niemant gross gewesen mag,
 ! Der vor nicht klainer ist gesein:
 ! Daz leg dir in daz haubet dein!
 ! Wiss, der mensche wirt geporn
3895
 ! Kunstlos sam ein permet gschorn!
 ! Daz fünft ist, daz im hilfet ser,
 ! Stätes harren pei der ler.
 ! Empschleichs lernen daz ist guot,
 ! Unstätes allen schaden tuot.
3900
 ! Daz sechst ist, daz hie pei schol wesen:
 ! Sein letzgen muoss er überlesen
 ! Oft und auch dergründen wol,
 ! Wil er witzen werden vol.
 ! Daz sibend, sam der lerer spricht,
3905
 ! Ist daz zweiveln in der gschrift,
 ! Ist, daz er sich nicht betragen
 ! Lat an fündlen und an fragen.
 ! Daz ächt, daz ich euch sagen wil,
 ! Ist guoteu kost und der nicht vil,
3910
 ! Wärmeu chleider, wein mit fuog:
 ! Daz macht in hübsch und dar zuo chluog.
 ! Daz neund ist, daz im kumpt geleich,
 ! Nicht ze arm und nicht ze reich:
 ! Grosseu armuot siert in ser,
3915
 ! So saumpt in reichtuom dannocht mer.
 ! Daz lest daz ist, vernempt mich wol,
 ! Daz er im selb entleiben schol
 ! Unterweilen, nicht ze vil,
 ! Mit singen und mit saitenspil
3920
 ! Oder halt mit andern sachen,
 ! Die im mügen fröde machen,
 ! Doch mit züchten: daz stet wol.
 ! Hie mit wirt er sinnen vol
 ! Und verdirbt nit an dem leben,
3925
 ! Wil er sich der kunst hergeben."
 ! Do sprach Triefnas gar mit gir:
 ! "Secht, daz han ich als an mir,
 ! Guoten willen auch da mit!
 ! Dar umb ich ewer tugend pitt:
3930
 ! Sagt mir, herr, zuo diser frist
 ! All die kunst, die iendert ist!"
 ! Lastersak do lachent wart;
 ! Er sprach: "Daz wär ein langeu vart.
 ! Nie kain man der ward so weis,
3935
 ! Der aller künsten hiet den preis,
 ! Wen unser herrgot Jesus Crist,
 ! Dem kain dinch verporgen ist.
 ! Die chunst ist lang, daz leben chlain;
 ! Dar umb so lerne dir allain,
3940
 ! Des ein laig nicht schol embern!
 ! Daz sag ich dir von hertzen gern
 ! Und heb so an dem besten an:
 ! Wiss, daz ieder christan man
 ! Über alles, daz du waist
3945
 ! Oder wänst in deinem gaist,
 ! Schol ze glauben sein werait,
 ! Daz die gewär trivaltichait
 ! Hat vil aigenleich und schon
 ! In einem wesen drei person!
3950
 ! Die ein ist nach der grechten zal
 ! Der vatter gwaltig über al;
 ! Die ander, die ich nennen schol,
 ! Ist der sun der weisshait vol;
 ! Die dritt ist (merk in deinem gmüet!)
3955
 ! Der hailig gaist mit seiner güet.
 ! Von niempt der vatter komen ist
 ! Noch chömen mag dehainer frist;
 ! Stäts der sun vom vatter fleust
 ! Und sich mit lieb zuo im verschleust;
3960
 ! So get der hailig gaist von paiden
 ! Sunderleich an alles schaiden.
 ! Des gib ich dir ein peischaft,
 ! Die älleu ler verstenleich macht:
 ! Wiss, daz kol und hitz und schein
3965
 ! Mügend in einer glüete sein!
 ! Die hitz die chümet von dem kol,
 ! Der schein get von in paiden wol.
 ! Und wie das sei, daz mans derkenne
 ! Nach einander oder nenne
3970
 ! Oder joch dem vater kraft
 ! Geb zuo einer aigenschaft,
 ! Dem sun die witz, dem hailigen gaist
 ! Die güetichait so aller maist,
 ! Doch so wis, sei sein geleich
3975
 ! Auf erd und in dem himelreich
 ! An mugent und an weisshait,
 ! An güet und an der ewichait!
 ! Hie zuo wiss, daz an den glauben
 ! Niemant kümpt für gottes augen,
3980
 ! Hiet er joch gewürket vil
 ! Guoter werch ze allem zil!
 ! So ist dir auch der glaub enwicht
 ! An die werch, sam man da spricht.
 ! Dar umb behalt an allen spot
3985
 ! Die vil hailigen zehen gbott!
 ! Daz ist: hab got in deinem sin
 ! Und swer nit üppichleich pei im!
 ! Feirr auch, so man feirren schol!
 ! Vatter, muoter ere wol!
3990
 ! Kain mensche scholt du töten
 ! Noch dich mit unkeusch nötten!
 ! Hüet dich auch vor stelen,
 ! Vor falscher zeuggnüss helen!
 ! Des andern weibes bger auch nicht
3995
 ! Noch frömdes guotz! die warhait spricht.
 ! Dar zuo bis ze tuonn berait
 ! Die sechs werck der barmhertzikait!
 ! Speis daz hungrig mensche,
 ! Daz dürstig dar zuo trenche!
4000
 ! Daz nachent scholt du bchlaiden,
 ! Dem frömden herberch zaigen!
 ! Den siechen man gesehen schol
 ! Und die gevangen trösten wol!
 ! So muost du haben dîr ze hail
4005
 ! Der siben hailichait ein tail:
 ! Daz ist den tauff ze anevang
 ! Und den crisem, lebst so lang;
 ! Hast gesünt, die rew ist guot,
 ! Gottes lichnam und sein pluot
4010
 ! Und auch daz hailig öl da pei;
 ! Wie sälich priester orden sei
 ! Und wie guot die hailig ee,
 ! Doch lat mans an der sele we.
 ! Tauff und crisem und der orden,
4015
 ! Sind dir die nür einest worden,
 ! So schol man dîrs nicht geben me.
 ! Die andern geit man nu sam e.
 ! Diss ist dannocht als enwicht,
 ! Wilt du dich dar zuo hüeten nicht
4020
 ! Vor den siben sünden gar,
 ! Die tötleich sind und sälden bar:
 ! Daz ist vor böser hohfart,
 ! Vor geitikait, der argen art,
 ! Vor neid und zorn, unkeuschait,
4025
 ! Vor dem frass und trachait.
 ! Hier nach lerne dir ze lest
 ! Daz nützest dir und auch daz best:
 ! Minne got vor allen dingen
 ! (So mag dir nimer misselingen),
4030
 ! Dar zuo deinen ebencristen
 ! In gantzer lieb ze allen fristen!
 ! Tuo auch, was die kirch gepeut:
 ! Daz ist, sam ich es dir weteut,
 ! Vasten sunder ane spotten
4035
 ! Allen hailigen zwelffpotten!
 ! Doch sant Jacob und Philipps,
 ! Sant Johans ewangelist,
 ! Die pringent uns kain vastenwe;
 ! Daz selbig tuot sant Barthlome,
4040
 ! Wo man sein gewonet ist,
 ! Ze vasten im in kainer frist.
 ! Da mit so vaste also schier
 ! Die fronfasten alle vier,
 ! Die langen fasten bis ze ostern,
4045
 ! Den phingstabent und im ogsten
 ! Unser lieben frawen sterben
 ! Und gotz gepürt, der reinen, werden!
 ! Tägleich mess man hören schol
 ! Mit rainem gpett: daz frumet wol.
4050
 ! Wer daz nicht volpringen mag,
 ! Derfüll es an dem feirtag!
 ! Hier zuo du gepunden pist
 ! Und iecleich mensch, daz cristan ist,
 ! Dem rechten pharrer sunderbar
4055
 ! Einest zpeichten in dem jar
 ! Und da mit gottes lichnam
 ! Emphahen, so man schonest kan.
 ! Wer daz nit tät und sturb also,
 ! Den schol man bgraben als ein stro
4060
 ! In den aker, daz ist war,
 ! Hat er über vierzehn jar
 ! Gehabt und sinn, vernunft da mit:
 ! Sich, daz ist der kirchen sitt!"
 ! Des sprach Triefnas ze der vart:
4065
 ! "Nu we mîr, daz ich gporn wart!
 ! Ich waiss nit, wie man peichten schol:
 ! Dar umb ich senden smertzen dol."
 ! Lastersak der chond sein vil:
 ! "Hörr, was ich dir sagen wil."
4070
 ! Sprach er zuo dem Triefnas.
 ! "Wiss, ich wil dir sagen daz:
 ! Du scholt dich noch vil wol gehaben
 ! Und nicht so törleich gar verzagen!
 ! Daz du nicht kanst, daz lerne!
4075
 ! Nu lert man dich doch gerne.
 ! Hörr, ich pin noch ungewicht
 ! Und han gelernt die offen picht!
 ! Pei der selben lernt man wol,
 ! Wie einer haimleich peichten schol.
4080
 ! Die sprich nür nach, sam ich dir sag,
 ! Und bhalt sei auf den lesten tag!

1
 ! Ich sündiger mensch, ich gib mich
2
 | schuldig unserm herren got, meiner
3
 | frawen sant Marien und allen gottes
4
 | hailigen und auch euch, priester, an
5
 | gotz stat, daz ich grössleich gesündet
6
 | han mit worten und mit werken, mit
7
 | gedenchnüss und auch mit verlässechait
8
 | an den zehen gepotten unser schepfers,
9
 | daz ich die nich behalten han; an den
10
 | sechs werchen der erbärmde, daz ich
11
 | die nicht begangen han; an den siben
12
 | hailichait, daz ich die nicht geeret han;
13
 | mit den siben totsünden; an den siben
14
 | gaben des hailigen gaistes, daz ist an gottes
15
 | forcht, an güetichait, an kunst, an sterk
16
 | wider die sünd, an rat, an sin und auch
17
 | an weisshait.  !  Ich derken auch, daz ich
18
 | gesündet han mit meinen fünf sinnen,
19
 | daz ist mit gesicht, mit gehörd, mit sma-
20
 | kung, mit costung und auch mit der rüe-
21
 | rung, und auch mit andern dingen, daz ist
22
 | mit untugend, mit spot, mit hinterred,
23
 | mit hass, mit liegen, mit triegen und
24
 | auch mit zergänchleichen fröden, mit
25
 | üppig er, mit zweiflen an cristem ge-
26
 | lauben, mit ungedultikait, mit ung-
27
 | naden, mit ungehorsami meinen obren,
28
 | mit unstätichait an guotem fürsatz, mit
29
 | übergen der hailigen gpott der kirchen.
30
 | Wie ich mich verschult han, es sei
31
 ! wissend oder vergessen, daz ist mîr laid
32
 ! und rüwt mich von gantzem meinem
33
 ! hertzen und pitt mein frawen sant Marien
34
 ! und alle gottes hailigen und euch, priester,
35
 ! daz îr mîr gnad und antlass meiner
36
 ! sünd umb got derwerbent und nach di-
37
 ! sem leben die ewigen sälichait. Amen."

 ! Do nu diss so gesprochen was,
 ! Lastersak sprach: "Triefnas,
 ! Wiss, daz ist die peicht gemain!
4085
 ! Und wilt du peichten joch allain
 ! Deinem priester all dein sünd,
 ! So tuo, sam ich dir han gechünt,
 ! Und sag im sünderleich da pei
 ! Dein missetat und, wie im sei,
4090
 ! Aigenleich mit gantzer rew
 ! Und setz dir für mit rechter trew,
 ! Die puoss ze tuon an widerstellen
 ! Und fürbas nicht mer sünden wellen!
 ! Tuost daz alles sament nicht,
4095
 ! So wiss, dein peichten ist ein wicht:
 ! Du wirst verschuldent gottes zorn
 ! Und sam eins juden sel verlorn!
 ! Dar umb, vil lieber junger mein,
 ! Daz du vil sälich müessist sein,
4100
 ! Gedench vil eben, wie die welt
 ! Ist geleich dem raisgezelt,
 ! Daz man da ruchet alle tag
 ! Noch gantz und sicher bleiben mag!
 ! Sei ist ein ellend ane laugen;
4105
 ! Dar umb scholt du dich îr glauben
 ! Und trachten haim ze paradeis:
 ! So bist du grecht und dar zuo weis.
 ! Gedench auch, wie die weltleich er
 ! Wüetet sam daz wilde mer
4110
 ! Auf und nider und hin und her
 ! Und nimpt einn ausganch sam daz gswer!
 ! Wo ist der weis her Salamon,
 ! Mit seiner schöni Absolon,
 ! Samson mit der grossen craft,
4115
 ! Des hohen Alexanders macht,
 ! Aristotel mit seinr list?
 ! Seu sind verswunden sam ein mist
 ! Und ist in nichtz auf erd beliben
 ! Dan îr namen ungeswigen.
4120
 ! Daz hilft seu an den selen chlain,
 ! Sein sei nicht an sünden rain;
 ! Dar umb so acht des lobes nicht,
 ! Daz dir zuo sälden chlain geschicht!
 ! Gedench, daz got dich hat geschaffen
4125
 ! Ze einem menschen, nicht zum affen,
 ! Ze christan, nicht ze einem haiden,
 ! Ze einem gsunten und beschaiden!
 ! Des scholt im danchen fleissechleich,
 ! Die weil du lepst auf ertreich,
4130
 ! Und hüeten dich vor missetat.
 ! Und sunderleich (daz ist mein rat)
 ! Fleuch daz unrechtvertich guot,
 ! Wan dîr kain buosse wirser tuot
 ! An deinem lesten ende
4135
 ! Dann wider geben bhende!
 ! Gedenk auch, wie her komen ist
 ! Unser herre Jesus Crist
 ! In eim so strengen orden!
 ! Er ist zuo menschen worden
4140
 ! Und hat derlitten turst und hunger,
 ! Frost im winter, hitz im sumer.
 ! Er hat geprediget und gelert,
 ! Mit arbait hie sein tag verzert.
 ! Pluotes swaiss hat er geswist,
4145
 ! Won er sein marter vor hin wisst.
 ! Er ist geschlagen und gevangen,
 ! Genegelt, sam ein deup derhangen;
 ! An dem chrütz ist er verdorben
 ! Jämerleichen und derstorben.
4150
 ! Sich, daz was im alles vail
 ! Umb anders nicht dann unser hail,
 ! Won er den sünder von dem tod
 ! Erlösen wolt mit sölher not!
 ! Dar umb so bitt in sunderbar,
4155
 ! Daz er dich bschirme durch daz jar
 ! Und helfe so mit seinr begir,
 ! Daz ditz nicht werd verlorn an dir!
 ! Gedench ze lesten, daz du pist
 ! Nicht anders dann ein fauler mist!
4160
 ! An deinem leib daz sichst du wol;
 ! Won du pist gsmaks und aiters vol.
 ! Dar umb so scholt nicht gar umb sust &h &rr
 ! Dein schönen sel mit bosem lust
 ! Ewencleichen gar verderben
4165
 ! Und sei îrs schepfers reichs enterben.
 ! Wiss, daz du von ertreich pist,
 ! Ze ertreich wirst in chlainer frist!
 ! Dar umb so acht pei gsunthait,
 ! Daz du ze sterben seist berait!
4170
 ! Won nichtz ist gwisser todes schlund,
 ! Nichtz ungewisser seiner stund.
 ! Er schleicht da her vil sicherleich,
 ! Im ist der arm recht sam der reich;
 ! Er lat sich über niempt derparmen
4175
 ! Und schlecht den reichen sam den armen.
 ! Wer mag sich dann vor im behalten?
 ! Er nimpt die jungen mit den alten;
 ! Im ist der chrump recht sam der schlecht:
 ! Es kumpt im alles sament recht.
4180
 ! Dein sel enphil, sam ich dir sag,
 ! Nicht einem, der dich liebe hab
 ! Durch leibes oder guotes wegen,
 ! Sunder lass der deinen phlegen,
 ! Der die seinen liebe hat!
4185
 ! Doch so ist der obrest rat:
 ! Tuo wol pei dem leben dein,
 ! Wilt du gottes chindel sein!"
 ! Do nu die red ein end gewan,
 ! Fro Leugafruo her fürher kam
4190
 ! Und sprach: "Ich han mir oft gehört:
 ! Der den leib mit vasten stört,
 ! Pei dem weleibt die sele nicht;
 ! Dar umb so tuo, sam man da spricht:
 ! Halt dich eben an dem leib,
4195
 ! Wilt, daz dir die sel beleib,
 ! Und voll ze stunden, glaub es mir,
 ! Hast du muot, ze weiben dir!
 ! Dar umb, her Straub (îr seitz ein man,
 ! Der der ertznei so vil chan),
4200
 ! Sag dem jungen gantz und eben,
 ! Waz im guot sei zuo dem leben,
 ! Daz er gesunt und frisch welib,
 ! Starch und gerüerich lange zit!"
 ! Straubel antwürt sam ein gsell.
4205
 ! "Niemant reit sich gern ind hell,"
 ! Sprach er; "wisst, ich pin ein man,
 ! Der sich nicht wol betragen chan
 ! Dann mit leuten ungesunten,
 ! Mit geschlagnen und gewunten!
4210
 ! Dar umb tuon ich dir nicht enchunt,
 ! Wie du scholt beleiben gsunt;
 ! Die chunst die wurd mir gar enwicht
 ! Und auch mein appentech zuo nicht."
 ! Bertschi sprach: "Du pists ein knecht,
4215
 ! Dem der phenning füeget recht:
 ! Nu se hin alter haller dri
 ! Und sag mir gäntzleich, wie im si!"
 ! Da mit der artzt ze sinnen kam
 ! Und huob sein taidinch also an:
4220
 ! "Chain ertznei die ward nie so guot
 ! Sam sich gehalten in der huot
 ! Vor ze wenich und ze vil:
 ! Die gsunthait masse haben wil.
 ! Sünderleich scholt du geruochen,
4225
 ! Dir ein guoten luft ze suochen.
 ! Der im hab ein claren gstalt,
 ! Nicht ze haisse noch ze kalt;
 ! Und ist der winde gar ze scharff,
 ! Da wider man der klaider bdarff
4230
 ! Von seiden dick und wol gemacht,
 ! Von lein und paumwull manigslacht.
 ! Der luft ist auch den schlaffern guot;
 ! Dar umb der mensch vil unrecht tuot,
 ! Der im schlaffet an der stat,
4235
 ! Da kain luft hin komen mag.
 ! Ob du aber wonent pist
 ! Pei der erd, die temphich ist,
 ! Daz büesse dir ze winterzit
 ! Mit clarem feur, daz hitze git!
4240
 ! Des sumers so tuo auf die tür,
 ! Daz die feuchteu chum hin für
 ! Und der luft her wider in!
 ! Dar zuo schol gesträuwet sin
 ! Mit chraut die chamer sunder wol,
4245
 ! Daz nicht sei mösich, wassers vol.
 ! Daz ander ist, der gsunthait guot,
 ! Die üebung, die der mensche tuot.
 ! Dar umb so wiss, daz gfüegeu speis
 ! Wil einer haben, spricht der weis,
4250
 ! Der im chlaineu arbait hat!
 ! Hin wider umb man geit den rat:
 ! Grosseu speis er haben wil,
 ! Der sich da üebt und arbait vil.
 ! So wiss auch, daz dir vor dem essen
4255
 ! Ist besser gangen dan gesessen
 ! Und doch nicht auf die müedi gar!
 ! Daz macht dich überflüssen bar.
 ! Nach dem essen macht du sten
 ! Oder dich enweng dergen: k
4260
 ! Daz ist dir guot ze aller frist,
 ! Bis daz die spis gesetzet ist.
 ! Daz drit, daz die nataur wil haben,
 ! Ist daz twahen und daz paden.
 ! Hie so scholt du mercken pei,
4265
 ! Daz man da vindet zwaierlai
 ! Peder nach der gmainen sag:
 ! Swaisspad und auch wasserpad!
 ! Swaisspad daz sei dir berait,
 ! Hast du überflüssichait
4270
 ! Zwüschen flaisch und auch der haut!
 ! Wasserpad mit edelm chraut,
 ! Daz lawich sei und nicht ze haiss,
 ! Macht dich schön und dar zuo faiss;
 ! Und halt dich allweg da pei warm,
4275
 ! Ist, daz dich dein leib derparm!
 ! In der wuchen ze dem maisten
 ! Einest scholt daz twahen laisten
 ! Deinem haubt, so tuost du wol;
 ! Und ze dem minsten zwahen schol
4280
 ! Der mensch sein haubt an widerspächt
 ! In einem mänat: daz ist recht.
 ! Die füesse nach der lere mein
 ! Schüllent oft gerainget sein
 ! Mit lawem wasser sunder wol
4285
 ! Und alles wäschen gschehen schol,
 ! So der mensche nüechter ist.
 ! Des driten stuks beschaiden pist.
 ! Zuom vierden mal scholt wissen daz,
 ! Daz die speis dir füeget bas,
4290
 ! So der hunger mit dir vicht,
 ! Dann dehainer andern gschicht.
 ! Doch so fülle dich nicht satt!
 ! Lass der speis ein läreu stat
 ! In dem magen umbe daz,
4295
 ! Daz er gedewen müg dest bas!
 ! Wilt, daz dichs mas nicht werd gereuwen,
 ! So scholt dus wol und endleich keuwen.
 ! Manich tracht dir laide schafft:
 ! Es nimpt dir kraft und dar zuo macht;
4300
 ! Und wilt du îr geraten nicht,
 ! So nim vil schier daz ander gricht
 ! Auf daz erst an underlass!
 ! In den essen hab die mass,
 ! Das daz gröbist sei daz erst,
4305
 ! Und daz zertist nim ze lest,
 ! Es sei dann ops vil lind getan
 ! (Daz schol man geben vor hin an)
 ! Sam kerssen, feigen, weinper.
 ! Nach dem tisch, so ist mein ler,
4310
 ! Daz man dir herter frucht her trag,
 ! Die die speise truk hin ab:
 ! Daz sind phersich, pieren guot
 ! Und anders, daz daz selbig tuot.
 ! Chäs nach flaisch und nuss zuo fischen
4315
 ! Geb man uns ze allen tischen!
 ! Daz fünft ist, daz man haben muoss,
 ! Trinken zuo des turstes buoss.
 ! Wiss, den rechten turst ich main,
 ! Der den gsuntten chümpt allain
4320
 ! Nach dem essen und nicht vor
 ! Von hitze in des magens tor!
 ! Wie schol aver sein daz gtranch?
 ! Trun, mit fuoge, nit ze lang,
 ! In dem sumer weiss und clar
4325
 ! Oder rosenlecht, nicht swar;
 ! Des winters lat sich trinken bas
 ! Starker wein und rot im glas;
 ! Und ist er liepleich, wol gesmak,
 ! So füegt es recht in deinen sak.
4330
 ! Gelaub auch, daz ein neuwer wein,
 ! Der lauter ist und dar zuo vein,
 ! Ist vil besser dann der alt!
 ! Sei dir dann der mag ze kalt,
 ! So trink enwenk des morgens fruo
4335
 ! Hohen wein, daz ghört dar zuo!
 ! Doch hüet dich, wilt du gsunt sein,
 ! Mit fleiss vor allem gmachten wein!
 ! Des sechsten ist uns allen not:
 ! Daz ist schlaff, den uns gepott
4340
 ! Die nataur ze ruowen wol.
 ! Doch pist du geätzet vol,
 ! So volg dem schlaff nit sam ein vich,
 ! Ob er joch chomen ist an dich!
 ! Du scholtz mit kurtzweil übergen,
4345
 ! Sitzen, tretten oder sten,
 ! Bis daz dich zur andern stund
 ! Der schlaff begreiff: so ist gesunt
 ! Ze schlaffen rüewechleichen gar,
 ! Bis daz dein aug werd schlaffrens bar.
4350
 ! Dar nach tracht dir auf ze sten,
 ! Ze dem stuole dich zdergen!
 ! Lass daz wasser von dir rinnen!
 ! Huostens scholt du auch beginnen;
 ! Rüspel ser und wasch dich drat,
4355
 ! Wirff aus allen unflat!
 ! Sträl dirs haubt und chretz die pain,
 ! Dar zuo mach die oren rain!
 ! Ob dir aver pei dem tag,
 ! Voll des sumers, schlaffens bhag,
4360
 ! So leg dich nider sorgen frei,
 ! Da es aller frischest sei
 ! Und dar zuo vinster sam die nacht,
 ! Ungeschuocht und wol bedacht!
 ! Dar zuo schol man wissen daz:
4365
 ! Daz haubt schol sein gedeket bas
 ! In dem schlaff dann in dem wachen;
 ! So schol man sich des ersten machen
 ! Nur auf die rechten seiten;
 ! So lobt man dhaine zeiten,
4370
 ! Ze schlaffen auf dem ruggen so,
 ! Hangt daz haubet in daz stro.
 ! Auf dem pauch mag einr geligen,
 ! Ist im der magen chalt gedigen.
 ! Daz sibend, daz dîr füeget wol,
4375
 ! Ist ein hertz mit fröden vol;
 ! Da leit der gsunthait gar vil an.
 ! Dar umb so schol ein iecleich man
 ! Sich hüeten gar vor ungemüet
 ! Und zorn, der im daz pluot verprüet.
4380
 ! Unmuot dert, der zorn derpert
 ! Und machent flaisch und pain ze hert.
 ! Doch ist klainer zorn wol guot,
 ! So er dem man derkükt daz pluot.
 ! Daz feur kümpt auch zuo disem eben;
4385
 ! Won es geit fröd und steurt daz leben.
 ! Doch so ker dich gen im nicht:
 ! Es ist zum antlütz gar ein wicht!
 ! Und wîrst du gar von im ze warm,
 ! Es macht dich an den chreften arm.
4390
 ! Ze lesten wiss daz eins von mir:
 ! Waz der man von hertzen gir
 ! Gerne singt, daz ist sein gsank,
 ! Lustleich trinkt, daz ist sein gtrank,
 ! Willkleich isst, daz ist sein speis!
4395
 ! Dar umb so saget uns der weis:
 ! Wollust und gewonhait
 ! Fälschent kunst und grechtikait
 ! Und verkerent die nataur,
 ! Daz auss dem edeln wirt ein gpaur;
4400
 ! Ein gpaur der wirt ein edelman,
 ! Der sich dar nach gewenen chan."
 ! Richteinschand die merket eben,
 ! Daz Straub im wolt ein ende geben,
 ! Und sprach: "Noch han ich nichtz vernomen,
4405
 ! Dann daz ein münche möcht gefromen.
 ! Der chnecht wil unser muomen haben
 ! Und sich mit diser welt betragen;
 ! Dar umb so ziment seiner jugent
 ! Guot gepärd und ander tugend."
4410
 ! Übelgsmach des nam sich an
 ! Und sprach: "Ein überweiser man
 ! Der spricht, er künn ein faulen schlehen,
 ! Und lat sich pitten und auch flehen
 ! Umb ein wörtel oder zwai.
4415
 ! Des aht ich alles nicht ein ai
 ! Und sag dir, sam ich mich versich;
 ! Der bessers kün, der trett für mich!
 ! Lern und hörr, was ich chan singen!
 ! Tugend ist vor allen dingen:
4420
 ! Niemant sälig wesen mag
 ! Ane tugent, ist mein sag.
 ! Seu geit allain dem adel chraft,
 ! Den sein tugend edel macht.
 ! So wil sei anders von dir nicht
4425
 ! Dann guoten willen, sam sei spricht;
 ! Won der im gerne tugend schaft,
 ! Der ist ieso tugenthaft.
 ! Doch scheint sei an dem reichen bas;
 ! Won ein sprüchwort saget daz:
4430
 ! Dem der seckel steket vol,
 ! Den hört man gern und glaubt im wol.
 ! Dannocht hab dir daz von mir:
 ! Hast du tugend vil in dir,
 ! Und ist dir joch der päutel lär,
4435
 ! Er wirt dir vol und dar zuo swär!
 ! Hie so scholt du wissen pei,
 ! Waz die obrest tugend sei:
 ! Sich, es ist ein muoter alt,
 ! Von tag ze tag ie bas gestalt!
4440
 ! Tochtren hat sei schöner vier:
 ! Merch, die nenn ich dir so schier!
 ! Die erst die haist die weishait,
 ! Die ander ist die grechtikait;
 ! Die sterki und die mässichait
4445
 ! Sein dir auch für zwo gerait.
 ! Nu dar, gedenk, wie gar behend
 ! Sind die hohen tugend gnent!
 ! Daz frümpt dir dannocht alz ein wicht,
 ! Hörst îr gpott und lere nicht;
4450
 ! So get dir hören nit ze handen
 ! Und daz lesen unverstanden.
 ! Waz hulffi dann daz funden golt,
 ! Ob man es nicht behalten wolt?
 ! Dar umb, mein lieber sun, vil gern,
4455
 ! Was die tugend singin, lern!
 ! Hörr und merk und bhalt îr gpot,
 ! Îr ler dar zuo an allen spot!
 ! Daz sag ich nach enander dir
 ! Und wiss des ersten daz von mir:
4460
 ! Die weisshait ist ein ertzetugent
 ! Und leret uns mit îr vermugent
 ! Derkennen, waz ist bös und guot,
 ! Daz kain andreu tugent tuot.
 ! Sei ist die erst nach rechter sag;
4465
 ! Won niemant tugend gehaben mag
 ! An die weisshait, glaub es mir!
 ! Dar zuo so wil ich sagen dir:
 ! Die weisshait macht ein tail geleich
 ! Den menschen got von himelreich,
4470
 ! Vil me dann ander tugent zwo.
 ! Dar zuo so spricht die ler also:
 ! Her Salomon im ausderwelt
 ! Hat die weishait und gezelt
 ! Für reichen schatz und langes leben;
4475
 ! Dar umb so hat im got gegeben
 ! Mit der weishait alles guot;
 ! Won daz volget weisem muot.
 ! Bei der swär verkauft man swein,
 ! Den menschen nach den witzen sein.
4480
 ! Hier nach scholt du wissen schier:
 ! Die weishait hat der diernen vier.
 ! Die erst gedenknüss ist genant.
 ! Pei der gepeut sei dir zehant
 ! Vier gepott, die scholt du bhalten,
4485
 ! Von in nimer dich geschalten:
 ! Daz ist, du scholt gedenchen eben
 ! An der bösen menschen leben,
 ! Wie hart es oft geendet hat,
 ! Und hüeten dich vor missetat.
4490
 ! Gedenk hin wider an daz leben,
 ! Daz den guoten ist gegeben,
 ! Wie es mit sälden nimpt ein ende.
 ! Und dich ze rainen werken wende!
 ! Gedenk, waz man dir schuldik sei,
4495
 ! Gedenk auch, waz du scholt, da pei,
 ! Daz du gehaben mügst daz din,
 ! Dem andern geben auch daz sin!
 ! Die ander haist versichtikait.
 ! Pei der gepott sei dir berait
4500
 ! Viereu, die man lernen schol
 ! Und dar zuo volgen sunder wol.
 ! Daz ist: besich, wer ist der man,
 ! Der mit dir wil ze schaffen han,
 ! Daz dir nicht gschech sam den gemain,
4505
 ! Die chaffent pech für augstain!
 ! Besich ein dinch, daz dich an trift,
 ! Von welher sach es sei gestift.
 ! Waz auch dar us müg werden,
 ! Wilt bhentkleich nit verderben!
4510
 ! Besich, an welher stat du gest,
 ! Ligest, sitzest oder stest!
 ! Und wo die schelke habent gewalt,
 ! Da lass dich selten werden alt!
 ! Besich, in welhem zeit du pist,
4515
 ! Dar zuo, wie daz weter ist,
 ! Daz du deinen mantel gswind
 ! Mügest keren gen dem wind!
 ! Die dritte diern die haist die list.
 ! Pei der dir auch gepotten ist,
4520
 ! Daz du vernemist diseu viere
 ! Und auch verpringist also schiere;
 ! Daz ist: geleich dich einem man,
 ! Der dir mit worten gleisnen chan!
 ! Hie pei merke und derkenn,
4525
 ! Wie man list mit listen temm!
 ! Dar zuo so dank betrogenleich
 ! Einem, der unwillechleich
 ! Gabet dir und dienet wol!
 ! So hat er, das er haben schol.
4530
 ! Hier nach, hast du müessen sweren,
 ! Eim ze tröschen und ze eren,
 ! So scholt du im den naken peren,
 ! Wilt du dich mit listen neren.
 ! Dannocht uns die weisen sagend:
4535
 ! Wo die toren bessers habend,
 ! Da scholt du dich ze narren machen
 ! Listechleich an allen sachen.
 ! Die vierde ist der lere fund.
 ! Bei der gepeut man dir zestund
4540
 ! Viereu, die dir chomend wol,
 ! Wil du lernen, sam man schol;
 ! Daz ist: du scholt dich dunken arm
 ! An der chunst sam lärer darm
 ! Und an der ler derzaig dich reich!
4545
 ! So tuost eim weisen maister gleich.
 ! Lerr den junger nach dem sin
 ! Mit rechter lieb! Daz ist sein gwin.
 ! Nach der sterki hef den tramen,
 ! Nach dem ertreich sä den samen!
4550
 ! Wilt du haben schuoler gunst,
 ! So ler die aller besten chunst
 ! Mit kurtzer weis: der scholt du phlegen
 ! Und lass daz ander under wegen!
 ! Schol die lere sein genäm,
4555
 ! So bis mit deinem leben gezäm!
 ! Wan des ler uns gar verdreust,
 ! Der sich mit seiner zungen scheust.
 ! Die grechtikait ein tugent ist,
 ! Die dich lert ze aller frist,
4560
 ! Wie du niemant schaden scholt
 ! An leib, an er noch an dem golt,
 ! Sunder iedem scholt du eben
 ! Daz sein vil willechleichen geben.
 ! Die tugend schätz man für die grösten
4565
 ! In got von himelreich, dem höchsten
 ! Richter, der mit seinem gwalt
 ! Die grechtikait vor allen bhalt!
 ! Wer möcht dann auf erd geleben,
 ! Wär die rechtikait nicht geben?
4570
 ! Nu chöndin rauber nicht beleiben,
 ! Ir zeit mit gsellschaft stätz vertreiben,
 ! Hieltins unter enander nicht
 ! Daz gsetzt, daz zwüschen in geschicht.
 ! Die hat der dienerinen zehen;
4575
 ! Die wirst du nach enander sehen,
 ! Iecleicheu besunder schiere,
 ! Mit îr gepotten, der sein viere:
 ! Es sint die strengeu und die gnad,
 ! Die warhait und die eregab,
4580
 ! Frid und minn mit freuntschaft,
 ! Gehorsam, treuw, unschadhaft.
 ! Pei der strengeu gpeut man dir,
 ! Daz du scholt legen dein begir,
 ! Die bösen leut ze nöten
4585
 ! Mit stumbeln und mit töten.
 ! Haubt gen haubt und fuoss gen fuoss:
 ! Sich, daz ist die rechtisch puoss!
 ! Der frömdes guot mit gwalte hat,
 ! Das schaff hin wider also drat
4590
 ! Mit allen nützen, die man gnomen
 ! Hat und mochten da von chomen!
 ! Also scholt du an gesigen
 ! Einem, hat er umb getriben
 ! Den andern pöschleich an dem gricht,
4595
 ! An aller zerung, die da gschicht.
 ! Wil auch der man unghorsam sein,
 ! So gib im nür die selben pein,
 ! Die er aller maiste fürcht,
 ! Und voll, hat ers vil oft verwürcht!
4600
 ! Pei der gnad man dir gepeut
 ! (Hörr, wie eben sei dirs beteut!):
 ! Kain urtail schol gevallen dir,
 ! Die nicht enhat derbärmd in ir.
 ! Ist die sach verworren gar,
4605
 ! So volg nicht böser juden schar,
 ! Sunder ker dich auf daz best
 ! Und auf daz gnädigost ze lest!
 ! Hier zuo scholt du dich derparmen
 ! Über wittwen und die armen,
4610
 ! Über waisen, gaistleich leut
 ! Und über gtrüwer wirker heut.
 ! Dennocht macht genade tuon,
 ! Umb frid ze haben oder suon,
 ! Einem, der joch schuldig wär,
4615
 ! Ist er an der macht ze swär.
 ! Pei der warhait gpeut man eben,
 ! Daz du durch kainer sache wegen
 ! Leugen scholt, geselle, sich,
 ! Wilt du vor sünden hüeten dich!
4620
 ! Wer sich leugens nit kan massen,
 ! Den scholt du niemer sweren lassen;
 ! Won der die zungen felschen wil,
 ! Der acht des aides auch nicht vil.
 ! Hüet dich auch vor lügner her,
4625
 ! Wilt behalten guot und er!
 ! Won kain flaisch ward nie so böse
 ! Sam die liegent zung, die löse.
 ! Hast du iemant ichtz versprochen,
 ! Daz scholt du laisten ungeprochen,
4630
 ! Es wär dann, daz er an dir bräch
 ! Oder daz mit sünden gschäch.
 ! Bei der ergab wil sei daz,
 ! Daz du scholt eben wissen, was
 ! Du gebist, war um und auch wem,
4635
 ! Es sei disem oder dem.
 ! Gib daz din und anders nicht!
 ! Wan die warhait also spricht:
 ! Got der wil nicht opher haben
 ! Mit des andern menschen schaden.
4640
 ! Gib auch freileich, wilt du geben,
 ! Und lass verziehen unterwegen!
 ! Won geist du schier, so geist du zwîr,
 ! Pleibts pei dir, so nimpst es mîr.
 ! Lass dich auch vil wench betragen,
4645
 ! Gab ze geben wider gaben!
 ! Niemant lass dich öberwinden,
 ! Es sei mit gaben oder schinden!
 ! Pei dem frid man dîr gepeut,
 ! Daz du nicht hassen scholt die leut;
4650
 ! Won wo nicht frid ist in dem haus,
 ! Da hat man got vertriben aus.
 ! Wilt du han frid gen iedem man,
 ! Wo tuo, sam einer hat getan:
 ! Der danchet allem guot ze stett
4655
 ! Und swaig, so man im übel tett!
 ! Wilt du stäts mit fride sein
 ! Sunder mit dem gsellen dein,
 ! Emphilch im wenig deiner sach
 ! Noch ste mit im unter einem tach!
4660
 ! Wilt du krieg zuo fride machen,
 ! So wiss, daz du in allen sachen
 ! Scholt vil süesser rede phlegen:
 ! Daz füegt sich zuo dem suon vil eben!
 ! Pei rechter minn ist dir gepotten,
4665
 ! Daz du niemants wellist spotten;
 ! Anders, swer ich dir pei gott,
 ! Sicherleich du wirst ze spott.
 ! Wilt du wesen lieb gehabt,
 ! So tuo, sam uns die lere sagt,
4670
 ! Und halt in gantzer lieb die leut!
 ! Hörr, was sei dir me gepeut!
 ! Wilt du haben paradeis
 ! Auf diser erd an helleweis,
 ! So tracht, daz du dein eleich weib
4675
 ! Habist lieb sam deinen leib!
 ! Hab auch lieb zuo andern dingen,
 ! Wilt, daz seu dir sälde pringen!
 ! Won kain sach die macht dich frei,
 ! Hast nicht liebeu minn da pei.
4680
 ! Pei der früntschaft daz vernim!
 ! Du scholt den freunt zuo deinem gwin
 ! Versuochen lang; der weise spricht:
 ! Den bwärtten halt und lass in nicht!
 ! Dem freuntleichen tuo wol auf erd,
4685
 ! Daz er dest freuntleicher dir werd!
 ! Dem veint dem scholt nicht übel tuon
 ! Umb freuntschaft und umb lieben suon.
 ! Hilf dem freunt ze aller frist
 ! Ungeruoft, so im gebrist!
4690
 ! Der sein mag gehaben rat,
 ! Dem hilf, so er dich gpetten hat!
 ! Tuo dem freunt und iedem man,
 ! Das du von im begerest han,
 ! Und mass dich des, des seu bevilt
4695
 ! Noch du von inen haben wilt!
 ! Pei der gehorsam schreibt man dir,
 ! Daz du scholt volgen mit begir
 ! Deinem herren, wer er sei,
 ! An guoten gbotten sünden frei.
4700
 ! Deinen eltern und îrm rat
 ! Scholt du volgen fruo und spat,
 ! Ob seu treuleich mainent dich
 ! Und auch die sach wol füeget sich.
 ! Deinem maister volg noch mer
4705
 ! Dan dir selber an der ler,
 ! An gpott und allen dingen,
 ! Wilt du nach eren ringen!
 ! Dannocht, wilt du sein gerecht,
 ! Volg der dirnen, hörr den knecht,
4710
 ! Bis gehorsam einem chind
 ! An sachen, die dir nütze sind!
 ! Pei der trew man rüefft dich an:
 ! Bis getrew, o werder man!
 ! Die treuw ein schlüssel ist der er:
4715
 ! Wer den verleust, der taugt nit mer.
 ! Der würffel der ist gar enwicht
 ! Und hat der treuwen in im nicht;
 ! Dar umb so spil nicht, so es gilt,
 ! Mit dem du treuwe halten wilt!
4720
 ! Hat dir einr sein haimlichait
 ! Auf getan und für gelait,
 ! Daz scholt du bhalten sunder taugen
 ! Mit gantzen treuwen sam dein augen.
 ! Doch scholt du getrauwen swach
4725
 ! Einem in vil grosser sach,
 ! Hast du noch nit mit im gessen
 ! Ein vierding saltz wol auf gemessen.
 ! Pei der unschad man dich mant,
 ! Daz du dir selb nicht tüegist ant.
4730
 ! Bis auch niemant anderm swär:
 ! Daz macht dich werd und dar zuo mär!
 ! Wilt du sein unschädleich gar,
 ! So hüet dich vor der schedleich schar,
 ! Daz ist vor dienern an den dingen,
4735
 ! Die den schaden mügen pringen!
 ! Ner dein leben und dein guot,
 ! Halt dein er mit rechter huot!
 ! Gesigest joch den veinten an,
 ! Dannocht pist kain schädleich man.
4740
 ! Pist du richter, hast den gwalt,
 ! Hörr den andern tail vil bald!
 ! Richt nach recht, daz ist mein rat!
 ! Niemant dich für schedleich hat.
 ! Die sterkeu nimpt man zwivaltkleich:
4745
 ! Die erste macht den leibe reich;
 ! Die schol man schätzen für kain tugend,
 ! Wan oft ein schalk hat die vermugend.
 ! Die ander vestnet gar den muot;
 ! Seu ist ein zarteu tugent guot
4750
 ! Und weist uns übergen mit kraft
 ! Alle böshait ungeschlacht.
 ! Die ist die vordrest und die best
 ! An edelchait mit gantzer vest
 ! (Won wer îr nit wil gewalten,
4755
 ! Der mag die andern wench behalten)
 ! Und hat fünf mägettein gemait:
 ! Die erst daz ist die sicherhait,
 ! Die ander haisset hoher muot,
 ! Die dritte daz gedinge guot,
4760
 ! Die vierd die ist genennet stät,
 ! Der fünften spricht man gdultikät.
 ! Die erste chümpt und spricht zuo dir:
 ! «Fürchst dir, daz scholt sagen mir!»
 ! [Sprichst du das scholt sagen mir]
4765
 ! Sprichst du: «Ja, ich pin in sorgen,
 ! Ich köm ze armuot bis auf morgen»,
 ! Des antwürt sei dîr ane zorn:
 ! «Ich wolt, du hietst da mit verlorn
 ! Die geitikait, die dich da reit,
4770
 ! So wärist reich ze aller zeit.»
 ! Fürchst du hinderred, so sprichtz:
 ! «Tuo daz best und bsorg dein nichts!
 ! Die bösen valscheu märe sagend
 ! Und nicht, daz wir verdienet habent.»
4775
 ! Besorgest aver siechtagen,
 ! Dar zuo kans ein anders sagen:
 ! «Der siechtuom mag nit ewenchleich
 ! Pei dîr gesein» und dügeleich.
 ! «Fürchst den tod, so bist ein chind,»
4780
 ! Sprichst sei zuo dir gar geswind.
 ! «Er ist kain schand, so muost auch sterben:
 ! Niemant mag sein übrig werden.»
 ! Die ander get her muotes fro
 ! Und spricht: «Mein fraw die wil also:
4785
 ! Ze grossen dingen scholt dich piegen;
 ! Won chain adler vahet fliegen.
 ! Streit vil e umb die gemain,
 ! Dan du vechtist umb dich ain!
 ! Gemainer nutz der get hin für,
4790
 ! Ainiger bleibet pei der tür.
 ! Hast ein hertz mit hohem muot,
 ! Derpeut den leuten er und guot
 ! Und, ob man dein nicht achten wil,
 ! Schlach hintnan auf und sorg nit vil!
4795
 ! Pist ein man, du scholt nit fliehen,
 ! Es sei dann, daz du fuder ziehen
 ! Müessist in so grosser not,
 ! Daz beleiben wär dein tod.»
 ! Die dritt die saumpt sich auch nit lang:
4800
 ! Sei vert gen dir mit irem gsang;
 ! Daz spricht: «Hab trost in deinem muot!
 ! Daz ist dir zuo dem leben guot.
 ! Verzag nicht, held, daz ist mein rat!
 ! Wie oft ein man verloren hat
4805
 ! All sein hab in einem spil
 ! Und dar nach gwunnen zwîr als vil!
 ! Hab geding und lass es nicht,
 ! Ob dir joch niemer guot geschicht!
 ! Won oft ein Swab der nimpt sein end
4810
 ! Mit guotem trost, der smertzen went.
 ! Sünderleichen hab geding,
 ! Ob dich der wind mit regen zwing!
 ! Und kümpt der sunnen schein entzwischen,
 ! So macht die fröd mit sorgen mischen.»
4815
 ! Die vierd berait sich auf die vart
 ! In blawem gwand (îr red ist zart)
 ! Und spricht: «In deinem gdenchen
 ! Hüet dich vor willwenchen!
 ! Bis in endvarwe stät
4820
 ! In fröden und in hertzeläd:
 ! Mit dem ersten dich nicht weg
 ! Noch dich pei dem andern leg!
 ! Ein recht daz hat die stätichait,
 ! Daz du scholt ze tuon sein brait:
4825
 ! Pleib nit pei den bösen dingen,
 ! Von guoten lass dich niemant pringen!
 ! Doch so wär nicht ungezäm,
 ! Ob ein man daz besser näm
 ! Und liess daz guot, da ers hiet funden,
4830
 ! Er sei dann anders dar zuo gpunden.»
 ! Die fünft nicht lat, sei chöm zuo dir
 ! Und pring der seken vier mit ir,
 ! Die iedem sunder füegent wol,
 ! Der ze hof beleiben schol.
4835
 ! Der erste sak schol chlaider haben:
 ! Die scholt du sauberleichen tragen;
 ! Won pist reich mit deiner wat,
 ! Dest bas man dich in eren hat.
 ! Der ander sak ist phenning vol.
4840
 ! Der kümpt dir sunderleichen wol:
 ! Er schafft dir freunt und dar zuo gsellen,
 ! Niemant tar dir wider stellen.
 ! Der dritte sak ist gtürstikait.
 ! Der ist dir auch dar zuo berait,
4845
 ! Daz du dich freileich machist her,
 ! Nicht sam ein plauger winterper.
 ! Der leste sak ist gdultichait,
 ! Der all dein leiden übertrait
 ! An peiten, vasten und an wachen,
4850
 ! An sweigen und an andern sachen."
 ! Ze stett do sprach fro Richteinschand:
 ! "Ich merch, îr seitz ze hof bekant;
 ! Dar umb ich euwer wirdü pitt:
 ! Lert in hofzucht auch da mit!"
4855
 ! Des äntwürt Übelgsmach vil drat:
 ! "Begert er daz, so ist mein rat,
 ! Daz er sich selb ze hofe mach:
 ! Da lernt er zucht an maniger sach;
 ! Pei hüenren lernt man gatzgen,
4860
 ! Pei sweinen seuwisch smatzgen.
 ! Doch so spricht man oft und vil:
 ! Wer ein hofman werden wil,
 ! Der hab einn pauren in dem sinn
 ! Und, wes der gpäurisch im beginn,
4865
 ! So tuo daz widerwärtich schier:
 ! Des wirt er hofleich und gezier.
 ! Also mag ich Bertschin sagen:
 ! Wil er sich nach züchten haben,
 ! Daz müg er lernen, sam man spricht,
4870
 ! Bei seiner hochzeit, ob sei gschicht.
 ! Hie mit ker ich mein vermugend
 ! Hin wider ze der lesten tugend:
 ! Die ist die mässichait genant,
 ! Mangem hertzen underkant;
4875
 ! Won selten iemant phligt der mass
 ! Stäticleich an underlass.
 ! Dar umb so wiss, wann iedeu sit
 ! Vor- und hintnan alle zit
 ! Verwürchet ist mit bösen sitten,
4880
 ! So leit die mässichait enmitten!
 ! Des nim ein beischaft an der vart!
 ! Hie ist der geuder, dort der charg:
 ! Der geuder ist ein sölich man,
 ! Der nichtznit im behalten kan.
4885
 ! Der karg verpirgt es allessampt
 ! Und mag nicht geben aus der hand.
 ! Die habend paide böseu weis;
 ! Dar umb so trait der milt den preis:
 ! Der lebt nach mittlen massen
4890
 ! An haben und an lassen;
 ! Daz ist, er geit hin, daz er schol,
 ! Und behalt daz überig wol.
 ! Dar zuo wiss, daz mässichait
 ! Ist ein tugend so gemait,
4895
 ! Daz niemant sei verlassen schol
 ! Durch ander sach: so tuot er wol!
 ! Sei hat der zarten junchfrawen
 ! Drei und ein: die scholt du schawen.
 ! Daz ist die diemuot, gottes chlait,
 ! Daz ist die diemuot, gottes chlait,
4900
 ! Schamung, gfuorung, cheuschait.
 ! Pei den wirst du ieso sehen
 ! Punden wol auf sechszehen.
 ! Was die erste sagen well,
 ! Daz merk vil eben, lieber gsell!
4905
 ! Sei sprichet: «Wilt du han den preis,
 ! Für ander gar gezellet weis,
 ! So wil ich dich des einn beschaiden:
 ! Du muost dich diemüetich derzaigen.
 ! Wilt du chomen an gewalt,
4910
 ! Hab ein diemüetigen gstalt!
 ! Won der sich höcht, der kumet nider,
 ! Und, der sich nidert, der get wider.
 ! Wilt du, daz man dein nicht spott,
 ! So hörr die andern zwai gepott!
4915
 ! Wiss, du scholt dich selten
 ! Loben oder schelten!
 ! Bis auch nicht ze diemüetig,
 ! Daz dir der narr nicht an gesig!»
 ! Was wil die schamung haissen dich?
4920
 ! Do spricht sei, sam ich mich versich:
 ! «Scham dich aller missetat,
 ! Wilt du nicht schand! Daz ist mein rat.
 ! Schame dich auch andrer vart,
 ! Die nicht gar erleich sei von art!
4925
 ! Won der sich nit kan haben inn,
 ! Der ist ein tor in meinem sin.
 ! Schämich mach auch deineu kinder,
 ! Daz seu nicht leben sam die rinder,
 ! Wan man oft des kindes schand
4930
 ! Zelt dem vatter in die hand!
 ! Doch so wiss, ein weiser man,
 ! Der mächtig ist und alt getan,
 ! Schol nicht gar ze schämig sein,
 ! Daz er ze kindisch nicht enschein!»
4935
 ! Was kan die dritte dir derzaigen?
 ! Des lass dich auch von mir beschaiden!
 ! Hörr, du scholt gefüeggig sein
 ! An haus und an den chlaidern dein!
 ! Bis gefüerig an der kost,
4940
 ! An dem wein und an dem most!
 ! Won daz überig schaden tuot
 ! An sel und leib und an dem guot.
 ! Pist du eines erbern sins,
 ! So lass dich bnüegen kleines gwins!
4945
 ! Chlainer gwin ist got mär,
 ! Den grossen suochent wuochrer.
 ! Doch so macht du vil wol haben
 ! Grosses guot pei deinen tagen,
 ! Kümpt es alz von rechtem gwin
4950
 ! Und hilfft den armen auch mit im.
 ! Was singt uns dann die keuschait?
 ! Anders nichtz, wenn daz ein mait
 ! Schol keusche sein mit iren augen,
 ! Wil sie sich böser gdenken glauben.
4955
 ! Sei schol auch keusch sein an gedenken,
 ! Wil sei mit werchen sich nit krenken.
 ! Minner werch schol sei nicht kiesen,
 ! Wil sei daz krentzel nicht verliesen.
 ! Dennocht ist ein mensche keusch,
4960
 ! Treibt es ander kain geteusch
 ! Dann allaine bei der ee.
 ! Da mit so sag ich dir nicht me."
 ! Siertdazland die was behend;
 ! "Mich duncht, der rede sei ein end,"
4965
 ! Sprach sei; "noch ist eins beliben
 ! Da hintnan nit gar wol verswigen
 ! Und, daz einer muoss halt künnen,
 ! Dem wir unser muomen günnen:
 ! Daz ist (hört mich all geleich!):
4970
 ! Haus ze haben witzechleich.
 ! Waz hilf daz weibe, daz îr man
 ! Ausrenthalb joch gar vil kan
 ! Und ein narr ist in dem haus?
 ! Dar umb sagt im es gar her aus,
4975
 ! Was im nütz sei zuo dem leben,
 ! Wellen wir im Mätzen geben!"
 ! Daz was auf Saichinkruog geredt;
 ! Wenn die andern sprachen zstett:
 ! "Ditz kan niemand also wol
4980
 ! Sam Härtel hausgeschäftes vol.
 ! Er hat wol sechtzig jar und me
 ! Haus gehalten pei der ee."
 ! Saichinkruog in antwürt do
 ! Vil züchticleich und sprach also:
4985
 ! "Es wisst wol, sam ich wissent pin:
 ! Als manich haubt, als manger sin;
 ! Dar umb so hat auch iecleich haus
 ! Seinen sitten, seinen saus.
 ! Also lerts sich selber wol,
4990
 ! Wie einr sein haus bewaren schol.
 ! So ist des menschen gmüet so blind:
 ! Wes er sich für wars versint,
 ! Daz get im nach auf steltzer fuoss;
 ! Dar umb ich in nicht leren muoss."
4995
 ! Fro Siertdazland hin wider umb
 ! Sprach: "Euch ist daz maul ze chrumb.
 ! Secht îr nicht, daz alles spil
 ! Chunst und witze haben wil?
 ! Oft chan einr für ander ächt
5000
 ! Springen, tantzen, mätzigschäft.
 ! So muoss man lernen scheiterspalten,
 ! Daz lichter ist dann haus ze halten.
 ! Was täusest dann von steltzer pain?
 ! Waisst nicht, daz man spricht gemain:
5005
 ! Hilf dir selb, so hilft dir got?
 ! Mich dunkt, du redist aus eim spott.
 ! Der nicht wolt lernen fürsich sehen,
 ! Dem wurd ze gleicher weis geschehen,
 ! Sam der fleugen gschach hie vor
5010
 ! Pei der weisen ämbess tor,
 ! Die von hunger muosset vasten:
 ! Do hiet die ämbess vollen casten.
 ! Dar umb so sagt dem guoten gsellen,
 ! Wie er sein hause schüll bestellen!
5015
 ! Daz chümpt im recht und ist sein fuog."
 ! Do sprach Härtel Saichinkruog:
 ! "Wol an, daz sei! So ler ich dich
 ! Des besten, so ich mich versich.
 ! Wilt du halten haus mit eren,
5020
 ! Das scholt des ersten so an keren:
 ! Ze tragen in der täschen tracht
 ! Ein ander haus von silber gmacht,
 ! Daz du dir chauffen mügest so
 ! Häw und fuoter, dar zuo stro,
5025
 ! Wein und korn und holtz da mit,
 ! Hîrs und kraut (daz ist der sitt),
 ! Bonen, ärwess, gersten, smaltz,
 ! Linsen, flaisch ze terren, saltz,
 ! Hausgeschier und bettgewand,
5030
 ! Käs und ops und manger hand,
 ! Iecleichs pei den seinen zeiten!
 ! Daz ist dir nütz ze allen seiten.
 ! Und chauff daz best mit gantzer trüw,
 ! Wilt, daz es dich nicht gerüw!
5035
 ! Hochzeit und daz tägleich laden
 ! Hat ein er und zwen schaden.
 ! Mit gesten nicht daz dein verzer,
 ! Wilt du behalten guot und er!
 ! An pheiffern und an chlainet,
5040
 ! Sam es die lere mainet,
 ! Zerung umb die ritterschaft,
 ! Wiss, die ist vil erhaft!
 ! Sunderleich lass dich herparmen
 ! Über deinen freunt vil armen!
5045
 ! Pauw nicht heuser durch den tod,
 ! Dich zwingi dann die starke not!
 ! Won gmachetz haus, geschribens buoch,
 ! Beschlaffens weib, versnitten tuoch,
 ! Dar zuo hefen alter plunder
5050
 ! So wolfeil sind, es ist ein wunder.
 ! Triefends tach man bessern mag:
 ! Schädli wäger dann ein schad.
 ! Erber gwand und nicht ze reich,
 ! Wiss, daz ist gar lobeleich,
5055
 ! Ist es sauber, nicht beschissen,
 ! Wol vernait noch so zerrissen
 ! Und daz gewönleich sei der zeit;
 ! Neuwer sitt die narren reit.
 ! Hüenren gschrai und gensen gsanch
5060
 ! Hörr vil gern! Des gwinst du danch.
 ! Dein hund daz sei ein rüd vil guot,
 ! Der dir daz dein beschirm mit huot!
 ! Cost ist guot umb kinder ler;
 ! Mit haimsteur auch daz dein verzer!
5065
 ! Tailst den armen mit dein hab,
 ! Daz volgt dîr nach bis in dein grab.
 ! Doch besich in deinem sin,
 ! Daz dir vil grösser sei der gwin
 ! Dann die zerung alle tag!
5070
 ! Won ein geschicht dir chomen mag,
 ! Die dir zucht in einem zeisen
 ! Deinen gwin von langen zeiten.
 ! Wie man aver gwinnen schol,
 ! Bewaren sich vor schaden wol,
5075
 ! Daz sag ich dir vil recht her aus:
 ! Bis du herr in deinem haus!
 ! Wiss, und trait dein weib die pruoch,
 ! Sei wîrt dein hagel und dein fluoch
 ! Wider got und sein gepott!
5080
 ! Hier zuo wîrst der leuten spott.
 ! Dar umb so sitz ir auf dem nak
 ! Und halt sei sam den fuchs im sak!
 ! Schaff, daz sei behalt vil eben,
 ! Was îr in die hend wirt geben!
5085
 ! Schaff auch mit îr so ze stett,
 ! Daz sei küchi, tisch und pett
 ! Schon berait und sauber halt,
 ! Wol sei pei dir werden alt!
 ! Haiss sei fürben, nän und spinnen,
5090
 ! Melchen, säugen, wilt du gwinnen!
 ! Lass sei selten müessig gen!
 ! Daz selbig scholt du auch versten
 ! Von deinen tochtren so ze hant;
 ! Und ist es inen underchant,
5095
 ! So tracht, daz sei es lernin schier
 ! Tag und nacht für ander vier!
 ! Won was dein weib dir kunnen schol,
 ! Daz füegt eim andern auch vil wol.
 ! Deim sun emphilh daz stäbli nicht,
5100
 ! Sam der lieb sant Bernhart spricht!
 ! Ler in drat nach deiner macht
 ! Hantwerch oder chauffmanschaft
 ! Und die gschrift vor allen dingen,
 ! Wilt du in ze selden pringen!
5105
 ! Mag er pei dir nicht werden teur,
 ! So schik in aus! Daz ist sein steur.
 ! Hast du knecht in deiner huot,
 ! Vertrag îr keinem übermuot!
 ! Getrauw dem gleichsner auch nit wol!
5110
 ! Merk, ein diener wesen schol
 ! Ghorsam, gtreuw, beleipleich,
 ! Cheusch und gdultig, nit gar reich,
 ! Sinnig, endleich ane chlagen!
 ! So schol er auch ein herren haben,
5115
 ! Der erber sei und geb genuog
 ! (Doch grober speis: daz ist sein fuog)
 ! Und der im seinen lon mit macht
 ! Nichtzen vorhab über nacht.
 ! Dar umb bezal und mach seu vol
5120
 ! Und tracht, daz seus verdienen wol!
 ! Und wilt du haben sicher gwin,
 ! So ste vil fruo auf sampt mit in
 ! Und sich auch selber zuo dem vich,
 ! Wilt du nit teichen hintersich!
5125
 ! Waisst nicht auch, daz ich da waiss?
 ! Dein selbers aug daz vich macht faiss.
 ! Pist aber faul in deiner sach,
 ! Dein gsind im schaffet auch gemach
 ! Und gedeicht, daz wirser ist,
5130
 ! In bös gedench ze kurtzer frist.
 ! So du dich von dem hause trabest,
 ! Bedench, waz du ze schaffen habest!
 ! Kümst du wider in dein haus,
 ! Besich, was dîr sei gnumen draus!
5135
 ! Und hat sich nicht gemert dein chorn,
 ! So wiss: du hast den tag verlorn!
 ! Sein dein nachgepauren guot,
 ! Des fröwe dich in deinem muot!
 ! Tuo in dienst nach deiner macht,
5140
 ! So bstet dein haus in langer kraft!
 ! Wilt du wein und korn verkauffen,
 ! So scholt zuo in des ersten lauffen
 ! Und geben bass dann andern leuten!
 ! Dar zuo wil ich dir beteuten:
5145
 ! Gib auch deinen veinten hin
 ! Ze dem teursten: daz ist gwin!
 ! Und pist gerochen an daz pluot,
 ! Daz ist ein rach vor allen guot.
 ! Wilt verkauffen huoben tail
5150
 ! Oder kauffen, ist es vail,
 ! So hüet dich vor eim gmainen man,
 ! Der reicher ist und mer kan
 ! Oder nicht gar erber sei,
 ! Wilt du wesen sorgen frei!
5155
 ! Doch so sag ich dir besunder:
 ! Besser ist dir, zleiden hunger
 ! Dann zferchauffen deineu hab.
 ! Dennoch besser ist nach sag,
 ! Ein tail des erbes geben dar
5160
 ! Dann dem wuochrer setzen gar.
 ! Leich nicht gern, du sechst dann, wem!
 ! Entlehn ungerner vil von dem!
 ! Won wer sich leihens trösten wil,
 ! Der jo verdirbt mit schanden vil.
5165
 ! Hie pei macht du sehen wol,
 ! Wie gern man widergelten schol.
 ! Dar umb, wilt du der witzen phlegen,
 ! So tuo dein gschäft pei gsuntem leben,
 ! Daz du daz schuldig mügest schaffen
5170
 ! Deinen gültern vor den phaffen,
 ! Deinen dienern auch gedanchen,
 ! Des vergessent oft die kranchen!
 ! Lass dim weib, daz sei schol haben!
 ! Dar zuo scholt îr freuntleich sagen,
5175
 ! Ob got gepütte über dich,
 ! Daz sei mit eren halte sich
 ! Und daz sie durch der kinder wegen,
 ! Durch andacht und umb besser leben
 ! Geruoch zbeleiben an ein chan,
5180
 ! Müg sei mannes wesen an.
 ! Doch schol du sie des nicht zwingen
 ! Mit sweren, gelt noch andern dingen;
 ! won besser ist ein wîrt mit recht
 ! Dem weib dann herr oder knecht.
5185
 ! Hilf auch bas und gar geswind
 ! Der tochter und dem chlainen kind
 ! Der tochter und dem chlainen chind
 ! Dann den gesuntten starken knaben,
 ! Die sich selber mugent betragen!
 ! Ze lesten rat den sünen dein,
5190
 ! Ob seu kauffleut wellent sein,
 ! Daz seu sich taillin unter in!
 ! So stellends dester bas nach gwin.
 ! Schüllens wesen hantwerchgsellen,
 ! So lass seu tuon nach irem wellen!
5195
 ! Trachtend seu nach müessig gen,
 ! So haiss seu pei ein ander sten
 ! Ungetailt! Daz ist in guot;
 ! Won iedes haubt daz wil seinn huot,
 ! Ieleich haus daz wil sein feur.
5200
 | Nicht mer so sag ich dîr ze steur."
 | Do nu der ler ein end ward,
 | Fritzo der sprach an der vart:
 | "Nu dar, herr Perchtolt, hörst du das?
 | Wilt es tuon und dannoht bas,
5205
 | Das sag uns auf die treuwe dein:
 | So gib ich dir die tochter mein!"
 ! Triefnass andacht die was gross
 ! Gen seines lieben Mätzleins schoss
 ! Und tett recht sam fuchs Rainhart,
5210
 ! Der umb die faissen hennen warb,
 ! Und verhiess pei seinem aid,
 ! Ze allen dingen sein berait,
 ! Die ein fromer, weiser knecht
 ! Laisten scholt und tuon von recht.
5215
 | Da mit so wurden so behent
 | Zwo der besten hin gesent
 | In die küchi aus dem rat
 | Umb die praut. Die eilten drat
 | Und kament ze den selben stunden
5220
 | An die stat, da seu sei funden,
 | Und sprachent: "Wiss, wir schüllen han
 | Daz pettenprot: du hast einn man."
 | Des was fro Mätzli sunder fro.
 | "Wer ist der danne?" sprach seu do.
5225
 | "Daz ist, trun, Pertschi Triefnas,
 | Der dein selten ie vergass!"
 | Was Mätzel vor hin fro gewesen,
 ! Von fröden mocht sei kaum genesen.
 ! In ammacht viel sei ieso nider;
5230
 ! Des hulffend îr die andern wider
 ! Und machten sei vil schön da her
 ! Mit salben von capponer smer,
 ! Mit pürsten und auf machen,
 ! Sam sitt ist ze den sachen.
5235
 | Da mit so fuorten seis da hin.
 | Des sprach fro Mätzel so zuo in:
 | "Ich waiss nicht, wie ich gparen schol."
 ! Die ein die sagt: "Ich ler dichs wol.
 ! So man dîr hevet also an:
5240
 ! «Wilt du Pertschin ze dem man?»
 ! So scholt du dich des ersten weren
 ! Enwench: daz stet dir wol ze eren."
 | Do seu nu zuo den andern chamen,
 | "Hört in gottes namen! Amen,"
5245
 | Sprach Ochsenchropf. "Hie schol geschehen
 | Ein ee; des scholt es mir verjehen:
 | Sag an, Perchtolt, pei deinr trüw
 | (Got woll, daz es dich nicht gerüw!),
 | Wilt du Mätzen zuo der ee?"
5250
 | Bertschin dem was also we
 | Von fröden in dem hertzen gschehen,
 | Do er sei hiet komen sehen
 | (Dar zuo was er ungewon
 | Ze einer sach also getan),
5255
 | Daz im die härel giengen zperg.
 | Wie chaum bestuond er auf der erd
 | Und mocht recht gesprechen: "Ja!"
 | Dar umb so was sein antwurt: "Gra!"
 | Des ward do nicht geachtet so.
5260
 | Zuo Mätzen chert er sich aldo
 | Und sprach: "Nu sag auch, Mätzel, an:
 | Wilt du Pertschin ze dem man?"
 | Mätz gedacht îr an daz lerren
 | Und ward sich heven an ze werren:
5265
 | Mit füessen und mit elnpogen
 | Schluog sei umb so wol gezogen,
 | Daz der frawen wol auf vier
 | Vielend nider also schier.
 | Do sprach Fritzo an der vart:
5270
 | "Tochter, scham dich nicht so hart
 | Und nim du Bertschin zuo der ee!"
 | Sei swaig; er fraget aver me.
 | Do sprach sei: "Sta, gevelt es dir."
 | Also ward mit paider gir
5275
 | Die ee ieso geschaffen
 | An schuoler und an phaffen.
 | Des nam so Pertschi fürher do
 | Ein fingerli geworcht also:
 | Es was von plei und überzint,
5280
 | Mit einem stain, sam ich es vind,
 | Der hiess ein sapheir von glas;
 | Dar umb von hartz ein gsmeltze was,
 | Mit naswasser durch laseurt;
 | Dar zuo was es auch gesteurt
5285
 | Mit zwain perlen von den augen
 | Aus dem visch: daz schült es glauben.
 | Er stiess îrs ieso an die hand.
 | Secht, do huob sich söleich schand,
 | Den preutgon an ze lauffen,
5290
 | Im har und part aus rauffen,
 | Also daz er an der vart
 | Mit enander glatzocht ward!
 | Bertschi waint, die andern sungen
 | Und für die tür her aus drungen;
5295
 | Seu schreuwent vast und dannocht me:
 | "Pertschi Mätzen hat zuor ee
 | Genomen heut vil fruo, fruo, fruo:
 | Da schlach gelük und haile zuo!"
 | Die mär die chament so zehant
5300
 | Gen Glaris und in Sweitzerland,
 | Gen Appentzell, ins Lauental
 | Und auf daz Marchvelt überal,
 | Ins Prettengö und auf die Alben,
 | Auf die Scherr und allenthalben.
5305
 | Man luod die nachgepauren
 | Dar zuo, die vil sauren,
 | Aus dem dorff von Nissingen,
 | Von Seurrenstorff und Rützingen.
 | Der machten sich vil schiere dar
5310
 | Mit grossem gschrai ein michel schar
 | Mit iren dorffmätzen.
 | Die schült es alle schätzen
 | Nach dem, und seu auch sein genant.
 | Hört, seu sein mir all bechant!
5315
 | Von Nissingen was Galgenswanch,
 | Ein fromer über seinen danch,
 | Dar zuo Gerwig Schinddennak
 | Mit seinem gsellen Scheubinsak,
 | Dietreich von dem gatter
5320
 | Und Gugginsnest, sein gfatter,
 | Storchenpain und Arnolt,
 | Harnstain und Chriembolt
 | Und sust vil junger drappen,
 | Die man da zalt für chnappen.
5325
 | Der diernen was ein michel tail:
 | Die erst hiess Chützeldarm die gail,
 | Die ander Gredul Ungemäss,
 | Die dritte Ändel Pfefferräss,
 | Die reudig Wasserschepferin
5330
 | Und die schön fro Gnepferin.
 | Von Seurrenstorff îr chamen vier:
 | Daz was der Palstersach der zier,
 | Teufelsgaden, Schabenloch
 | Und der grindig Guggoch.
5335
 | Der tochtren, trun, der warent zwo:
 | Daz was fro Lena Vallinsstro
 | Und Sophia, îr gespil.
 | Der andern der was nicht gar vil
 | Dann von Rützingen ein gsell
5340
 | (Den hiess man Jächel Reuschindhell)
 | Und sein pruoder Varindwand
 | Mit einer tochter, Hüdel gnant.
 | Sust so mocht ich nicht herkennen
 | Von andern landen noch genennen
5345
 | Dann einen, der hiess Popphart,
 | Von Appenzell ein fiess von art.
 | Seu chament her geritten
 | Auff eseln und auch schlitten
 | Ieder mit seim wambesch guot,
5350
 | Zwain roten hosen und eim huot,
 | Mit iren praiten swingen
 | Und auch mit andern dingen.
 | Etleich chament gangen
 | Mit iren hültzin stangen.
5355
 | Die mätzel warent all bechlait
 | Mit weissen chitteln schon berait
 | (Îr schäppel hieten pluomen glantz),
 | Îr schüehel nebent den lüchern gantz.
 | Seu zogten her mit îr vermacht
5360
 | An der selben sampstags nacht
 | In daz dorff ze Lappenhausen
 | Mit iren sümbern in dem sausen.
 | Dem nicht enward des hauses gmach,
 | Der nam den himel für sein tach
5365
 | Und die strasse für daz gfider.
 | Secht, die vegtens auf und nider
 | Mit wüeten all die langen nacht,
 | Daz niemant vor in gschlaffen macht
 | Auf dem häw noch in dem stro!
5370
 | Dis tribens bis ann tag also.
 | Seu liessend keinen kertzen tragen;
 | Des cham der preutgom do ze schaden,
 | Der seinn esel hiet geschunden
 | Für die kuo ze denen stunden
5375
 | Und hiet daz flaisch ze küchi pracht.
 | Des wär joch dannocht nie gedacht,
 | Hiet er zuo dem andern tag
 | Den esel funden an der stat,
 | Da er die haut do ligen sach
5380
 | Zuo seinem grossen ungemach.
 | Do nu die nacht sich so vergieng
 | Und der liechte tag an vieng,
 | Gunterfai sein bek derschal
 | Ze Lappenhausen über al.
5385
 | Ieder man sich macht her für
 | Für des jungen Pertschis tür;
 | Die frawen und die mägettein
 | Machten sich zuor praut hin ein.
 | Da mit so laut man zuo der mess.
5390
 | "Daz ich des pesten nicht vergess",
 | Sprach do Pertschi Triefnas,
 | Sprach do Pertschi Triefnas,
 | "Ich han nicht phenning (daz ist daz)
 | Ze opfern, sam ich pilleich schol."
 | Do sprachent seu: "Dem tuon wîr wol;
5395
 | Haiss dirs an einn rabasch sneiden,
 | Wilt du nicht die schande leiden!"
 | Also giengen seu da mit
 | Ze chirchen do: das was der sitt.
 ! Die jungen man die giengen vor,
5400
 ! Die alten nach durch alleu tor.
 | Die jungen frawen giengen nach,
 | Die alten vorhin gar ze gach.
 ! Do nu die mess ein end genam,
 ! Der pharrer huob ze sagen an:
5405
 ! "Hört, îr frauwen und îr knecht!
 ! Wisst, es ist der kirchen recht,
 ! Daz einr ein chan im nemen schol
 ! Offenleich (so tuot er wol),
 ! Nicht so haimleich, ane pfaffen!
5410
 ! Dar zuo ist mit uns geschaffen,
 ! Daz wir chündin überlaut
 ! Von dem preutgom und der praut
 ! Und vor allem volk dar zuo
 ! In der kirchen spat und fruo,
5415
 ! Ob iemant wär und wesen scholt,
 ! Der da wider sprechen wolt.
 ! Dar umb gepeut ich pei dem pan:
 ! Wer der ist, der bwären chan,
 ! Daz die ee nicht redleich sei,
5420
 ! Der sag es ze der vart hie pei!"
 | Des chroch ein altes weib her für
 | An einem stab; sei sprach: "Ich spür,
 | Daz Pertschi mit des tiefels rat
 | Sein treuw an mir geprochen hat.
5425
 | Es ist ein jar und nicht vil me,
 | Daz er mir schlechtz verhiess die ee."
 ! Des wurdens älleu lachent do
 ! Und gen dem pharrer sprechent so:
 ! "Wisst, die e was gschaffen
5430
 ! Vor münchen und vor phaffen!
 ! Dar umb so nem im ieder gsell
 ! Ein frauwen, do er gernest well!"
 | Umb die red, die da geschach
 | Von dem weib, die in an sprach,
5435
 | Ward hertailt ze Lappenhausen,
 | Daz sei scholt ein bruoche lausen
 | Und, gesäch sei noch so wol,
 | Sam ein eweib gsehen schol,
 | Daz sei möcht derkennen
5440
 | Die läus und dar zuo prennen
 | Und liess die knöpfe stille sten,
 | Daz sei schölt für sei alle gen
 | Und bewären iren dant,
 | Wolt sei Pertschin han zehant.
5445
 | Des zoch der preutgon ab sein pruoch
 | Und sprach: "Nu se hin, hüerr, nu suoch!
 | Und prennst du mir des fadens knöpf,
 | Ich reiss dir aus die grawen zöph."
 | Was schol man lengren dises lesen?
5450
 | Sei liess die peisser all genesen
 | Und graffelt an hin mit der hant
 | Und, wo sei einen strike vand,
 | Der hiet sein leben da verlorn;
 | Des lachtens all von rechtem zorn.
5455
 | Den pheiffer hiess man schlahen auf
 | Und draten hin gen Pertschis haus.
 | Do sei nu komen zuo der tür,
 | Die praut man setzet schon hin für;
 | Der preutgon zuo îr nider sas,
5460
 | Sam do des dorffes sitte was.
 | Des kam do Fritz und sprach also:
 | "Euwer eren bin ich fro.
 | Ungelük daz hause scheuch!
 | Dar zuo wil ich geben euch
5465
 | Siben hennen und ein hann
 | Ze haimsteur: da gedenket an!
 | Dar zuo gib ich euch gestrak
 | Einn chotzen und ein strosak
 | Und auch einen kittel frisch.
5470
 | Da mit ist sei werait ze tisch
 | Und auch ze pett nach unserm recht.
 | Pist du dann ein söleich knecht,
 | Der leinlachen gerne hab,
 | So haiss sei spinnen nacht und tag!
5475
 | Engelmar der kam ze stund
 | Und schancht im einen hausehund;
 | Er sprach: "Got bhüet euch paide
 | Und auch der hund vor laide!"
 | Ochsenchroph der kam hin nach
5480
 | Mit einer katzen, die hiess Vach,
 | Und sprach: "Daz habt zuo andrer huot!
 | Es ist euch für die meuse guot."
 | Cholman drang do für die gmain
 | Mit einem kitz, daz was vil chlain,
5485
 | Und sprach: "Daz send ich euch ze haus:
 | Da wirt ein gaiss mit hürnern aus."
 | Jächels treuw was nicht verlorn;
 | Er pracht ein kälbel erst geporn
 | Und sprach: "Daz ghört auch wol dar zuo:
5490
 | Es mag geraten zeiner kuo."
 | Do hiess einer Öttel Kriech;
 | Der truog ein äntten, die was siech,
 | Und schre: "Nu se hin, junger man!
 | Ich wolt sie selber fressen han."
5495
 | Ein ander, der hiess Blasindäschen,
 | Ward do greiffend in die täschen.
 | "Die phenning nimpt man gerner,"
 | Sprach er, "se den Perner!"
 | Straub der hiet des glaiches vil
5500
 | Und gab dem preutgom ze dem zil
 | Stendelwürtzen, chranichper
 | Und sprach: "Daz pringt man über mer.
 | Es wirt dir zuo den nöten guot,
 | Wiss, so man daz dinge tuot!"
5505
 | Fro Laichdenman was gemüetes frei
 | Und schancht der praut der nadeln drei,
 | Einn wierten und zwo spindlen,
 | Einn feurzeug und zwo windlen;
 | Sei sprach: "Nu müessist gwinnen
5510
 | Mit nägen und auch spinnen!"
 | Do gab fro Elsbet Follipruoch
 | Der praut ein hänfin ermeltuoch
 | Und sprach: "Daz ist ein gnämeu steur;
 | Won der hanff ist heur ze teur."
5515
 | Snatereina raicht îr dar
 | Einen haspel ruossig gar,
 | Einen sekel, hentschuoch zwen,
 | Die warend schimlich sam îr zen.
 | Dannocht ward des dringens vil:
5520
 | Einer gab einn pesmenstil,
 | Der ander her einn hafen truog,
 | Der dritt der bott einn essichchruog,
 | Der fünft einn korb, der sechst ein sib,
 | Der sibend gab ein überlid
5525
 | Ze einem saltzvas (daz was guot),
 | Der ächt verschenchet einen huot:
 | Den hiet er dreissich jar getragen;
 | Dennocht mocht ern kaum verclagen.
 | Noch so gab man ane zal
5530
 | Schüsslen, täller, kertzestal,
 | Gablen, rechen, löffel vil.
 | Wisst, daz ich euchs kürtzen wil!
 | Die weil scholt man getantzet haben:
 | Do mochten sei die füess nicht tragen
5535
 | Von hungers not; dar umb vil schier
 | Machten sich hin auf îr vier,
 | Die ze tische dienen wolten,
 | Und sprachent, daz seu haben scholten
 | Die ersten suppen nach îr gwon.
5540
 | Daz was also schier getan.
 ! Ze fressen ward dem einn so not,
 ! Daz er vil nahent sich ze tod
 ! Verprüeget hiet in seinem schlund.
 ! Auf so sprang er do zestund
5545
 ! Und schluog die schüssel mit der faust,
 ! Daz die supp her aussher taust
 ! Mit sampt dem prot bis auf die erd;
 ! Ieder sprach: "E ich verderb
 ! Als gar vor hunger, e wil ich
5550
 ! Es lesen aus dem kat in mich.
 ! Und wär es joch noch bass beschissen,
 ! Dennoch pleibt sein nicht ein bissen.
 ! Trun, daz gschach! es was in gsmak.
 ! Dar nach ieder nam einn sak
5555
 ! Und strauwt in nider in daz gras.
 ! Secht, wie schön îr tischtuoch was!
 ! Man wuosch es ainest in dem jar
 ! Ze dem minsten: daz ist war.
 ! Chöpf und gleser waren krüeg
5560
 ! Ze hefen auf gar ungefüeg.
 ! Saltz und wädel wärind pracht,
 ! Hieten seu dar an gedacht.
 ! Messern und durchsnitten
 ! Der ward da gar vermitten.
5565
 ! Gerstin laib und häbrin prot
 ! Truogens her: des was in not;
 ! Ruggins ward auch dar gelait.
 ! Also was der tisch berait.
 ! Daz gaben auch ein ende nam.
5570
 ! Da mit so huob sich frauw und man
 ! Hin zum tisch sam säw zum nuosch:
 ! Kainer do sein hende wuosch
 ! Dann fro Els und Farindkuo.
 ! Den was gewesen znot hin zuo,
5575
 ! Daz seu von eillen also drat
 ! Warend gvallen in daz kat.
 ! Die muosten do des wassers haben:
 ! Daz ward in ieso dar getragen.
 ! Farindkuo für Elsen sprang
5580
 ! (Mich duncht, im wär die weil ze lang)
 ! Und hiess im ieso wasser geben.
 ! Daz goss der diener im vil eben
 ! Von höhend auf die ermel sein,
 ! Nicht ins pek enmit hin ein.
5585
 ! Daz haubet er auf reket,
 ! Die pain auch drichtz er streket.
 ! Îr bek daz was ein sib vil wit;
 ! Daz kauffet man zuor hohzit.
 ! Junchfra Elsen des verdross
5590
 ! Und lieff auch zuo hin, da man goss.
 ! Îr ermel wurden gnetzet;
 ! Niemant seis dergetzet
 ! Mit einer zwähel, die man scholt,
 ! So einr die hende zwahen wolt,
5595
 ! Zwüschen gwand und pek enmitten
 ! Gestreket han nach hofes sitten.
 ! So warent auch der diener negel
 ! Lang und spitzig sam die kegel.
 ! Also gtorst îr kainr dar gsmechen,
5600
 ! Îr daumen auf daz beki streken
 ! Zemen gfüegt, daz sib auch heben;
 ! Dar umb so muost mans nider legen.
 ! Farindkuo der hiet kain tuoch
 ! Ze trüknen; dar umb er die pruoch
5605
 ! Zuo seiner zwähel do gewan:
 ! Die was vil weit und auf getan.
 ! Er lieff da her mit schalle
 ! Und satzt sich über alle.
 ! Fro Els îr hend so lange twuog,
5610
 ! Bis man daz ander gricht her truog.
 ! Woi, wie schier sei daz dersach,
 ! Es tet îr laid und ungemach!
 ! Sei hiet kain pruoch; so wolts auch nicht
 ! Das hembd mit wüschen tuon enwicht;
5615
 ! Es was îr zlanch und ane frucht,
 ! Die hend ze winden an dem luft,
 ! Und kam gelauffen also nass.
 ! Wie schier sei auf dem ars gesass!
 ! Die füesse warent ir nicht chrumb:
5620
 ! Chrüeg und tischtuoch stiess sei umb.
 ! "So, sau, so, sau, so, du, so?"
 ! Sprach her Ochsenchroph aldo;
 ! "Wiss, dein schimph mîr nicht behagt,
 ! Wan er uns in dem magen schadt!"
5625
 ! Und hietin seu getrunken bass,
 ! Es wär ze stössen komen das.
 ! Also ward es nider gelait
 ! Und der tisch hin wider brait.
 ! Els die hiess ir do her tragen
5630
 ! Daz erst gericht: sei wolt es haben.
 ! Des was einr îr diener gar
 ! Und pracht in blossen henden dar
 ! Öpfel, pieren, nuss und chäs;
 ! Er was gehaissen Spiegelmäs.
5635
 ! Den chäs den legt er für sei do
 ! Also gantz; des was sei fro
 ! Und frass in gar mit sampt den rinden:
 ! Was scholt sei an im fürbas schinden?
 ! Die nusse paiss er mit dem zan,
5640
 ! Daz im daz pluot hin nach da ran.
 ! Die öpfel huob der selbig man
 ! Pei dem stil zbeschnaiden an
 ! Und die pieren pei dem haubt.
 ! Er ist ein gpaur, der an in glaubt.
5645
 ! Dar nach gugt er in den chruog
 ! Und sach, dar inn sei mosts nicht gnuog.
 ! Des nam er do ein schenchfas swär
 ! Und schütletz, ob dar in ichtz wär.
 ! Do swantzt der most: daz gfiel im wol.
5650
 ! Er goss inn kruog und macht in vol:
 ! Und also vol (verstet mich, wie!),
 ! Daz er über und über gie.
 ! Daz was doch alles nicht ze vil
 ! Nach dem, und ich euch sagen wil:
5655
 ! Sei wolt den wirt nit schenden
 ! Und fasst den chruog peinn henden;
 ! Mund und nas stiess sei dar in:
 ! Also wol smakt îr der win.
 ! Die weil sie drinn ein rüfli vand,
5660
 ! Daz zuchtz her aus mit blosser hand
 ! Und drank so treuleich und so fast,
 ! Bis daz îr des atens gprast.
 ! Wie schiere sei des wider kam,
 ! Secht, do huob sei aber an,
5665
 ! Ze schilen auf da hin und her
 ! Nicht anders sam ein wilder per.
 ! Daz haubet liess sei sinchen
 ! Und tranch, daz von dem trinken
 ! Die augen îr vergiengen,
5670
 ! Die oren nider hiengen.
 ! Dannocht was der feuchti mer:
 ! Dar nach so wand sei sich vil ser
 ! Und naigt îr haubt mit sampt dem chruog
 ! Hintersich; daz was îr fuog.
5675
 ! Den ruggen laint sei an den paum
 ! Und schre da her sam aus dem traum:
 ! "We mîr, we! Es ist gestigen,
 ! Der chruog ist truchen und dersigen.
 ! Schench nür in und trag da her
5680
 ! Daz ander gricht, des ich beger!"
 ! Spiegelmais der saumpts nit lanch
 ! Und goss îr ein daz öpfelgtrank,
 ! Vollen chruog nach seinem sin,
 ! Und macht sich nach dem essen hin.
5685
 ! Er pracht daz gpraten von dem esel:
 ! Daz daucht sei sein ein willprät edel.
 ! Sei zucht einn laib her an îr prust
 ! Und snaid da durch recht sam umb sust,
 ! Alweg dar, nur pei der mitten.
5690
 ! Secht, daz wurdent erber snitten!
 ! Die legt sei an einn hauffen stoltz
 ! Ze samen sam ein peig mit holtz.
 ! Niemant wolt irs messer zuchen:
 ! Daz flaische prach man îr ze stuken.
5695
 ! Daz was îr allessampt gemain;
 ! Sei schland daz gpröt und nuog die pain.
 ! Sei nuog und zerret also fast,
 ! Daz îr ein zan im drüssel prast.
 ! Wes scholten do die hund geniessen?
5700
 ! Des nagens ward seu auch verdriessen;
 ! Also tet îr einr einn sprung
 ! Und zucht daz pain ir aus dem mund.
 ! Doch so ass sei an und an,
 ! Bis sei zuo den andern cham.
5705
 ! Die hieten auch irn schimph getriben,
 ! Untz daz in nichtznicht was beliben;
 ! Des schreuwens greuleich: "Pring uns me!
 ! Wir ässin gerner vil dann e".
 ! Hiet fro Els gedrunken wol,
5710
 ! Îr kainer der mocht werden vol.
 ! Hie mit do was daz chraut berait
 ! Mit spek und greuben überlait.
 ! Daz truog man her und visch da mit.
 ! Hofleich was der diener sitt:
5715
 ! Die schüsslen hieltens an dem pauch,
 ! Die finger laitens auch dar auf,
 ! Ein tail dar ein, verzettents halb
 ! Und wurfens für recht, sam eim kalb
 ! Man gäb daz gras in einem stal
5720
 ! In die chripp und überal.
 ! Des danchten in die herren do;
 ! Des faissen chrautes warens fro.
 ! Lastersak hiet gross begîr:
 ! Er sach dar ein recht sam ein stîr.
5725
 ! Des hiess er im ein löffel geben;
 ! Die andern sprachend: "Und uns eben!"
 ! Des gwunnen etleich löffel do,
 ! Etleich nicht; die taten so:
 ! Seu machtend ire hend ze kellen
5730
 ! Und assend zierleich sam die gsellen.
 ! Secht, do huob sich söleich müe
 ! Umb daz chraut und in der prüe,
 ! Daz daz eillen und daz jagen
 ! Gsacht es nie pei ewern tagen!
5735
 ! Man hiet in einer schüssel gsehen
 ! Hend und löffel mer dann zehen
 ! Mit enander varen her
 ! Durch daz chraut recht sam die sper.
 ! Nach den greuben was in gach:
5740
 ! Den fuorens mit den ruodern nach.
 ! Des cham der Twerg ze einer stund
 ! Und warff des speckes in den mund
 ! So eben, secht, daz im sein part
 ! Mit enander smaltzich wart!
5745
 ! Graf Purkhart tet in allen schaden:
 ! Er hiet ein hand mit kraut geladen
 ! Und fuor do her zuo seinem mund.
 ! Got den ruoft er an ze stund,
 ! Daz er behielt daz wetter genäm,
5750
 ! Bis daz das fuoder ein chäm.
 ! Wie schier sich Chnotz an im do rach
 ! Und rumpelt, daz der löffel prach!
 ! Des fuor er her mit paiden henden
 ! In daz chraut zuo allen enden;
5755
 ! Er fasst der speis ein gauffen vol.
 ! "Nu witter übel oder wol,"
 ! Sprach er zuo der selben stund,
 ! "Du muost her in in meinen schlund."
 ! Geri huob die schüsslen auf
5760
 ! Und drank ein starken trunch dar aus;
 ! Sei sprach: "Got geb, es müesst derstinken!
 ! Habt irs frass, so wil ichs trinken."
 ! Und satzt sei wider nider so,
 ! Daz des übrigen aldo
5765
 ! Ein michel tail aus sprützet.
 ! We, wie sei do kützet!
 ! Des warend do die andern hie
 ! Und sauftens auf (ich wais nit wie),
 ! Daz das tischtuoch also truken
5770
 ! Belaib da pei von irem supfen.
 ! Aber was des andern was,
 ! Es wär joch laub oder gras,
 ! Prosem, rinden oder pain,
 ! Daz liessens ligen all gemain.
5775
 ! Etleich sassen auch gepogen
 ! Über die schüsseln gar gezogen,
 ! Daz die vart dest churtzer wär;
 ! Won die pürdin warent swär.
 ! Seu hieten auch ein andern sin:
5780
 ! Ob in ichtz emphiel da hin
 ! Von dem löffel und dem drüssel,
 ! Daz daz wider käm ind schüssel;
 ! Won die mäulr in warend weit
 ! Und offen gar ze aller zeit.
5785
 ! Dar umb so taten seu auch daz:
 ! Wan in die finger wurdent nass,
 ! So derswangen seu die hend
 ! Übers chraut vil gar behend.
 ! Daz überig wüschten seu vil drat
5790
 ! An die stifel und die wat.
 ! Daz muostens tuon umb die geschicht:
 ! Daz hanttuoch hietens vor in nicht.
 ! Des fuorens her ein ander vart:
 ! Der ward dann lenger nicht gespart.
5795
 ! Dar zuo in auch ains geviel:
 ! Wan dem esser ichtz emphiel
 ! Auf die erden ab dem tisch,
 ! Es wär gekauwen oder frisch,
 ! Daz scholt man wider auf heben
5800
 ! Und es hin für seu alleu legen,
 ! Es wär dann, daz es gtroffen wär
 ! Auf daz gwand im an gevär.
 ! Daz mocht er bhalten ane zol,
 ! Gevielen im die spängli wol.
5805
 ! Also gieng es in dem saus,
 ! In dem smatzgen und dem jaus,
 ! Bis die schüsslen wurden wan
 ! Und sam die gwäschnen schon getan.
 ! Hungers was in doch entliben.
5810
 ! Hiettens vor von not geswigen,
 ! Secht, des ward do ieder schreigen:
 ! "Ich sirt dirs weib mit sampt der gsweigen,
 ! Trifnas, pringst du uns nit schier
 ! Wein und mett und dar zuo pier;
5815
 ! Da mit verleust du unser huld."
 ! Daz was do niemant anders schuld
 ! Dann deren, die da dienten
 ! Und in die fresser gienten
 ! Mit den augen gar von verren
5820
 ! Oder vil ze nach den herren;
 ! Îr kainer eben sehen wolt,
 ! Waz der tische haben scholt.
 ! Des hiet der preutgom do wol acht
 ! Und wolt derzaigen auch sein macht;
5825
 ! Er nam den einen pei dem part
 ! Und rauft in, daz er schreient wart.
 ! Des chament her die andern drei
 ! Und nament Pertschi auch da pei
 ! Und stiessend in, daz er gelag.
5830
 ! Die pruoch die zugens im do ab;
 ! Seu gussen im des wassers her
 ! In den ars und auch enzwer;
 ! Pei den painen namends in
 ! Und possten seinen hintern hin
5835
 ! An einn paum, daz es derknal.
 ! Der stössen tatens ane zal.
 ! Die andern fräwten sich der gschicht
 ! Und hiettens für die pest gericht.
 ! Des kam er wider auf die pain
5840
 ! Und sprach: "Es wisst wol all gemain,
 ! Daz ich mich nicht enkond erweren:
 ! Drei sein alweg eines herren."
 ! Also ward nicht mer dar aus.
 ! Aller most, der in dem haus
5845
 ! Mocht gesein, den truogens dar:
 ! Den verschancht man ieso gar.
 ! Do trunchens her und suffend,
 ! Daz in die augen truffend.
 ! Pentza Trinkavil der trank
5850
 ! Über aller gesellen danch
 ! Den ersten chruog untz an den dritten
 ! Und den dritten bis enmitten.
 ! Secht, do ward er cheichent,
 ! Den swaiss ans tischtuoch streichent!
5855
 ! Er lait sich auf den tisch gezogen
 ! Mit henden und auch elnpogen;
 ! Da mit so hiet ers überwunden.
 ! Des tranch auch ze den selben stunden
 ! Junchfraw Feina aus eim chruog
5860
 ! Also sorfent und so gfuog,
 ! Daz sei da der huost an kam.
 ! Daz überig durch den puosem ran;
 ! Dem lekt sei mit der zungen nach:
 ! Umb die seuri was îr gach.
5865
 ! Die andern trunken also fast,
 ! Daz oft îr eim der gürttel prast,
 ! Das doch den weisen nicht geschach:
 ! Die gurten sich des ersten gmach
 ! Und drunkend da pei fürsich an,
5870
 ! Bis in der gürtel rechte cham.
 ! Dar nach so gieng es an die visch,
 ! Die da warent auf dem tisch.
 ! Seu wolt der Straub chredentzet haben;
 ! Des sach er do ein söleichs jagen
5875
 ! Auf dem täller und ein streben,-
 ! Das chosten liess er unterwegen
 ! Und graiff hin an zuo einem stük:
 ! Das was daz gröst zuo seim gelük.
 ! Wie schier daz was verswunden so!
5880
 ! Wer scholt ze disen stunden do
 ! Des andern gpaiten legen für?
 ! Es was nicht zeit, sam ich es spür.
 ! Die diener hietten gsnitten
 ! Die visch für seu enmitten:
5885
 ! Do mochten seu gepaiten nicht:
 ! Also süess was in daz gricht.
 ! Reuschindhell der tet ein duch
 ! Hin an nach einem haubetstuk:
 ! Das was vil schleimig, guot umb in;
5890
 ! Des gedacht er in dem sin:
 ! "Chiflest du daz haubt, so pist,
 ! Sich, gar versaumpt ze diser frist!
 ! Last dus dann, so hast chain glüst
 ! Und pist her chomen sam umb süst."
5895
 ! Des zoch ers dreistund durch den mund
 ! Und lait es wider ze der stund
 ! Fürsich dannocht also gantz
 ! Und cham ze einer bessern schantz.
 ! Ein mittelstüch derwüscht er do;
5900
 ! Daz was vil drat verschlunden so.
 ! Die weil der snelle Varindwand
 ! Daz haubtstüch zucht mit seiner hand.
 ! Er wand, es gfiel seim pruoder nicht;
 ! Wie schier ers hiet hin ein verschlicht!
5905
 ! Des chond er doch vil wench geniessen:
 ! Die grät im seinen hals ab stiessen.
 ! Dar zuo sprach do Galgenswanch:
 ! "Zarter got, hab imer danch!"
 ! Also fuor do Farindwand
5910
 ! Da hin gen Schläuraffen land
 ! Mit seiner sel: daz was îr fuog;
 ! Den leib man in den Neker truog.
 ! Was scholt den gsellen schaden das?
 ! Mich dunkt, seu ässind nür dest bas;
5915
 ! Won die gnuog in essen wellen,
 ! Die hüetin sich vor vil gesellen!
 ! Der aber vechten wil mit hail,
 ! Der hab der freunt ein michel tail!
 ! Dar an gedacht auch Uotz vom hag;
5920
 ! Er wolt eim fresser legen ab
 ! Und sprach: "Her Guggoch ist ein man,
 ! Der selber lieder tichten chan
 ! Von Dietreichen dem Perner;
 ! Den hörtten wir vil gerner,
5925
 ! Dann daz wir also sässin,
 ! Die toten fisch da ässin."
 ! Des daucht sich Guggoch do gemait;
 ! Er huob sein tädinch an und sait:
 ! "Es sassen held in einem sal,
5930
 ! Die assen wunder über al"
 ! Et cetera bis an ein end.
 ! Die weil die loser warend bhend
 ! Und assen auf die vische gar,
 ! E sein der singer ward gewar.
5935
 ! Do nu daz lied ein end gewan,
 ! Guggoch der wolt heben an,
 ! Ze essen nach seinr zuoversicht:
 ! Des sach er umb - do vand er nicht.
 ! Des jukket er sich in dem grind;
5940
 ! Er schre vil laut: "Ich pins ein kind
 ! Und du, Uotz, ein rechter wicht;
 ! Daz prüeft man wol ze diser gschicht."
 ! Was er vor mit singen fro,
 ! Des traurt er so mit wainen do.
5945
 ! Daz was der andern aller schimph.
 ! Triefnas sach den ungelimph
 ! An essen und an trinken.
 ! Daz haubet ward im sinken;
 ! Die zerung bswäret in vil ser
5950
 ! Und gedacht im an die ler:
 ! Chlaineu hochzeit schol er haben,
 ! Der sich hüeten wil vor schaden.
 ! Dar umb so was sein fröd zerstört.
 ! Des hiet er ärtznei auch gehört
5955
 ! Und gie da hin vil maisterleich.
 ! "Hört, îr herren arm und reich,"
 ! Ruofft er ze der selben stund,
 ! "Daz essen ist euch nicht gar gsunt!
 ! So tuot euch auch daz trinchen we:
5960
 ! Dar umb stet auf und esst nit me!"
 ! Des sneutzt her Chnotz sein nasen gross
 ! Durch sein hende also bloss
 ! Und warfs dem preutgom unterd augen.
 ! "Nu lek du das, so wil ichs glauben!"
5965
 ! Sprach er zuo dem Pertschin do.
 ! Des waren so die andern fro
 ! Und sprachen zuo dem preutgom:
 ! "Uns dunkt, du redist aus dem trom.
 ! Trag her würst mit sampt dem bachen,
5970
 ! Wellist du uns gsunde machen,
 ! Oder wir gend wider häm
 ! Und essen, sam uns ist gezäm!
 ! Wilt du uns derhungern hie,
 ! Du pist ein chnecht, du weist nit wie.
5975
 ! Ein rechter artzet daz gelaubt:
 ! Auf vollem pauch stet fröleichs haubt."
 ! Des sprach so Arnolt sunderbar:
 ! "Dein red wär guot und gäntzleich war,
 ! Tätist sei auf meinem tisch.
5980
 ! Gib uns etwas auf die visch!"
 ! Pertschi sprach: "Es ist gesorten
 ! Umb und umb ze allen orten."
 ! Er fullt ein schalen von der nuss
 ! Mit most: daz was sein erleich guss.
5985
 ! "Kochunsauber trag den wein,"
 ! Sprach er zuo den knechten sein,
 ! "Und sprich, daz er vier aiger prat!
 ! Verderben daz wil haben rat."
 ! Sich, daz was so schier getan!
5990
 ! Die weil die herren huobend an
 ! Ze schreigen: "Trag uns her den wein!
 ! Die vische wellent gswemmet sein."
 ! Des hieten seu do keinen danch;
 ! Piermost und daz öpfelgtranch
5995
 ! Und daz schlechenwasser gar
 ! Waren vor vergeben dar.
 ! Doch pracht man in einn eimer vol
 ! Der sauren milch: die trunkens wol.
 ! Rüefli ze der selben stund
6000
 ! Satzt den eimer an den mund
 ! Und chert sich gen der wand von in:
 ! Daz stuond im wol nach seinem sin.
 ! Er tranch im ein so lengi vart,
 ! Daz es die praut verdriessen ward
6005
 ! Und huob in an ze straffen;
 ! Sei sprach: "Du pist enschlaffen
 ! In dem vas nach meinem dunken
 ! Oder in der milch dertrunken."
 ! Des ward do Rüefel lachen.
6010
 ! Was hiet die milch ze schaffen?
 ! Sei fuor im in daz hirn hin auf
 ! Und ran im zuo der nasen aus
 ! Wider in den chübel so.
 ! Er pot den andern ztrinken do:
6015
 ! Der chübel der gie umb und umb.
 ! Lärenchopf der macht es chrumb,
 ! Der im nicht gnuog der milche vand,
 ! Und warff den chübel an die wand.
 ! Da mit die aiger warent brait
6020
 ! Und für die gsellen all gelait.
 ! Erst do was das zeit do chomen,
 ! Daz man da chrepfen scholt ze fromen.
 ! Des ward auch, trauwen, nicht vermitten;
 ! Seu taten nach irm alten sitten
6025
 ! Und drungen nach den aigern her
 ! (Nicht anders sam die wilden per)
 ! Mit henden und mit füessen;
 ! Des chond in niemant gpüessen.
 ! Der erst der was der peste,
6030
 ! Der ergest und der leste.
 ! Chrimbolten dem ward ein ai,
 ! Scheubinsak gewan îr zwai,
 ! Chnotz und Troll die hieten gfangen
 ! Daz vierd: des was der tail dergangen.
6035
 ! Graff Purkhart mit dem überpän
 ! Sprach: "Der schimph ist uns nit gnäm,
 ! Mir und meinen gsellen hie.
 ! Die pösten tailer daz sind die,
 ! Die einen lassend trunchen werden
6040
 ! Und den andern durstes sterben."
 ! Da mit graiff er hin gestrak
 ! Und zucht ein ai dem Scheubinsak
 ! So vestechleich und ungetan,
 ! Daz im daz waich durch dhende ran.
6045
 ! Die finger stiess er in den mund
 ! Und schlekets ab: daz was im gsund.
 ! Do sprach Jänsel: "Gib mir auch!"
 ! "Sweig!" sprach dirr, "du pist ein gauch."
 ! Die negel lang an seinem taumen
6050
 ! Hulfend im, daz ai ze raumen.
 ! Scheubinsak daz ander hielt.
 ! Wie schier ers von einander spielt
 ! Und fuor her mit einr grossen snitten
 ! Durch und durch daz ai enmitten!
6055
 ! Des muost das totter rinnen hin
 ! Mit sampt dem clar an allen gwin,
 ! Wan es die katzen bgriffend,
 ! Îr zungen da mit schliffend.
 ! "Es ist verclait," sprach do der man;
6060
 ! "Dem daz glük nicht guotes gan,
 ! Der muoss verliesen über nacht
 ! Künges hord und kaisers macht."
 ! Des nam do Chrimbolt eben war
 ! Und fasst daz ai so gantz und gar;
6065
 ! Er warff es ieso in den mund
 ! Und schlikt es ein in einer stund.
 ! Des wär er gstorben an der zeit:
 ! Do was im der schlund so weit,
 ! Daz das ai im durch den kragen
6070
 ! Gäntzleich fuor bis in den magen;
 ! Des sprach er: "Hie, wie guot, wie guot!
 ! Nu ist mein tail vor euch behuot."
 ! Chnotz und Trol die waren gsellen:
 ! Niemant gtorst sich gen in stellen;
6075
 ! Des trosten seu sich sunder wol,
 ! Dar zuo so warens sinnen vol.
 ! Daz ai seu vassten baid geleich
 ! Und tatens auf vil rüewenchleich.
 ! Seu assen hofeleichen gar;
6080
 ! Die snitten stiessens gmächleich dar
 ! Und natzten seu enwench da vor:
 ! Daz wurffens in des mundes tor.
 ! Die snitten schlunden seu nicht gar,
 ! Daz überig stiessens wider dar
6085
 ! Und fuoren zgleicher weis sam vor
 ! Umb hin ze des schlundes tor.
 ! Ieder daz so lange traib,
 ! Daz auf dem tisch kain brot belaib.
 ! Die andern all die sahent zuo
6090
 ! Recht sam die wolf gen ainer kuo.
 ! Dennocht was des ais ein tail:
 ! Daz hieltens vast; es was nicht vail.
 ! Nach zwain laiben was in we:
 ! Do vand man in dem haus nit me.
6095
 ! Was scholten do die armen haben?
 ! Trun, daz kan ich euch nit sagen.
 ! Des schulten seu den wirte do;
 ! Daz ai den dienern gabens so,
 ! Daz seu dar an gedächtin
6100
 ! Und in ze trinken prächtin.
 ! Do mochtens nicht der milch gehaben;
 ! Des muost man in des wassers tragen.
 ! Erst schanktens her mit eren:
 ! Die wirtschaft ward sich meren,
6105
 ! Won der turst seu stätes sart,
 ! Secht, bis an die selben vart!
 ! Man gab ins ungemessen dar:
 ! Daz macht seu vol und laides bar.
 ! Also huob do ieder man
6110
 ! Ze singen und ze sagen an
 ! Und, was der herr hiet an gehaben,
 ! Es wär von singen oder sagen,
 ! Daz chond der chnecht mit züchten störren.
 ! Niemant wolt den andern hörren,
6115
 ! Ieder wolt verhöret sein
 ! Und schre: "Vernempt die rede mein!"
 ! So lange wert der unfuog,
 ! Bis daz man in daz leste truog;
 ! Daz warent kerssen, weinper,
6120
 ! Feigen, kriechen und nicht mer.
 ! Hieten sei daz erst gericht
 ! Sauberleichen auf gezücht,
 ! Daz leste ward zuo der geschicht
 ! Vil mächticleichen gar verschlicht.
6125
 ! Doch so tet die praut îr recht
 ! Und frass nicht schlindent sam die knecht;
 ! Sei baiss ab einer kerssen mer
 ! Dann siben stund: daz was ein er.
 ! Do sach Pertschi Triefnas,
6130
 ! Daz kain saltz vor inen was;
 ! Des pracht er in den geren vol
 ! Und sprach: "Daz ghört zuon kriechen wol."
 ! In den selben stunden
 ! Ein flo die was gesprungen
6135
 ! Fro Hüdeln zwüschen ireu pain
 ! Und paiss sei, daz sei dar zuo grain.
 ! Des wolt sei sich do puken,
 ! Die floh ze tot ertruken.
 ! Secht, do ward îrd haut ze kurtz,
6140
 ! Îr gschach nicht recht - sei liess einn furtz!
 ! Der schanden wolt sei sich dergetzen
 ! Und ward sich mit den füessen kretzen
 ! Dar umb, daz man scholt glaubet han,
 ! Die füesse hietens alz getan.
6145
 ! Des was Henritze îr ze chluog
 ! Und sprach: "Daz ist nicht enes fuog.
 ! Ich sing dir eins vil wol geticht:
 ! Cretzen gleicht sich fertzen nicht."
 ! Hüdeln tet der spot vil we
6150
 ! Und liess einn grossen furtz sam e
 ! Und dar nach drei: der waren vier.
 ! Sei schre hin ze dem schreiber schier:
 ! "Set hin, îr vercleiter knecht!
 ! Clinglent aver die icht recht?"
6155
 ! Da mit so was der schreiber bzalt.
 ! Graf Purkhart doch des gsmaks engalt,
 ! Oder leicht sein ai was faul:
 ! Die speis die schluog im zuo dem maul;
 ! Des muost er speiben ze der vart
6160
 ! Auf den tisch durch seinen part.
 ! Do hiet der alt her Gumpost
 ! Getrunchen wasser, milch und most,
 ! Daz sich der pauch ward plägend ser,
 ! Wüetend, plodrent sam daz mer.
6165
 ! Die vische wurden swimmend
 ! Und in so harte grimmend,
 ! Daz er von dem tisch muost sten;
 ! Er sprach: "Ich wil gen smeissen gen.
 ! Ich chüm her wider; paitend hie!"
6170
 ! Die andern auf (ich waiss nicht wie)
 ! Und leuffen all dem Gumpost nach:
 ! Ze saichen was in also gach.
 ! Dennocht plaib fro Laichdenman:
 ! Sei hiet es untersich getan
6175
 ! In daz phait; daz ward îr nass,
 ! Won sei des swams da haim vergass.
 ! Des macht sei sich doch auf die pain
 ! Und wolt nicht sitzen da allain.
 ! Do nu die herren chament wider,
6180
 ! Sei hieten sich gesetzet nider:
 ! Do was daz tischtuoch auf gehaben;
 ! Daz konden seu do nie verclagen.
 ! Wärens gsessen an den segen,
 ! Wenn wolten seu han danke geben?
6185
 ! Die diener wuoschend do îr hend;
 ! Da mit so nam der tisch ein end.
 ! Secht, do was nu tantzens zeit
 | In der wisen, die was weit!
 | "Gunterfai," sich huob ein gschrai,
6190
 | "Nim hin ein ai und pheiff uns zwai!"
 | Der spilman was des weines vol:
 ! Des emphand er an im wol.
 ! Doch gedacht er in dem sin:
 ! "Ob ich joch nu gar trunken pin,
6195
 ! So sein seu, trauwen, auch nicht lär.
 ! Dar umb ist es mir nicht swär,
 ! Ze pfeiffen hin ein narrenvart;
 ! Won seu verstend es auch einn sart."
 | Da mit und er sein bek derschal,
6200
 | Daz es jo in dem perg derhal.
 | Ofenstek do fürher sprang
 | Und nam fro Jützen an die hand.
 | Er tantzt da hin, sei vegt im nach,
 | Die andern auf und an vil gach.
6205
 | Daz gzöder michel ward und lang.
 ! Ieder sunderleichen sprang
 ! Auf und nider in dem traum
 ! Sam die äpfel von dem paum.
 ! Gunterfai der schluog und schluog
6210
 ! So lange weil und ane fuog:
 | Des was do Ofenstek ze faiss
 | Und hiet geswantzt, daz im der swaiss
 | Durch seinen diken schoppen ran;
 | Des ward er auch so müed, der man,
6215
 | Daz er nicht fürbas mocht gesten;
 | Des muost er ab dem tantze gen.
 | Er legt sich in daz gras und sprach:
 | "Gott geb im alles ungemach,
 | Der dich pfeiffen gleret ie!
6220
 | So we ist mir geschehen hie."
 | Schabenloch den haber truog;
 | Den liess er sten und was so chluog,
 | Daz er die ersten bgraiff aldo
 | Und spranch vil höch mit îr hin jo.
6225
 | Do was der rek ze mager gar,
 | Die pruoch ze weit: des ward er gwar
 | Dar nach, und sei im was gevallen
 | Für die chnie vor inen allen.
 | Des muost er strauchen in daz gras,
6230
 | Jütz auf in, sam billeich was,
 | Chuontz auf Jützen, Els hin nach:
 | Ze vallen was in also gach.
 | In den sachen es geschach,
 | Daz Els den iren spiegel brach.
6235
 | Ein stuk daz gieng îr in die haut.
 | Daz tet îr we; sei schre vil laut:
 | "Hör auf, faiger Gunterfai,
 | Won mein spiegel ist enzwai!"
 | Der spilman gswaig, der Gumpost schre:
6240
 | "Got geb im laid und alles we,
 | Der an dem spiegel schuldig sei!"
 | Hie verstuond man vil wol pei,
 | Wer den spiegel kauffet hiet
 | Und wen er mit dem fluoch erriet.
6245
 | Des lachet man: es was nicht zeit,
 | Daz sich derheben scholt ein streit.
 | Des ward nu von dem tantz gelassen;
 | Die man von müedi nider sassen,
 ! Die frawen stuonden: daz was wol;
6250
 ! Won tantzens werdens niemer vol.
 | Sei hieten für die knaben gsungen,
 | Stain geworffen und gesprungen:
 | Do was es in nicht gar gewon;
 | Dar umb so liessen seu dar von.
6255
 | Was scholt man in dann ztrinken tragen?
 | Die chrüeg die warend all zerschlagen.
 | Also kam daz ander gschrai:
 | "Pheiff auf, lieber Gunterfai!"
 | Des antwurt er: "Ich mag nicht me:
6260
 | Wisst, mir tuot der schedel we!"
 | "Daz ist mir laid; nu hab es dir!"
 | Sprach do Pertschi mit begir.
 | "So schüllen wir eins singen,
 | Ze ring umb älleu springen."
6265
 | Der rede warend sei vil fro.
 | Des huob do Pertschi an also:

 ! "Da-as schaffet alz die minn - die minn,
 ! Da-as schaffet alz die minn - die minn,
 ! Daz wir leben ane si-inn,
6270
 ! Daz wir leben ane-e-e sinn.

 ! Daz schaffet alz der wein - der wein, etc.
 ! Daz wir müessen fröleich sein, etc.

 ! Daz schaffet alz daz gold - daz gold, etc.
 ! Daz niemand ist dem andern holt, etc.

6275
 ! Daz schaffet alz daz phand,- daz phand, etc.
 ! Daz man porget so ze hand, etc.

 ! Daz schaffet alz daz spil - daz spil, etc.
 ! Daz ich nit mag behalten vil, etc. "

 | Et cetera. Daz ward so lang,
6280
 | Daz ieder auf ze lesten sprang
 | Mit einem fuoss: dar umbe daz,
 | Daz er geruowen mocht dest bas
 | An dem andern, so er glag
 | An tretten sam ein fauler mag.
6285
 | Söleich gnepfen und ein hoppen,
 | Hupfen, lupfen und ein zoppen
 | Hiet sich an dem ring derhaben:
 | Îr gsacht es nie pei ewern tagen.
 | Des gie dem singer dar nach ab;
6290
 | Er sprach: "Nu we mir heut den tag!
 | Daz ich nicht kan des liedes me,
 | Daz tuot mir in der versen we."
 | Die andern warend tantzens vol;
 | Ieder sprach: "So tuotz mir wol."
6295
 | Seu vielent nider in daz gras
 | Und ruowten da: das fuogt in bas.
 | Des nam do Galgenswanch ein ai
 | Und sprang her gen dem Gunterfai;
 | Er sprach: "Se hin und mach ein guotz!
6300
 | Ich pin nicht eines chranchen muotz."
 | Do nu der pfeiffer hiet sein lon,
 | Er schluog dar an; es dönet schon.
 | Galgenswank fro Schürenprand
 | Nam pei îr sneweissen hand
6305
 | Und spranch da hin mit seinem gsellen
 | Röschleich gar an alles stellen.
 | Er feget umb und umb und umb,
 | Daz seu vil schiere wärind tumb
 | Worden von der selben gschicht.
6310
 | Do was der pheiffer nach dersticht
 | Von dem staub, der in in kam
 | Und letzet so den guoten man,
 | Daz er muost lassen von dem gail.
 | Daz cham den andern auch ze hail,
6315
 | Den von trümelen swindlent wart
 | Und vielent nider an der vart.
 | Daz tet dem vorspringer zorn;
 | Er schre: "Ich han ein ai verlorn
 | An dem chotzenspilman;
6320
 | Des müess er heut den hoger han,
 | Dar zuo geb im got den rampf!
 | Daz schol er han von mir ze danch."
 | Warens vor im gras gelegen,
 | Erst do muostens schlaffens phlegen.
6325
 | Doch so snarchelt Uotz so ser
 | Und stanch so saur durch frawen er,
 | Daz in daz gnaftzgen gar vergieng.
 | Da mit der schreiber ane vieng
 | Und sprach: "Stet auf! Wir müessen springen.
6330
 | Ich chan ein hübschs: daz wil ich singen."
 | Seiner red der warens fro;
 | Da mit huob er an also:

 | "Wem schol ichs geben
 | Ze fröden seinem leben? -

6335
 | Was ist das?
 | Sagt uns, herre, was?" -

 | "Es ist fro Gredel Erenfluoch. Wem füegt sei bas?" -
 | "Es ist fro Gredel Erenfluoch. Wem füegt sei bas?" -

 | "Anders niempt dann mir;
6340
 | Sei ist meins hertzen gir." -

 | "Jächel Gumpost, seists ein gsell, so hab sie dir!" -
 | "Jächel Gumpost, seists ein gsell, so hab sei dir!" -

 | "Nu müess mirs got gesegen!
 ! Wie schon wil ich ir phlegen!" -

6345
 ! "Wem schol ichs geben
 ! Ze fröuden seinem leben? -

 ! Waz ist daz? -
 ! Sagt uns, herre, was?" -

 ! "Es ist die schön fro Gnepferin. Wem füegt sei bas?" -
6350
 ! "Es ist die schön fro Gnepferin. Wem füegt sei bas?" -

 ! "Anders niempt dann mir;
 ! Sei ist meins hertzen gir." -

 ! "Rüefli Lechspiss, pist ein gsell, so hab sei dir!" -

 ! "Nu müess mîrs got gesegen!
6355
 ! Wie schon wil ich îr pflegen!"

 | Et cetera. So gie daz lied,
 | Bis daz ieder seineu hiet,
 | Die da warent an dem tantz.
 | Da mit so was die fröde gantz.
6360
 | "Do sprungen plüemlen durch den cle,
 | Von liebe schaiden daz tuot we,"
 | Sungen sei da in dem gras.
 | Des cham do Pertschi Triefnas
 | Und macht sich hin zuo Gunterfai;
6365
 | Er sprach: "Pfeiff auf und nim daz ai!"
 | Da mit her Colman cham, der alt,
 | Und fro Perchta mit gewalt.
 | "Se hin zwai (der ist vil me)
 | Und pfeiff uns nach der alten ee
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 | Eines!" sprachen seu zuo im.
 | Pertschi hiet einn hohen sinn
 | Und sprach: "So hab dir dreu von mîr
 | Und pheiff mir nach meins hertzen gîr
 | Nach dem neuwen sitten eins!
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 | Der alten chan ich aller cheins."
 | Der stoss was gross von inen paiden;
 | Doch warts ze lesten also gschaiden,
 | Daz Colman und fro Laichdenman
 | Hofieren scholten vor hin an
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 | Und der preutgom tantzen vor
 | Mit der praut vil hoch enbor;
 | Die Gnepferein und Grabinsgaden
 | Scholten in den zagel haben.
 | Secht, do huob sich erst ein swingen,
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 | Ochsendringen, kelberspringen!
 | Der spilman pfeiff, daz nie gestob,
 | Nie gedont noch nie geflog.
 | Do chnatens hin, do trattens her
 | Nicht anders sam die wilden per.
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 | We, wie höch seu sprungen,
 | Îr armen auf swungen!
 | Der ein der schre: "Hi ju, hi jo!"
 | Der ander: "Jo, wie get es so!"
 | Storkenpain der was vil jung
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 | Und mass im selber einen sprung
 | Also höch - in daucht, er flug.
 | Des tet er wider einen zug
 | Also geswind, daz er gesass
 | Mit dem hintern in dem gras.
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 | Die mätzli warent also rüeg
 | Und sprungen her so gar gefüeg,
 | Daz man in oft (ich waiss nicht wie)
 | Hin auf gesach bis an die knie.
 | Hilden haubtloch was ze weit;
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 | Dar umb îr an der selben zeit
 | Daz tüttel aus dem puosem sprang:
 | Tantzens gir sei dar zuo twang.
 | Hüdellein der ward so haiss,
 | Daz sei den kittel vor auf raiss;
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 | Des sach man îr die iren do
 | Und macht vil mängeu hertzen fro;
 | Seu schreuwen all: "Sei wil ein man:
 | Sei hat ein maul und har dar an."
 | Chnöpfeln, nestel prachent vil
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 | Und (recht sam ich euchs kürtzen wil)
 | Von dem gumpen und gedreng
 | Ward der tantz so übrigs eng,
 | Daz der preutgom wisst nicht, wo
 | Er was und keren scholt aldo.
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 | Er was gesteket in der mitt
 | Sam in dem sne ein andrer schlitt.
 | Was scholt daz do die gsellen btragen,
 | Die der minn mit grifflen phlagen?
 | Pertschi zuo dem trüller schre:
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 | "Lass dar von und pfeiff nicht me!"
 | Der spilman tet nach seinem sin:
 | Da mit so was der tantz da hin.
 | Do woltens gsessen sein da nider;
 | Des schre her Troll hin wider:
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 | "Die weil es in der hitze sei,
 | Macht euch an den ring hie pei!
 | Ich wil euch sunderleichen singen
 | Eins, daz füeget wol ze springen."
 | Der rede wurdens alle fro.
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 | Da mit so huob er an also:

 ! "Es ass mein vatter Eberhart
 ! Und tranch mein öhein Rimpart,
 ! Es schlieff mein vetter Oll, her Oll, her Oll, her
 ! Oll, her Oll, her Oll, her Oll, her Oll, her Oll, her Oll,
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 ! Es schlie-ie-ief her Oll, Oll, Oll, Oll.

 ! Es sang mein sun, der Perchtold,
 ! Und sprang mein nef, her Hilpold,
 ! Es tantzt her Scholl-lo-lo-lo-loll-lo-lo-
 ! Lo-lo-lo-loll-lo-lo-lo-lo-lo-lo-lo-loll,
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 ! Es swantzt her Scho-o-o-o-o-o-oll."

 | Et cetera. Er sang ie bas;
 | Und do es an dem besten was,
 | Do sat der tiefel äschen drein.
 | Daz schuoff der laidig Eisengrein;
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 | Der wolt in Greduln minn verprinnen
 | Und sei des lassen werden innen
 | Mit chratzlen haimleich in der hand.
 | Daz stuond nicht wol, es was ein schand,
 | Won die junchfraw an der vart
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 | Von dem chretzen plüetend wart.
 | Dar umb so cham der gpauren schimph
 | Nach îr gewon ze ungelimph.