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Das Volksbuch von Dr. Faust
um 1580

 


 






 




1

ORIGINALIS
Anfanng Leben vnd
Historj D: Faustj

Doctor Faustus ist eines Bawren Sohn gewesen zu Rod bey Weimar vrburdig / Der zu Wittemberg ein grosse Freundtschafft gehabt / Dieweil seine Eltern Gottselige vnnd Cristliche Leuth gewesen / ja sein Vetter Der zu Wittemberg seshafft ein Burger wol vermugens gewest / jn Den Doctor Faustum auferzogen / vnnd gehalten wie ain kindt / Dann Er ohne Erben ward / Nam Er disen Faustum zu ainem kindt vnnd Erben auf / Ließ jn jnn die Schuel geen Theologiam zu studiern / Er ist aber von sollichem Gottseligen Furnemen abgedretten / Gottes wort misbraucht /

Derohalben wir solliche Eltern vnnd Freund die gern alles guetts / vnnd das besst gesehen hetten (.wie solches alle Frombe Elttern gern sehen.) ohne Tadel sein sollen lassen / Sie jnn die Historj nicht mischen / So haben auch seine Eltern dises Gottlosen kinds Grewel nicht erlebt noch gesehen / Dann einmahl gewiß / wie auch die Eltern dess Doctor Faustj (wie menigclich zu Wittemberg bewust) sich ganntz hertzlich erfreudt haben / Das jr Vetter jn als ein kind aufnam / vnnd darnach die Eltern an jm spurten wie er ein treffenlichs Ingenium vnnd Memoriam hette / auss sollichem gewislich gefolgt ist / das Dise Elttern grosse fursorg fur jn gehabt haben / gleich wie Job. cap: j. fur seine kinder getragen hatte / Damit Sie sich am herren nicht versündigten / Vnnd volgen das frombe Eltern daneben auch Gottlose vnnd Vngerathne kinder haben. Die jch darumb erhole / Dieweil jr vil gewesen so disen Eltern viel Schuldt vnnd Vnglimpff furwerffen / Die jch hiemit excusiert will haben / Dann solche Larfen den Eltern nicht allein schmachhafft / sonndern auch als were Faustus von seinen Eltern Darzue gezogen / da sie ettlich Articul furgeben / So Sie haben jm allen Muetwill jnn der jugent gestattet / vnnd jn nit fleissig zum studiern geraytzt etc. Jtem Da die Freundt seinen geschwinden kopff gesehen / vnnd Er zu der Theologia nit Viel Lust gehabt / darzue offenntlichen ein Sag gewest/ Er gehe mit der Zauberey vmb / solt man solchs bey zeit gewert haben etc. solches alles seind somnia / Dann Sie hierjnnen nicht sollen verkleinert werden / Dieweil an jnen kein Schuld ist Fur Ains. ad propositum.

Als Doctor Faustus eines gantz glirnigen vnnd geschwinden kopfs zum studiern qualificiert vnnd genaigt ward / jst Er hernach in seinem Examine bey den Rectoribus so weitt kommen / das man jn jm Magistrat examiniert / vnnd neben jm auch Sechzehen Magistros. Denen ist Er jnn Frag / verhör / vnnd geschickhlicheit allen obgelegen / Also Das er seinen Theil genuegsam gestudiert hat / ward also ein Doctor Theologiæ.

Daneben so hat Er auch ein thummen Vnsynnigen vnd hofferttigen kopff wie man jn dann allzeit den SPeculierer genannt / jst zu der boesten gesellschafft gerathen / hat die Haylig Schrift ein weil hinder die Thur/ vnnd vnder Die Bannckh gesteckht / Das wortt Gottes nit Lieb gehalten/ sonnder hat Roch vnnd Gottloß jnn Fullerey / vnnd Vnzucht gelebt (.wie dann dise Historj hernach genuegsam zeugnus gibt.) Aber es ist ein War sprichtwort / Was zum Teuffel will / last sich nit aufhalten/ Zudem so fand Doctor Faustus seines gleichen / Die giengen Vmb mit Chaldeyischen / Persischen / Arabischen / vnnd Griechischen Wörtern Figuris, characterib: Coniurationibus, Incantationibus / Vnnd Dise erzelte stuckh waren Lautter Dardaniæ Artes Nigromantiæ, Carmina veneficium, vaticinium, Incantatio, vnnd wie solliche Buecher / Worter/ vnnd Namen der beschwerung vnnd Zauberey genennt werden mögen / Das gefiel Doctor Fausto wol speculiert vnnd studiert Tag vnnd Nacht darjnnen / Wolt sich hernach kein Theologum mehr nennen lassen / ward ein Weltmensch / Nennt sich ein Doctor Medicinæ, ward ein Astrologus vnnd Mathematicus / vnnd zum glimpffen ward Er ein Artzt / halff erstlichen vil Leuthen mit der Artzney durch Kreutter / Wurtzel vnd Trankh / Recept / vnnd Christieren / neben dem ward Er beredt/ jnn der Heyligen schrift wol erfahren / wust Die Regell Christj gar wol (.Wer den willen des herren waist vnd thuet jn nicht / der wirt Doppelt geschlagen / jtem Du solt Gott deinen herren nit versuechen.) Aber Diss alles schlueg Er jn Wind / setzt sein Seel ein weil vf die Vberthur/ Darumb bey jm kein entschuldigung soll /
 
 
 
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