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Das Volksbuch von Dr. Faust
um 1580

 


 






 




25

Wie Doctor Faustus
an das Gestirn hinauff gefaren:

Dise Geschicht Hat man auch bey jm gefunden so mit seiner aignen Hannd Concipiert vnnd gefast worden / welchs Er auch seiner guetten gesellen einem Jonæ Victorj Medico jnn Leibzig zugeschriben dess jnnhalts/

Jnsonders Lieber herr vnnd Brueder/ Jch hab mich noch desgleichen jr Euch zuerJnnern vnnsers Schuelganngs / vnnd jugent zu Wittenberg / vnnd jr Euch anfanngs beflissen der Kunst Medicinæ, Astronomiæ, Astrologiæ, Geometriæ, wie jr dann auch seidt ein Mathematicus vnd physicus, jch aber Euch vngleich ward/ Dann jch wie jr wol wist jnn der Theologia studierte / bin dannoch Fuch jnn der Kunst gleich worden / Vnd Dieweil jr mich ettlicher sachen Euch zuberichten Raths gefragt / hab jch nichts geweygert / oder Euch etwas zuberichten versagt / bin dessen auch noch Vrbittig / solt mich allzeit so finden vnnd haimsuechen. Eures Ruembs vnd Lobs so jr mir zuemesst thue jch mich bedannckhen /

jnn Eurem schreiben meldet jr auch bitt weiß Von meiner Himmelfart vnder das gestirn so jr erfahren / vnnd mir zuschreibt Euch zuberichten Ob jm also sey oder nit / Dieweil Euch solchs ganntz vnmuglich dunckht / vnnd jr auch dabej sagt / es mueß etwa durch Den Teuffel oder Zauberey geschehen sein, Wett Fritz, Es sey jm aber wie jm wölle / So ist es endtlich geschehen / vnnd von diser Figur acta vnnd geschicht sey Euch auf Eur Bitt ein solcher bericht/

Jtem als jch einmahl nicht entschlaffen könndte / vnnd eben an meine Calender vnnd Practica dacht / wie doch Das Firmament am Hymmel Qualificiert vnnd erschaffen wer / Dessen zierdt der Mensch oder physicj ettlicher massen / vnnd können abnemen / Ob Er gleich solchs nicht kan Recht sichtbarlichen ersehen / sonndern nach guet dunckhen vnd den Buechern vnnd deren opinionibus gemeß / mueß abnemen / vnnd disponiern /

jn solchen gedannckhen hört jch ein vngestuem blasen vnnd Windt meinem hauß zugehn / Der mein Laden vnnd Cammerthur alles vf schlieg / Darob jch nicht ein wenig erschrackh jch hört Ein Brullennde Stym gleich darauf die saget / Wohlauf deines hertzen Lust synn / vnnd begirlicheit wirstu sehen / jch antwurt wan Diss zusehen ist / so jch Erst gedacht / vnnd mein beger ist / So bin jch wol zufriden / Er Antwurt wider vnnd sagt / so schaw zum Laden hinauß so wirstu die Fuer sehen /

Das thett jch Da sah jch einen Wagen mit Zwen Drachen herab fliegen / Der Wag ward hellischer Flammen weiss anzusehen / Als aber der Mohn desselbigen Nachts am Hymmel schyne / sah jch auch meine Ross vnnd Wagen Dise Wurm an flugeln waren Braun vnd Schwartz / weiss sprenckhendt / Der Ruckh auch also der Bauch / kopff / vnnd halß gruenlicht gelb vnnd weiß gesprengt /

Die stym antwurt wider / So sitz auf vnnd wandere / jch sprach jch will dir volgen / Doch das jch alle vmbstendt fragen dörff/ ja antwurt Er es sey dir dissmahl erlaubt / Darauff stig jch vf den Kammerladen / vnnd sprung vff meine Gutschen vnnd Fuer daruon. Die fliegende Drachen fuerten mich empor / so ward ein wunderwerckh das der Wag auch Vier Räder hat / vnnd rauschten doch als wann jch auf dem Land fuehre / Doch die Rader gaben jm vmbherlauffen jmmer Fewrstramen /

vnnd je höcher jch kam je Finster die Welt ward / vnnd ward mir nicht anderst / Als wann jch jm hellen Sonnen Tag jnn ein Finster Loch sehe / Also sahe jch auch vom Hymmel herab jnn die Welt / jnn solchem fahrn vnnd fliegen Da rauscht mein Dienner vnnd Geyst daher / vnnd sitzt zu mir auf den Wagen / jch sagt zu jme/ mein Mephostophiles wo mueß jch nun hinauß / Das Lass dich nicht jrren noch hindern sprach er vnnd Fuer also noch höcher hinauff.
 
 
 
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