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Friedrich von Logau
Deutscher Sinn-Getichte Drey Tausend

 


 






 




Deß Ersten Tausend
Neundes Hundert.


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I,9,17

Am fünfften Sontage nach Epiphan.

WEr vns für Unkraut hält/ vnd wil vns bald vertreiben/
Thut nichts/ als daß er sich sam vns noch auff wird reiben:
Er warte biß zum Augst/ da wird man deutlich kennen
Wer tüglich sey zur Ernt vnd würdig zum verbrennen.

I,9,33

Am Sontage Misericord. Dom.

Ein guter Hirt ist der/ der seinen Leib vnd Leben
Von freyem Willen wil für seine Schafe geben:
Wer ist nun aber der/ der durch Gewalt vnd List/
Zum Theil die Schafe schindt/ zum Theil die Schafe frist.

I,9,71

Heutige Welt=Kunst

ANders seyn/ vnd anders scheinen:
Anders reden/ anders meinen:
Alles loben/ alles tragen/
Allen heucheln/ stets behagen/
5
Allem Winde Segel geben:
Bös= vnd Guten dienstbar leben:
Alles Thun vnd alles Tichten
Bloß auff eignen Nutzen richten;
Wer sich dessen will befleissen
10
Kan Politisch heuer heissen.

I,9,75

Hofe=Regel.

Non mihi sit servus Medicus,
Propheta, Sacerdos.


Fürsten wollen keinen Diener/ der da wil/ daß Tranck vnd Essen
Soll nach Ordnung vnd Vermögen seyn getheilt vnd abgemessen:
Fürsten/ wollen keinen Diener/ der da wil voran verkünden
Was auff jhr verkehrtes Wesen/ für Verterben sich wird finden:
5
Fürsten/ wollen keinen Diener/ der da wil daß jhr Gewissen
Sich von allem arg Beginnen kehren soll zu ernstem Büssen.

I,9,79

Vorzug zwischen Laus vnd Floh.

Der Vorsitz ist den Läusen/ für Flöhen wol erlaubt/
Die wie die Flöh/ im Busen nicht wohnen/ nur ums Haupt:
Schmarotzer/ die bey Hofe Credentzen Fürstlich Gut
Sind für gemeinen Heuchlern befreyt zu größrem Mut.
 
 
 
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