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B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A

 

 

 

 
Friedrich von Logau
Deutscher Sinn-Getichte Drey Tausend

 


 






 




Deß Andren Tausend
Drittes Hundert.


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II,3,8

Eines Fürsten Bewust
von den Seinen/Schweinen.


JSt deß Fürstens gröste Tugend/ daß er die kennt/ die sind Seine?
Jst deß Fürstens gröste Tugend/ daß er kennt die wilden Schweine?
Jenes/ wil ich feste glauben/ sey deß Fürstens eigne Pflicht:
Dieses/ glaub ich/ sey deß Försters/ sey deß Fürstens eigen nicht.

II,3,13

Fruchtbringende Gesellschaft.

JCh zwar auch ein Theil vnd denen beygestellet
Die jhres Geistes hoch zusammen hat gesellet
zu treffen einen Bund/ zu würcken tapffre Frucht/
Daß Deutsches Hertz vnd Mund von neuem auffgesucht
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Und seiner Würd vnd Zier sey wieder übergeben/
Und dürffe ferner nicht ein armer Sclave leben
Der fremden Pralerey: Das Miltzkraut soll ich seyn/
Verkleinern soll ich stets/ soll helffen treiben ein
Den auffgeschwollnen Miltz/ die Art der stoltzen Sinnen
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Die sich in jhnen selbst beherbergen nicht künnen/
Und denen viel zu eng jhr Deutsches Vaterland;
Sie lassen eignen Werth vnd wehlen fremden Tand/
Erkiesen Glas für Gold/ vnd wollen nichts beginnen
Was diesem ist gemäß/ was etwa kümmt von hinnen:
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So/ wie in Kleidern sie nunmehr sind Deutschen nicht/
So soll auch nicht mehr Deutsch seyn was die Zunge spricht.
Wie muß das Hertze seyn? Jch wil zwar nicht ermüden
Daß stets an jhren Orth sey meine Pflicht beschieden;
Daß ich Verkleinernder/ verkleinre nicht den Stand
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Den mein Kraut vnverhofft in diesem Garten fand
Wo so viel Cedern stehn vnd reiche Palmen prangen:
So aber/ was ich soll vnd wil/ nicht zu erlangen/
So neme man für gut/ ob Saamen ich nicht zieh/
Daß ich doch blüh/ das ist/ mich jmmerdar bemüh.

II,3,29

Redligkeit.

Wer gar zu bieder ist/ bleibt zwar ein redlich Mann
Bleibt aber wo er ist/ kümmt selten höher an.

II,3,72

Ein vnruhig Gemüte.

Ein Mühlstein/ vnd ein Menschen=Herz/ wird stets herumgetrieben/
Wo beydes nicht zu reiben hat/ wird beydes selbst zerrieben.

II,3,83

Von einer Biene.

PHyllis schlieff/ ein Bienlein kam/
Saß auff jhren Mund vnd nam
Honig/ oder was es war/
Corydon, dir zur Gefahr:
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Dann/ sie kam von jhr auff dich
Gab dir einen bittren Stich;
Ey wie recht! du fauler Mann
Soltest thun/ was sie gethan.
 
 
 
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