B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Carl von Clausewitz
1780 - 1831
     
   


V o m   K r i e g e
E r s t e r   T e i l


V i e r t e s   B u c h
Das Gefecht

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1. Kapitel   Übersicht
2. Kapitel   Charakter der heutigen Schlacht
3. Kapitel   Das Gefecht überhaupt
4. Kapitel   Fortsetzung
5. Kapitel   Über die Bedeutung des Gefechts
6. Kapitel   Dauer des Gefechts
7. Kapitel   Entscheidung des Gefechts
8. Kapitel   Einverständnis beider Teile zum Gefecht
9. Kapitel   Die Hauptschlacht (Ihre Entscheidung)
10. Kapitel   Fortsetzung (Wirkung des Sieges)
11. Kapitel   Fortsetzung (Der Gebrauch der Schlacht)
12. Kapitel   Strategische Mittel, den Sieg zu benutzen
13. Kapitel   Rückzug nach verlorener Schlacht
14. Kapitel   Das nächtliche Gefecht


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     Erstes Kapitel:
     Übersicht


     Nachdem wir im vorigen Buche die Gegenstände betrachtet haben, welche als die wirksamen Elemente im Kriege betrachtet werden können, wollen wir jetzt unsern Blick auf das Gefecht werfen, als die eigentliche kriegerische Tätigkeit, welche durch ihre physischen und geistigen Wirkungen bald einfacher, bald zusammengesetzter den Zweck des ganzen Krieges umfaßt. In dieser Tätigkeit und in ihren Wirkungen müssen also jene Elemente sich wieder finden.
     Die Konstruktion des Gefechts ist taktischer Natur, wir werfen nur einen allgemeinen Blick darauf, um es in seiner Gesamterscheinung kennenzulernen. Die näheren Zwecke geben in der Anwendung jedem Gefecht eine eigentümliche Gestalt; diese näheren Zwecke werden wir erst in der Folge kennenlernen. Allein jene Eigentümlichkeiten sind im Verhältnis zu den allgemeinen Eigenschaften eines Gefechts meistens nur unbedeutend, so daß die Mehrzahl derselben einander sehr ähnlich sind, und wir sind also, wollen wir nicht an jedem Orte das Allgemeine wiederholen, genötigt, dasselbe zu betrachten, ehe noch von einer näheren Anwendung die Rede ist.
     Zuvor also, im nächsten Kapitel, werden wir mit ein paar Worten die heutige Schlacht in ihrem taktischen Verlauf charakterisieren, weil diese unseren Vorstellungen vom Gefecht zum Grunde liegt.

 
     Zweites Kapitel:
     Charakter der heutigen Schlacht


     Nach den Begriffen, die wir von der Taktik und Strategie angenommen haben, versteht es sich von selbst, daß, wenn die Natur der ersten sich ändert, dies Einfluß auf die letztere haben muß. Haben die taktischen Erscheinungen in dem einen Fall einen ganz anderen Charakter als in dem anderen, so werden ihn auch die strategischen haben müssen, wenn sie konsequent und vernünftig bleiben sollen. Darum ist es wichtig, die Hauptschlacht in ihrer neueren Gestalt zu charakterisieren, ehe wir ihren Gebrauch in der Strategie weiter kennenlernen.
     Was tut man jetzt gewöhnlich in einer großen Schlacht? Man stellt sich in großen Massen neben- und hintereinander geordnet ruhig hin, entwickelt verhältnismäßig nur einen geringen Teil des Ganzen und läßt sich diesen ausringen in einem stundenlangen Feuergefecht, welches durch einzelne kleine Stöße von Sturmschritt, Bajonette und Kavallerieanfall hin und wieder unterbrochen und etwas hin und her geschoben wird. Hat dieser eine Teil sein kriegerisches Feuer auf diese Weise nach und nach ausgeströmt, und es bleiben nichts als die Schlacken übrig, so wird er zurückgezogen und von einem anderen ersetzt.
     Auf diese Weise brennt die Schlacht mit gemäßigtem Element wie nasses Pulver langsam ab, und wenn der Schleier der Nacht Ruhe gebietet, weil niemand mehr sehen kann, und sich niemand dem blinden Zufall preisgeben will, so wird geschätzt, was dem einen und dem anderen übrig bleiben mag an Massen, die noch brauchbar genannt werden können, d. h. die noch nicht ganz wie ausgebrannte Vulkane in sich zusammengefallen sind; es wird geschätzt, was man an Raum gewonnen oder verloren hat, und wie es mit der Sicherheit des Rückens steht; es ziehen sich diese Resultate mit den einzelnen Eindrücken von Mut und Feigheit, Klugheit und Dummheit, die man bei sich und seinem Gegner wahrgenommen zu haben glaubt, in einen einzigen Haupteindruck zusammen, aus welchem dann der Entschluß entspringt: das Schlachtfeld zu räumen oder das Gefecht am anderen Morgen zu erneuern.
     Diese Schilderung, die nicht ein ausgemaltes Bild der heutigen Schlacht sein, sondern bloß ihren Ton angeben soll, paßt auf Angreifende und Verteidiger, und man kann in dieselbe die einzelnen Züge, welche der vorgesetzte Zweck, die Gegend usw. an die Hand geben, hineintragen, ohne diesen Ton wesentlich zu ändern.
     Es sind aber die heutigen Schlachten nicht zufällig so, sondern sie sind es, weil die Parteien sich ungefähr auf demselben Punkt der kriegerischen Einrichtungen und der Kriegskunst befinden, und weil das kriegerische Element, angefacht durch große Volksinteressen, durchgebrochen ist und in seine natürlichen Bahnen geleitet. Unter diesen beiden Bedingungen werden die Schlachten diesen Charakter immer behalten.
     Diese allgemeine Vorstellung von der heutigen Schlacht wird uns in der Folge an mehr als einem Orte nützlich sein, wenn wir den Wert der einzelnen Koeffizienten von Stärke, Gegend usw. bestimmen wollen. Nur von allgemeinen, großen und entscheidenden Gefechten, und was dem nahekommt, gilt diese Schilderung; die kleinen haben ihren Charakter auch in dieser Richtung, aber weniger als die großen, verändert. Der Beweis davon gehört in die Taktik, wir werden aber dennoch Gelegenheit haben, in der Folge diesen Gegenstand noch durch ein paar Züge deutlicher zu machen.

 
     Drittes Kapitel:
     Das Gefecht überhaupt


     Das Gefecht ist die eigentliche kriegerische Tätigkeit, alles übrige sind nur die Träger derselben. Werfen wir also auf seine Natur einen aufmerksamen Blick.
     Gefecht ist Kampf, und in diesem ist die Vernichtung oder Überwindung des Gegners der Zweck; der Gegner im einzelnen Gefecht aber ist die Streitkraft, welche uns entgegensteht.
     Dies ist die einfache Vorstellung, wir werden zu ihr zurückkehren; aber ehe wir das können, müssen wir eine Reihe anderer einschalten.
     Denken wir uns den Staat und seine Kriegsmacht als Einheit, so ist die natürlichste Vorstellung, uns den Krieg auch als ein einziges großes Gefecht zu denken, und in den einfachen Verhältnissen wilder Völker ist es auch nicht viel anders. Unsere Kriege aber bestehen aus einer Unzahl von großen und kleinen, gleichzeitigen oder aufeinanderfolgenden Gefechten, und dieses Zerfallen der Tätigkeit in so viel einzelne Handlungen hat seinen Grund in der großen Mannigfaltigkeit der Verhältnisse, aus denen der Krieg bei uns hervorgeht.
     Schon der letzte Zweck unserer Kriege, der politische, ist nicht immer ein ganz einfacher, und wäre er es auch, so ist die Handlung an eine solche Menge von Bedingungen und Rücksichten gebunden, daß der Zweck nicht mehr durch einen einzelnen großen Akt, sondern nur durch eine Menge größerer oder kleinerer, die zu einem Ganzen verbunden sind, erreicht werden kann. Jede dieser einzelnen Tätigkeiten ist also ein Teil eines Ganzen, hat folglich einen besonderen Zweck, durch welchen sie an dieses Ganze gebunden ist.
     Wir haben früher gesagt, daß sich jede strategische Handlung auf die Vorstellung eines Gefechts zurückführen läßt, weil sie eine Verwendung der Streitkraft ist und dieser die Idee des Gefechts immer zum Grunde liegt. Wir können also im Gebiete der Strategie alle kriegerische Tätigkeit auf die Einheit einzelner Gefechte zurückführen und uns nur mit den Zwecken dieser letzteren beschäftigen. Wir werden diese besonderen Zwecke erst nach und nach kennenlernen, sowie wir von den Gegenständen sprechen werden, die sie hervorrufen. Hier ist es uns genug, zu sagen: jedes Gefecht, groß oder klein, hat seinen besonderen, dem Ganzen untergeordneten Zweck. Ist dieses der Fall, so ist die Vernichtung und Überwindung des Gegners nur als das Mittel für diesen Zweck zu betrachten. So ist es allerdings.
     Allein dieses Resultat ist nur in seiner Form wahr und nur um des Zusammenhanges willen wichtig, welchen die Vorstellungen unter sich haben, und es ist gerade, um uns von demselben wieder loszumachen, daß wir es aufgesucht haben.
     Was ist die Überwindung des Gegners? Immer nur die Vernichtung seiner Streitkraft, sei es durch Tod oder Wunden oder auf was für eine andere Art, sei es ganz und gar oder nur in einem solchen Maße, daß er den Kampf nicht mehr fortsetzen will. Wir können also, so lange wir von allen besonderen Zwecken der Gefechte absehen, die Vernichtung des Gegners ganz oder teilweise als den einzigen Zweck aller Gefechte betrachten.
     Nun behaupten wir, daß in der Mehrheit der Fälle, und besonders bei den großen Gefechten, der besondere Zweck, wodurch das Gefecht individualisiert und mit dem großen Ganzen verbunden wird, nur eine schwache Modifikation jenes allgemeinen Zweckes oder ein mit demselben verbundener Nebenzweck ist, wichtig genug, um das Gefecht zu individualisieren, aber immer nur unbedeutend im Vergleich mit jenem allgemeinen Zweck; dergestalt, daß, wenn jener Nebenzweck allein erreicht werden sollte, nur ein unwichtiger Teil seiner Bestimmung erfüllt ist. Wenn diese Behauptung richtig ist, so wird man einsehen, daß jene Vorstellungsart, wonach die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte nur das Mittel, und der Zweck immer irgendein anderer ist, nur in ihrer Form wahr sei, daß sie aber zu falschen Folgerungen führen würde, wenn man sich nicht erinnerte, daß eben diese Vernichtung der feindlichen Streitkraft sich in jenem Zweck auch wieder findet, und daß dieser nur eine schwache Modifikation derselben sei.
     Dieses Vergessen hat vor der letzten Kriegsepoche in ganz falsche Ansichten hineingeführt und Tendenzen sowie Fragmente von Systemen erzeugt, womit die Theorie sich über den Handwerksgebrauch um so mehr zu erheben glaubte, je weniger sie meinte, des eigentlichen Instrumentes, nämlich der Vernichtung der feindlichen Streitkräfte, zu bedürfen.
     Freilich würde ein solches System nicht entstehen können, wenn nicht andere falsche Voraussetzungen dabei gebraucht und an die Stelle der Vernichtung der feindlichen Streitkräfte andere Dinge gesetzt würden, denen man eine falsche Wirksamkeit zuschrieb. Wir werden diese bekämpfen, wo uns der Gegenstand dazu veranlaßt, aber wir können nicht von dem Gefecht handeln, ohne die Wichtigkeit und den wahren Wert derselben reklamiert und vor dem Abweg gewarnt zu haben, den eine bloß formelle Wahrheit veranlassen könnte.
     Aber wie werden wir es nur beweisen, daß die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte in den meisten und wichtigsten Fällen die Hauptsache ist? Wie werden wir nur der äußerst feinen Vorstellung begegnen, welche sich die Möglichkeit denkt, durch eine besonders künstliche Form mit einer geringen unmittelbaren Vernichtung feindlicher Streitkräfte eine größere mittelbar zu erreichen oder vermittelst kleiner, aber besonders geschickt angebrachter Schläge eine solche Lähmung der feindlichen Kräfte, eine solche Lenkung des feindlichen Willens hervorzubringen, daß dieses Verfahren als eine große Abkürzung des Weges zu betrachten wäre? Allerdings ist ein Gefecht auf einem Punkte mehr wert als auf einem anderen, allerdings gibt es eine kunstvolle Ordnung der Gefechte untereinander auch in der Strategie, und diese ist sogar nichts als diese Kunst; das zu verneinen, ist nicht unsere Absicht, aber wir behaupten, daß die unmittelbare Vernichtung der feindlichen Streitkräfte überall das Vorherrschende ist. Diese vorherrschende Wichtigkeit und nichts anderes wollen wir dem Vernichtungsprinzip hier erkämpfen.
     Indessen müssen wir daran erinnern, daß wir uns in der Strategie und nicht in der Taktik befinden, daß wir also nicht von den Mitteln sprechen, welche jene haben mag, mit wenig Kraftaufwand viel feindliche Streitkräfte zu vernichten, sondern daß wir unter unmittelbarer Vernichtung die taktischen Erfolge verstehen, und daß also unsere Behauptung ist, daß nur große taktische Erfolge zu großen strategischen führen können, oder, wie wir es schon einmal bestimmter ausgedrückt haben, daß die taktischen Erfolge von vorherrschender Wichtigkeit in der Kriegführung sind.
     Der Beweis dieser Behauptung scheint uns ziemlich einfach; er liegt in der Zeit, welche jede zusammengesetzte (kunstvolle) Kombination erfordert. Ob ein einfacher Stoß oder ein mehr zusammengesetzter, kunstvoller größere Wirkungen hervorbringt, mag unzweifelhaft für den letzteren entschieden werden, solange der Gegner als ein leidender Gegenstand gedacht wird. Allein jeder zusammengesetzte Stoß erfordert mehr Zeit, und diese Zeit muß ihm gegönnt werden, ohne daß durch einen Gegenstoß auf einen der Teile das Ganze in den Vorbereitungen zu seiner Wirkung gestört werde. Entscheidet sich nun der Gegner zu einem einfacheren Stoß, der in kurzer Zeit ausgeführt ist, so gewinnt er den Vorsprung und stört die Wirkung des großen Planes. Man muß also bei dem Werte eines zusammengesetzten Stoßes alle Gefahr in Betrachtung bringen, welche man während seiner Vorbereitung läuft und kann ihn nur anwenden, wenn man von dem Gegner nicht fürchten darf, durch einen kürzeren gestört zu werden; sooft dies der Fall ist, muß man selbst den kürzeren wählen und in diesem Sinne soweit hinuntersteigen, als es der Charakter, die Verhältnisse des Gegners und andere Umstände nötig machen. Verlassen wir die schwachen Eindrücke abstrakter Begriffe und steigen ins wirkliche Leben hinab, so wird ein rascher, mutiger, entschlossener Gegner uns nicht Zeit zu weitaussehenden künstlichen Zusammensetzungen lassen, und gerade gegen einen solchen würden wir der Kunst am meisten bedürfen. Hiermit, scheint es uns, ist das Vorherrschen der einfachen und unmittelbaren Erfolge vor den zusammengesetzten schon gegeben.
     Unsere Meinung ist also nicht, daß der einfache Stoß der beste sei, sondern daß man nicht weiter ausholen dürfe, als der Spielraum erlaubt, und daß dies immer mehr zum unmittelbaren Kampf hinführen wird, je kriegerischer der Gegner ist. Also weit entfernt, den Gegner überbieten zu dürfen nach der Richtung zusammengesetzter Pläne hin, muß man vielmehr suchen, ihm nach der entgegengesetzten Richtung hin immer voran zu sein.
     Wenn man die letzten Fundamentalsteine dieser Gegensätze untersucht, so wird man finden, daß es in dem einen die Klugheit, in dem anderen der Mut ist. Nun ist es sehr verführerisch, zu glauben, daß ein mäßiger Mut, mit einer großen Klugheit gepaart, mehr Wirkung hervorbringen werde als eine mäßige Klugheit mit einem großen Mut. Wenn man sich aber diese Elemente nicht in unlogischen Mißverhältnissen denkt, so hat man auch kein Recht, der Klugheit diesen Vorteil über den Mut einzuräumen in einem Felde, welches Gefahr heißt, und welches als die eigentliche Dämone des Mutes betrachtet werden muß.
     Nach dieser abstrakten Betrachtung wollen wir nur noch sagen, daß die Erfahrung, weit entfernt, ein anderes Resultat zu geben, vielmehr die einzige Ursache ist, welche uns in diese Richtung hineingedrängt und zu solchen Betrachtungen veranlaßt hat.
     Wer die Geschichte unbefangen liest, wird sich der Überzeugung nicht enthalten können, daß von allen kriegerischen Tugenden die Energie der Kriegführung stets am meisten zum Ruhm und Erfolg der Waffen beigetragen hat.
     Wie wir unseren Grundsatz, die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte nicht nur im ganzen Kriege, sondern auch im einzelnen Gefecht als die Hauptsache zu betrachten, durchführen und allen den Formen und Bedingungen anpassen werden, welche die Verhältnisse, aus denen der Krieg hervorgeht, notwendig fordern, wird die Folge lehren.
     Vorderhand war es uns nur darum zu tun, ihm seine allgemeine Wichtigkeit zu erkämpfen, und mit diesem Resultat kehren wir zu dem Gefecht zurück.

 
     Viertes Kapitel:
     Fortsetzung


     Wir sind im vorigen Kapitel dabei stehengeblieben, die Vernichtung des Gegners sei der Zweck des Gefechts, und haben durch eine besondere Betrachtung zu beweisen gesucht, daß dies in der Mehrheit der Fälle und bei den größeren Gefechten wahr sei, weil die Vernichtung der feindlichen Streitkraft immer das Vorherrschende im Kriege sei. Die anderen Zwecke, welche dieser Vernichtung der feindlichen Streitkraft beigemischt sein und mehr oder weniger vorwalten können, werden wir im nächsten Kapitel allgemein charakterisieren und in der Folge nach und nach näher kennenlernen; hier entkleiden wir das Gefecht von ihnen ganz und betrachten die Vernichtung des Gegners als den völlig genügenden Zweck des einzelnen Gefechts.
     Was ist nun unter Vernichtung der feindlichen Streitkraft zu verstehen? Eine Verminderung derselben, die verhältnismäßig größer ist als die unserer eigenen. Wenn wir eine große Überlegenheit der Zahl über den Feind haben, so wird natürlich dieselbe absolute Größe des Verlustes für uns kleiner sein als für ihn und folglich schon als ein Vorteil betrachtet werden können. Da wir das Gefecht hier als von allen Zwecken entkleidet betrachten, so müssen wir auch den davon ausschließen, wo es zu einer größeren Vernichtung der feindlichen Streitkräfte nur mittelbar gebraucht wird; mithin kann auch nur jener unmittelbare Gewinn, den wir in dem gegenseitigen Zerstörungsprozeß gemacht haben, als der Zweck betrachtet werden, denn dieser Gewinn ist ein absoluter, der durch die Rechnung des ganzen Feldzuges durchläuft und am Schluß derselben sich immer als ein reiner Gewinst erweist. Jede andere Art des Sieges über unseren Gegner aber würde entweder ihren Grund in anderen Zwecken haben, von denen wir hier ganz absehen, oder nur einen einstweilen relativen Vorteil geben; ein Beispiel soll uns klar machen.
     Wenn wir unseren Gegner durch eine geschickte Anordnung in eine so nachteilige Lage versetzt haben, daß er das Gefecht ohne Gefahr nicht fortsetzen kann, und er sich nach einigem Widerstande zurückzieht, so können wir sagen, daß wir ihn auf diesem Punkt überwunden haben; haben wir aber bei dieser Überwindung gerade in demselben Verhältnis an Streitkräften eingebüßt als er, so wird bei der Schlußrechnung des Feldzuges von diesem Siege, wenn man einen solchen Erfolg so nennen könnte, nichts übrigbleiben. Es kommt also das Überwinden des Gegners, d. h. die Versetzung desselben in einen solchen Zustand, daß er das Gefecht aufgeben muß, an und für sich nicht in Betrachtung und kann deshalb auch nicht in die Definition des Zweckes aufgenommen werden; und so bleibt denn, wie gesagt, nichts übrig als der unmittelbare Gewinn, den wir in dem Zerstörungsprozeß gemacht haben. Es gehören aber dahin nicht bloß die Verluste, welche im Verlauf des Gefechts vorkommen, sondern auch die, welche nach dem Abzug des besiegten Teiles als unmittelbare Folge desselben eintreten.
     Nun ist es eine bekannte Erfahrung, daß die Verluste an physischen Streitkräften im Laufe des Gefechts selten eine große Verschiedenheit zwischen Sieger und Besiegten geben, oft gar keine, zuweilen auch wohl eine sich verkehrt verhaltende, und daß die entscheidendsten Verluste für den Besiegten erst mit dem Abzug eintreten, nämlich die, welche der Sieger nicht mit ihm teilt. Die schwachen Reste schon erschütterter Bataillone werden von der Reiterei zusammengeworfen, Ermüdete bleiben liegen, zerbrochene Geschütze und Pulverwagen bleiben stehen, andere können in schlechten Wegen nicht schnell genug fort und werden von feindlicher Reiterei erreicht; in der Nacht verirren sich einzelne Haufen und fallen dem Feinde wehrlos in die Hände, und so gewinnt der Sieg meistens erst Körper, nachdem er schon entschieden ist. Hier würde ein Widerspruch sein, wenn er sich nicht auf folgende Art löste.
     Der Verlust an physischen Streitkräften ist nicht der einzige, den beide Teile im Verlauf des Gefechts erleiden, sondern auch die moralischen werden erschüttert, gebrochen und gehen zugrunde. Es ist nicht bloß der Verlust an Menschen, Pferden und Geschützen, sondern an Ordnung, Mut, Vertrauen, Zusammenhang und Plan, welcher bei der Frage in Betrachtung kommt, ob das Gefecht noch fortgesetzt werden kann oder nicht. Diese moralischen Kräfte sind es vorzugsweise, welche hier entscheiden, und sie waren es allein in allen Fällen, wo der Sieger ebensoviel verloren hatte als der Besiegte.
     Das Verhältnis des physischen Verlustes ist ohnehin im Laufe des Gefechts schwer zu schätzen, aber das Verhältnis des moralischen nicht. Zwei Dinge geben ihn hauptsächlich kund. Das erste ist der Verlust des Bodens, auf dem man gefochten, das andere das Übergewicht der feindlichen Reserven. Je stärker unsere Reserven im Verhältnis zu den feindlichen zusammenschwinden, um so mehr Kräfte haben wir gebraucht, das Gleichgewicht zu erhalten; schon darin tut sich ein fühlbarer Beweis der moralischen Überlegenheit des Gegners kund, der auch selten verfehlt, in dem Gemüt des Feldherrn eine gewisse Bitterkeit und Geringschätzung seiner eigenen Truppen zu erzeugen. Aber die Hauptsache ist, daß alle Truppen, welche schon anhaltend gefochten haben, mehr oder weniger wie eine ausgebrannte Schlacke erscheinen; sie haben sich verschossen, sind zusammengeschmolzen, ihre physische und moralische Kraft ist erschöpft, auch wohl ihr Mut gebrochen. Eine solche Truppe ist also auch, abgesehen von der Verminderung ihrer Zahl, als ein organisches Ganzes betrachtet, bei weitem nicht mehr, was sie vor dem Gefecht war, und so ist es, daß sich der Verlust an moralischen Kräften an dem Maß verbrauchter Reserven wie an einem Zollstock kundtut.
     Verlorener Boden und Mangel an frischen Reserven sind also gewöhnlich die beiden Hauptursachen, welche zum Rückzug bestimmen, womit wir aber andere, welche in dem Zusammenhang der Teile, im Plan des Ganzen usw. liegen können, keineswegs ausschließen oder zu sehr in den Schatten stellen wollen.
     Jedes Gefecht ist also die blutige und zerstörende Abgleichung der Kräfte, der physischen und moralischen. Wer am Schluß die größte Summe von beiden übrig hat, ist der Sieger.
     Im Gefecht war der Verlust der moralischen Kräfte die vorherrschende Ursache der Entscheidung; nachdem diese gegeben, bleibt jener Verlust im Steigen, und er erreicht erst am Schluß des ganzen Aktes seinen Kulminationspunkt; er wird also auch das Mittel, den Gewinn in der Zerstörung der physischen Streitkräfte zu machen, welcher der eigentliche Zweck des Gefechts war. Die verlorene Ordnung und Einheit macht oft selbst den Widerstand einzelner verderblich; der Mut des Ganzen ist gebrochen, die ursprüngliche Spannung über Verlust und Gewinn, in welcher die Gefahr vergessen wurde, ist aufgelöst, und den meisten erscheint die Gefahr nun nicht mehr wie eine Herausforderung des Mutes, sondern wie das Erleiden einer harten Züchtigung. So ist das Instrument im ersten Augenblick des feindlichen Sieges geschwächt und abgestumpft und darum nicht mehr geeignet, Gefahr mit Gefahr zu vergelten.
     Diese Zeit muß der Sieger benutzen, um den eigentlichen Gewinn an der physischen Kraftzerstörung zu machen; nur was er an dieser erreicht, bleibt ihm gewiß, die moralischen Kräfte kehren in dem Gegner nach und nach zurück, die Ordnung wird hergestellt, der Mut wieder gehoben, und es bleibt in der Mehrheit der Fälle nur ein sehr geringer Teil von dem errungenen Übergewicht zurück, oft gar keins, und in einzelnen, obgleich seltenen Fällen entsteht wohl gar durch Rache und stärkeres Anfachen der Feindschaft eine umgekehrte Wirkung. Dagegen kann, was an Toten, Verwundeten, Gefangenen und eroberten Geschützen gewonnen ist, niemals aus der Rechnung verschwinden.
     Die Verluste in der Schlacht bestehen mehr in Toten und Verwundeten, die nach der Schlacht mehr in verlorenem Geschütz und Gefangenen. Die ersten teilt der Sieger mit dem Besiegten mehr oder weniger, die letzten nicht, und deshalb finden sie sich gewöhnlich nur auf der einen Seite des Kampfes oder wenigstens dort nur in bedeutender Überzahl.
     Kanonen und Gefangene sind darum jederzeit als die wahren Trophäen des Sieges betrachtet worden und zugleich als der Maßstab desselben, weil sich an ihnen sein Umfang unzweifelhaft kundtut. Selbst der Grad der moralischen Überlegenheit geht daraus besser hervor als aus irgendeinem anderen Verhältnis, besonders wenn damit die Zahl der Toten und Verwundeten verglichen wird, und hier entsteht eine neue Potenz moralischer Wirkungen.
     Wir haben gesagt, daß sich die im Gefecht und seinen ersten Folgen zugrunde gerichteten moralischen Kräfte nach und nach wieder herstellen und oft keine Spur ihrer Zerstörung lassen; dies ist der Fall bei kleinen Abteilungen des Ganzen, seltener bei großen; es kann auch bei diesen im Heere der Fall sein, aber selten oder nie im Staat und der Regierung, denen dies Heer angehört. Hier schätzt man das Verhältnis mit mehr Unparteilichkeit und von einem höheren Standpunkt ab und erkennt in dem Umfang der dem Feinde gebliebenen Trophäen und dem Verhältnis derselben zum Verlust an Toten und Verwundeten nur zu leicht und gut den Grad der eigenen Schwäche und Unzulänglichkeit.
     Überhaupt dürfen wir das verlorene Gleichgewicht der moralischen Kräfte darum, weil es keinen absoluten Wert hat und nicht unfehlbar in der endlichen Summe der Erfolge erscheint, nicht geringachten; es kann von einem so überwiegenden Gewicht werden, daß es mit der unwiderstehlichen Gewalt alles niederwirft. Es kann darum auch oft ein großes Ziel des Handelns werden, wovon wir an anderen Orten sprechen wollen. Hier müssen wir noch einige ursprüngliche Verhältnisse desselben betrachten.
     Die moralische Wirkung eines Sieges nimmt zu mit dem Umfang der Streitkräfte, nicht bloß in gleichem Maße, sondern in steigenden Graden, nämlich nicht bloß an Umfang, sondern auch an intensiver Stärke. In einer geschlagenen Division ist die Ordnung leicht wieder hergestellt. Wie ein erstarrtes einzelnes Glied sich an dem übrigen Körper leicht wieder erwärmt, so wird der Mut einer geschlagenen Division an dem Mute des Heeres leicht wieder gehoben, sobald sie zu demselben stößt. Verschwinden also die Wirkungen des kleinen Sieges nicht ganz, so gehen sie doch dem Gegner zum Teil verloren. So ist es nicht, wenn das Heer selbst in einer unglücklichen Schlacht erlag; da stürzt eins mit dem anderen zusammen. Ein großes Feuer erreicht einen ganz anderen Grad der Hitze als mehrere kleine.
     Ein anderes Verhältnis, welches das moralische Gewicht des Sieges bestimmen sollte, ist das Verhältnis der Streitkräfte, welche miteinander gefochten haben. Viele mit wenigen zu schlagen, ist nicht nur ein doppelter Gewinn, sondern zeigt auch eine größere, besonders eine allgemeinere Überlegenheit, welcher der Besiegte immer wieder zu begegnen fürchten muß. Gleichwohl ist in der Wirklichkeit dieser Einfluß in einem solchen Fall kaum merklich. In dem Augenblicke des Handelns ist die Überzeugung von der wirklichen Stärke des Gegners gewöhnlich so unbestimmt, die Abschätzung der eigenen gewöhnlich so unwahr, daß der Überlegene das Mißverhältnis entweder gar nicht oder doch lange nicht in voller Wahrheit zugibt, wodurch er dem moralischen Nachteil, welcher für ihn daraus entspringen würde, größtenteils entgeht. Erst später in der Geschichte pflegt jene Kraft aus der Unterdrückung, in welcher sie Unwissenheit, Eitelkeit oder auch besonnene Klugheit gehalten haben, aufzutauchen, und dann verherrlicht sie wohl das Heer und seinen Führer, aber sie kann dann mit ihrem moralischen Gewicht nichts mehr für die längst abgelaufenen Ereignisse tun.
     Sind Gefangene und eroberte Geschütze diejenigen Dinge, in welchen der Sieg hauptsächlich Körper gewinnt, seine wahren Kristallisationen, so wird auch die Anlage des Gefechts vorzugsweise darauf berechnet sein; die Vernichtung des Gegners mit Tod und Wunde erscheint hier als ein bloßes Mittel.
     Welchen Einfluß dies auf die Anordnungen im Gefecht hat, geht die Strategie nichts an, aber die Feststellung des Gefechts selbst steht damit schon in Verbindung, und zwar durch die Sicherheit des eigenen Rückens und die Gefährdung des feindlichen. Von diesem Punkt hängt die Zahl der Gefangenen und der eroberten Geschütze in einem hohen Grade ab, und diesem Punkt kann in manchen Fällen die Taktik allein nicht genügen, wenn nämlich die strategischen Verhältnisse ihr zu sehr entgegen sind.
     Die Gefahr, sich von zwei Seiten schlagen zu müssen, und die noch drohendere, keinen Rückzug zu behalten, lähmen die Bewegungen und die Kraft des Widerstandes und wirken auf die Alternative von Sieg und Niederlage; ferner steigern sie bei der Niederlage den Verlust und treiben ihn oft bis an die äußerste Grenze, d. h. bis zur Vernichtung. Der bedrohte Rücken macht also die Niederlage zugleich wahrscheinlicher und entscheidender.
     Hieraus entsteht also ein wahrer Instinkt für die ganze Kriegführung und besonders für die großen und kleinen Gefechte; nämlich die Sicherung des eigenen Rückens und die Gewinnung des feindlichen; er folgt aus dem Begriff des Sieges, der, wie wir gesehen haben, noch etwas anderes als bloßes Totschlagen ist.
     In diesem Streben sehen wir also die erste nähere Bestimmung des Kampfes, und zwar eine ganz allgemeine. Es ist kein Gefecht denkbar, in welchem dasselbe nicht in seiner doppelten oder einfachen Gestalt neben dem bloßen Stoß der Gewalt einhergehen sollte. Nicht die kleinste Abteilung wird sich je auf ihren Gegner werfen, ohne an ihren Rückzug zu denken, und in den meisten Fällen wird sie den feindlichen suchen.
     Wie oft in verwickelten Fällen dieser Instinkt verhindert ist, den geraden Weg zu gehen, wie oft er in der Schwierigkeit anderen höheren Betrachtungen weichen muß, das würde uns hier zu weit führen; wir bleiben dabei stehen, ihn als ein allgemeines Naturgesetz des Gefechts aufzustellen.
     Er ist also überall wirksam, drückt überall mit seinem natürlichen Gewicht und wird so der Punkt, um welchen sich fast alle taktischen und strategischen Manöver drehen.
     Werfen wir jetzt noch einen Blick auf den Gesamtbegriff des Sieges, so finden wir darin drei Elemente:
     1. den größeren Verlust des Gegners an physischen Kräften,
     2. an moralischen,
     3. das öffentliche Bekenntnis davon, indem er seine Absicht aufgibt.
     Über den Verlust an Toten und Verwundeten sind die gegenseitigen Berichte nie genau, selten wahrhaft und in den meisten Fällen voll absichtlicher Entstellung. Selbst die Zahl der Trophäen wird selten ganz zuverlässig angegeben, und wo sie also nicht sehr bedeutend ist, kann auch sie noch Zweifel des Sieges übrig lassen. Von dem Verlust an moralischen Kräften läßt sich außer den Trophäen gar kein gültiges Maß angeben; es bleibt also in vielen Fällen das Aufgeben des Kampfes als der einzig wahre Beweis des Sieges allein übrig. Es ist also das Bekenntnis der Schuld als das Senken des Paniers zu betrachten, wodurch dem Gegner Recht und Überlegenheit in diesem einzelnen Fall eingeräumt wird, und diese Seite der Demütigung und Scham, welche von allen übrigen moralischen Folgen des umschlagenden Gleichgewichts noch zu unterscheiden bleibt, ist ein wesentliches Stück des Sieges. Dieser Teil allein ist es, welcher auf die öffentliche Meinung außer dem Heere wirkt, auf Volk und Regierung in beiden kriegführenden Staaten und in allen beteiligten anderen.
     Nun ist aber das Aufgeben der Absicht nicht gerade identisch mit dem Abzug vom Schlachtfelde, selbst da, wo der Kampf hartnäckig und anhaltend geführt worden ist; niemand wird von Vorposten, welche sich nach einem hartnäckigen Widerstande zurückziehen, sagen, sie hätten ihre Absicht aufgegeben; selbst in Gefechten, welche die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte zur Absicht haben, kann der Abzug vom Schlachtfelde nicht stets wie ein Aufgeben dieser Absicht angesehen werden, z. B. bei vorher beabsichtigten Rückzügen, bei welchen das Land Fuß für Fuß streitig gemacht wird. Es gehört dies alles dahin, wo wir von dem besonderen Zweck der Gefechte sprechen werden, hier wollen wir bloß darauf aufmerksam machen, daß in den meisten Fällen das Aufgeben der Absicht von dem Abzuge vom Schlachtfelde schwer zu unterscheiden, und daß der Eindruck, welchen jenes in und außer dem Heere hervorbringt, nicht gering zu schätzen ist.
     Für Feldherren und Heere, die nicht einen gemachten Ruf haben, ist dies eine eigene, schwierige Seite mancher, sonst in den Umständen gegründeten Verfahrungsarten, wo eine Reihe mit Rückzug endigender Gefechte als eine Reihe von Niederlagen erscheinen kann, ohne es zu sein, und wo dieses Erscheinen von sehr nachteiligem Einfluß werden kann. Es ist dem Ausweichenden in diesem Fall nicht möglich, durch die Darlegung seiner eigentümlichen Absicht dem moralischen Eindruck überall vorzubeugen, denn um das mit Wirksamkeit zu tun, müßte er seinen Plan vollständig bekanntmachen, welches, wie sich versteht, seinem Hauptinteresse zu sehr entgegenlaufen würde.
     Um auf die besondere Wichtigkeit dieses Siegesbegriffes aufmerksam zu machen, wollen wir nur an die Schlacht von Soor erinnern, deren Trophäen nicht bedeutend waren (einige 1000 Gefangene und 20 Kanonen), und wo Friedrich der Große den Sieg dadurch verkündete, daß er noch fünf Tage auf dem Schlachtfelde stehen blieb, obgleich sein Rückzug nach Schlesien schon beschlossen und in seiner ganzen Lage gegründet war. Er glaubte mit dem moralischen Gewicht dieses Sieges sich dem Frieden zu nähern, wie er selbst sagt; ob nun gleich noch ein paar andere siegreiche Erfolge nötig waren, nämlich das Gefecht bei Katholisch-Hennersdorf in der Lausitz und die Schlacht bei Kesselsdorf, ehe dieser Friede eintrat, so kann man doch nicht sagen, daß die moralische Wirkung der Schlacht von Soor Null gewesen sei.
     Ist es vorzüglich die moralische Kraft, welche durch den Sieg erschüttert worden ist, und steigt dadurch die Zahl der Trophäen zu einer ungewöhnlichen Höhe, so wird das verlorene Gefecht eine Niederlage, die also nicht jedem Siege gegenübersteht. Da bei einer solchen Niederlage die moralische Kraft des Überwundenen in einem viel höheren Grade aufgelöst ist, so entsteht oft eine völlige Unfähigkeit zum Widerstand, und das ganze Handeln besteht in Ausweichen, d. h. in Flucht.
     Jena und Belle-Alliance sind Niederlagen, Borodino aber nicht.
     Ob man gleich ohne Pedanterie hier kein einzelnes Merkmal als Grenze angeben kann, weil die Dinge nur dem Grade nach verschieden sind, so ist doch die Festhaltung der Begriffe als Mittelpunkt für die Deutlichkeit theoretischer Vorstellungen wesentlich, und es ist ein Mangel unserer Terminologie, daß wir im Fall der Niederlage den ihr entsprechenden Sieg und im Fall eines einfachen Sieges das ihm entsprechende Unterliegen des Gegners nicht mit einem Worte zu bezeichnen wissen.

 
     Fünftes Kapitel:
     Über die Bedeutung des Gefechts


     Nachdem wir im vorigen Kapitel das Gefecht in seiner absoluten Gestalt betrachtet haben, gleichsam als das verkleinerte Bild des ganzen Krieges, wenden wir uns zu den Verhältnissen, in denen es als Teil eines größeren Ganzen mit den anderen Teilen steht. Zuerst fragen wir nach der näheren Bedeutung, welche ein Gefecht haben kann.
     Da der Krieg nichts ist als gegenseitige Vernichtung, so scheint das Natürlichste in der Vorstellung und vielleicht auch in der Realität zu sein, daß sich alle Kräfte jeder Partei in einem großen Volumen vereinigen und alle Erfolge in einem großen Stoß dieser Massen. - Diese Vorstellung hat gewiß viel Wahres, und es scheint im ganzen sehr heilsam zu sein, wenn man an ihr festhält und deswegen die kleinen Gefechte anfangs nur wie notwendigen Abgang, gleichsam wie Hobelspäne, ansieht. Indessen ist doch die Sache niemals so einfach abzutun.
     Daß die Vervielfältigung der Gefechte aus der Teilung der Streitkräfte entsteht, ergibt sich von selbst, und die näheren Zwecke der einzelnen Gefechte werden daher mit der Teilung der Streitkräfte zur Sprache kommen. Aber diese Zwecke, und mit ihnen die ganze Masse der Gefechte, lassen sich überhaupt in gewisse Klassen bringen, und es wird zur Klarheit unserer Betrachtungen beitragen, diese jetzt kennenzulernen.
     Vernichtung der feindlichen Streitkräfte ist freilich der Zweck aller Gefechte, allein es können sich daran auch andere Zwecke knüpfen, und diese auch sogar vorherrschend werden; wir müssen also den Fall unterscheiden, wo die Vernichtung der feindlichen Streitkraft die Hauptsache, und den, wo sie mehr das Mittel ist. Außer der Vernichtung der feindlichen Streitkraft können der Besitz eines Ortes und der Besitz eines Gegenstandes noch die allgemeinen Bestimmungen sein, die ein Gefecht haben kann, und zwar entweder eine davon allein, oder mehrere zusammen, in welchem Fall doch gewöhnlich eine die Hauptbestimmung bleibt. Die beiden Hauptformen des Krieges, Angriff und Verteidigung, von denen wir bald reden werden, modifizieren nun die erste dieser Bestimmungen nicht, allerdings aber die beiden anderen, und es würde also ein Tableau, welches wir uns davon machen wollten, so aussehen:

 
1.
 
2.
3.
Offensives Gefecht
Vernichtung der feindlichen Streitkräfte.
Eroberung eines Ortes.
Eroberung eines Gegenstandes.
   
1.
 
2.
3.
Defensives Gefecht
Vernichtung der feindlichen Streitkräfte.
Verteidigung eines Ortes.
Verteidigung eines Gegenstandes.

     Indessen scheinen diese Bestimmungen den Umfang des Gebietes nicht genau auszumessen, wenn wir uns an Rekognoszierungen und Demonstrationen erinnern, bei welchen offenbar keiner jener drei Gegenstände Zweck des Gefechts ist. Wirklich muß uns dies vermögen, noch eine vierte Klasse zuzulassen. Genau betrachtet, werden zwar bei Rekognoszierungen, wo sich der Feind uns zeigen, bei Alarmierungen, wo er sich ermüden, bei Demonstrationen, wo er einen Punkt nicht verlassen oder auf einen anderen sich wenden soll, alle diese Zwecke nur mittelbar und unter Vorspiegelung eines der drei oben angegebenen, gewöhnlich des zweiten erreicht, denn der Feind, der rekognoszieren will, muß sich anstellen, als wolle er uns wirklich angreifen und schlagen oder vertreiben usw. Allein diese Vorspiegelung ist nicht der wahre Zweck, und nur nach diesem haben wir hier gefragt; wir müssen also zu jenen drei Zwecken des Angreifenden noch den vierten, nämlich den gesellen, den Gegner zu einer falschen Maßregel zu verleiten, oder mit anderen Worten: ein Scheingefecht zu liefern. Daß sich dieser Zweck nur offensiv denken läßt, liegt in der Natur der Sache.
     Auf der anderen Seite müssen wir bemerken, daß die Verteidigung eines Ortes von doppelter Art sein kann, entweder absolut, wenn man den Punkt überhaupt nicht aufgeben darf, oder relativ, wenn man ihn nur eine Zeitlang braucht. Dies letztere kommt bei den Gefechten der Vorposten und Arrieregarden unaufhörlich vor.
     Daß die Natur dieser verschiedenen Bestimmungen des Gefechts auf die Einrichtung desselben einen wesentlichen Einfluß habe, ist wohl an sich klar. Anders wird man verfahren, wenn man einen feindlichen Posten bloß von seinem Platze verdrängen, als wenn man ihn total schlagen will; anders, wenn man einen Ort um jeden Preis verteidigen, als wenn man den Feind nur einige Zeit aufhalten soll; im ersteren Fall kümmert man sich wenig um den Rückzug, im letzteren ist dieser die Hauptsache usw.
     Aber diese Betrachtungen gehören in die Taktik und stehen hier bloß als Beispiel zur größeren Deutlichkeit. Was die Strategie über die verschiedenen Zwecke des Gefechts zu sagen hat, wird in den Kapiteln vorkommen, die diese Zwecke berühren. Hier nur ein paar allgemeine Bemerkungen.
     Die erste: daß die Wichtigkeit der Zwecke ungefähr in der Ordnung abnimmt, wie sie oben stehen; sodann, daß der erste dieser Zwecke in der Hauptschlacht immer vorherrschen sollte; endlich, daß die beiden letzteren beim Defensivgefecht eigentlich solche sind, die keine Zinsen tragen; sie sind nämlich ganz negativ und können also nur mittelbar, indem sie irgend etwas anderes Positives erleichtern, nützlich werden. Es ist daher ein schlimmes Zeichen von der strategischen Lage, wenn Gefechte dieser Art zu häufig werden.

 
     Sechstes Kapitel:
     Dauer des Gefechts


     Betrachten wir das Gefecht nicht mehr an sich, sondern im Verhältnis zu den übrigen Streitkräften, so erhält die Dauer desselben eine eigene Bedeutung.
     Die Dauer eines Gefechts ist gewissermaßen als ein zweiter untergeordneter Erfolg zu betrachten. Dem Sieger kann ein Gefecht niemals schnell genug entschieden sein, dem Besiegten niemals lange genug dauern. Der schnelle Sieg ist eine höhere Potenz des Sieges, die späte Entscheidung bei der Niederlage ein Erfolg für den Verlust.
     Dies ist im allgemeinen wahr, aber praktisch wichtig wird es bei der Anwendung auf diejenigen Gefechte, deren Bedeutung eine relative Verteidigung ist.
     Hier liegt der ganze Erfolg oft in der bloßen Dauer. Dies ist der Grund, warum wir sie in die Reihe der strategischen Elemente mit aufnehmen.
     Die Dauer eines Gefechts steht mit seinen wesentlichen Verhältnissen in einem notwendigen Zusammenhang. Diese Verhältnisse sind: absolute Größe der Macht, Verhältnis der gegenseitigen Macht und Waffen und Natur der Gegend. 20000 Mann reiben sich nicht so schnell aneinander auf als 2000; einem zwei- oder dreifach überlegenen Feinde widersteht man nicht solange als einem von gleicher Stärke; ein Kavalleriegefecht entscheidet sich schneller als ein Infanteriegefecht, und ein Gefecht mit bloßer Infanterie schneller, als wenn Artillerie dabei ist; in Gebirgen und Wäldern schreitet man nicht so schnell vor als in der Ebene; alles das ist an sich klar.
     Hieraus folgt also, daß Stärke, Waffenverhältnis und Aufstellung berücksichtigt werden müssen, wenn das Gefecht durch seine Dauer eine Absicht erfüllen soll; diese Regel war uns aber bei dieser besonderen Betrachtung weniger wichtig, als es uns darum zu tun war, an dieselbe sogleich die Hauptresultate anzuknüpfen, die uns die Erfahrung über diesen Gegenstand gibt.
     Der Widerstand einer gewöhnlichen Division von 8 bis 10000 Mann aller Waffen dauert selbst gegen einen bedeutend überlegenen Feind und in nicht ganz vorteilhafter Gegend doch mehrere Stunden und, ist der Feind wenig oder gar nicht überlegen, wohl einen halben Tag; ein Korps von 3 bis 4 Divisionen gewinnt die doppelte Zeit; eine Armee von 80 bis 100000 Mann etwa die drei- bis vierfache. Solange dürfen also die Massen sich selbst überlassen bleiben, und es entsteht kein geteiltes Gefecht, wenn innerhalb dieser Zeit die anderen Kräfte herbeigeschafft werden können, deren Wirksamkeit dann schnell mit dem Erfolge des stattgehabten Gefechts in ein Ganzes zusammenfließt.
     Jene Zahlen haben wir aus der Erfahrung entlehnt, es ist uns aber zugleich wichtig, den Moment der Entscheidung und folglich der Beendigung näher zu charakterisieren.

 
     Siebentes Kapitel:
     Entscheidung des Gefechts


     Kein Gefecht entscheidet sich in einem einzelnen Moment, obwohl in jedem es Momente von großer Wichtigkeit gibt, welche die Entscheidung hauptsächlich bewirken. Der Verlust eines Gefechts ist also ein stufenweises Niedersinken der Waage. Es gibt aber bei jedem Gefecht einen Zeitpunkt, wo man dasselbe als entschieden ansehen kann, so daß der Wiederanfang desselben ein neues Gefecht und nicht die Fortsetzung des alten würde. Über diesen Zeitpunkt eine klare Vorstellung zu haben, ist sehr wichtig, um sich entscheiden zu können, ob ein Gefecht von einer herbeieilenden Hilfe noch mit Nutzen wieder aufgenommen werden kann.
     Oft werden in Gefechten, die nicht wiederherzustellen sind, neue Kräfte vergeblich geopfert, oft wird versäumt, die Entscheidung zu wenden, wo dies noch füglich geschehen konnte. Hier gibt es zwei Beispiele, die nicht schlagender sein können.
     Als der Fürst von Hohenlohe 1806 bei Jena mit 35000 Mann gegen etwa 60 bis 70000 unter Bonaparte die Schlacht angenommen und verloren, aber so verloren hatte, daß die 35000 Mann als zertrümmert angesehen werden konnten, unternahm es der General Rüchel, mit zirka 12000 Mann die Schlacht zu erneuern; die Folge war, daß er in einem Augenblick gleichfalls zertrümmert war.
     An demselben Tage bei Auerstedt dagegen hatte man mit etwa 25000 Mann gegen Davout, welcher 28000 hatte, bis gegen Mittag zwar unglücklich gefochten, aber ohne sich in dem Zustande der Auflösung zu befinden, ohne eben mehr eingebüßt zu haben als der Gegner, dem es ganz an Reiterei fehlte, - und man versäumte, die 18000 Mann Reserve des General Kalckreuth zu gebrauchen, um die Schlacht zu wenden, die unter diesen Umständen unmöglich zu verlieren war. -
     Jedes Gefecht ist ein Ganzes, in welchem die Teilgefechte sich zu einem Gesamterfolge vereinigen. In diesem Gesamterfolg liegt die Entscheidung des Gefechts. Dieser Erfolg braucht nicht gerade ein Sieg zu sein, wie wir ihn im sechsten Kapitel bezeichnet haben, denn oft ist die Anlage dazu nicht gemacht, oft ist dazu keine Gelegenheit, wenn der Feind zu früh ausweicht, und in den meisten Fällen tritt selbst da, wo ein hartnäckiger Widerstand stattfand, die Entscheidung früher ein als derjenige Erfolg, der den Begriff eines Sieges hauptsächlich ausmacht.
     Wir fragen also: welches ist gewöhnlich der Augenblick der Entscheidung, d. h. derjenige, wo eine neue, wohlverstanden nicht unverhältnismäßige Streitkraft ein nachteiliges Gefecht nicht mehr wenden kann?
     Übergehen wir die Scheingefechte, welche ihrer Natur nach eigentlich ohne Entscheidung sind, so ist:
     1. Wenn der Besitz eines beweglichen Gegenstandes der Zweck war, der Verlust desselben jedesmal die Entscheidung.
     2. Wenn der Besitz einer Gegend der Zweck des Gefechts war, so liegt die Entscheidung meistens auch in dem Verlust derselben, doch nicht immer, nämlich nur dann, wenn diese Gegend von besonderer Stärke ist; eine leicht zugängliche Gegend, wie wichtig sie auch sonst sein möchte, läßt sich ohne große Gefahr wieder nehmen.
     3. In allen anderen Fällen aber, wo jene beiden Umstände das Gefecht nicht schon entschieden haben, also namentlich in dem Fall, wo die Vernichtung der feindlichen Streitkraft der Hauptzweck ist, liegt die Entscheidung in dem Augenblick, wo der Sieger aufhört, sich in einem Zustand der Auflösung und also einer gewissen Untüchtigkeit zu befinden, wo also der vorteilhafte Gebrauch sukzessiver Kraftanstrengung, wovon wir im zwölften Kapitel des dritten Buches gesprochen haben, aufhört. Aus diesem Grunde haben wir auf diesen Punkt die strategische Einheit des Gefechts verlegt.
     Ein Gefecht also, in welchem der Vorschreitende gar nicht außer den Zustand der Ordnung und Tüchtigkeit gekommen ist oder nur mit einem kleinen Teil seiner Macht, während die unserige sich mehr oder weniger aufgelöst hat, ist auch nicht wieder herzustellen, und ebensowenig, wenn der Gegner seine Tüchtigkeit schon wieder hergestellt hat.
     Je kleiner also der Teil der Streitkraft ist, welcher wirklich gefochten, je größer derjenige ist, welcher als Reserve durch sein bloßes Dasein mitentschieden hat, um so weniger kann eine neue Streitkraft des Gegners uns den Sieg wieder aus den Händen winden, und derjenige Feldherr wie dasjenige Heer, welche es am weitesten darin gebracht haben, das Gefecht selbst mit der höchsten Ökonomie der Kräfte zu führen und überall die moralische Wirkung starker Reserven geltend zu machen, gehen den sichersten Weg zum Siege. Man muß in der neueren Zeit den Franzosen, besonders wenn Bonaparte sie führte, darin eine große Meisterschaft einräumen.
     Ferner wird der Augenblick, wo beim Sieger der Zustand der Gefechtskrise aufhört und die alte Tüchtigkeit zurückkehrt, um so früher eintreten, je kleiner das Ganze ist. Eine Reiterfeldwache, die ihren Gegner spornstreichs verfolgt, wird in wenigen Minuten wieder die alte Ordnung gewinnen, und länger dauert auch die Krise nicht; ein ganzes Regiment Reiterei braucht dazu schon mehr Zeit; noch länger dauert es bei dem Fußvolk, wenn es sich in einzelne Schützenlinien aufgelöst hat, und wieder länger bei Abteilungen von allen Waffen, wenn ein Teil diese, der andere jene zufällige Richtung eingeschlagen und das Gefecht also eine Störung der Ordnung veranlaßt hat, die gewöhnlich dadurch erst schlimmer wird, daß keiner recht weiß, wo der andere ist. So tritt also der Zeitpunkt, wo der Sieger die gebrauchten Instrumente, die alle durcheinandergeraten und zum Teil in Unordnung gekommen sind, wieder aufgefunden, ein wenig hergerichtet, auf einen passenden Platz gestellt und also die Schlachtwerkstatt wieder in Ordnung gebracht hat, dieser Augenblick, sagen wir, tritt immer später ein, je größer das Ganze wird.
     Wieder tritt dieser Augenblick später ein, wenn die Nacht den Sieger in der Krise überrascht, und endlich tritt er später ein, wenn die Gegend durchschnitten und verdeckt ist. Zu diesen beiden Punkten aber muß man bemerken, daß die Nacht auch ein großes Schutzmittel ist, weil nur selten die Umstände geeignet sind, sich von nächtlichen Angriffen einen guten Erfolg zu versprechen, wie am 10. März 1814 bei Laon, wo York gegen Marmont ein ganz hierher gehöriges Beispiel gibt. Ebenso wird eine verdeckte und durchschnittene Gegend gleichfalls der Schutz des in der längeren Siegeskrise Begriffenen gegen eine Reaktion sein. Beides also, die Nacht sowohl als die verdeckte und durchschnittene Gegend, erschweren eine Wiederaufnahme desselben Gefechts, anstatt sie zu erleichtern.
     Bis jetzt haben wir die herbeieilende Hilfe des im Verlust Begriffenen als eine bloße Vermehrung der Streitkraft betrachtet, also als eine gerade von hinten kommende Verstärkung, welches der gewöhnliche Fall ist. Ganz anders aber wird der Fall, wenn sie dem Gegner von der Seite oder in den Rücken kommt.
     Über die Wirkung der Seiten- und Rückenangriffe werden wir an einem anderen Ort sprechen, so weit sie in die Strategie gehören; ein solcher, wie wir ihn hier zur Herstellung eines Gefechts im Auge haben, gehört hauptsächlich in die Taktik, und nur, weil wir hier von den taktischen Resultaten sprechen und unsere Vorstellungen also in das Gebiet der Taktik hineindringen müssen, kommt er zur Sprache.
     Die Richtung einer Streitkraft in des Feindes Seite und Rücken kann ihre Wirksamkeit sehr erhöhen, aber sie tut das nicht notwendig immer, sondern sie kann sie auch ebenso sehr schwächen. Die Umstände, unter welchen das Gefecht statthat, entscheiden über diesen Punkt seiner Anlage wie über jeden anderen, ohne daß wir hier darauf eingehen können. Für unseren Gegenstand sind aber dabei zwei Dinge wichtig.
     Erstens: daß Seiten- und Rückenangriffe in der Regel günstiger auf den Erfolg nach der Entscheidung wirken als auf die Entscheidung selbst. Nun ist bei Herstellung eines Gefechts vor allen Dingen erst die günstige Entscheidung zu suchen und nicht die Größe des Erfolges. In dieser Rücksicht sollte man also glauben, daß eine Hilfe, die zur Herstellung unseres Gefechts herbeieilte, weniger günstig wird, wenn sie dem Gegner in Seite und Rücken geht, also getrennt von uns, als wenn sie sich gerade mit uns vereinigte. Gewiß fehlt es nicht an Fällen, wo dem so ist; allein man muß doch sagen, daß die Mehrheit auf der anderen Seite sich finden wird, und zwar wegen des zweiten Punktes, welcher uns hier wichtig ist.
     Dieser zweite Punkt ist die moralische Kraft der Überraschung, welche eine zur Herstellung eines Gefechts herbeieilende Hilfe in der Regel für sich hat.
     Die Wirkung einer Überraschung in Seite und Rücken aber ist immer gesteigert, und ein in der Krisis des Sieges Begriffener ist in seinem ausgereckten und zerstreuten Zustande weniger imstande, ihr entgegenzuwirken. Wer fühlt es nicht, daß ein Seiten- und Rückenanfall, welcher im Anfang des Gefechts, wo die Kraft gesammelt und solchen Fällen immer vorgesehen ist, wenig bedeuten würde, ein ganz anderes Gewicht im letzten Augenblick des Gefechts bekommt!
     Wir müssen also unbedenklich einräumen, daß in den meisten Fällen eine von der Seite oder im Rücken des Gegners herbeikommende Hilfe viel wirksamer sein, sich wie dasselbe Gewicht an einem längeren Hebelarm verhalten wird, so daß man also unter solchen Umständen die Herstellung eines Gefechts mit derselben Kraft unternehmen kann, die auf dem geraden Wege nicht zugereicht haben würde. Hier, wo die Wirkungen fast jeder Berechnung ausweichen, weil die moralischen Kräfte ganz das Übergewicht gewinnen, ist das rechte Feld der Kühnheit und des Wagens.
     Auf alle diese Gegenstände also muß das Augenmerk gerichtet, alle diese Momente zusammenwirkender Kräfte müssen in Betrachtung gezogen werden, wenn man die zweifelhaften Fälle entscheiden soll, ob einem nachteiligen Gefechte wieder aufgeholfen werden könne oder nicht.
     Ist das Gefecht noch nicht als beendigt anzusehen, so wird das neue, welches vermittelst der herbeieilenden Hilfe eröffnet wird, mit dem früheren in eins, also in ein gemeinschaftliches Resultat zusammenfließen, und der erste Nachteil verschwindet dann ganz aus der Rechnung. So ist es aber nicht, wenn das Gefecht schon entschieden war; dann gibt es zwei voneinander getrennte Resultate. Ist nun die herbeieilende Hilfe nur von einer verhältnismäßigen Stärke, d. h. dem Gegner nicht an und für sich schon gewachsen, so ist schwerlich auf einen günstigen Erfolg dieses zweiten Gefechts zu rechnen; ist sie aber so stark, daß sie das zweite Gefecht ohne Rücksicht auf das erste unternehmen kann, so kann sie das letzte zwar durch einen günstigen Erfolg ausgleichen und überwiegen, aber nie aus der Rechnung verschwinden machen.
     In der Schlacht von Kunersdorf eroberte Friedrich der Große im ersten Anlauf den linken Flügel der russischen Stellung und nahm 70 Geschütze; am Ende der Schlacht war beides wieder verloren und das ganze Resultat dieses ersten Gefechts aus der Rechnung verschwunden. Wäre es möglich gewesen, hier innezuhalten und den zweiten Teil der Schlacht bis auf den kommenden Tag zu verschieben, so würden, selbst wenn der König sie verlor, die Vorteile des ersten immer daran abgeglichen werden können.
     Aber es verschwindet, indem man ein nachteiliges Gefecht noch vor seinem Schluß auffaßt und wendet, nicht bloß sein Minusresultat für uns aus der Rechnung, sondern es wird auch die Grundlage eines größeren Sieges. Wenn man sich nämlich den taktischen Hergang des Gefechts genau vorstellt, so sieht man leicht, daß, bis es geschlossen ist, alle Erfolge der Teilgefechte nur suspendierte Urteile sind, die durch den Haupterfolg nicht bloß vernichtet, sondern in entgegengesetzte umgewandelt werden können. Je mehr unsere Streitkräfte bereits zugrunde gerichtet sind, um so mehr feindliche werden sich daran aufgerieben haben, um so größer wird also die Krisis auch beim Feinde sein, und um so größer wird das Übergewicht unserer frischen Kräfte werden. Wendet sich nun der Totalerfolg für uns, entreißen wir dem Feinde das Schlachtfeld und die Trophäen wieder, so werden alle Kräfte, die sie ihm gekostet haben, ein barer Vorteil für uns, und unsere frühere Niederlage wird die Stufe zu höherem Triumph. Die glänzendsten Waffentaten, welche im Siege dem Gegner so hoch gegolten hätten, daß er die daran verlorenen Kräfte nicht achten konnte, lassen nun nichts zurück als die Reue über diese aufgeopferten Kräfte. So verändert der Zauber des Sieges und der Fluch der Niederlage das spezifische Gewicht der Elemente.
     Es ist also auch selbst dann, wenn man entschieden überlegen ist und dem Feinde seinen Sieg durch einen größeren vergelten könnte, immer noch besser, dem Schluß eines nachteiligen Gefechts, wenn es von verhältnismäßiger Bedeutung ist, zuvorzukommen, um dasselbe zu wenden, als ein zweites zu liefern.
     Feldmarschall Daun im Jahr 1760 versuchte es bei Liegnitz, dem General Laudon zu Hilfe zu kommen, während dessen Gefecht dauerte; aber er versuchte nicht, als jenes mißlungen war, den König am folgenden Tage anzugreifen, obgleich es ihm an Macht nicht fehlte.
     Aus diesem Grunde sind blutige Gefechte der Avantgarde, welche einer Schlacht vorhergehen, nur als notwendige Übel zu betrachten und da, wo sie nicht notwendig sind, zu vermeiden.
     Wir werden noch eine andere Folgerung zu betrachten haben.
     Ist ein geschlossenes Gefecht eine abgemachte Sache, so kann es nicht der Grund werden, ein neues zu beschließen, sondern der Entschluß dieses neuen muß aus den übrigen Verhältnissen hervorgehen. Dieser Folgerung tritt aber eine moralische Kraft entgegen, die wir berücksichtigen müssen: es ist das Gefühl der Rache und Vergeltung. Vom obersten Feldherrn bis zum geringsten Tambour fehlt dies Gefühl nicht, und daher ist nie eine Truppe von einer besseren Stimmung beseelt, als wenn es darauf ankommt, eine Scharte auszuwetzen. Nur setzt dies voraus, daß der geschlagene Teil kein zu bedeutender des Ganzen sei, weil jenes Gefühl sich sonst in dem der Ohnmacht verlieren würde.
     Es ist also eine sehr natürliche Tendenz, jene moralische Kraft zu benutzen, um auf der Stelle das Verlorene wieder einzubringen und deshalb vorzugsweise, wenn die übrigen Umstände es zulassen, ein zweiten Gefecht zu suchen. Es liegt dann in der Natur der Sache, daß dieses zweite Gefecht meistens ein Angriff sein muß.
     In der Reihe der untergeordneten Gefechte findet man viele Beispiele solcher Wiedervergeltungen; die großen Schlachten aber haben gewöhnlich zu viel andere Bestimmungsgründe, um von dieser schwächeren Kraft angezogen zu werden.
     Ein solches Gefühl war es unstreitig, welches den edlen Blücher den 14. Februar 1814, nachdem zwei seiner Korps drei Tage zuvor bei Montmirail geschlagen waren, mit dem dritten auf dieses Schlachtfeld führte. Hätte er gewußt, daß er noch auf Bonaparte selbst treffen würde, so mußten natürlich überwiegende Gründe ihn bestimmen, seine Rache aufzuschieben; aber er hoffte sich an Marmont zu rächen, und anstatt die Vorteile einer edlen Rachbegierde zu ernten, unterlag er den Nachteilen einer falschen Berechnung.
     Von der Dauer der Gefechte und dem Moment ihrer Entscheidung hängen die Entfernungen ab, in welchen diejenigen Massen voneinander aufgestellt sein dürfen, die bestimmt sind, gemeinschaftlich zu fechten. Diese Aufstellung würde insofern eine taktische Anordnung sein, als sie ein und dasselbe Gefecht beabsichtigt; allein sie kann doch nur da so betrachtet werden, wo die Aufstellung so nahe ist, daß zwei getrennte Gefechte dabei nicht denkbar sind und also der Raum, welchen das Ganze einnimmt, strategisch wie ein bloßer Punkt angesehen werden kann. Es kommen aber im Kriege die Fälle häufig vor, wo man auch diejenigen Kräfte, welche bestimmt sind, gemeinschaftlich zu schlagen, so weit voneinander trennen muß, daß ihre Vereinigung zum gemeinschaftlichen Gefecht zwar die Hauptabsicht, aber das Vorkommen getrennter Gefechte doch auch möglich bleibt. Eine solche Aufstellung ist also eine strategische.
     Anordnungen solcher Art sind: Märsche in getrennten Massen und Kolonnen, Avantgarden und Seitenkorps, Reserven, die mehr als einem strategischen Punkt zur Unterstützung dienen sollen, Versammlung der einzelnen Korps aus weitläuftigen Quartieren usw. Man sieht, daß sie unaufhörlich vorkommen und gewissermaßen die Scheidemünze in dem strategischen Haushalt ausmachen, während die Hauptschlachten und alles, was mit ihnen auf gleicher Linie steht, die Gold- und Talerstücke sind.

 
     Achtes Kapitel:
     Einverständnis beider Teile zum Gefecht


     Kein Gefecht kann ohne gegenseitige Einwilligung dazu entstehen, und von dieser Idee, welche die ganze Grundlage eines Zweikampfes ausmacht, geht eine gewisse Phraseologie der historischen Schriftsteller aus, die zu vielen unbestimmten und irrigen Vorstellungen verführt.
     Die Betrachtung der Schriftsteller dreht sich nämlich häufig um den Punkt, daß der eine Feldherr dem anderen die Schlacht angeboten und dieser sie nicht angenommen habe.
     Aber das Gefecht ist ein sehr modifizierter Zweikampf, und die Grundlage desselben besteht nicht bloß in der gegenseitigen Kampflust, d. h. Einwilligung, sondern in den Zwecken, welche mit dem Gefecht verbunden werden; diese gehören immer größeren Ganzen an, und das um so mehr, als selbst der ganze Krieg, als Kampfeinheit gedacht, politische Zwecke und Bedingungen hat, die einem größeren Ganzen angehören. So tritt also die bloße Lust, sich gegenseitig zu besiegen, in ein ganz untergeordnetes Verhältnis, oder vielmehr sie hört ganz auf, etwas an und für sich selbst zu sein, und ist nur als der Nerv anzusehen, der dem höheren Willen die Bewegung verleiht.
     Bei den alten Völkern und dann wieder in der ersten Zeit der stehenden Heere hatte der Ausdruck, daß man dem Feind die Schlacht vergeblich angeboten, doch noch mehr Sinn als in unseren Tagen. Bei den alten Völkern war nämlich alles darauf eingerichtet, sich in offenem Felde ohne alle hindernde Gegenstände im Kampf miteinander zu messen, und alle Kriegskunst bestand in der Einrichtung und Zusammensetzung des Heeres, also in der Schlachtordnung.
     Da nun ihre Heere sich in ihren Lagern regelmäßig verschanzten, so wurde die Stellung im Lager als etwas Unantastbares betrachtet, und eine Schlacht wurde erst möglich, wenn der Gegner sein Lager verließ und sich in zugänglicher Gegend gewissermaßen in die Schranken stellte.
     Wenn es also heißt, daß Hannibal dem Fabius die Schlacht vergeblich anbot, so sagt das zwar in Beziehung auf den letzteren nichts, als daß eine Schlacht nicht in seinem Plan lag, und es beweist an sich weder die physische noch moralische Überlegenheit des Hannibal; aber die Beziehung auf diesen ist doch der Ausdruck richtig, denn er sagt, daß Hannibal die Schlacht wirklich gewollt hat.
     In der ersten Zeit der neueren Heere fanden bei großen Gefechten und Schlachten ähnliche Verhältnisse statt. Die großen Massen wurden nämlich vermittelst einer Schlachtordnung ins Gefecht geführt und darin geleitet, die als ein großes, unbehilfliches Ganze mehr oder weniger die Ebene brauchte und sich weder zum Angriff noch selbst zur Verteidigung in einer sehr durchschnittenen oder verdeckten oder gar gebirgigen Gegend eignete. Es fand also der Verteidiger auch hier einigermaßen ein Mittel, die Schlacht zu vermeiden. Diese Verhältnisse haben sich, wiewohl immer schwächer, bis in die ersten Schlesischen Kriege erhalten, und erst im Siebenjährigen wurde ein Angriff des Gegners auch in unzugänglichen Gegenden immer mehr tunlich und Sitte; nun hörte zwar die Gegend nicht auf, ein Verstärkungsprinzip für denjenigen zu werden, der sich ihres Beistandes bediente, aber sie war nicht mehr ein Zauberkreis, welcher die natürlichen Kräfte des Krieges bannte.
     Seit 30 Jahren hat sich der Krieg noch viel mehr in diesem Sinne ausgebildet, und es steht demjenigen, welcher wirklich eine Entscheidung durchs Gefecht haben will, nichts mehr im Wege, er kann seinen Gegner aufsuchen und angreifen; tut er dies nicht, so kann er nicht dafür gelten, das Gefecht gewollt zu haben, und der Ausdruck, er habe eine Schlacht angeboten, die sein Gegner nicht angenommen, heißt also jetzt nichts als er habe die Verhältnisse zum Gefecht nicht vorteilhaft genug gefunden, welches ein Geständnis ist, worauf jener Ausdruck nicht paßt, und das er nur zu bemänteln strebt.
     Freilich kann der Verteidiger auch noch jetzt ein Gefecht zwar nicht mehr ablehnen, aber doch vermeiden, wenn er nämlich seinen Platz und die damit verknüpfte Rolle aufgibt; dann liegt aber für den Angreifenden in diesem Erfolg der halbe Sieg und die Anerkenntnis seiner einstweiligen Überlegenheit.
     Es kann also diese auf ein Kartell sich beziehende Vorstellungsart jetzt nicht mehr gebraucht werden, um mit solchem Worttriumph das Stillstehen dessen zu beschönigen, an welchem das Vorschreiten ist, nämlich des Angreifenden. Der Verteidiger, welcher, solange er nicht zurückweicht, dafür gelten muß, die Schlacht zu wollen, kann allerdings, wenn er nicht angegriffen wird, sagen, er habe sie angeboten, wenn sich dies nicht schon von selbst verstände.
     Von der anderen Seite kann aber jetzt einer, der ausweichen will und kann, nicht wohl zum Gefecht gezwungen werden. Da nun dem Angreifenden an den Vorteilen, welche er mit diesem Ausweichen erhält, oft nicht genügt, und ein wirklicher Sieg ihm dringendes Bedürfnis wird, so werden zuweilen die wenigen Mittel, welche vorhanden sind, auch einen solchen Gegner zum Gefecht zu zwingen, oft mit einer besonderen Kunst gesucht und angewendet.
     Die hauptsächlichsten Wege hierzu sind: erstens das Umstellen des Gegners, um ihm den Rückzug unmöglich oder so schwer zu machen, daß er es vorzieht, das Gefecht anzunehmen, und zweitens das Überraschen desselben. Dieser letztere Weg, welcher früher in der Unbehilflichkeit aller Bewegungen seinen Grund hatte, ist in der neueren Zeit sehr unwirksam geworden. Bei der Biegsamkeit und Beweglichkeit der jetzigen Heere scheut man sich nicht, auch im Angesicht des Feindes seinen Rückzug anzutreten, und nur besonders nachteilige Verhältnisse der Gegend können hier bedeutende Schwierigkeiten hervorbringen.
     Ein Fall der Art möchte der der Schlacht von Neresheim sein, welche der Erzherzog Karl den 11. August 1796 in der rauhen Alb gegen Moreau lieferte, bloß in der Absicht, sich den Rückzug zu erleichtern, wiewohl wir gern gestehen, daß wir das Räsonnement des berühmten Feldherrn und Autors hier nie ganz verstanden haben.
     Die Schlacht von Roßbach liefert ein anderes Beispiel, insofern der Feldherr des verbündeten Heeres wirklich nicht die Absicht gehabt haben sollte, Friedrich den Großen anzugreifen.
     Von Soor sagt der König selbst, daß er die Schlacht nur angenommen habe, weil ihm der Rückzug im Angesicht des Feindes bedenklich geschienen; indessen führt doch der König auch noch andere Gründe zur Schlacht an.
     Im ganzen werden, die eigentlichen nächtlichen Überfälle ausgenommen, solche Fälle immer selten sein, und die, wo ein Gegner durch Umstellung zum Gefecht gezwungen worden ist, sich hauptsächlich nur bei einzelnen Korps, wie das Fincksche bei Maxen, zutragen.

 
     Neuntes Kapitel:
     Die Hauptschlacht

     Ihre Entscheidung

     Was ist die Hauptschlacht? Ein Kampf der Hauptmacht, aber freilich nicht ein unbedeutender um einen Nebenzweck, nicht ein bloßer Versuch, den man aufgibt, sobald man frühzeitig gewahr wird, daß man seinen Zweck schwer erreichen wird, sondern ein Kampf mit ganzer Anstrengung um einen wirklichen Sieg.
     Auch in einer Hauptschlacht können Nebenzwecke dem Hauptzweck beigemischt sein, und sie wird manchen besonderen Farbenton von den Verhältnissen annehmen, aus denen sie hervorgeht, denn auch eine Hauptschlacht hängt mit einem größeren Ganzen zusammen, von dem sie nur ein Teil ist; allein man muß, weil das Wesen des Krieges Kampf, und die Hauptschlacht der Kampf der Hauptmacht ist, diese immer als den eigentlichen Schwerpunkt des Krieges betrachten, und es ist daher im ganzen ihr unterscheidender Charakter, daß sie mehr als irgendein anderes Gefecht um ihrer selbst willen da ist.
     Dies hat Einfluß auf die Art ihrer Entscheidung, auf die Wirkung des in ihr erhaltenen Sieges, und bestimmt den Wert, welchen ihr die Theorie als Mittel zum Zweck beilegen muß. Wir machen sie daher zum Gegenstand unserer besonderen Betrachtung, und zwar hier, bevor wir noch der besonderen Zwecke gedenken, die mit ihr verbunden sein können, die aber ihren Charakter, sobald sie den Namen einer Hauptschlacht wirklich verdient, nicht wesentlich verändern.
     Ist eine Hauptschlacht hauptsächlich um ihrer selbst willen da, so müssen die Gründe ihrer Entscheidung in ihr selbst liegen, mit anderen Worten: es soll in ihr der Sieg solange gesucht werden, als noch eine Möglichkeit dazu vorhanden ist, und sie soll also nicht wegen einzelner Umstände, sondern einzig und allein aufgegeben werden, wenn die Kräfte als völlig unzureichend erscheinen.
     Wie läßt sich nun dieser Moment näher bezeichnen?
     Wenn, wie eine geraume Zeit in der neueren Kriegskunst, eine gewisse künstliche Ordnung und Zusammenfügung des Heeres die Hauptbedingung ist, unter welcher die Tapferkeit des Heeres sich den Sieg erringen kann, so ist die Zerstörung dieser Ordnung die Entscheidung. Ein geschlagener Flügel, der aus seinen Fugen weicht, entscheidet über den stehenden mit. Wenn wie zu einer anderen Zeit das Wesen der Verteidigung in einem engen Bündnis des Heeres mit dem Boden und seinen Hindernissen besteht, auf dem es ficht, so daß Heer und Stellung nur eins sind, so ist die Eroberung eines wesentlichen Punktes dieser Stellung die Entscheidung. Man sagt: der Schlüssel der Stellung ist verlorengegangen, sie kann also nicht weiterverteidigt, die Schlacht nicht fortgeschlagen werden. In beiden Fällen erscheinen die geschlagenen Heere ungefähr wie gesprungene Saiten, die ihren Dienst versagen.
     Sowohl jenes geometrische als dieses geographische Prinzip, welche die Tendenz hatten, die kämpfenden Heere in eine Kristallisationsspannung zu versetzen, die es nicht gestattete, die vorhandenen Kräfte bis auf den letzten Mann zu verwenden, haben von ihrem Einfluß wenigstens so viel verloren, daß sie nicht mehr vorherrschen. Auch jetzt wird das Heer in einer bestimmten Ordnung in den Kampf geführt, aber sie ist nicht mehr entscheidend; auch jetzt werden die Hindernisse des Bodens noch zur Verstärkung des Widerstandes benutzt, aber sie sind nicht mehr der einzige Anhalt.
     Wir haben es versucht, im zweiten Kapitel dieses Buches einen Gesamtblick auf die Natur der heutigen Schlacht zu werfen. Nach dem Bilde, welches wir uns davon gemacht haben, ist die Schlachtordnung nur ein Zurechtstellen der Kräfte zum bequemen Gebrauch und der Verlauf ein gegenseitiges langsames Verzehren dieser Kräfte aneinander, um zu sehen, wer seinen Gegner früher erschöpft haben wird.
     Der Entschluß, das Gefecht aufzugeben, entspringt also in der Hauptschlacht mehr als in irgendeinem anderen Gefechte aus dem Verhältnis der übrigbleibenden frischen Reserven, denn nur diese haben noch alle moralischen Kräfte, und die von dem Zerstörungselement bereits ausgeglühten Schlacken zusammengeschossener und geworfener Bataillone können nicht auf gleiche Linie damit gestellt werden. Auch der verlorene Boden ist ein Maßstab verlorener moralischer Kräfte, wie wir anderswo gesagt haben; er kommt also mit in Betrachtung, doch mehr als ein Zeichen eines gemachten Verlustes denn als der Verlust selbst, und immer bleibt die Zahl der frischen Reserven das Hauptaugenmerk beider Feldherren.
     Gewöhnlich nimmt eine Schlacht ihre Richtung schon von vornherein, wiewohl auf eine wenig merkliche Art. Oft sogar ist diese Richtung schon durch die Anordnungen, welche zu ihr getroffen sind, auf eine sehr entschiedene Weise gegeben, und dann ist es Mangel an Einsicht desjenigen Feldherrn, welcher die Schlacht unter so schlimmen Bedingungen eröffnet, ohne sich derselben bewußt zu werden. Allein wo dieser Fall auch nicht stattfindet, ist es in der Natur der Dinge, daß der Verlauf der Schlachten mehr ein langsames Umschlagen des Gleichgewichts ist, welches bald, aber, wie gesagt, anfangs nicht merklich eintritt und dann mit jedem neuen Zeitmoment stärker und sichtlicher wird: als ein oszillierendes Hin- und Herschwanken, wie man, durch die unwahren Schlachtbeschreibungen verführt, sie sich gewöhnlich denkt.
     Mag es aber auch sein, daß das Gleichgewicht eine lange Zeit wenig gestört ist, oder daß es selbst, nachdem es nach einer Seite bin verloren, zurückkehrt, um nun nach der anderen Seite hin verloren zu gehen, so ist doch gewiß, daß in den meisten Fällen der besiegte Feldherr dies lange schon vor dem Abzug gewahr wird, und daß die Fälle, wo irgendeine Einzelheit unvermutet stark auf den Hergang des Ganzen einwirkt, meistens nur in der Beschönigung ihr Dasein haben, womit jeder seine verlorene Schlacht erzählt.
     Wir können uns hier nur an das Urteil unbefangener Männer von Erfahrung wenden, welche uns gewiß ihre Zustimmung geben und uns bei dem Teil unserer Leser vertreten werden, die den Krieg nicht aus eigener Erfahrung kennen. Die Notwendigkeit dieses Herganges aus der Natur der Sache zu entwickeln, würde uns zu sehr in das Gebiet der Taktik hineinführen, wohin dieser Gegenstand gehört, mit dessen Resultat wir es hier nur zu tun haben.
     Wenn wir sagen: der besiegte Feldherr sieht den schlimmen Ausgang gewöhnlich schon geraume Zeit vorher, ehe er sich zum Aufgeben der Schlacht entschließt, so lassen wir auch Fälle entgegengesetzter Art zu und würden ja sonst einen in sich widersprechenden Satz behaupten. Wäre mit jeder entschiedenen Richtung einer Schlacht diese als verloren zu betrachten, so müßten auch keine Kräfte zu ihrer Wendung mehr aufgeboten werden, und folglich würde diese entschiedene Richtung dem Augenblick des Abzuges nicht geraume Zeit vorhergehen können. Allerdings gibt es Fälle, wo eine Schlacht schon eine sehr entschiedene Richtung nach einer Seite bin angenommen und doch eine Entscheidung nach der anderen bin bekommen hatte, aber sie sind nicht die gewöhnlichen, sondern selten; aber auf diese seltenen Fälle rechnet jeder Feldherr, gegen welchen sich das Glück erklärt, und er muß darauf rechnen, solange ihm irgendeine Möglichkeit der Wendung bleibt. Er hofft durch stärkere Anstrengungen, durch eine Erhöhung der übrigbleibenden moralischen Kräfte, durch ein Selbstübertreffen oder auch durch einen glücklichen Zufall den Augenblick noch gewendet zu sehen und treibt dies so weit, wie Mut und Einsicht es in ihm miteinander abmachen. Wir wollen davon etwas mehr sagen, zuvor aber angeben, welches die Zeichen des umschlagenden Gleichgewichts sind. Der Erfolg des Gesamtgefechts besteht aus der Summe der Erfolge aller Teilgefechte; diese Erfolge der einzelnen Gefechte aber fixieren sich in drei verschiedenen Gegenständen.
     Erstlich mit der bloßen moralischen Kraft in dem Bewußtsein der Führer. Wenn ein Divisionsgeneral gesehen hat, wie seine Bataillone unterlegen haben, so wird das auf sein Verhalten und auf seine Meldungen, und diese werden wieder auf die Maßregeln des Oberfeldherrn Einfluß haben. Es gehen also selbst diejenigen unglücklichen Teilgefechte, die dem Anschein nach gutgemacht werden, in ihren Erfolgen nicht verloren, und die Eindrücke davon summieren sich in der Seele des Feldherrn ohne viel Mühe und selbst gegen seinen Willen.
     Zweitens durch das schnellere Zusammenschmelzen unserer Truppen, welches sich bei dem langsamen, wenig tumultuarischen Verlauf unserer Schlachten sehr wohl abschätzen läßt.
     Drittens in dem verlorenen Boden. Alle diese Dinge dienen dem Auge des Feldherrn als Bussole, um die Richtung zu erkennen, welche das Schiff seiner Schlacht nimmt. Sind ihm ganze Batterien verlorengegangen und keine der feindlichen genommen, sind Bataillone durch feindliche Reiterei niedergeworfen, während die des Feindes überall undurchdringliche Massen bilden, weicht die Feuerlinie seiner Schlachtordnung von einem Punkt zum anderen unfreiwillig zurück, werden zur Eroberung gewisser Punkte vergebliche Anstrengungen gemacht und die anrückenden Bataillone von einem wohl angebrachten Hagel von Kartätschen jedesmal zerstreut, fängt unser Geschütz an, in seinem Feuer gegen das feindliche zu ermatten, schmelzen die im Feuer stehenden Bataillone ungewöhnlich schnell zusammen, weil mit den Verwundeten Scharen von Nichtverwundeten zurückgehen, sind gar durch die Störung des Schlachtplanes einzelne Teile abgeschnitten und gefangen worden, fängt der Rückzug an, gefährdet zu werden, so muß der Feldherr wohl in allen diesen Dingen die Richtung erkennen, in welcher er sich mit seiner Schlacht befindet. Je länger diese Richtung dauert, je entschiedener sie wird, um so schwieriger wird die Wendung, um so mehr nähert sich der Augenblick, wo er die Schlacht aufgeben muß. Über diesen Augenblick wollen wir nun sprechen.
     Wir haben es schon mehr als einmal ausgesprochen, daß das Verhältnis der übrigbleibenden frischen Reserven meistens den Hauptgrund zur völligen Entscheidung abgibt; derjenige Feldherr, welcher seinen Gegner darin von entschiedener Überlegenheit sieht, entschließt sich zum Rückzug. Es ist gerade die Eigentümlichkeit der neueren Schlachten, daß alle Unglücksfälle und Verluste, welche im Verlauf derselben stattgehabt haben, durch frische Kräfte gutgemacht werden können, weil die Einrichtung der neueren Schlachtordnung und die Art, wie die Truppen ins Gefecht geführt werden, ihren Gebrauch fast überall und in jeder Lage gestattet. Solange also derjenige Feldherr, gegen den der Ausgang sich zu erklären scheint, noch eine Überlegenheit an Reserve hat, wird er die Schlacht nicht aufgeben. Von dem Zeitpunkt an aber, wo seine Reserven anfangen, schwächer zu werden als die feindlichen, ist die Entscheidung als gegeben zu betrachten, und was er nun noch tut, hängt teils von besonderen Umständen, teils von dem Grade des Mutes und der Ausdauer ab, die ihm gegeben sind, und die auch wohl in unweisen Starrsinn ausarten können. Wie der Feldherr dahin gelangt, das Verhältnis der gegenseitigen Reserven richtig zu schätzen, ist eine Sache der Kunstfertigkeit in der Ausführung, die in keinem Fall hierher gehört; wir halten uns an das Resultat, wie es sich in seinem Urteil feststellt. Aber auch dieses Resultat ist noch nicht der eigentliche Augenblick der Entscheidung, denn ein Motiv, welches nur gradweise entsteht, ist dazu nicht geeignet, sondern es ist nur eine allgemeine Bestimmung des Entschlusses, und dieser Entschluß selbst bedarf noch besonderer Veranlassungen. Diese sind denn hauptsächlich zwei, welche immer wiederkehren, nämlich die Gefahr des Rückzuges und die einbrechende Nacht.
     Wird der Rückzug mit jedem neuen Schritt, den die Schlacht in ihrem Verlauf tut, immer mehr bedroht, und sind die Reserven so zusammengeschmolzen, daß sie nicht mehr hinreichen, sich von neuem Luft zu schaffen, so bleibt nichts anderes übrig, als sich dem Schicksal zu unterwerfen und durch einen ordnungsvollen Abzug zu retten, was bei längerem Verweilen sich in Flucht und Niederlage auflösen, verloren gehen würde.
     Die Nacht aber macht in der Regel allen Gefechten ein Ende, weil ein Nachtgefecht nur unter besonderen Bedingungen Vorteil verspricht; da nun die Nacht mehr zum Rückzug geeignet ist als der Tag, so wird der, welcher ihn als ganz unvermeidlich oder als höchst wahrscheinlich zu betrachten hat, es vorziehen, dazu die Nacht zu benutzen.
     Daß es außer diesen beiden gewöhnlichen und hauptsächlichsten Veranlassungen auch noch viele andere geben kann, die kleiner, individueller und nicht zu übersehen sind, versteht sich von selbst, denn je mehr die Schlacht sich zum völligen Umschlagen des Gleichgewichts hinneigt, um so empfindlicher wirkt auch jeder Teilerfolg auf dasselbe. So kann der Verlust einer Batterie, das glückliche Einbrechen von einem Paar Reiterregimentern usw. den schon reifenden Entschluß zum Rückzug völlig ins Leben rufen.
     Zum Schluß dieses Gegenstandes müssen wir nun noch einen Augenblick auf dem Punkt verweilen, wo Mut und Einsicht in dem Feldherrn eine Art von Kampf miteinander zu bestehen haben.
     Wenn auf der einen Seite der gebieterische Stolz eines siegreichen Eroberers, wenn der unbeugsame Wille eines angeborenen Starrsinns, wenn das krampfhafte Widerstreben einer edlen Begeisterung nicht von dem Schlachtfelde weichen wollen, wo sie ihre Ehre zurücklassen sollen, so rät auf der anderen die Einsicht, nicht alles auszugeben, nicht das Letzte aufs Spiel zu setzen, sondern soviel übrig zu behalten, als zu einem ordnungsvollen Rückzug nötig ist. Wie hoch auch der Wert des Mutes und der Standhaftigkeit im Kriege angeschlagen werden muß, und wie wenig Aussicht der zum Siege hat, der sich nicht entschließen kann, ihn mit der ganzen Kraftanstrengung zu suchen, so gibt es doch einen Punkt, über den hinaus das Verharren nur eine verzweiflungsvolle Torheit genannt und also von keiner Kritik gebilligt werden kann. In der berühmtesten aller Schlachten, in der von Belle-Alliance, setzte Bonaparte seine letzten Kräfte daran, eine Schlacht zu wenden, die nicht mehr zu wenden war, er gab den letzten Heller aus und floh dann wie ein Bettler vom Schlachtfelde und aus dem Reiche.

 
     Zehntes Kapitel:
     Fortsetzung

     Wirkung des Sieges

     Man kann sich, je nachdem man seinen Standpunkt nimmt, ebenso sehr verwundern über die außerordentlichen Erfolge, welche manche große Schlachten gehabt haben, als über den Mangel an Erfolg bei anderen. Wir wollen jetzt einen Augenblick bei der Natur der Wirkung verweilen, welche ein großer Sieg hat.
     Wir können hier leicht drei Dinge unterscheiden: die Wirkung auf die Instrumente selbst, nämlich auf die Feldherren und ihre Heere, die Wirkung auf die beteiligten Staaten, und den eigentlichen Erfolg, welchen diese Wirkungen in dem weiteren Verlauf des Krieges zeigen.
     Wer nur an den unbedeutenden Unterschied denkt, der an Toten, Verwundeten, Gefangenen und verlorenen Geschützen auf dem Schlachtfelde selbst zwischen Sieger und Besiegten zu bestehen pflegt, dem scheinen die Folgen, welche sich aus diesem unbedeutenden Punkt entwickeln, oft ganz unbegreiflich, und doch geht gewöhnlich alles nur zu natürlich zu.
     Wir haben schon im siebenten Kapitel gesagt, daß die Größe eines Sieges nicht bloß steigt in dem Maße, wie die besiegten Streitkräfte an Umfang zunehmen, sondern in höheren Graden. Die moralischen Wirkungen, welche der Ausgang eines großen Gefechts hat, sind größer bei dem Besiegten und beim Sieger, sie werden Veranlassung zu größeren Verlusten an physischen Kräften, die dann wieder auf die moralischen zurückwirken und so sich gegenseitig tragen und steigern. Auf diese moralische Wirkung muß man also ein besonderes Gewicht legen. Sie findet in entgegengesetzter Richtung bei beiden Teilen statt: wie sie die Kräfte des Besiegten untergräbt, so erhöht sie die Kräfte und Tätigkeit des Siegers. Aber die Hauptwirkung liegt doch in dem Besiegten, denn hier wird sie die unmittelbare Ursache zu neuen Verlusten, und außerdem ist sie mit der Gefahr, den Anstrengungen und Mühseligkeiten, überhaupt mit allen erschwerenden Umständen, zwischen welchen der Krieg sich bewegt, homogener Natur, tritt also mit ihnen in Bund und wächst durch ihren Beistand, während beim Sieger sich alle diese Dinge wie Gewichte an den höheren Schwung seines Mutes legen. Man findet also, daß der Besiegte sich viel tiefer unter der Linie des ursprünglichen Gleichgewichts hinuntersenkt, als der Sieger sich darüber erhebt, darum haben wir, wenn wir von der Wirkung des Sieges sprechen, hauptsächlich die im Auge, welche sich bei dem besiegten Heere kundtut. Ist diese Wirkung in einem Gefechte von großem Umfang stärker als in einem von kleinem, so ist sie in der Hauptschlacht wieder viel stärker als in einem untergeordneten Gefecht. Die Hauptschlacht ist um ihrer selbst willen da, um des Sieges willen, den sie geben soll, und der in ihr mit der höchsten Anstrengung gesucht wird. Hier an dieser Stelle, in dieser Stunde den Gegner zu überwinden, ist die Absicht, in welcher der ganze Kriegsplan mit allen seinen Fäden zusammenläuft, alle entfernte Hoffnungen und dunkle Vorstellungen von der Zukunft sich zusammenfinden; es tritt das Schicksal vor uns hin, um die Antwort auf die dreiste Frage zu geben. - Dies ist die Geistesspannung, nicht bloß des Feldherrn, sondern seines ganzen Heeres bis zum letzten Troßknecht hinab; freilich in abstufender Stärke, aber auch in sich abstufender Wichtigkeit. Zu allen Zeiten und nach der Natur der Dinge waren Hauptschlachten niemals unvorbereitete, unerwartete, blinde Dienstverrichtungen, sondern ein großartiger Akt, der aus der Masse der gewöhnlichen Tätigkeiten teils von selbst, teils nach der Absicht der Führer hinreichend hervortritt, um die Spannung aller Gemüter höher zu stimmen. Je höher aber diese Spannung auf den Ausgang ist, um so stärker muß die Wirkung desselben sein.
     Wieder größer ist die moralische Wirkung des Sieges in unseren Schlachten, als sie in den früheren der neueren Kriegsgeschichte war. Sind jene, wie wir sie geschildert haben, ein wahres Ausringen der Kräfte, so entscheidet die Summe dieser Kräfte, der physischen wie der moralischen, mehr als einzelne Anordnungen oder gar Zufälle.
     Einen Fehler, den man gemacht, kann man das nächste Mal verbessern, vom Glück und Zufall kann man ein andermal mehr Gunst erwarten; aber die Summe der moralischen und physischen Kräfte pflegt sich nicht so schnell zu ändern, und so scheint, was der Ausspruch eines Sieges über sie entschieden hat, für die ganze Zukunft von viel größerer Bedeutung. Zwar haben wohl von allen in und außer einem Heere durch eine Schlacht Beteiligten die wenigsten über solchen Unterschied nachgedacht, aber der Hergang der Schlacht selbst drückt den Gemütern aller darin Befindlichen ein solches Resultat auf, und die Erzählung dieses Herganges in den öffentlichen Berichten, wie sie auch durch einzelne hineingezwängte Umstände beschönigt werden mag, zeigt auch mehr oder weniger der übrigen Welt, daß die Ursachen mehr im ganzen als in Einzelheiten lagen.
     Wer sich nie in einer großen verlorenen Schlacht befunden hat, wird Mühe haben, sich eine lebendige und folglich eine ganz wahre Vorstellung davon zu machen, und die abstrakten Vorstellungen von diesem oder jenem kleinen Verlust werden den eigentlichen Begriff einer verlorenen Schlacht niemals ausfüllen. Verweilen wir einen Augenblick bei dem Bilde.
     Das erste, was sich der Einbildungskraft, und man kann auch wohl sagen des Verstandes, in einer unglücklichen Schlacht bemächtigt, ist das Zusammenschmelzen der Massen, dann der Verlust des Bodens, welcher mehr oder weniger immer, und also auch bei dem Angreifenden, eintritt, wenn er nicht glücklich ist; dann die zerstörte ursprüngliche Ordnung, das Durcheinandergeraten der Teile, die Gefahren des Rückzuges, die mit wenig Ausnahmen immer bald schwächer, bald stärker eintreten; nun der Rückzug, der meist in der Nacht angetreten oder wenigstens die Nacht hindurch fortgesetzt wird. Gleich bei diesem ersten Marsch müssen wir eine Menge von Ermatteten und Zerstreuten zurücklassen, oft gerade die Bravsten, die sich am weitesten vorgewagt, die am längsten ausgeharrt haben; das Gefühl, besiegt zu sein, welches auf dem Schlachtfelde nur die höheren Offiziere ergriff, geht nun durch alle Klassen bis zum Gemeinen über, verstärkt durch den abscheulichen Eindruck, soviel brave Gefährten, die gerade in der Schlacht uns erst recht wert geworden sind, in Feindes Händen zurücklassen zu müssen, und verstärkt durch das erwachende Mißtrauen gegen die Führung, der mehr oder weniger jeder Untergebene die Schuld seiner vergeblich gemachten Anstrengungen beimißt. Und dieses Gefühl, besiegt zu sein, ist keine bloße Einbildung, über die man Herr werden könnte; es ist die evidente Wahrheit, daß der Gegner uns überlegen ist; eine Wahrheit, die in den Ursachen so versteckt sein konnte, daß sie vorher nicht zu übersehen war, die aber beim Ausgang immer klar und bündig hervortritt, die man auch vielleicht vorher erkannt hat, der man aber in Ermangelung von etwas Reellerem Hoffnung auf den Zufall, Vertrauen auf Glück und Vorsehung, mutiges Wagen entgegenstellen mußte. Nun hat sich dies alles unzulänglich erwiesen, und die ernste Wahrheit tritt uns streng und gebieterisch entgegen.
     Alle diese Eindrücke sind noch weit entfernt von einem panischen Schrecken, welcher bei einem mit kriegerischer Tugend ausgerüsteten Heere nie und bei jedem anderen doch nur ausnahmsweise die Folge verlorener Schlachten ist. Sie müssen auch beim besten Heere entstehen, und wenn lange Kriegs- und Siegesgewohnheit, großes Vertrauen zum Feldherrn sie hier und da ein wenig mildert, so fehlen sie doch im ersten Augenblick niemals ganz. Auch sind sie nicht die bloße Folge verlorener Trophäen, diese gehen gewöhnlich erst später verloren und werden nicht so schnell allgemein bekannt; sie werden also auch bei dem langsamsten und abgemessensten Umschlagen des Gleichgewichts nicht fehlen und immer diejenige Wirkung eines Sieges ausmachen, auf die man in jedem Fall rechnen kann.
     Daß der Umfang der Trophäen diese Wirkung erhöht, haben wir schon gesagt.
     Wie sehr ist nun ein Heer in diesem Zustande, als Instrument betrachtet, geschwächt, wie wenig läßt sich erwarten, daß es in diesem geschwächten Zustande, welcher, wie wir schon gesagt haben, in allen gewöhnlichen Schwierigkeiten der Kriegführung neue Feinde findet, imstande sei, das Verlorene durch eine neue Anstrengung wieder einzubringen! Vor der Schlacht bestand ein wirkliches oder eingebildetes Gleichgewicht beider Teile; dieses ist verloren, und es ist also eine äußere Ursache erforderlich, um es wieder zu gewinnen; jede neue Kraftanstrengung ohne einen solchen äußeren Stützpunkt wird nur zu neuem Verluste führen.
     So ist also in dem mäßigsten Siege der Hauptmacht schon der Grund zu einem beständigen Sinken der Waage gegeben, bis neue äußere Verhältnisse eine Wendung herbeiführen. Sind diese nicht nahe, ist der Sieger ein rastloser Gegner, der ruhmdürstig nach großen Zwecken jagt, so ist ein vorzüglicher Feldherr und ein in vielen Feldzügen gediegener und gestählter kriegerischer Geist des Heeres nötig, um den angeschwollenen Strom des Übergewichts nicht ganz durchbrechen zu lassen, sondern durch einen kleinen vervielfältigten Widerstand seinen Lauf zu ermäßigen, bis sich die Kraft des Sieges am Ziel einer gewissen Bahn ausgerungen hat.
     Und nun die Wirkung außer dem Heer bei Volk und Regierung; es ist das plötzliche Zusammenbrechen der gespanntesten Hoffnungen, das Niederwerfen des ganzen Selbstgefühls. An die Stelle dieser vernichteten Kräfte strömt in das entstandene Vakuum die Furcht mit ihrer verderblichen Expansivkraft und vollendet die Lähmung. Es ist ein wahrer Nervenschlag, den einer der beiden Athleten durch den elektrischen Funken der Hauptschlacht bekommt. Auch diese Wirkung, wie verschiedenen in ihren Graden hier und dort, bleibt niemals ganz aus. Anstatt daß jeder in seiner Wirksamkeit geschäftigt herbeieilen sollte, um dem Unglück zu steuern, fürchtet jeder, daß seine Anstrengung eine vergebliche sein werde, und hält zögernd inne, wo er eilen sollte, oder läßt gar mutlos die Arme sinken, alles dem Fatum anheimgebend.
     Die Folgen aber, welche diese Wirkung des Sieges in dem Gang des Krieges selbst hervorbringt, hängen teils von dem Charakter und Talent des siegenden Feldherrn, mehr aber von den Verhältnissen ab, aus welchen der Sieg hervorgeht, und in welche er hineinführt. Ohne Kühnheit und Unternehmungsgeist des Feldherrn wird der glänzendste Sieg keinen großen Erfolg geben, und noch viel schneller erschöpft sich diese Kraft an den Verhältnissen, wenn diese sich ihr groß und stark entgegenstellen. Wie ganz anders als Daun würde Friedrich der Große den Sieg bei Kolin benutzt haben, und welche anderen Folgen als Preußen hätte Frankreich einer Schlacht von Leuthen geben können!
     Die Bedingungen, welche von einem großen Sieg große Folgen erwarten lassen, werden wir bei den Gegenständen kennenlernen, an welche sie sich knüpfen, und dann erst wird das Mißverhältnis sich erklären lassen, welches beim ersten Blick zwischen der Größe eines Sieges und seinen Folgen stattfinden kann, und welches man allzu bereit ist, dem Mangel an Energie des Siegers beizumessen. Hier, wo wir es mit der Hauptschlacht an sich zu tun haben, wollen wir dabei stehen bleiben, zu sagen: daß die geschilderten Wirkungen eines Sieges niemals fehlen, daß sie steigen mit der intensiven Stärke des Sieges, steigen, je mehr die Schlacht Hauptschlacht, d. h. je mehr in ihr die ganze Streitkraft vereinigt, je mehr in dieser Streitkraft die ganze Kriegsmacht und in der Kriegsmacht der ganze Staat enthalten ist.
     Darf denn aber die Theorie diese Wirkung des Sieges als eine ganz notwendige annehmen, muß sie sich nicht vielmehr bestreben, das genügende Mittel dagegen aufzufinden und so die Wirkung wieder aufzuheben? Es scheint so natürlich, diese Frage zu bejahen; aber der Himmel behüte uns vor diesem Abweg der meisten Theorien, wodurch ein sich gegenseitig verzehrendes pro et contra entsteht.
     Allerdings ist jene Wirkung ganz notwendig, denn sie ist in der Natur der Sache gegründet, und sie besteht auch dann, wenn wir Mittel linden, ihr entgegenzustreben, so wie die Bewegung einer Kanonenkugel in der Richtung der Erdumwälzung fortbesteht, wenn sie, auch von Osten nach Westen abgeschossen, durch diese entgegengesetzte Bewegung einen Teil der allgemeinen Geschwindigkeit vernichtet.
     Der ganze Krieg setzt menschliche Schwäche voraus, und gegen diese ist er gerichtet.
     Wenn wir also in der Folge bei einer anderen Gelegenheit überlegen, was nach einer verlorenen Hauptschlacht zu tun ist, wenn wir die Mittel in Betrachtung ziehen, die in der verzweifeltsten Lage noch übrig bleiben möchten, wenn wir auch in dieser Lage noch an die Möglichkeit glauben werden, alles wiederzugewinnen, so ist damit nicht gemeint, die Wirkungen einer solchen Niederlage nach und nach gleich Null zu machen, denn die Kräfte und Mittel, die man zur Herstellung anwendet, hätten zu positiven Zwecken angewendet werden können; und dies gilt von den moralischen wie von den physischen Kräften.
     Eine andere Frage ist es, ob durch den Verlust einer Hauptschlacht nicht vielleicht Kräfte geweckt werden, die sonst gar nicht ins Leben gekommen wären. Dieser Fall ist allerdings denkbar, und er ist bei vielen Völkern wirklich schon vorgekommen. Aber diese verstärkte Rückwirkung hervorzubringen, liegt nicht mehr im Gebiete der Kriegskunst, diese kann nur darauf Rücksicht nehmen, wo sie allenfalls vorauszusetzen ist.
     Wenn es nun Fälle gibt, wo die Folgen eines Sieges verderblicher erscheinen können durch die Rückwirkung der dadurch geweckten Kräfte, Fälle, die freilich zu den seltensten Ausnahmen gehören, so muß um so gewisser eine Verschiedenheit in den Folgen angenommen werden, welche ein und derselbe Sieg hervorbringen kann nach dem Charakter des besiegten Volkes oder Staates.

 
     Elftes Kapitel:
     Fortsetzung

     Der Gebrauch der Schlacht

     Wie sich auch die Führung des Krieges im einzelnen Fall gestaltet, und was wir auch in der Folge davon als notwendig anerkennen müssen, wir dürfen uns nur an den Begriff des Krieges erinnern, um folgendes mit Überzeugung zu sagen:
     1. Die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte ist das Hauptprinzip desselben und für die ganze Seite des positiven Handelns der Hauptweg zum Ziel.
     2. Diese Vernichtung der Streitkräfte findet hauptsächlich nur im Gefecht statt.
     3. Nur große und allgemeine Gefechte geben große Erfolge.
     4. Am größten werden die Erfolge, wenn sich die Gefechte in eine große Schlacht vereinigen.
     5. Nur in einer Hauptschlacht regiert der Feldherr das Werk mit eigenen Händen, und es ist in der Natur der Dinge, daß er es am liebsten den seinigen anvertraut.
     Aus diesen Wahrheiten ergibt sich ein Doppelgesetz, dessen Teile sich gegenseitig tragen: nämlich, daß die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte hauptsächlich in großen Schlachten und ihren Erfolgen zu suchen ist, und daß der Hauptzweck großer Schlachten die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte sein muß.
     Freilich findet sich das Vernichtungsprinzip auch in anderen Mitteln mehr oder weniger, freilich gibt es Fälle, wo durch eine Begünstigung der Umstände in einem kleinen Gefecht unverhältnismäßig viel feindliche Streitkräfte vernichtet werden können (Maxen); auf der anderen Seite kann in einer Hauptschlacht oft die Gewinnung oder Behauptung eines Postens als ein sehr wichtiger Zweck vorwalten, aber im allgemeinen bleibt es vorherrschend wahr, daß Hauptschlachten nur zur Vernichtung der feindlichen Streitkräfte geliefert, und daß diese nur durch die Hauptschlacht erreicht wird.
     Die Hauptschlacht ist daher als der konzentrierte Krieg, als der Schwerpunkt des ganzen Krieges oder Feldzuges anzusehen. Wie sich die Strahlen der Sonne im Brennpunkt des Hohlspiegels zu ihrem vollkommenen Bilde und zur höchsten Glut vereinigen, so vereinigen sich Kräfte und Umstände des Krieges in der Hauptschlacht zu einer zusammengedrängten höchsten Wirkung.
     Die Versammlung der Streitkräfte zu einem großen Ganzen, welche mehr oder weniger in allen Kriegen stattfindet, deutet schon die Absicht an, mit diesem Ganzen einen Hauptschlag zu tun, entweder freiwillig wie der Angreifende, oder durch den anderen veranlaßt wie der Verteidiger. Wo nun dieser Hauptschlag nicht erfolgt, da haben sich an das ursprüngliche Motiv der Feindschaft andere ermäßigende und aufhaltende angehangen und die Bewegung geschwächt, verändert oder ganz gehemmt. Aber selbst in diesem Zustande des gegenseitigen Nichthandelns, welcher in so vielen Kriegen der Grundton gewesen ist, bleibt auch die Idee der möglichen Hauptschlacht für beide Teile immer ein Richtungspunkt, ein weit entlegener Brennpunkt für die Konstruktion ihrer Bahnen. Je mehr der Krieg wirklicher Krieg, je mehr er eine Erledigung der Feindschaft, des Hasses, ein gegenseitiges Überwältigen wird, um so mehr vereinigt sich alle Tätigkeit in blutigem Kampf, und um so stärker tritt auch die Hauptschlacht hervor.
     Überall, wo ein großer, positiver, also in das Interesse des Gegners tief eingreifender Zweck das Ziel ist, bietet sich die Hauptschlacht als das natürlichste Mittel dar; sie ist darum auch das beste, wie wir in der Folge noch näher zeigen werden, und es bestraft sich in der Regel, wenn sie aus Scheu vor der großen Entscheidung umgangen worden ist.
     Der positive Zweck gehört dem Angreifenden, und so ist die Hauptschlacht auch vorzugsweise sein Mittel. Aber ohne die Begriffe von Angriff und Verteidigung hier näher bestimmen zu können, müssen wir doch sagen, daß selbst der Verteidiger in den meisten Fällen nur dies eine wirksame Mittel hat, um früh oder spät damit den Bedürfnissen seiner Lage zu entsprechen, seine Aufgaben zu lösen.
     Die Hauptschlacht ist der blutigste Weg der Lösung; zwar ist sie kein bloßes gegenseitiges Morden und ihre Wirkung mehr ein Totschlagen des feindlichen Mutes als der feindlichen Krieger, wie wir das im nächsten Kapitel näher betrachten wollen, allein immer ist Blut ihr Preis und Hinschlachten ihr Charakter wie ihr Name; davor schaudert der Mensch im Feldherrn zurück.
     Aber noch mehr erbebt der Geist des Menschen vor dem Gedanken der mit einem einzigen Schlag gegebenen Entscheidung. In einen Punkt des Raumes und der Zeit ist hier alles Handeln zusammengedrängt, und in solchen Augenblicken regt sich in uns ein dunkles Gefühl, als ob sich unsere Kräfte in diesem engen Raum nicht entwickeln und tätig werden könnten, als ob wir mit der bloßen Zeit schon viel gewonnen hätten, wenn auch diese Zeit uns gar nichts schuldig ist. Dies ist eine bloße Täuschung, aber auch als Täuschung ist es etwas, und eben diese Schwäche, welche den Menschen bei jeder anderen großen Entscheidung anwandelt, kann sich im Feldherrn stärker regen, wenn er einen Gegenstand von so ungeheurem Gewicht auf eine Spitze stellen soll.
     So haben denn Regierungen und Feldherren zu allen Zeiten stets Wege um die entscheidende Schlacht herum gesucht, um entweder ihr Ziel ohne dieselbe zu erreichen, oder es unvermerkt fallen zu lassen. Die Geschichts- und Theorienschreiber haben sich dann abgemüht, in diesen Feldzügen und Kriegen in irgendeinem anderen Wege nicht bloß das äquivalent der versäumten Schlachtentscheidung zu finden, sondern selbst eine höhere Kunst. Auf diese Weise sind wir in unserer Zeit nahe daran gewesen, in der Ökonomie des Krieges die Hauptschlacht wie ein durch Fehler notwendig gewordenes Übel anzusehen, wie eine krankhafte Äußerung, zu der ein ordentlicher, vorsichtiger Krieg niemals führen müßte; nur diejenigen Feldherren sollten Lorbeeren verdienen, die es verständen, den Krieg ohne Blutvergießen zu führen, und die Theorie des Krieges, ein wahrhafter Brahminendienst, sollte ganz eigens dazu bestimmt sein, dies zu lehren.
     Die Geschichte der Zeit hat diesen Wahn zerstört, aber kein Mensch kann dafür einstehen, daß er nicht hier und da auf kürzere oder längere Zeit zurückkehrt und die Führer der Angelegenheiten zu solchen Verkehrtheiten hinzieht, die der Schwäche zusagen, also dem Menschen näher liegen. Vielleicht, daß man in einiger Zeit Bonapartes Feldzüge und Schlachten wie Rohheiten und halbe Dummheiten betrachtet und noch einmal mit Wohlgefallen und Zutrauen auf den Galanteriedegen veralteter, zusammengeschrumpfter Einrichtungen und Manieren sieht. Kann die Theorie davor warnen, so hat sie denen, welche ihrer Warnung Gehör geben, einen wesentlichen Dienst geleistet. Möchte es uns gelingen, denen, die in unserem teuren Vaterlande berufen sind, eine wirksame Meinung in diesen Dingen zu haben, die Hand zu reichen, um ihnen als Führer in diesem Felde zu dienen und sie zu einer redlichen Prüfung der Gegenstände aufzufordern.
     Nicht bloß der Begriff des Krieges führt uns dahin, eine große Entscheidung nur in einer großen Schlacht zu suchen, sondern auch die Erfahrung. Von jeher haben nur große Siege zu großen Erfolgen geführt, bei dem Angreifenden unbedingt, bei dem Verteidiger mehr oder weniger. Selbst Bonaparte würde das in seiner Art einzige Ulm nicht erlebt haben, wenn er das Blutvergießen gescheut hätte, vielmehr ist es nur als eine Nachmahd der Siegesfälle seiner früheren Feldzüge anzusehen. Es sind nicht bloß die kühnen Feldherren, die verwegenen, die trotzigen, die ihr Werk mit dem großen Wagstück entscheidender Schlachten zu vollbringen gesucht haben, es sind die glücklichen insgesamt; und von diesen können wir uns bei einer so umfassenden Frage die Antwort gefallen lassen.
     Wir mögen nichts hören von Feldherren, die ohne Menschenblut siegen. Wenn das blutige Schlachten ein schreckliches Schauspiel ist, so soll das nur eine Veranlassung sein, die Kriege mehr zu würdigen, aber nicht die Schwerter, die man führt, nach und nach aus Menschlichkeit stumpfer zu machen, bis einmal wieder einer dazwischen kommt mit einem scharfen, der uns die Arme beim Leibe weghaut.
     Wir betrachten eine große Schlacht als eine Hauptentscheidung, aber freilich nicht als die einzige, welche für einen Krieg oder Feldzug nötig wäre. Nur in der neueren Zeit sind die Fälle häufig gewesen, wo eine große Schlacht über einen ganzen Feldzug entschieden hat; die, wo sie über einen ganzen Krieg entschied, gehören zu den seltensten Ausnahmen.
     Die Entscheidung, welche durch eine große Schlacht bewirkt wird, hängt natürlich ab nicht nur von ihr selbst, d. h. von der Masse der in ihr versammelten Streitkräfte und von der intensiven Stärke des Sieges, sondern auch von einer Menge anderer Verhältnisse der gegenseitigen Kriegsmacht und der Staaten, welchen diese angehören. Allein indem die Hauptmasse der vorhandenen Streitkraft zum großen Zweikampf hingeführt wird, wird auch eine Hauptentscheidung eingeleitet, deren Umfang sich zwar in manchen Beziehungen vorher übersehen läßt, aber nicht in allen, und die, wenn sie auch nicht die einzige, doch die erste Entscheidung ist und als solche auch auf die folgenden einen Einfluß behält. Darum ist eine beabsichtigte Hauptschlacht nach ihren Verhältnissen mehr oder weniger, in gewissen Graden aber immer als der vorläufige Mittel- und Schwerpunkt des ganzen Systems zu betrachten. Je mehr der Feldherr mit dem eigentlichen Geist des Krieges wie jedes Kampfes auszieht, mit dem Gefühl und dem Gedanken, d. h. mit dem Bewußtsein, er müsse und werde seinen Gegner niederschlagen, um so mehr wird er alles in die Waagschale der ersten Schlacht legen, in ihr alles zu erringen hoffen und streben. Bonaparte ist wohl kaum in einem seiner Kriege ohne den Gedanken ausgezogen, seinen Gegner gleich in der ersten Schlacht niederzuschlagen; und Friedrich der Große, in kleineren Verhältnissen und beschränkteren Krisen, dachte ebenso, wenn er an der Spitze eines kleinen Heeres sich im Rücken gegen die Russen oder die Reichsarmee Luft machen wollte.
     Die Entscheidung, welche die Hauptschlacht gibt, hängt zum Teil von ihr selbst ab, haben wir gesagt, d. h. von der Menge der Streitkräfte, mit welchen sie geliefert wird, und von der Größe des Erfolges.
     Wie der Feldherr in Beziehung auf den ersten Punkt ihre Wichtigkeit steigern kann, ist an sich klar, und wir wollen nur bei der Bemerkung stehenbleiben, daß mit dem Umfang der Hauptschlacht die Menge der Fälle wächst, welche durch sie mitentschieden werden, und daß deshalb Feldherren, welche im Vertrauen zu sich die großen Entscheidungen liebten, es immer möglich gemacht haben, den größten Teil ihrer Streitkräfte darin zu verwenden, ohne auf anderen Punkten dadurch wesentlich zu versäumen.
     Was den Erfolg oder, genauer gesprochen, die intensive Stärke des Sieges betrifft, so hängt diese hauptsächlich von vier Verhältnissen ab:
     1. Von der taktischen Form, in welcher die Schlacht geliefert wird.
     2. Von der Natur der Gegend.
     3. Von dem Waffenverhältnis.
     4. Von dem Machtverhältnis.
     Eine Schlacht mit gerader Front und ohne Umgehung wird selten einen so großen Erfolg geben als eine, in welcher der Besiegte umgangen war, oder die er mit mehr oder weniger verwandter Front liefern mußte. In durchschnittener oder bergiger Gegend ist der Erfolg ebenfalls geringer, weil die Stoßkraft überall geschwächt ist.
     Hat der Besiegte eine gleiche oder überlegene Reiterei, so fallen die Wirkungen des Verfolgens und damit ein großer Teil der Siegeserfolge weg.
     Endlich ist es an sich verständlich, wie ein Sieg, welcher mit Übermacht erfochten wird, wenn diese zur Umgehung oder Frontveränderung benutzt worden ist, einen größeren Erfolg geben wird, als wenn der Sieger schwächer war als der Besiegte. Die Schlacht von Leuthen möchte zwar an der praktischen Richtigkeit dieses Grundsatzes zweifeln lassen; aber es sei uns erlaubt, hier einmal zu sagen, was wir sonst nicht lieben: keine Regel ohne Ausnahme.
     In allen diesen Wegen hat also der Feldherr das Mittel, seiner Schlacht einen entscheidenden Charakter zu geben; freilich wachsen damit die Gefahren, denen er sich aussetzt, aber diesem dynamischen Gesetz der moralischen Welt ist sein ganzes Handeln unterworfen.
     So ist denn der Hauptschlacht im Kriege nichts an Wichtigkeit zu vergleichen, und die höchste Weisheit der Strategie offenbart sich in der Beschaffung der Mittel zu ihr, in ihrer geschickten Feststellung nach Ort, Zeit und Richtung der Kräfte und in der Benutzung ihres Erfolges.
     Aus der Wichtigkeit dieser Gegenstände erfolgt aber nicht, daß sie sehr verwickelter und verborgener Natur wären, vielmehr ist hier alles sehr einfach, die Kunst der Kombination sehr gering, aber groß das Bedürfnis an scharfer Beurteilung der Erscheinungen, an Energie, an fester Konsequenz, an jugendlichem Unternehmungsgeist: heldenmütige Eigenschaften, an die wir uns noch oft werden wenden müssen. Es ist also hier wenig von dem nötig, was sich in Büchern lehren läßt, und viel von dem, was, wenn es je gelehrt werden kann, durch einen anderen Leiter als den Buchstaben in den Feldherrn kommen muß. Der Impuls der Hauptschlacht, die freie sichere Bewegung zu ihr, muß von dem Gefühl eigener Kraft und dem klaren Bewußtsein der Notwendigkeit, mit anderen Worten, er muß von dem angeborenen Mut und von dem durch große Lebensverhältnisse geschärften Blick ausgehen.
     Große Beispiele sind die besten Lehrmeister, aber freilich ist es schlimm, wenn sich eine Wolke von theoretischen Vorurteilen dazwischenlegt, denn auch das Sonnenlicht bricht und färbt sich in Wolken. Solche Vorurteile, die sich in mancher Zeit wie ein Miasma bilden und verbreiten, zu zerstören, ist eine dringende Pflicht der Theorie, denn was menschlicher Verstand fälschlich erzeugt, kann auch bloßer Verstand wieder vernichten.

 
     Zwölftes Kapitel:
     Strategische Mittel, den Sieg zu benutzen


     Das Schwierigere, den Sieg möglichst vorzubereiten, ist ein stilles Verdienst der Strategie, sie wird kaum darüber belobt. Glänzend und ruhmvoll erscheint sie, indem sie den erfochtenen Sieg benutzt.
     Welchen besonderen Zweck die Schlacht haben kann, wie sie in das ganze System des Krieges eingreift, bis wohin die Siegesbahn nach der Natur der Verhältnisse führen kann, wo ihr Kulminationspunkt liegt, alles das kann uns erst in der Folge beschäftigen. Aber für alle denkbaren Verhältnisse bleibt es wahr, daß ohne Verfolgen kein Sieg eine große Wirkung haben kann, und daß, wie kurz auch die Siegesbahn sein mag, sie immer über die ersten Schritte des Verfolgens hinausführen muß, und um dies nicht bei jeder Gelegenheit wieder zu sagen, wollen wir bei dieser notwendigen Zugabe des Überwindens im allgemeinen einen Augenblick verweilen.
     Das Verfolgen eines geschlagenen Gegners hebt mit dem Augenblick an, wo dieser, das Gefecht aufgebend, seinen Platz verläßt; alle früheren hin- und hergehenden Bewegungen können dazu nicht gerechnet werden, sondern gehören der Schlachtentwicklung selbst an. Gewöhnlich ist der Sieg in dem hier bezeichneten Augenblick, wenngleich unzweifelhaft, doch noch sehr klein und schwach und würde in der Reihe der Begebenheiten nicht viel positive Vorteile gewähren, wenn er nicht durch das Verfolgen des ersten Tages vervollständigt würde. Da werden, wie wir gesagt haben, meistens erst die Trophäen geerntet, die den Sieg verkörpern. Über dieses Verfolgen wollen wir zunächst sprechen.
     Gewöhnlich kommen beide Teile mit sehr geschwächten körperlichen Kräften in die Schlacht, denn die Bewegungen, welche unmittelbar vorhergehen, haben meistens den Charakter dringender Umstände. Die Anstrengungen, welche das Ausringen eines langen Kampfes kostet, vollenden die Erschöpfung; dazu kommt, daß der siegende Teil nicht viel weniger durcheinander gekommen und aus seinen ursprünglichen Ordnungsfugen gewichen ist als der besiegte, und also das Bedürfnis hat, sich zu ordnen, die Zerstreuten zu sammeln, die, welche sich verschossen haben, mit frischer Munition zu versehen. Alle diese Umstände versetzen den Sieger selbst in einen Zustand der Krise, wovon wir schon gesprochen haben. Ist nun der Geschlagene nur ein untergeordneter Teil gewesen, der von anderen aufgenommen werden kann, oder hat er sonst irgendeine bedeutende Verstärkung zu erwarten, so kann der Sieger leicht in die evidente Gefahr kommen, seinen Sieg wieder einzubüßen, und diese Betrachtung macht in solchem Fall dem Verfolgen bald ein Ende oder legt ihm wenigstens starke Zügel an. Aber selbst da, wo eine namhafte Verstärkung des Geschlagenen nicht zu befürchten ist, findet in den oben angegebenen Umständen der Sieger ein starkes Gegengewicht seiner Schnellkraft beim Verfolgen. Es ist zwar ein Entreißen des Sieges nicht zu befürchten, aber nachteilige Gefechte bleiben doch möglich und können die bis dahin erhaltenen Vorteile schwächen. Außerdem hängt sich nun das ganze Gewicht des sinnlichen Menschen mit seinen Bedürfnissen und Schwächen an den Willen des Feldherrn. Alle die Tausende, welche unter seinem Befehl stehen, haben das Bedürfnis nach Ruhe und Stärkung, haben das Verlangen, die Schranken der Gefahr und Arbeit vorderhand geschlossen zu sehen; nur wenige, die man als Ausnahme betrachten kann, sehen und fühlen über den gegenwärtigen Augenblick hinaus, nur in diesen wenigen ist noch soviel freies Spiel des Mutes, um, nachdem das Notwendige vollbracht ist, auch noch an diejenigen Erfolge zu denken, die in solchem Augenblick wie eine bloße Verschönerung des Sieges, wie ein Luxus des Triumphes erscheinen. Alle jene Tausende aber haben ihre Stimme im Rat des Feldherrn, denn durch die ganze Stufenfolge der übereinandergestellten Führer haben diese Interessen der sinnlichen Menschen ihren sicheren Leiter bis ins Herz des Feldherrn. Dieser selbst ist mehr oder weniger durch geistige und körperliche Anstrengung in seiner inneren Tätigkeit geschwächt, und so geschieht es denn, daß meistens aus diesem rein menschlichen Grunde weniger geschieht als geschehen könnte, und daß überhaupt, was geschieht, nur von dem Ruhmdurst, der Energie und auch wohl der Härte des obersten Feldherrn abhängt. Nur so läßt sich die zaghafte Weise erklären, mit der wir viele Feldherren den Sieg, welchen ihnen die Übermacht gegeben, verfolgen sehen. Das erste Verfolgen des Sieges wollen wir im ganzen auf den ersten Tag und allenfalls die sich daranschließende Nacht beschränken, denn jenseits dieses Abschnittes wird die Notwendigkeit der eigenen Erholung in jedem Fall Stillstand gebieten.
     Dieses erste Verfolgen nun hat verschiedene natürliche Grade.
     Der erste ist, wenn es mit bloßer Reiterei geschieht; dann ist es im Grunde mehr ein Schrecken und Beobachten als ein wahrhaftes Drängen, weil der kleinste Bodenabschnitt gewöhnlich hinreicht, den Verfolgenden aufzuhalten. Soviel die Reiterei bei einer erschütterten und geschwächten Truppe gegen den einzelnen Haufen vermag, so ist sie doch gegen das Ganze immer nur wieder die Hilfswaffe, weil der Abziehende seine frischen Reserven zur Deckung seines Rückzuges verwenden und so beim nächsten unbedeutendsten Bodenabschnitt durch die Verbindung aller Waffen mit Erfolg widerstehen kann. Nur ein in wahrer Flucht und gänzlicher Auflösung befindliches Heer macht hier eine Ausnahme.
     Der zweite Grad ist, wenn die Verfolgung durch eine starke Avantgarde von allen Waffen geschieht, wobei natürlich der größte Teil der Reiterei sich befindet. Ein solches Verfolgen drängt den Gegner bis zur nächsten starken Stellung seiner Arrieregarde oder bis zur nächsten Aufstellung seines Heeres. Zu beiden findet sich gewöhnlich nicht sogleich Gelegenheit, und das Verfolgen reicht also weiter; meistens übersteigt es aber nicht die Weite von einer, höchstens von ein paar Stunden, weil die Avantgarde sich sonst nicht hinreichend unterstützt glaubt.
     Der dritte und stärkste Grad ist, wenn das siegreiche Heer selbst im Vorgehen bleibt, soweit die Kräfte reichen. In diesem Fall wird der Geschlagene die meisten Aufstellungen, wozu ihm die Gegend einige Gelegenheit bietet, auf die bloßen Anstalten eines Angriffs oder einer Umgebung wieder verlassen, und die Arrieregarde sich noch weniger in einen hartnäckigen Widerstand verwickeln.
     In allen drei Fällen macht gewöhnlich die Nacht, wenn sie vor Beendigung des ganzen Aktes eintritt, ihm ein Ende, und die wenigen Fälle, wo dies nicht geschieht, und das Verfolgen die Nacht hindurch fortgesetzt wird, müssen als ein ganz besonders verstärkter Grad desselben betrachtet werden.
     Wenn man bedenkt, daß bei nächtlichen Gefechten alles mehr oder weniger dem Zufall überlassen, und daß im Ausgang einer Schlacht ohnehin der ordnungsmäßige Zusammenhang und Hergang sehr gestört ist, so wird man wohl die Scheu begreifen, welche beide Feldherren haben, ihr Geschäft in die Dunkelheit der Nacht hinein fortzusetzen. Wenn nicht eine gänzliche Auflösung des Besiegten oder eine seltene Überlegenheit des siegenden Heeres an kriegerischer Tugend den Erfolg sichert, so würde alles ziemlich dem Fatum anheimgegeben sein, welches nicht das Interesse irgendeines, selbst des verwegensten Feldherrn sein kann. In der Regel macht also die Nacht dem Verfolgen ein Ende, auch selbst da, wo die Schlacht sich erst kurz vor ihrem Einbruch entschieden hat. Sie gestattet dem Besiegten entweder unmittelbar einen Akt der Ruhe und des Sammelns oder, wenn er den Rückzug während der Nacht fortsetzt, den Vorsprung dazu. Nach diesem Abschnitt ist der Besiegte schon wieder in einem merklich besseren Zustande. Vieles von dem, was aus- und durcheinander gekommen war, hat sich wieder gefunden, die Munition ist erneuert, das Ganze zu einer neuen Ordnung zusammengestellt. Was er nun gegen den Sieger ferner zu bestehen hat, ist ein neues Gefecht, nicht die Verlängerung des alten, und ist dieses auch weit entfernt, einen absolut guten Ausgang zuzulassen, so ist es doch ein neuer Kampf und nicht bloß des Siegers Auflesen zusammengefallener Trümmer.
     In den Fällen also, wo der Sieger das Verfolgen selbst die Nacht hindurch fortsetzen darf, wäre es auch nur mit einer aus allen Waffen bestehenden starken Avantgarde, wird die Wirkung des Sieges außerordentlich verstärkt werden, wovon die Schlachten bei Leuthen und Belle-Alliance Beispiele geben.
     Die ganze Tätigkeit dieses Verfolgens ist im Grunde eine taktische, und wir verweilen bloß bei ihr, um uns des Unterschiedes deutlicher bewußt zu werden, der dadurch in die Wirkung der Siege gebracht wird.
     Dieses erste Verfolgen bis zum nächsten Stationspunkt ist ein Recht jedes Siegers und kaum in irgendeiner Abhängigkeit von seinen weiteren Plänen und Verhältnissen. Diese können die positiven Erfolge eines Sieges mit der Hauptmacht sehr verringern, aber diese erste Benutzung desselben können sie nicht unmöglich machen, wenigstens würden Fälle der Art, wenn man sie sich auch denken könnte, von solcher Seltenheit sein, daß sie keinen merklichen Einfluß auf die Theorie haben dürften. Und hier ist allerdings, wo man sagen muß, daß das Beispiel der neueren Kriege ein ganz neues Feld der Energie eröffnet hat. Es war in den früheren, auf einer schmaleren Grundlage ruhenden, von engeren Grenzen umschlossenen Kriegen, wie in vielen anderen Punkten, besonders auch in diesem eine unnotwendige konventionelle Beschränktheit entstanden. Der Begriff, die Ehre des Sieges schienen den Feldherren so sehr die Hauptsache, daß sie an die eigentliche Vernichtung der feindlichen Streitkraft dabei weniger dachten, wie denn diese Vernichtung der Streitkraft ihnen nur wie eins von den vielen Mitteln des Krieges, nicht einmal wie das Hauptmittel, geschweige denn wie das einzige erschien. Um so lieber steckten sie den Degen in die Scheide, sobald der Gegner den seinigen gesenkt hatte. Es schien ihnen nichts natürlicher, als den Kampf einzustellen, sobald die Entscheidung gegeben war, und alles fernere Blutvergießen wie unnütze Grausamkeit. Wenn diese falsche Philosophie auch nicht den ganzen Entschluß ausmachte, so gab sie doch den Gesichtspunkt, unter welchem die Vorstellungen von Erschöpfung aller Kräfte und physischer Unmöglichkeit der Fortsetzung des Kampfes leichter Eingang und starkes Gewicht fanden. Freilich liegt die Schonung seines eigenen Siegesinstrumentes nahe genug, wenn man nur dies eine besitzt und voraussieht, daß bald ein Zeitpunkt kommen wird, wo es ohnehin nicht zureicht für alles, was man dann zu tun hat, wie denn in der Regel jedes Fortschreiten in der Offensive dazu führt. Allein diese Rechnung war doch insofern falsch, als offenbar der weitere Verlust an Streitkräften, den man beim Verfolgen erleiden konnte, mit dem feindlichen in gar keinem Verhältnis stand. Jene Betrachtung konnte also eben nur wieder entstehen, indem man die Streitkräfte nicht als die Hauptsache betrachtete. So finden wir denn, daß in den früheren Kriegen nur die eigentlichen Heroen wie Karl XII., Marlborough, Eugen, Friedrich der Große ihren Siegen da, wo sie entschieden genug waren, eine kräftige Verfolgung hinzufügten, und daß die anderen Feldherren sich gewöhnlich mit dem Besitz des Schlachtfeldes begnügten. In der neueren Zeit hat die größere Energie, welche die Kriegführung durch die größeren Verhältnisse bekommen hatte, aus denen sie hervorgegangen war, diese konventionellen Schranken vernichtet; das Verfolgen ist ein Hauptgeschäft des Siegers geworden, die Trophäen haben deswegen an Umfang sehr zugenommen, und wenn man auch in neueren Schlachten Fälle sieht, wo dies nicht ist, so gehören sie doch zu den Ausnahmen und sind immer durch besondere Umstände motiviert.
     Bei Görschen und Bautzen verhinderte nur Überlegenheit der verbündeten Reiterei eine gänzliche Niederlage; bei Großbeeren und Dennewitz das Mißwollen des Kronprinzen von Schweden, bei Laon des alten Blüchers schwacher persönlicher Zustand.
     Aber auch Borodino ist ein hierher gehöriges Beispiel, und wir können uns nicht enthalten, ein paar Worte mehr darüber zu sagen, teils weil wir nicht glauben, daß die Sache mit einem bloßen Tadel Bonapartes abgemacht sei, teils weil es scheinen möchte, als gehörte dieser und mit ihm eine große Zahl ähnlicher Fälle zu denjenigen, welche wir als so äußerst selten betrachtet haben, wo die allgemeinen Verhältnisse den Feldherrn schon am Ausgang seiner Schlacht ergreifen und fesseln. Es haben namentlich französische Schriftsteller und große Verehrer Bonapartes (Vaudoncourt, Chambray, Ségur) ihn entschieden darüber getadelt, daß er das russische Heer nicht gänzlich vom Schlachtfelde vertrieben und seine letzten Kräfte zur Zertrümmerung desselben angewendet habe, weil dann, was jetzt eine bloß verlorene Schlacht war, eine völlige Niederlage geworden sein würde. Es würde uns hier zu weit führen, die gegenseitige Lage beider Heere umständlich darzustellen; aber soviel ist klar, daß Bonaparte, der, als er über den Njemen ging, in denjenigen Korps, welche in der Folge die Schlacht von Borodino schlugen, 300000 Mann gehabt hatte, wovon jetzt nur 120000 übrig waren, wohl die Besorgnis haben konnte, er werde nicht genug übrig behalten, um auf Moskau marschieren zu können, welches der Punkt war, auf den alles anzukommen schien. Ein Sieg, wie er ihn erfochten hatte, gab ihm ziemlich die Gewißheit von der Einnahme dieser Hauptstadt, denn daß die Russen innerhalb 8 Tagen eine zweite Schlacht liefern konnten, schien höchst unwahrscheinlich; in Moskau aber hoffte er den Frieden zu finden. Freilich würde ein zertrümmertes russisches Heer ihm diesen Frieden viel gewisser gemacht haben, aber die erste Bedingung war doch immer, hinzukommen, d. h. mit einer Macht hinzukommen, mit welcher er die Hauptstadt und durch sie dem Reich und der Regierung als ein Gebieter erschien. Was er nach Moskau brachte, reichte dazu nicht mehr hin, wie die Folge gezeigt hat, es würde aber noch weniger der Fall gewesen sein, wenn er an der Zertrümmerung des russischen Heeres sein eigenes mitzertrümmert hätte, und Bonaparte fühlte das durch und durch, und er erscheint in unseren Augen vollkommen gerechtfertigt. Darum ist aber dieser Fall doch nicht zu denen zu zählen, wo dem Feldherrn durch die allgemeinen Verhältnisse schon das erste Verfolgen seines Sieges untersagt ist. Es war nämlich noch gar nicht vom bloßen Verfolgen die Rede. Der Sieg war nachmittags um 4 Uhr entschieden, aber die Russen hatten den größten Teil des Schlachtfeldes noch inne und wollten ihn auch noch nicht räumen, sondern würden bei Erneuerung des Angriffs noch hartnäckigen Widerstand getan haben, der zwar gewiß mit ihrer gänzlichen Niederlage geendigt, aber dem Gegner noch viel Blut gekostet hätte. Man muß also die Schlacht von Borodino zu den Schlachten rechnen, die, wie die von Bautzen, nicht ganz ausgeschlagen worden sind. Bei Bautzen war es der Besiegte, welcher vorzog, das Schlachtfeld früher zu verlassen; bei Borodino der Sieger, welcher vorzog, sich mit einem halben Siege zu begnügen, nicht weil ihm die Entscheidung zweifelhaft schien, sondern weil er nicht reich genug war, den ganzen zu bezahlen.
     Kehren wir zu unserem Gegenstand zurück, so ergibt sich aus unseren Betrachtungen als Resultat in Beziehung auf das erste Verfolgen: daß die Energie, mit welcher dies geschieht, den Wert des Sieges hauptsächlich bestimmt, daß dies Verfolgen ein zweiter Akt des Sieges ist, in vielen Fällen sogar wichtiger als der erste, und daß die Strategie, indem sie sich hier der Taktik nähert, um von ihr das vollendete Werk in Empfang zu nehmen, den ersten Akt ihrer Autorität darin bestehen läßt, diese Vervollständigung des Sieges zu fordern.
     Aber auch bei diesem ersten Verfolgen bleibt die Wirksamkeit des Sieges in den seltensten Fällen stehen, und es fängt nur erst die eigentliche Bahn an, wozu der Sieg die Schnellkraft verliehen. Diese Bahn bedingt sich, wie wir schon gesagt haben, nach den übrigen Verhältnissen, von welchen hier noch nicht die Rede sein soll. Aber wir dürfen doch dasjenige des Verfolgens, was einen allgemeinen Charakter hat, hier aufnehmen, um uns nicht bei allen Gelegenheiten, wo es vorkommen könnte, darin zu wiederholen.
     Bei dem weiteren Verfolgen kann man wieder drei Grade unterscheiden: ein bloßes Nachrücken, ein eigentliches Drängen und ein Parallelmarsch zum Abschneiden.
     Das bloße Nachrücken motiviert den weiteren Rückzug des Feindes so lange, bis er glaubt, uns wieder ein Gefecht anbieten zu können; es würde also hinreichen, das erlangte Übergewicht in seiner Wirkung zu erschöpfen, und wird uns außerdem alles, was der Geschlagene nicht mit sich fortbringen kann, Verwundete, Kranke, Ermüdete, manches an Gepäck und Fuhrwerk aller Art in die Hände liefern. Aber dies bloße Nachziehen erhöht den Zustand der Auflösung beim Gegner nicht, welches die beiden folgenden Grade bewirken.
     Wenn wir nämlich, anstatt uns zu begnügen, dem Feinde in sein altes Lager zu folgen und immer soviel von der Gegend einzunehmen, als er uns lassen will, unsere Einrichtung so treffen, jedesmal etwas mehr von ihm zu verlangen, also mit unserer dazu gehörig eingerichteten Avantgarde jedesmal seine Arrieregarde anzugreifen, sooft sie ihre Aufstellung nehmen will, so wird dies die Bewegung des Feindes beschleunigen und also seine Auflösung befördern. - Hauptsächlich aber wird es dies letztere bewirken durch den Charakter von ruheloser Flucht, den sein Rückzug dadurch annehmen wird. Nichts macht auf den Soldaten einen so widerwärtigen Eindruck, als wenn in dem Augenblick, wo er sich nach einem angestrengten Marsche der Ruhe überlassen will, sich das feindliche Geschütz schon wieder hören läßt; wiederholt sich dieser Eindruck eine Zeitlang hindurch täglich, so kann er zum panischen Schrecken führen. Es liegt darin das beständige Anerkenntnis, dem Gesetz des Gegners gehorchen zu müssen und zu keinem Widerstande fähig zu sein, und dieses Bewußtsein kann nicht anders als die moralische Kraft des Heeres in einem hohen Grade schwächen. Am höchsten wird die Wirksamkeit dieses Drängens steigen, wenn man den Gegner dadurch zu Nachtmärschen zwingt. Scheucht der Sieger den Geschlagenen beim Sonnenuntergang aus dem Lager wieder auf, welches sich dieser ausersehen hat, sei es für das Heer selbst oder für die Arrieregarde, so wird der Besiegte entweder einen förmlichen Nachtmarsch tun oder wenigstens seine Stellung noch in der Nacht verändern und weiter rückwärts verlegen, welches ungefähr dasselbe ist; der Sieger aber kann die Nacht ruhig zubringen.
     Die Anordnung der Märsche und die Wahl der Aufstellungen hängen auch in diesem Fall von so vielen anderen Dingen ab, besonders von der Verpflegung, von starken Abschnitten des Bodens, von großen Städten usw., daß es eine lächerliche Pedanterie sein würde, durch eine geometrische Auseinandersetzung zu zeigen, wie der Verfolgende dadurch, daß er dem Zurückgehenden das Gesetz gibt, diesen zwingen kann, jedesmal des Nachts zu marschieren, während er selbst des Nachts ruht. Allein nichtsdestoweniger bleibt es wahr und anwendbar, daß die Marscheinrichtungen des Verfolgens diese Tendenz haben können und dann die Wirksamkeit des Verfolgens sehr erhöhen werden. Wenn dies in der Ausführung selten berücksichtigt wird, so liegt es darin, daß ein solches Verfahren auch für das verfolgende Heer schwieriger ist als ein regelmäßiges Innehalten der Stationen und der Tageszeit. Des Morgens bei guter Zeit aufbrechen, um mittags sein Lager einzunehmen, den übrigen Tag zur Beschaffung der Bedürfnisse und die Nacht zur Ruhe zu benutzen, ist eine viel bequemere Methode, als seine Bewegungen genau nach den feindlichen einzurichten, mithin immer erst im letzten Augenblick zu bestimmer, bald morgens bald abends aufzubrechen, sich immer mehrere Stunden im Angesicht des Feindes zu befinden, Kanonenschüsse mit ihm zu wechseln, Plänkeleien zu unterhalten, Umgehungen anzuordnen, kurz den ganzen Aufwand von taktischen Maßregeln zu machen, der dadurch erforderlich wird. Das lastet natürlich mit einem bedeutenden Gewicht auf dem verfolgenden Heer, und im Kriege, wo es der Lasten soviele gibt, sind die Menschen immer geneigt, sich die abzustreifen, die nicht gerade notwendig scheinen. Diese Betrachtungen bleiben wahr, sie mögen auf das ganze Heer oder, was der gewöhnliche Fall ist, auf eine starke Avantgarde anzuwenden sein. Aus den eben berührten Gründen sieht man denn dieses Verfolgen des zweiten Grades, dieses beständige Drängen des Besiegten ziemlich selten vorkommen. Selbst Bonaparte in seinem russischen Feldzuge von 1812 hat es wenig getan aus dem hier sehr in die Augen springenden Grunde, daß die Schwierigkeiten und Mühseligkeiten dieses Feldzuges sein Heer ohnehin schon mit einer völligen Vernichtung bedrohten, ehe er das Ziel erreicht haben würde; dagegen haben die Franzosen in ihren anderen Feldzügen sich auch in diesem Punkt durch ihre Energie ausgezeichnet.
     Der dritte und der wirksamste Grad des Verfolgens ist endlich der Parallelmarsch nach dem nächsten Ziel des Rückzuges.
     Jedes geschlagene Heer wird natürlich hinter sich, näher oder entfernter, einen Punkt haben, dessen Erreichung ihm zunächst sehr am Herzen liegt; sei es, daß sein fernerer Rückzug dadurch gefährdet werden kann, wie bei Straßenengen, oder daß es für den Punkt selbst wichtig ist, ihn vor dem Feinde zu erreichen, wie bei Hauptstädten, Magazinen usw., oder endlich, daß das Heer auf diesem Punkt neue Widerstandsfähigkeit gewinnen kann, wie bei festen Stellungen, Vereinigung mit anderen Korps usw.
     Richtet nun der Sieger auf einer Seitenstraße seinen Marsch auf diesen Punkt, so ist an sich klar, wie das den Rückzug des Besiegten auf eine verderbliche Art beschleunigen, in Eile, zuletzt in Flucht verwandeln könne. Der Besiegte hat nur drei Wege, dem entgegenzuwirken. Der erste würde sein, sich dem Feinde selbst entgegenzuwerfen und durch einen unverhofften Angriff sich die Wahrscheinlichkeit des Erfolges zu verschaffen, die ihm seiner Lage nach im allgemeinen abgehen muß; dies setzt offenbar einen unternehmenden, kühnen Feldherrn und ein vortreffliches Heer voraus, welches besiegt, aber nicht in einer völligen Niederlage begriffen wäre; es dürfte also wohl in den wenigsten Fällen von dem Besiegten angewendet werden.
     Der zweite Weg ist die Beschleunigung des Rückzuges. Diese aber ist eben, was der Sieger will; und sie führt leicht zu übermäßiger Anstrengung der Truppen, wo denn in Scharen von Nachzüglern, in zerbrochenen Geschützen und Fahrzeugen aller Art unerhörte Verluste gemacht werden.
     Der dritte Weg ist das Ausbiegen, um die nächsten Abschneidungspunkte zu umgehen und in einer größeren Entfernung vom Feinde mit weniger Anstrengung zu marschieren und so die Eile unschädlicher zu machen. Dieser letzte Weg ist der allerschlimmste, da er gewöhnlich nur wie neues Borgen eines unzahlungsfähigen Schuldners zu betrachten ist und zu noch größerer Verlegenheit führt. Es gibt wohl Fälle, wo dieser Weg ratsam ist, andere, wo er allein übrigbleibt, auch Beispiele, wo er gelungen ist, aber im allgemeinen ist es gewiß wahr, daß weniger die klare Überzeugung, auf diesem Wege das Ziel sicherer zu erreichen, als ein anderer, unzulässiger Grund in denselben hineinzudrängen pflegt. Dieser Grund ist die Angst, mit dem Feinde handgemein zu werden. Wehe dem Feldherrn, der sich dieser hingibt. Wie sehr auch die moralische Kraft des Heeres gelitten habe, und wie gerecht die Besorgnisse sein mögen, bei jedem Zusammentreffen mit dem Feinde von dieser Seite im Nachteil zu sein, so wird das Übel durch das ängstliche Vermeiden aller Gelegenheit dazu nur schlimmer. Bonaparte würde im Jahre 1813 auch die 30 bis 40000 Mann nicht über den Rhein gebracht haben, welche ihm nach der Schlacht von Hanau blieben, hätte er dieser Schlacht ausweichen und bei Mannheim oder Koblenz über den Rhein gehen wollen. Gerade durch kleine Gefechte, die mit Sorgfalt eingeleitet und geführt werden, und wobei dem Besiegten doch immer der Beistand der Gegend bleibt, weil er der Verteidiger ist, gerade durch diese kann die moralische Kraft des Heeres am ersten wieder gehoben werden.
     Unglaublich ist die wohltätige Einwirkung des kleinsten Erfolges. Aber es gehört bei den meisten Führern eine Überwindung zu diesem Versuch; der andere Weg, der des Ausweichens, erscheint im ersten Augenblick soviel leichter, daß er meistens vorgezogen wird. Es ist also gewöhnlich gerade dieses Ausweichen, welches die Absicht des Siegers am meisten befördert und oft mit dem völligen Untergang des Besiegten endet. Wir müssen aber hierbei daran erinnern, daß vom ganzen Heere und nicht von einer einzelnen Abteilung die Rede ist, die, abgeschnitten, durch einen Umweg wieder zu den übrigen zu stoßen sucht; bei dieser sind die Verhältnisse anders und das Gelingen nicht ungewöhnlich. Eine Bedingung bei diesem Wettlauf um das Ziel aber ist, daß eine Abteilung des verfolgenden Heeres dem verfolgten auf gerader Straße nachziehe, um alles, was zurückbleibt, aufzulesen und den Eindruck, welchen die Gegenwart des Feindes immer macht, nicht zu versäumen. Dies hat Blücher in seinem übrigens musterhaften Verfolgungszug von Belle-Alliance bis Paris versäumt.
     Solche Märsche schwächen den Verfolger freilich mit, und sie würden nicht zu raten sein, wenn das feindliche Heer von einem anderen, beträchtlichen, aufgenommen wird, wenn es einen ausgezeichneten Feldherrn an der Spitze hat und seine Vernichtung nicht schon sehr vorbereitet ist. Aber da, wo man sich dieses Mittel erlauben darf, wirkt es auch wie eine große Maschine. Das geschlagene Heer verliert dabei so unverhältnismäßig durch Erkrankte und Ermüdete, und der Geist wird durch die beständige Besorgnis, verloren zu sein, so geschwächt und heruntergebracht, daß zuletzt an einen ordentlichen Widerstand kaum noch zu denken ist; mit jedem Tage werden Tausende von Gefangenen eingebracht, ohne daß ein Schwertstreich fällt. In solcher Zeit des vollen Glücks darf der Sieger keine Teilung seiner Kräfte scheuen, um alles, was er mit seiner Armee erreichen kann, mit in den Strudel hineinzuziehen, entsendete Haufen abzuschneiden, unvorbereitete Festungen zu nehmen, große Städte zu besetzen usw. Er darf sich alles erlauben, bis ein neuer Zustand eintritt, und je mehr er sich erlaubt, um so später wird dieser eintreten.
     An Beispielen so glänzender Wirkungen großer Hauptsiege und großartiger Verfolgung fehlt es in den Kriegen Bonapartes nicht. Wir dürfen nur an die Schlachten von Jena, Regensburg, Leipzig und Belle-Alliance erinnern.

 
     Dreizehntes Kapitel:
     Rückzug nach verlorener Schlacht


     In der verlorenen Schlacht ist die Macht des Heeres gebrochen worden: noch mehr die moralische als die physische. Eine zweite, ohne daß neue, vorteilhafte Umstände ins Spiel kommen, würde zur gänzlichen Niederlage, vielleicht zum Untergange führen. Das ist ein militärisches Axiom. Nach der Natur der Sache geht der Rückzug bis zu demjenigen Punkt, wo sich das Gleichgewicht der Kräfte wieder hergestellt haben wird, sei es durch Verstärkung oder durch den Schutz bedeutender Festungen oder durch große Abschnitte des Bodens oder durch die Ausdehnung der feindlichen Macht. Der Grad des Verlustes, die Größe der Niederlage wird diesen Moment des Gleichgewichts nähern oder entfernen, noch mehr aber der Charakter des Gegners. Wieviele Beispiele gibt es nicht, daß das geschlagene Heer sich in einer geringen Entfernung wieder aufgestellt hat, ohne daß seine Verhältnisse seit der Schlacht sich im mindesten verändert hätten! Der Grund davon liegt entweder in der moralischen Schwäche des Gegners oder darin, daß das in der Schlacht gewonnene Übergewicht nicht groß genug ist, um zu einem nachdrücklichen Stoße zu führen.
     Um diese Schwächen oder Fehler des Gegners zu benutzen, nicht einen Zollbreit weiter zurückzugehen, als die Gewalt der Umstände erfordert, hauptsächlich aber, um das Verhältnis der moralischen Kräfte auf einem so vorteilhaften Punkt als möglich zu erhalten, ist ein langsamer, immer widerstrebender Rückzug, ein kühnes, mutiges Entgegentreten, sooft der Verfolgende seine Vorteile im Übermaß benutzen will, durchaus nötig. Die Rückzüge großer Feldherren und krieggeübter Heere gleichen stets dem Abgehen eines verwundeten Löwen, und dies ist unstreitig auch die beste Theorie.
     Es ist wahr, daß man oft in Augenblicken, wo man eine gefährliche Lage verlassen wollte, hat eitle Förmlichkeiten anwenden sehen, welche einen unnützen Zeitaufwand verursachten und dadurch gefährlich wurden, statt daß in solchen Fällen alles davon abhängt, schnell davonzukommen. Geübte Führer halten diesen Grundsatz sehr wichtig. Aber solche Fälle sind nicht mit dem allgemeinen Rückzug nach verlorener Schlacht zu verwechseln. Wer hier glaubt, durch einige schnelle Märsche einen Vorsprung zu gewinnen und leichter einen festen Stand zu bekommen, begeht einen großen Irrtum. Die ersten Bewegungen müssen so klein als möglich, und im allgemeinen muß es Grundsatz sein, sich nicht das Gesetz des Feindes aufdringen zu lassen. Diesen Grundsatz kann man nicht befolgen ohne blutige Gefechte mit dem nachdringenden Feind, aber der Grundsatz ist dieses Opfers wert. Ohne ihn kommt man in eine beschleunigte Bewegung, die bald ein Stürzen wird und dann an bloßen Nachzüglern mehr Menschen kostet, als die Schlachten der Arrieregarden gekostet haben würden, außerdem aber die letzten Überreste des Mutes vernichtet.
     Eine starke Arrieregarde, von den besten Truppen gebildet, vom tapfersten General geführt und in den wichtigsten Augenblicken von der ganzen Armee unterstützt, eine sorgfältige Benutzung der Gegend, starke Hinterhalte, sooft die Kühnheit der feindlichen Avantgarde und die Gegend Gelegenheit dazu geben, kurz, die Einleitung und der Plan zu förmlichen kleinen Schlachten, das sind die Mittel zur Befolgung jenes Grundsatzes.
     Die Schwierigkeiten des Rückzuges sind natürlich größer oder kleiner, nachdem die Schlacht mehr oder weniger unter günstigen Verhältnissen gefochten, und nachdem sie mehr oder weniger ausgehalten worden ist. Wie man, wenn man sich gegen einen überlegenen Gegner bis auf den letzten Mann wehrt, aus allem ordnungsmäßigen Rückzuge kommen kann, zeigen die Schlachten von Jena und Belle-Alliance.
     Es ist wohl hin und wieder geraten worden *), sich zum Rückzug zu teilen, also in getrennten Haufen oder gar exzentrisch zurückzugehen. Diejenige Teilung, welche der bloßen Bequemlichkeit wegen geschieht, und wo ein gemeinschaftliches Schlagen möglich und die Absicht bleibt, kommt hier nicht in Betrachtung; jede andere ist höchst gefährlich, gegen die Natur der Sache und also ein großer Fehler. Jede verlorene Schlacht ist ein schwächendes und auflösendes Prinzip, und das nächste Bedürfnis ist, sich zu sammeln und in der Sammlung wieder Ordnung, Mut und Vertrauen zu finden. Die Idee, in dem Augenblick, wo der Feind seinen Sieg verfolgt, ihn mit getrennten Haufen auf beiden Seiten zu beunruhigen, ist eine wahre Anomalie; einem furchtsamen Pedanten von Feind könnte man dadurch imponieren, und da mag es gelten, wo man aber dieser Schwäche seines Gegners nicht gewiß ist, soll man es bleibenlassen. Erfordert das strategische Verhältnis nach der Schlacht, sich rechts und links durch abgesonderte Haufen zu decken, so muß so viel geschehen, wie nach den Umständen unerläßlich ist; aber diese Trennung muß immer als ein Übel betrachtet werden, und selten wird man imstande sein, sie am Tage nach der Schlacht selbst schon eintreten zu lassen.
     Wenn Friedrich der Große nach der Schlacht von Kolin und der Aufhebung der Belagerung von Prag in drei Kolonnen zurückging, so geschah es nicht aus Wahl, sondern weil die Stellung seiner Streitkräfte und die Deckung Sachsens es nicht anders zuließ. Bonaparte ließ nach der Schlacht von Brienne Marmont auf die Aube zurückgehen, während er selbst über die Seine sich gegen Troyes wandte; daß ihm aber dies nicht schlecht bekam, lag bloß darin, daß die Verbündeten, anstatt zu verfolgen, sich gleichfalls trennten, sich mit einem Teil (Blücher) gegen die Marne wandten und mit dem anderen (Schwarzenberg), aus Furcht, zu schwach zu sein, ganz langsam vorrückten.

 
     Vierzehntes Kapitel:
     Das nächtliche Gefecht


     Wie es geführt wird, und welches die Eigentümlichkeiten seines Verlaufes sind, ist ein Gegenstand der Taktik; wir betrachten es hier nur, insoweit das Ganze als ein eigentümliches Mittel erscheint.
     Im Grunde ist jeder nächtliche Angriff nur ein gesteigerter Überfall. Auf den ersten Anblick erscheint nun ein solcher als ganz vorzüglich wirksam, denn man denkt sich den Verteidiger überfallen und den Angreifenden natürlich vorbereitet zu dem, was geschehen soll. Welche Ungleichheit! Die Phantasie malt sich auf der einen Seite das Bild der vollkommensten Verwirrung und auf der anderen Seite den Angreifenden nur beschäftigt, die Früchte davon zu ernten. Daher die häufigen Ideen zu nächtlichen Überfällen bei denen, die nichts zu führen und zu verantworten haben, während sie in der Wirklichkeit so selten vorkommen.
     Jene Vorstellungen finden alle unter der Voraussetzung statt, daß der Angreifende die Maßregeln des Verteidigers kennt, weil sie vorher genommen und ausgesprochen sind und seinen Rekognoszierungen und Nachforschungen nicht haben entgehen können, daß dagegen die Maßregeln des Angreifenden, welche dieser erst im Augenblick der Ausführung trifft, dem Gegner unbekannt bleiben müßten. Aber schon das letztere ist nicht immer ganz der Fall, und noch weniger ist es das erstere. Wenn wir dem Gegner nicht so nahe stehen, daß wir ihn gerade unter den Augen haben, wie die Österreicher Friedrich den Großen vor der Schlacht von Hochkirch, so wird, was wir von seiner Aufstellung wissen, immer sehr unvollkommen sein, von Rekognoszierungen, Patrouillen, Aussagen von Gefangenen und Spionen herrühren und schon deswegen niemals recht feststehen, weil diese Nachrichten immer mehr oder weniger veraltet sind, und die Stellung des Gegners sich seitdem geändert haben kann. Übrigens war es bei der ehemaligen Taktik und Lagerungsart noch viel leichter, die Stellung des Gegners zu erforschen als jetzt. Eine Zeltlinie läßt sich viel leichter unterscheiden als ein Hüttenlager oder gar ein Biwak, und eine Lagerung in entwickelten, regelmäßigen Frontlinien auch leichter als in kolonnenartig aufgestellten Divisionen, wie sie jetzt oft vorkommt. Man kann die Gegend, in welcher eine Division auf solche Weise lagert, vollkommen unter Augen haben und doch zu keiner ordentlichen Vorstellung davon kommen.
     Aber die Stellung ist wieder nicht alles, was wir wissen müssen; die Maßregeln, welche der Verteidiger im Verlaufe des Gefechts nimmt, sind ebenso wichtig und bestehen ja nicht in einem bloßen Losschießen. Auch diese Maßregeln machen die nächtlichen Überfälle in den neueren Kriegen schwieriger als in den früheren, weil sie in diesen ein Übergewicht über die schon genommenen haben. In unseren Gefechten ist die Aufstellung des Verteidigers mehr eine vorläufige als definitive, und darum kann in unseren Kriegen der Verteidiger seinen Gegner mehr mit unerwarteten Streichen überraschen, als er es ehemals konnte.
     Es ist also das, was der Angreifende von dem Verteidiger beim nächtlichen Überfalle weiß, selten oder nie hinreichend, den Mangel der unmittelbaren Anschauung zu ersetzen.
     Aber der Verteidiger hat auch seinerseits sogar noch einen kleinen Vorteil darin, daß er sich in der Gegend, die seine Stellung ausmacht, mehr zu Hause befindet als der Angreifende, wie der Bewohner eines Zimmers in demselben sich auch im Dunkeln leichter zurechtfindet als ein Fremder. Er weiß jeden Teil seiner Streitkräfte leichter zu finden und dann leichter zu ihm gelangen, als dies beim Angreifenden der Fall ist.
     Es ergibt sich hieraus, daß der Angreifende bei nächtlichen Gefechten seiner Augen ebensogut bedarf als der Verteidiger, und daß also nur besondere Ursachen zu einem nächtlichen Angriff bestimmen können.
     Diese Ursachen beziehen sich nun meistens auf untergeordnete Teile des Heeres und selten auf das Heer selbst, woraus denn folgt, daß der nächtliche Überfall auch in der Regel nur bei untergeordneten Gefechten und selten bei großen Schlachten vorkommen kann.
     Einen untergeordneten Teil des feindlichen Heeres können wir mit großer Überlegenheit angreifen, folglich umfassend, um ihn entweder ganz aufzuheben oder ihm in einem nachteiligen Gefechte große Verlust beizubringen, vorausgesetzt, daß die übrigen Umstände dazu günstig sind. Eine solche Absicht kann aber niemals ohne große Überraschung gelingen, weil in ein so nachteiliges Gefecht sich kein untergeordneter Teil des feindlichen Heeres einlassen, sondern ausweichen würde. Ein hoher Grad der Überraschung ist aber, mit wenigen Ausnahmen sehr verdeckter Gegenden, nur bei Nacht zu erreichen. Wollen wir also von einer fehlerhaften Aufstellung einer untergeordneten feindlichen Streitkraft einen solchen Vorteil ziehen, so müssen wir uns der Nacht bedienen, wenigstens die vorläufigen Anordnungen zu vollbringen, wenn auch das Gefecht selbst erst gegen Morgen eröffnet werden sollte. So entstehen also alle die kleinen nächtlichen Unternehmungen gegen Vorposten und andere kleine Haufen, deren Pointe immer darin besteht, durch Überlegenheit und Umgehung den Feind unvermutet in ein so nachteiliges Gefecht zu verwickeln, daß er nicht ohne großen Verlust wegkommen kann.
     Je größer das angegriffene Korps ist, um so schwieriger ist das Unternehmen, weil ein stärkeres Korps mehr innere Hilfsmittel hat, sich auch eine Zeitlang nach hinten zu wehren, bis Hilfe kommt.
     Das feindliche Heer selbst kann aus diesem Grunde in gewöhnlichen Fällen gar nicht der Gegenstand eines solchen Angriffs sein; denn obgleich es von außen keine Hilfe zu erwarten hat, so hat es doch in sich selbst Hilfsmittel genug gegen einen Angriff von mehreren Seiten, zumal in unserer Zeit, wo jedermann auf diese so gewöhnliche Form des Angriffs von Hause aus eingerichtet ist. Ob uns der Feind von mehreren Seiten mit Erfolg anfallen könne, hängt gewöhnlich von ganz anderen Bedingungen ab als davon, daß es unvermutet geschehe; ohne uns hier schon auf diese Bedingungen einzulassen, bleiben wir dabei stehen, daß mit dem Umgehen große Erfolge, aber auch große Gefahren verbunden sind, daß also, abgesehen von individuellen Umständen, nur eine große Überlegenheit, wie eben die ist, welche wir gegen einen untergeordneten Teil des feindlichen Heeres anwenden können, dazu berechtigt.
     Aber das Umfassen und Umgehen eines kleinen feindlichen Korps, und namentlich in der Dunkelheit der Nacht, ist auch schon um deswillen tunlicher, weil, was wir daransetzen, wie überlegen es auch sein mag, doch wahrscheinlich nur einen untergeordneten Teil unseres Heeres ausmacht, und man diesen schon eher auf das Spiel einer großen Wagnis setzen kann als das Ganze. Außerdem dient gewöhnlich ein größerer Teil oder gar das Ganze diesem vorgewagten Teile zur Stütze und Aufnahme, welches die Gefahr des Unternehmens wieder vermindert.
     Aber nicht bloß die Wagnis, sondern auch die Schwierigkeiten der Ausführung beschränken die nächtlichen Unternehmungen auf kleinere Teile. Da das Überraschen der eigentliche Sinn davon ist, so ist auch das Durchschleichen die Hauptbedingung der Ausführung; dies ist aber leichter mit kleinen als mit großen Haufen und für die Kolonnen eines ganzen Heeres selten ausführbar. Aus diesem Grunde treffen solche Unternehmungen auch meistens nur einzelne Vorposten und können gegen größere Korps nur angewendet werden, wenn diese ohne genügende Vorposten sind, wie Friedrich der Große bei Hochkirch. Beim Heere selbst wird dieser Fall wieder seltener vorkommen als bei untergeordneten Teilen.
     In der neueren Zeit, wo der Krieg so viel rascher und kräftiger geführt worden ist, hat es allerdings infolgedessen auch öfter vorkommen müssen, daß die Heere einander sehr nahe gelagert und ohne ein starkes Vorpostensystem waren, weil beides sich immer in den Krisen zuträgt, die einer Entscheidung kurz vorherzugehen pflegen. Allein in solchen Zeiten ist denn auch die Schlachtfertigkeit beider Teile größer; dagegen war in früheren Kriegen es häufiger Sitte, daß die Armeen ihr Lager, die eine im Angesicht der anderen, auch dann nahmen, wenn sie eben nichts vorhatten, als einander im Zaum zu halten, und folglich auf längere Zeit. Wie oft hat Friedrich der Große wochenlang den Österreichern so nahe gestanden, daß beide hätten Kanonenschüsse miteinander wechseln können!
     Diese dem nächtlichen Überfall allerdings mehr zusagende Methode ist aber in den neueren Kriegen verlassen worden, und die Heere, welche jetzt in ihrer Verpflegung sowie in ihren Lagerungsbedürfnissen nicht mehr so in sich vollendete selbständige Körper sind, finden es nötig, gewöhnlich einen Tagemarsch zwischen sich und dem Feinde zu lassen. Fassen wir nun den nächtlichen Überfall eines Heeres noch besonders ins Auge, so ergibt sich, daß dazu nur selten genügende Motive vorhanden sein können, die sich auf folgende Fälle zurückführen lassen werden.
     1. Eine ganz besondere Unvorsichtigkeit oder Keckheit des Feindes, die selten vorkommt und da, wo sie vorkommt, gewöhnlich durch ein großes moralisches Übergewicht gutgemacht wird.
     2. Ein panischer Schrecken im feindlichen Heer oder überhaupt eine solche Überlegenheit der moralischen Kräfte in dem unserigen, daß diese allein hinreichend ist, die Stelle der Leitung zu vertreten.
     3. Beim Durchschlagen durch ein überlegenes feindliches Heer, welches uns umschlossen hält, weil hierbei alles auf Überraschung ankommt, und die Absicht des bloßen Davonkommens eine viel größere Vereinigung der Kräfte gestattet.
     4. Endlich in verzweiflungsvollen Fällen, wo unsere Kräfte ein solches Mißverhältnis zu den feindlichen haben, daß wir nur in einem außerordentlichen Wagen die Möglichkeit eines Erfolges sehen.
     In allen diesen Fällen aber bleibt doch stets die Bedingung, daß das feindliche Heer sich unter unseren Augen befindet und durch keine Avantgarde gedeckt ist.
     Übrigens werden die meisten nächtlichen Gefechte so eingeleitet, daß sie mit Tagesanbruch endigen, so daß nur die Annäherung und der erste Anfall unter dem Schutze der Dunkelheit geschieht, weil der Angreifende auf diese Weise die Folgen der Verwirrung, in welche er den Gegner stürzt, besser benutzen kann; dagegen sind Gefechte, welche erst mit Tagesanbruch anfangen, und wo die Nacht also bloß zur Annäherung benutzt wird, nicht mehr zu den nächtlichen zu zählen.
 
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     Lloyd, Bülow.