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B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A

 

 

 

 
Karoline von Günderode
Udohla (1805)

 


 






 




Z w e i t e r  A c t.


G a r t e n .

Nerissa und Elpa.


N e r i s s a.
Geh! Such ihn! ruf ihn! denn ich muß ihn sehen,
420
Ich muß ihn sprechen, führe ihn hierher.

Elpa ab.

Wie ist mir nun? Weh, weh mir Unglücksvollen!
Die Götter Indiens verlassen mich,
Weil ich zuerst abtrünnig sie verlassen,
Und zürnend sieht der Gott von Muhamed
425
Gebete die ich zweiflend zu ihm sende,
Den falschen Dienst, der ungern ihm geweiht,
Der halb noch stets die alten Götter meinet.
So drohen alle Himmelsmächte mir,
Und namenloser Jammer ist mir worden. -
430
Da kommt er! Ach! wie klopft mein krankes Herz!

Udohla und Elpa kommen. Elpa tritt zurück.

U d o h l a.
Welch launig Schicksal hat, o Königs-Tochter!
Des Unbekannten Namen dir genannt?
Was ist es, das mich aus der bunten Menge
Von Tausenden zu deinem Anblick ruft?

N e r i s s a.
435
Ich sah dich vor dem Sultan niederknien
Und flehen für ein schon verlornes Haupt.
Sprich, kanntest du den Jüngling, dessen Vater
Du retten wolltest vor dem Herrn der Welt?

U d o h l a.
Prinzessinn! Was geschah, hab ich erzählet
440
Und mehr als ich erzählte weiß ich nicht.

N e r i s s a.
Du weichst mir aus, es irren deine Blicke
Verlegen, und ein verräthrisch Roth
Sagt mir zu gut was du verbergen wolltest,
Die Lippe selbst, die lügen konnte, bebt.

U d o h l a.
445
Und wenn ich nun des Jünglings Schicksal kenne,
Darf ich es dir Prinzessinn! dann vertraun?
Des Sultans Schwester, des' der ihn verfolget
Der dürstet nach des Unglücksel'gen Blut?

N e r i s s a.
So kennest du Udohla? Ja, du hasts verrathen.
450
Doch zittre nicht für ihn und nicht für dich,
Nein fahre fort mir kühnlich zu vertrauen:
Denn Rettung sinn' ich für den Jüngling jetzt.

U d o h l a.
Du kennest seinen Namen? Nun dann wisse:
Er wandelt an dem Ganges hin und her,
455
Und sucht sein Grab mit lebensmüden Blicken;
Auf Erden blieb ihm nichts zu wünschen mehr.
Drum wenn du retten willst o Königs-Tochter!
So denke seiner nicht. Nein! rette die
Vom Volk der Hindu, die im Kerker schmachten,
460
Erbarme ihres langen Elends dich.

N e r i s s a.
So hat Udohla keinen Bruder, keine Schwester?
Und nichts auf Erden, das ihm angehört?

U d o h l a.
Die einzge Schwester hat er nie gesehn
Dem Vater haben Räuber sie entführt.

N e r i s s a.
465
Man sprach: Bahadar habe sich gerettet
Und keiner wüßte seinen nahen Fall.
Warum entfloh er nicht, eh er gefangen
Sich lieferte in seiner Feinde Hand?

U d o h l a.
Er mochte sich vom Vaterland nicht scheiden.

N e r i s s a.
Reicht Udohla eine Kette.
470
Nimm diese Kette und gedenke mein
Wie ich der Unglücksel'gen denken werde
Die du durch mich errettet wissen
willst.

ab mit Elpa.

U d o h l a.
O süßer Ton! von solchen süßen Lippen!
Jetzt bricht der Tag erst meines Lebens an,
475
Ein Tag, belebend wie die Morgenröthe
Und lind und traulich wie die Mitternacht.
Zu welchem Gotte will ich jetzo wallen
Vom Mord-Gedanken zu entsühnen mich?
O all ihr Götter! Ich hab schwer gefrevelt,
480
Denn schöner ist das Leben als der Tod.


Z i m m e r  i m  P a l l a s t .

Der Sultan sitzt gedankenvoll.
Nach langer Pause erscheinen Mangu und Sino.


M a n g u.
Mein Herrscher! Achmed, der an deinem Hofe -

S u l t a n.
An meinem Hofe? Achmed? Nun so sprich!

M a n g u.
Er heißt nicht, so wie er sich dir genennet,
Er ist Bahadars, des Verräthers Sohn.

S u l t a n.
485
Wer sagt es? und woher willst du's beweisen?
Bahadars Sohn? Unglaublich ist es fast.

M a n g u.
Ich war zugegen Herr! als er gefangen
Durch deiner treuen Knechte Eifer ward,
Und als er flehend vor dir niederkniete
490
Entsann ich dunkel dieses Jünglings mich;
Noch zweiflend wagt ichs nicht ihn anzuklagen:
Doch heute ist sein Frevel mir gewiß;
Aus der Entfernung treten seine Züge
Bestimmt und kenntlich vor mein forschend Aug.

S u l t a n.
495
So such ihn auf, und laß ihn zu mir kommen,
Bis dahin aber will ich einsam seyn.

S i n o.
Du irrest wohl, wie leicht trügt nicht das Auge!
Was soll der Jüngling an des Sultans Hof?

M a n g u.
Bahadars Blut fließt in des Jünglings Adern,
500
Sein giftig stolzes, ungezähmtes Blut.
Was kann er anders als auf Tücke sinnen
Und was ist frech genug für dies Geschlecht?

S i n o.
Du suchst Verdammliches zu finden;
Der ungerechte Eifer reißt dich fort.

M a n g u.
505
Ha! ich vergaß, mit wem ich dies gesprochen,
Du bist ein Hindu. Wohl, wir kennen euch;
Auf eure Treue dürfen wir nicht trauen,
Ihr neigt euch stets zu unsern Feinden hin.

S i n o.
Ich weiß, du wirst mich nimmer kennen lernen,
510
Unmöglich ist's, was hofft ich auch darauf?

Mangu bleibt eine Weile gedankenvoll stehn, geht dann ab.

So brich denn endlich deines Schweigens Bande
Mein lang gezähmt nur allzu duldsam Herz!
Weh uns! Weh uns! In Sclaverei geboren
Bricht nichts die starken Ketten als der Tod.
515
So tief sind wir gesunken, daß vom Ruhme
Von dieses Landes alter Herrlichkeit
Nur eine Sage unser Ohr erreichte,
Ach! eine Sage, die wir kaum verstehn -
Der Himmel liebt uns, ja die Sonne selber
520
Schickt liebevoll uns ihre Strahlen zu;
Und mag von uns das Auge nimmer wenden
Indeß sie andern Völkern karg sich schenkt,
Ja, alle Götter sie sind uns gewogen.
Zur Wiege weihten sie sich dieses Land
525
Weil es zuerst sich aus dem Meer erhoben,
Und nun in Ketten seufzt es jammervoll. -
O wann wird neu die Erde sich gestalten?
Wann bricht der Zeiten bessrer Morgen an?
Geduld mein Herz!, er muß ja endlich kommen,
530
Es leben deine alten Götter noch.
Sie leben, neu die Welt sich zu erzeugen,
Vielleicht ist schon die schönre Stunde nah.

Mangu kommt.

M a n g u.
Ich möchte dir, o Sino was vertrauen
Das sonderbar, doch höchst erfreulich ist.
535
Es kam von Aude ein vertrauter Bote
Und brachte diesen Siegel-Ring und Brief,
Worin Nerissa mir die Königs-Tochter schreibet
Wie tief sie nun bereue ihre Flucht,
Wie sie zurück sich zu dem Bruder sehne,
540
Wenn er verzeihen könne ihre That.
So spricht der Brief, und daß ich glauben möge
Fügt sie hinzu des Königs Siegel-Ring.

S i n o.
Unglaublicher Betrug! Wer mag ihn denken!
Wem darf man glauben, wen der Lüge zeihn?

M a n g u.
545
Der Aga hat mir ins Geheim gestanden,
Daß Todes-Furcht ihn zum Betrug verführt;
Daß ein geraubtes Mädchen er gezwungen
Und überredet habe zu dem Schritt,
Als unsers Sultans Schwester zu erscheinen;
550
Und wie ihn Elpa habe unterstützt.

S i n o.
Wohl weiß ich, wie sie uns verändert däuchte
Nerissa, wie so anders ganz als sonst.

M a n g u.
Ja auch dem Sultan schien sie ganz verändert.
In Lieb entbrannte bald sein Geist zu ihr;
555
So hat sein Herz ihn dennoch nicht betrogen
Als es zu dieser Fremden ihn gezogen,
Nicht zum Verbrechen hat es ihn geführt.

S i n o.
So geh! Entdeck ihm, was du hast erfahren,
Verschiebe seines Glückes Stunde nicht.


G a r t e n .

N e r i s s a.
560
Mein Schicksal, es muß jetzt entschieden werden.
Entflieh ich einsam? Such ich jenen Pfad,
Den alten, wohlbekannten, den ich oft betreten
Beim Sternenschein, in Mitternacht gehüllt?
Es sey. Ich scheide; doch mit trüber Seele.
565
Ich suche jenes Felsen stille Kluft
In der mit meinem Vater lang verborgen
In einsamer Betrachtung ich gelebt;
Dort soll Vergangenheit mir Zukunft werden,
Die große Vorwelt will ich wieder schaun,
570
Geschicke, die verflossen, wieder suchen,
Die alten Götter neu versöhnen mir. -
Am Ganges wallt der Bruder auf und nieder,
Und sucht sein Grab mit lebensmüdem Blick;
So sagte Achmed. Ja, ich will ihn suchen,
575
Wie mit dem Vater theilen sein Geschick.
Es schwimmt ein lieblich Bild vor meinem Auge
Das ich so gerne Bruder nennen mag.

Elpa kommt.

E l p a.
Du wirst gesucht, der Sultan will dich sehen,
Er selber sucht mit großer Eile dich.

N e r i s s a.
580
Mich suchen wird er oft noch und nicht finden.
Geh! Sag es ihm, ich kann ihn jetzt nicht sehn.

E l p a.
Wie darfst du dich dem Herrscher widersetzen?
Er schien so dringend und so tief bewegt!

N e r i s s a.
O Himmel! Muß ich dieses noch erfahren,
585
Muß ich des Mörders Antlitz doch noch sehn!
Die Stimme die mir werth ist wieder hören
Und denken, daß sie jenes harte Wort,
Das grause Todes-Urtheil ausgesprochen,
Das mich von seiner Liebe immer trennt.

E l p a.
590
Dein irrer Sinn hat schauervolle Worte
Herauf getrieben aus der Seele Grund,
Die gleich den giftgen Pflanzen Unheil säen;
Und besser wäre mir, ich hört' es nicht:
Drum will ich ungedeutet es vergessen,
595
Vergraben, eh es schlimme Früchte trägt.

N e r i s s a.
Hast du nicht frevlend selbst es mir entrissen,
Das Wort das bebend meine Lippe spricht?

E l p a.
Komm, eh der Sultan so gestimmt dich findet,
Erscheinen darfst du also nicht vor ihm.

Beide ab. Udohla kommt.

U d o h l a.
600
Nur wenig Worte hatte sie zu sagen,
Warum erfüllten sie die Zeiten nicht,
Die Zeiten alle bis zum letzten Tage? -
Der Himmel jauchzt mir ihren Namen nach,
Ihn flüstern leise alle Frühlings-Lüfte -

Sino kommt.

S i n o.
605
Du bist noch hier? Udohla! Weißt du nicht,
Daß du dem Sultan gänzlich bist verrathen?
Daß er es weiß, du seyst Bahadars Sohn?
Was du zu fürchten hast, magst du erwägen,
Drum fliehe, eh das Aeußerste geschehn.

U d o h l a.
610
Entfliehen Freund! Klein ist für mich die Erde.
Denn wo sie wallt ist Leben nur für mich,
Und wo sie nicht ist, da ist öde Leere. -
Es haben diese Bäume sie gesehn
Und diese Luft hat schmeichlend sie gekühlet,
615
Drum sind sie meine Heimat mir und Welt.

S i n o.
Noch weiß ich nicht, wen deine Worte meinen.
Doch bleibe, denn noch Rettung find ich dir;
Nerissa wird dem Sultan sich vermählen,
Verschwunden ist das Nachtgespenst der Furcht,
620
Das seine Liebe lang von ihr getrennet.
In dieser Freude wird er dir verzeihn.

U d o h l a.
Ich weiß genug. Versuche nicht zu retten,
Den dieses Wort auf immerdar verdammt.
Ich gebe gern und willig mich verloren,
625
Geschauet hab ich doch des Lebens Glanz.
Es hat mich hold wie eine Braut umfangen,
Die schüchtern nur und halb sich offenbart,
Doch ich hab ihren süßen Reitz errathen,
Und standhaft geb ich ihr den Abschieds-Kuß;
630
Und wenn der Sultan mich zum Tode sendet,
Raubt er ein Leben nur das jetzt schon endet.

S i n o.
Mein Herz hat liebend sich zu dir beweget;
In deiner Jugend wollt ich auferstehn,
Dir meines Lebens reife Früchte bieten
635
Und knüpfen an die Vorwelt dich durch mich,
Mich an die Nachwelt; ja durch deine Lippen
Wollt ich der Zukunft manches anvertraun.
Das ist nun nicht; du reibst in wildem Treiben
Und irrem Streben deine Jugend auf.
640
Ich sah dich frevlend Todes-Götter rufen,
Dann wieder jauchzen in des Lebens Lust:
Jetzt willst du rasch dem Leben schon entsagen,
Zu träg und stolz zur Rettung was zu wagen.

U d o h l a.
Was willst du mir? Vorbei sind meine Blüthen
645
Und keine Früchte ließen sie zurück.
Kann ich des Himmels Winden auch gebieten,
Daß sie nicht knicken meines Lebens Halm?
Laß ab von mir, daß deines Herzens Hälfte
Ich nicht hinunter reiße in die Gruft.
650
Vertraue meiner Brust nicht deine Saaten,
Sie würden schön und kräftig nicht erblühn,
Nein, mit mir würden sie im Grab vermodern,
Und wie ich selber spurlos untergehn.

S i n o.
So hat die Ahndung dennoch mich betrogen
655
In der du so bedeutungsvoll mir schienst!
Das Schicksal wähnt ich müsse etwas meinen,
Da es so wunderbar dich hergeführt.
So irrt ich mich; du kamst nur um zu gehn,
Du warst ein Gast in meiner Liebe nur;
660
Und dennoch muß ich stets auf Rettung sinnen,
Und ungern wie mich selbst geb ich dich auf.

Der Sultan, Mangu und Gefolge kommen.

S u l t a n zu Mangu.
Geh! Eile, denn ich will sie hier erwarten,
Ich dulde dieses Zögern länger nicht. - (Pause)
Du Achmed! Sag ist's wahr, was ich vernommen,
665
Man sagte mir: du seyst Bahadars Sohn?

U d o h l a.
Herr! es ist wahr, was du von mir vernommen.

S u l t a n.
So ists auch wahr, daß dir der Tod gebührt.

U d o h l a.
Wenn du gebietest, Herr! so muß ich sterben.
Ich weiß es, und ich bin darauf gefaßt.

Nerissa und Mangu kommen.

S u l t a n ihr entgegen.
670
Die Scheidewand, Geliebte! ist zerfallen,
Und du bist mein. Ja Liebe du bist mein.
Wie konntest du mich lang so grausam quälen,
Und mir verbergen ein so wonnig Glück?

N e r i s s a.
Wo find ich Töne doch zu diesem Worte,
675
Vor dem die blasse Lippe zaghaft bebt?
So wisse denn, ich bin von dir geschieden
Auf immerdar durch deine eigne That;
Des Vaters Blut belastet deine Seele,
Bahadars Tochter ist's, die vor dir steht.

S u l t a n.
680
O Allah! (Er verhüllt sich)

U d o h l a.
Welch süßer Traum umfängt mir hold die Sinne?
Sag, Sino! wird der schöne Traum vergehn?
O schweige, daß ich nie erwachen möge!
Ewana, meine Schwester wäre sie?

N e r i s s a.
685
Wie? Hör ich recht? Ist Achmed nicht dein Name?

S i n o.
Er ist dein Bruder, ist Bahadars Sohn.

Udohla eilt auf sie zu, sie sinkt in seine Arme.

Lange Pause.


S u l t a n.
Wie sie in dieses Jünglings Armen ruhet,
Ein Anblick, wie der Hölle Qualen mir!

N e r i s s a.
Es hat dein Wort des Vaters Blut vergossen;
690
Ich richte nicht, ob er es auch verdient;
Doch dieser theilte niemals sein Vergehen,
Er hat sein Schwerdt nicht gegen dich geführt.
Drum sey ihm gnädig, auch um meinetwillen,
Und laß mich ruhig mit dem Bruder ziehn.

S u l t a n.
695
Vergißt du so, was es mich kosten könne,
Wenn ich, o Theure! dich entlassen muß?
Du siehst sie nicht die tiefe, schwere Wunde,
Die du unheilbar meinem Herzen schlägst.
Du eilst dahin in frohem raschem Muthe,
700
Indeß ich langsam, schmerzlich mich verblute.
Umsonst hält Stolz den tiefen Schmerz gefangen,
Er sprengt die Fesseln, Freiheit zu erlangen.

N e r i s s a.
Nicht also Herr! Es trübet meine Seele,
Wo ich auch sey, Erinnerung an dich.
705
Und tief empfind ich, da ich von dir scheide
Daß ich gewaltsam los mich reißen muß.
Doch muß ich; denn ich bin von dir getrennet
Durch alles, was dem Menschen heilig ist,
Durch meines Volkes Sitten und Gesetze.
710
Drum laß mich ziehen, bleiben darf ich nicht.

S u l t a n.
Lebt wohl denn, ihr, die ich soll nimmer sehen,
Ihr holden Augen! Anmuthsvoll Gestirn
Das über meinem Leben aufgegangen!
Weissagend Licht! das Wonne mir verhieß,
715
Das all mein Schicksal schmeichlerisch gelenket
Das treulos sich in Wolken nun versenket. -
Nerissa, geh! Du hast mein Herz zerrissen,
Ich werde traurend zu den Todten gehn.

ab.

U d o h l a.
Ewana komm! Wir gehen nach Bengalen
720
Des Oheims einsam Alter zu erfreun.

S i n o.
Dein Schicksal, junger Freund! ist nun entschieden,
Doch unsers birgt die ferne Zukunft noch,
Die Zukunft die ich nicht erleben werde,
Den Aufgang, den dies Auge nicht wird sehn.
725
Oft war mir, leicht getäuschet, ich erblicke
Im Osten schon des Morgens Purpur-Saum
Der Indiens Tag nach langer Nacht verkünde.
Oft däuchte mir, ich hör des Vogels Ruf
Der ahndungsvoll die Sonne früh begrüßet.
730
Ich irrte mich, der Tag ist noch nicht da.
Doch du, o Freund! Du wirst vielleicht ihn sehen,
Und kommt er, Jüngling! dann gedenke mein,
Und hilf des Volkes schwere Ketten sprengen;
So lohne die geraubte Liebe mir.
735
Dann will ich gern von dir die Trennung dulden,
Weiß ich es nur, ich gab der Zukunft dich. -
Durch Zeichen wird der Himmel offenbaren,
Wann er dem großen Werke günstig ist.
Bis dahin dulde schweigend seinen Willen,
740
Und hoffe auf des Gottes Wiederkehr.
 
 
 
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