SCHUBARTGYMNASIUM AALEN

           
 

Abiturjahrgang 1957

Eine Rückschau

     
   

Die Abizeitung

 


 

 

 


 

 


 

E i n

O s t e r - G e d a n k e n s p a z i e r g a n g

 

Von der Schule befreit sind wir nun endlich

Durch das Abitur - o großes Glück!

So werfen wir noch einen letzten Blick

Auf jene neun Jahre, in denen wir sämtlich

Belehrt und erzogen wurden, zurück.

So manchen Morgen, um sieben Uhr,

Betraten wir jene düsteren Hallen.

Voll Freude? Nein, davon keine Spur.

Die "Aktivisten" nur sah man wallen

Mit erhobenem Haupt und begeistertem Blick;

O, glücklich die, die das Geschick

Zum Lernen begabt, zum Schanzen geboren.

Uns andere hat es zum Pennen erkoren.

So kämpften wir heldenhaft Stunde um Stunde

Gegen Langeweile und Schlaf so manche Runde.

Doch hatte die Schule auch ihr Gutes,

Wir lernten viel und waren frohen Mutes,

Wenn wir eine Klassenarbeit konnten - verschieben,

Denn gern haben wir nie eine geschrieben.

Die Lehrer machten sich viel Arbeit,

Uns etwas Gescheitheit beizubringen -

Doch unser chronisches Übel, die Faulheit,

Ließ das Werk nur zur Hälfte gelingen.

Trotz alledem ist viel hängen geblieben,

Sonst hätten wir nicht unser "Abi" geschrieben!

Und deshalb schulden wir großen Dank

Unseren Magistern, die uns Mädchen und Knaben

Neun Jahre in der Schule Bank

Zu "reifen" Menschen erzogen haben.

Gaudeamus igitur!

So wollen wir uns also freuen;

Wir haben die Schule nun hinter uns - nur,

Vielleicht wird es uns noch ein bißchen reuen.

Es war doch eine schöne Zeit.

So stürzen wir uns in des Lebens Getümmel,

In der Freiheit ist unser wahrer Himmel,

Begeistert stimmen alle ein:

Nun bin ich Mensch, nun darf ich's sein!

 

Adolf Knittel.


 

 

Höret, o Leute, ich will euch von jenem Magister berichten,

Der uns, dieser vortreffliche Kenner der griechischen Mythen

Oft überflutet mit Goethe und Schiller und Dichtern der Klassik;

Schlichen auch manchmal die Stunden, sich mühsam nur schleppend, vorüber,

Ruhten wir doch uns prächtig aus für kommende Taten.

Und so will ich im jambischen Versmaß vom Jambus erzählen.

Zwar, es gibt der Jamben so viele im Reiche der Dichtung,

Doch, hier ist nur der eine gemeint, der zweifüßige Jambus.

 

Mit langen Schritten wandert er,

Indem er Goethes "Faust" erklärt,

Vor unserer Klasse hin und her

- die Zahl der Schlafenden sich mehrt. -

 

Doch plötzlich läßt er Fausten sein

Und wendet sich der Ecke zu,

Wo zwei mit ihren Schwätzerein

Durchdringen tiefe Grabesruh'.

 

"Gehn Sie hinaus - hopp, hopp - spazieren",

So ruft er und macht großen Krach;

"Sie könnten besser sich aufführen!"

- die letzten Schläfer werden wach. -

 

Nachdem nun alle aufmerksam,

Nimmt er den Beutler-Kommentar;

Das macht uns aber keinen Gram,

Wir träumen süß und wunderbar.

 


 

 

Wer stürmt denn da zur Tür herein?

Das kann nur Master Plinius sein.

"Ach, wissense, liebe Leute,

So machen wir es heute:

Mit Bismarck können wir's morgen probieren

Heute woll'n wir "Rock around the clock" diskutieren."

Wir roll'n und rock'n in einem Zug,

Die Stunde vergehet wie im Flug.

Die nächste Stunde rückt heran:

"So wenig haben wir getan?

Da sprudelt mal von euch gleich einer,

Wer macht's freiwillig? Wieder keiner?!"

Da kann er es sich nicht verkneifen,

Uns nun ein wenig anzupfeifen,

Doch nehmen wir es gern in Kauf.

So ist nun mal der Schule Lauf.

 

Tagelang wird nichts getan,

Aber dann geht Plickert 'ran.

Wir kommen beinah' außer Puste

Bei diesem Hausaufgabenwuste

Und wenn dann eine(r) mal nichts kann,

Kommt er/sie bei ihm sehr schlecht an:

"Nee, wissense, nee, das geht nicht so weiter,

Was denken Sie sich, das wäre ja heiter.

Ich werd' Ihnen 'ne Fünf aufs Auge drücken,

Sie brauchen gar nicht mit Gretchenblicken

Etwa versuchen, mich weich zu machen,

Sie Dummkopf, Sie, das wär' ja zum Lachen!"

 

Und jeder Schüler sehen kann,

Daß Plinius ein kluger Mann:

Nicht in der Schul' nur kann er was,

Auch andere Dinge machen ihm Spaß.

Bei Ausflügen schlägt er jeden Rekord

Er rast wie der Blitz von Ort zu Ort,

40 km sind nichts für ihn,

Dagegen sind wir Schüler hin.

Ja, Plickertchen, unser Klassenboß,

Von Kopf bis Fuß ist er ganz groß.

 



 

"Herrschaften, Sie fühl'n sich wohl schon als Barone?"

So fragt er uns in tadelndem Tone,

Denn wir wollen nicht mehr viel tun,

Nach der schriftlichen Prüfung, lieber ruhn.

Unser Sb aber ist unermüdlich,

Und wenn wir nicht mitmachen, ist er nicht friedlich:

"Im Schriftlichen haben viele versagt",

So hört man's von ihm und oft er klagt:

"Wär'n einige von Ihnen doch ausgetreten,

Es wär' besser, wenn Sie was anderes täten,

Werden's doch Maurer, Metzger, Schreiner,

Bloß Mathiker, das werden's keiner!"

Bei ihm muß man Übungshefte führen

Und Integrale integrieren;

Jeder muß an die Tafel 'ran,

Denn Sb ist da ein strenger Mann.

Und geht's nicht gleich, wie er es will,

So hören wir oft sein Ärger-Gebrüll:

"Sie können rechnen, wie ... mein Hintern!"

(Das kann einem die Lust schon mindern)

Doch wenn wir gut rechnen, macht es ihm Spaß,

Und dann erzählt er uns öfters was:

Wie es frühere Schüler beim Abi machten,

Worüber wir oft herzlich lachten,

Von Lappland, vom Krieg und von den Sternen;

So macht er angenehmer das Lernen.

Auf Ausflügen war er voller Späße,

Wenn auch alles troff vor Nässe.

So trennen wir uns ungern denn,

Unser Sb war unser "Grand Old Man".

 

 



 

S t r e i f l i c h t e r

a u s   d e m   P h y s i k s a a l

 

Wie wir vom Physiker der Schub Gym.b.H., Studienapparat Zaun erfahren, ist das CGS-System um einige Meßgrößen bereichert worden. Als Maß für den Fleiß wurde 1 Rosenberg eingeführt, die Geschwindigkeit beim Sprechen wird mit B-Rehn gemessen, wobei 1 B-Rehn gleich 10 hoch 3 Wörter je Minute ist. Ob das Meter weiterhin Längenmaß bleibt, ist sehr fraglich, da zur Zeit die führenden Köpfe der Universitäten Paris und London in einem heftigen Meinungsstreit begriffen sind. Die Engländer wollen nämlich den Urmeter in Paris nicht mehr anerkennen und verlangen kategorisch die Einführung des "Urfußes". Wahrscheinlich werden hier die Deutschen die lachenden Dritten sein, denn das neue deutsche Längenmaß 1 Mallwitz dürfte sich - über kurz oder lang - sicher durchsetzen.

 

-äh-

 

D i e   M a c h t

d e r   G e w o h n h e i t

 

Wenn Schüler im Unterricht unangenehm auffielen, pflegte ein Musiklehrer sein Zeugnisbuch hervorzuholen und diese Schüler auf eine 4 zu prüfen. Längere Zeit nach dem "Schriftlichen" hatten sich wieder einmal in der Singstunde drei Pennäler durch besonders satirische Zwischenbemerkungen hervorgetan, als besagter Lehrer zornentbrannt unter das Pult griff, das Zeugnisbuch hervorholte und aufschlug. Im letzten Moment noch sah er jedoch die völlige Zwecklosigkeit des geplanten Vergeltungsmanövers ein und ließ das Buch wieder verschwinden.

 

-jungs-

 

 



 

D e r   g e f e s s e l t e

G e i s t

(oder Befreiung von der Mathematik)

 

Was schläfst und träumst du, Jüngling! Gehüllt in dich,

Lehnst in der harten Schulbank, Geduldiger!

Und achtest nicht der Lehren, die dir

Der Studienrat zu geben bemüht ist?

 

Die Aufgaben, die er an der Tafel macht,

Erregen sie denn dein Interesse nicht?

Und trifft das Wort dich nicht, das laut von

Vorn der paukende Alte dir sendet?

 

Schon tönt, schon tönt sein Name ihm laut im Ohr,

Als er noch sanft im Reiche der Träume weilt

Aufwachend kehrt er zurück in die

Öde, langweilige Mathematik

 

Und besinnt sich, doch weiß er die Frage nicht, die

Der Lehrer ihm stellte und schweigend hört er

Vorwurf um Vorwurf, was ihn nicht rührt;

In seinen Gedanken aber verwünscht

 

Er den Pauker samt Sinus und Kotangens,

Differentialen und Rectascensionen;

Von Göttern ein baldiges Ende

Sehnend, wünscht er sie zum Orkus hinab.

 

Der Frühling kommt, es dämmert die Freiheit ihm

Er wandelt unter den Abiturienten

Und nirgends muß'er bleiben, wo ihm

Fade Mathematik den Geist beengt.

 

      Alcäus.

 

 



D a s   A b i

i n   e x p r e s s i o n i s t i s c h e n   V e r s e n

 

Prolog

 

"Abi machen

Nichts zu lachen",

Ganzes Jahr

Lehrer reden:

"Letztes war

Schwer für jeden,

Reifeprüfung

Fleiß und Übung!"

 

Schüler bangt

Schanzend hangt

Über Büchern

Wühlt und lernt

Schweiß mit Tüchern

Wird entfernt.

Ohne' Frage

Große Plage!

 

Das "Schriftliche"

 

Dienstagmorgen

Voller Sorgen

Warten, harren,

Platz einnehmen!

Füße scharren. . .

Aufsatzthemen?

Kopf voll Goethe

Mädchen: Röte.

 

Papier liniert

Alles schmiert

Konzept blauend.

Aufsicht äugt,

Aus Füller, kauend,

Idee gesaugt.

Geht so weiter

Vier Tage - heiter!

 

Das "Mündliche"

 

Angst baucht

Prüfung schlaucht.

Viele Fragen

Pauker stellt,

Wenig zu sagen. . .

Hoffnung fällt.

Nicht lange drin,

Doch nachher hin!

 

Drei Mann Skat,

Prüfungsrat. . .

Schüler zagt

In Sorgen-Banden

Bis Chef sagt:

Alle bestanden!

Sorgen zerflossen,

Beim Kommers begossen.

 

Epilog

 

Freiheit winkt

Alles trinkt,

Weint, schnapst, biert

Im Keller unten

Triumphiert

Manche Runden.

Selbstbewußt,

O welche Lust!

 

 



 

M a t h e m a t i k :

 

Die Erde bewegt sich auf einer epileptischen Bahn um die Sonne.

 

Wenn ich die vier Seiten des Dreiecks mit meinen Fingern betrachte. . .

 

Fehlt von den Anwesenden jemand?

 

Beim Abitur wollen wir euch nicht zu Tod schlauchen.

 

Man soll den lieben Gott einen guten Tag sein lassen.

 

D e u t s c h :

 

Das nächste Mal bringen Sie Ihren Verstand mit.

 

Das Motorrad ist kein Fahrzeug, sondern eine Todesart.

 

Diese Klasse ist ein Konglomerat aus Faul und Schleim!

(eine Viertelstunde später:) Ich will also grünes Gras über den Schleim wachsen lassen.

 

Ein gutes Lustspiel ist immer noch besser als eine schlechte Komödie.

 

P h y s i k :

 

Wenn man eine gerade Ebene schief hinlegt, dann ist es eine schiefe Ebene.

 

Schüler: Das Spektrum ist ein Spektrum 2. Ordnung, denn es ist nicht ganz rein.

 

Mit zunehmenden Alter der Erde werden die Atome müde.

 

Z e i c h n e n :

 

Das mit den dicken Frauen bei Rubens habe ich früher nie verstanden. Später bin ich

dann dahinter gekommen.

 

Ich bin der Gaul, der zieht, und ihr seid der Karren, der bremst.

 

G e m e i n s c h a f t s k u n d e :

 

Die kleinste Gemeinheit ist die Familie.

 

Die Familie ist eine Garage.

 

Die Jugendhilfe ist hauptsächlich für das Altersheim.

 

Drohung: Bei Philippi sehen wir uns wieder!

 

E n g l i s c h :

 

Sie machen Fehler wie Adam und Eva, deshalb wurden sie auch aus dem Paradiese

ausgewiesen.

 

Dieser Vergleich hinkt auf sämtlichen verfügbaren Beinen.

 

Sie Feld- Wald- und Wiesendummkopf! Sie ulkiges Würstchen, Sie!

 

Ich werde Ihnen gleich mal 'ne Fünf aufs Auge drücken.

 

Das ist ja ein Unsinn sondershausen!

 

C h e m i e :

 

Bleizucker: schleichendes Gift = Erbschaftspülverchen.

 

Wenn Sie reif werden wollen, muß man aber noch viel Mist zuführen!

 

B i o l o g i e :

 

Es gibt bei Tieren Degeneration: z.B. beim Mais Zwergenwuchs.

 

 

+   +   +

 

D i e   L ü g e n a f f ä r e

 

Es war in der achten Klasse. Ein Lehrer erschien am frühen Morgen und erklärte, daß sich einige über seine Unterrichtsmethoden beschwert hätten. Wir waren verblüfft, da keiner etwas davon wußte. Als man sich auf dem Rektorat nach dem Tatbestand erkundigen wollte, wußte man hier von nichts. Doch besagter Lehrer brachte Zeugen. Wem sollte man glauben? Es ist einfach der Wurm drin.

 

+   +   +

 

Ein Schüler ist, vom kaufmännischen Standpunkt betrachtet, während seiner Schulzeit eine Kommanditgesellschaft, beim Abitur aber eine G.m.b.H.

 


 


 



N O N   S C H O L A E

S E D   V I T A E   D I S C I M U S

 

Also, dann hören Sie mal zu, Lange, ich will Ihnen einiges erzählen, dann verstehen Sie mich nachher sicher viel besser. Sie sind ja jetzt ein reifer, wenn auch noch etwas halbstarker Mensch, dann können wir ruhig offen miteinander reden.

 

Ich habe meinen Unterricht nie falsch gegeben, sondern bin nur öfters falsch verstanden worden. Besonders damals, als ich bei Ihnen von Zwinglis Privatleben, Luthers Heiratsbureau, der christlichen Ammenmilch in jüdischen Familien, dem sittlichen Notstand der heutigen Jugend und vielen anderen aktuellen Themen des Unterrichtsplanes gesprochen habe. Es hat mir Freude gemacht, so offen mit Ihnen über solche Dinge zu reden und Ihnen sicher auch. Aber warum nicht allen?

 

Daß ich eine Professur im Ausland hatte, hab' ich Ihnen auch oft genug erzählt. Warum lächeln Sie denn darüber? Werden Sie doch erst mal Professor in Deutschland, schon das ist gar nicht so einfach!

 

Sehen Sie, auch Ihre Freizeitgestaltung ist so interessant, daß ich sie den anderen Schülern nur immer als mahnendes Beispiel vorsetzen kann.

 

Einträge geb' ich nur mit Widerwillen und auch dann nur, wenn ich mich eben einfach nicht mehr anders durchsetze.

 

In der Literatur betätige ich mich auch, aber nur,um der Sache willen - und, weil ich glaube, daß es eben einfach zu wenig gute Schriftsteller gibt. In meiner grenzenlosen Bescheidenheit schreibe ich sogar anonym, denn Lobgesang bringt mich immer zum Erröten. Man muß seine Mitmenschen eben ab und zu mit einem netten Artikel erfreuen.

 

Gegen Politik hab' ich eine Abneigung. Ich betätige mich da nur, wenn es unbedingt sein muß, wenn sie einen Mann fordert.

 

Von meinen Weltreisen und den Lastern der obersten Gesellschaftsschicht, mit der ich durch meinen Beruf in Berührung kam, hab' ich Ihnen auch oft und gerne erzählt. Meine Ansicht über den Mercedes 300 kennen Sie auch.

 

Meine waidmännische Tätigkeit hat die Presse schon eingehend gewürdigt, da brauch' ich nichts mehr hinzuzufügen. Die netteste Hasenjagd ist aber für mich immer noch das Abitur. Dumm ist nur, daß man schon bald selbst Hase werden kann. Aber wissen Sie schon, wann ich meinen größten Bock geschossen habe? Nicht? Das war ein Vierzehnender. Ha! Ha! guter Witz!

 

Aber erinnern Sie sich noch an das Tagebuch? Nun ja, es war eben weg. Ich hab' Ihnen dann mit "Watson" ins Gewissen geredet. Ich legte ihm die Hand auf die Schulter, ich trat neben ihn und ich sagte, daß wir Räte uns durch Ihr Verhalten ins Gesicht geschlagen fühlten.- Ich wollt's mit der sanften Tour versuchen, aber der große Chemie-Kopf schüttelte nur unwillig meine Hand ab, trat einen Schritt vor und erklärte in militärischem Ton, er fühle sich durchaus nicht geohrfeigt, aber das ganze sei eine unverschämte Dummheit und Ge-Heim-heit. Ich fand das unkollegial, es könnte vielleicht so ausgesehen haben, als wolle er zeigen, daß er mich nicht für voll Seinesgleichen nimmt, aber was kann ich gegen einen Hünen machen? Ich werd' ihm eben, ich bin ja so friedfertig und aufrichtig, später mal wieder freundschaftlich auf die Schulter klopfen. Warum sollte ich auch nicht?- Er hat ja schließlich auch einen Volkswagen.

 

 



S t o ß s e u f z e r

e i n e r

A b i t u r i e n t i n

 

Wir armen, armen Mädchen

Sind gar so übel dran,

Ich wollt, ich wär' kein Mädchen,

Ich wollt, ich wär' ein Mann.

Geht man voll Freud und Wonne

Und kindlich frohem Sinn

Bei Regen oder Sonne

Zur lieben Schule hin

Und denkt sich gar nichts Böses

Und freuet sich der Welt

Und freut sich auf die Stunde

Und den, der sie uns hält.

Da stehn sie schon zusammen,

Die Männer wollen sein,

Und lachen und verdammen,

Worüber wir uns freu'n:

Macht man die neue Mode

Auch nur ein bißchen mit,

Sie ärgern uns zu Tode

Mit unserm neuen Schnitt.

Ist noch so schick das Röckchen,

Die Jacke noch so nett,

Ob die Frisur voll Löckchen,

Ob glatt sie und adrett,

Sie spotten über alles,

Sie machen vor nichts halt

Und lachen lauten Schalles,

Daß uns wird heiß und kalt.

Beim Unterricht da drücket

Vielleicht manchmal der Schuh,

Teils, weil er wirklich drücket,

Teils, weil man doch partout

Die Antwort nicht kann finden. . .

Ach ja, es ist ein Graus, -

So zieht man denn ganz heimlich

Den Übeltäter aus.

Und ist's dann überwunden,

Der Unterricht vorbei,

Da ist der Schuh verschwunden,

S' weiß keiner, wo er sei.

Wer anders als die Männer

Ham diesen Streich getan?

Drum sag ich immer wieder,

"Ich wollt', ich wär' ein M a n n !!!"

 

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Z u m   G e l e i t e

 

So tragen wir dich denn zu Grabe, Du (endlich) verflossene Schulzeit. Wahrhaftig, du hast es uns nicht leicht gemacht! Zäh wie Gummi zogst Du Dich oft in die Länge, und endlos schienst Du Dich manchmal vor uns hinzudehnen. Aber nun wirst Du für immer in der Versenkung verschwinden und nur Dein Geist wird noch einmal, als buntschillernde Seifenblase von Dir kündend und Dich widerspiegelnd, zur Erde emporsteigen.

 

Den einen Teil der Gemüter wird das hauchzarte Gebilde belustigen (denn kein Schüler konnte, ob deren großer Zahl, auf seiner, kleinen, dünnen Oberfläche Platz finden). Dem anderen Teil wird es vielleicht, so hoffen wir wenigstens, ein verstehendes Lächeln entlocken, wenn es ihm die runde Wahrheit, durch die Blase (Druckfehler! muß Blume heißen! d. Red.), schonend mitteilt.

 

+   +   +

 

K a t h e d e r b l ü t e :

 

"Sie haben einen Dickkopf, aber einen Dickkopf in positivem Sinne!"

 



E i n

K r i m i n a l - K u r z r e i ß e r

 

- Pointe in den drei letzten Zeilen -

Die Arbeit des Hausdetektivs der Schub Gym.b.H. war hart und intensiv gewesen, aber der Erfolg, der sich sonst stets nach kurzer Zeit einzustellen pflegte, war ausgeblieben. Das Schuldbuch der Abteilung 9a des Betriebes, blieb eine Zeit lang verschwunden und erst nach erregenden Dia- und Polylogen sowie von beiden Seiten abwechselnd gestellten Ultimata mit sämtlichen verfügbaren Uhrzeiten konnte obengenannter Schmöker wieder zum Vorschein gebracht werden.

 

Der Täter aber blieb im Dunkeln. Der Haus-Knatterton hatte vergeblich geknattert. Auch das "cui bonum" (für Nichtlateiner:"wem nützt dies?"), die elementare Frage aller Detektive, brachte keine Klärung. Was Wunder, daß dem Vielgeplagten mehrere "Heimatsack!!" über die Lippen fuhren und dumpfe Rache- und Vergeltungsgefühle in ihm sich Bahn brachen, um sich allmählich zu einem handfesten Revancheplan zu verdichten.

 

Als nicht lange nach Mitternacht die letzten Zecher das Lokal verließen, in dem die 3 Abteilungen IX der Schub Gym.b.H. ihren Austritt aus diesem Betrieb begossen hatten, stand unser Knatterton mit betrübtem Gesicht da, um ihnen sein Leid zu klagen. Sein Auto war ihm beim hiesigen Härtsfeldbahnhof stehengeblieben und ging angeblich nicht mehr von der Stelle. "Das ist wegen der Ansammlung von Metholbenzaldehyd-Carboxylhydrat-Glucoseresten im Vergaser", meinte jemand und blies dabei eine Wolke von C2H5OH-Dampf in die Gegend, während ein anderer es auf eine zu lange Leitung des Anlassers zurückführen zu müssen glaubte. Wie dem auch sei, hilfsbereit wie immer begaben sich diese letzten Idealisten (sie hatten ihre Gesinnung bald zu bereuen!) schwankenderweise zum Härtsfeldbahnhof, um einem langjährigen Mitarbeiter ihrer Firma einen letzten Dienst zu erweisen. Dort stieg unser Kriminaldilettant in seinen Volkswagen - die Muskeln aller spannten sich - gab Vollgas und verschwand, als er außer Reichweite war, höhnisch-langsam um die nächste Ecke.

 

(Wer es nicht begriffen haben sollte: hier lachen!!)

 



 

Unser großes Preisrätsel:

 

W H O   I S   W H O  ?

 

Jemand, der neun Jahre lang

- sei es freudig, sei es bang -

Pünktlich wie die Bundesbahn

Morgens trat zur Schule an,

Der hat schon Gelegenheit

Während dieser langen Zeit

(So er nicht gerade pennte)

Alle vier Temperamente

Bei den Paukern zu erkennen.

Ich will hier kein Beispiel nennen,

Sondern ich laß euch erraten,

Welche Lehrer all das taten,

Was auf diesen beiden Seiten

Ihr lesen könnt an Eigenheiten.

 

1.) Er sitzt vor seiner Klasse

Und bohret in der Nase,

Er gähnt in einem fort

An diesem öden Ort.

Die Hände in den Taschen über die Maßen

Trifft man ihn auf der Reichsstadt Straßen,

Doch mitteleuropäische Sitten

Verficht er immer unbestritten

Und pfeifend grüßt er jedermann -

Wer ist es wohl, o sagt mir an!

 

2.) Da wir in Mathe gar nichts taugen,

Treten ihm die Tränen in die Augen,

Dem alten Schachprofessor Esbeh

Verschlägt's die Sprache vor innerem Weh,

Sieht er die Schüler selig ruhn.

"Noch ist's nicht vorbei, Sie könnten mehr tun!

Wenn sich das Niveau um so viel tieft,

Geht es beim Mündlichen meist schief!"

 

3.) O Pinsularius Klecksibold!

Den Mädchen bist du gar nicht hold,

Dafür viel Farben und großem Papier,

Tauben aus Lehm und anderm Getier.

Auch willst der Einzelheiten nicht viel,

Sondern modernes Farbenspiel.

Jedoch trotz Klee und blauer Pferde

Blieben wir die alte, gefräßige Herde!

 

4.) Der Bimbo meckert: "Was denn nu?"

Und kommt aus altgewohnter Ruh'

Da einige Leute reden und lachen

Und andere nebenher Blödsinn machen.

"Was", ruft er, "haben Sie in einem fort?

Es ist auch immer am selben Ort!

Halten Sie Privatvorlesung, Rehn?

Dann kann ich ja hier aufhör'n und gehn."

Doch eines unterläßt er pfleglich:

Aufs Mündliche hinzuweisen, wie andere täglich.

 

5.) Der Grand wohl zu genießen ist,

Wenn er den Kopfschmerz mal vergißt.

Doch plagen ihn die bösen Geister

Dann wird er ein gestrenger Meister:

Er schimpft, brüllt, flüstert, schreit und flucht,

Daß jeder Schutz hinterm Nachbarn sucht.

Im Keim erstickt er Widerrede

Und achtet auf der Bewegungen jede.

Dann sind die Stunden keine Freude,

Doch anders ist es, wenn lustig die Meute,

Und Grand selbst zu Späßen aufgelegt,

Die er aus der Mottenkiste zu holen pflegt.

Er weiß uns wiederzugewinnen

Mit Titoismus und Besuch bei den Spanierinnen.

 

6.) Herr Dr. phil. Horst Lobesam

Zu diesem schwer'n Entschlusse kam:

Ein jeder soll seine Freiheit haben

Und sich am Gespräche laben,

Will aber einer nicht mitdiskutieren,

Kann er mit Mädchen kokettieren. -

Mit Kreideschlachten wird auch nicht gespart

Nach guter alter Burschenart.

Erinnert man sich der alten Zeiten,

Als wir uns noch eifrig taten streiten

Mit Vikar Munke und Bruder Rau,

So weiß es jeder Schüler genau:

In der langen Zeit am Gymnasium

Gingen diese Stunden am schnellsten 'rum.

 

7.) Als sich einer "ungebührlich" benommen,

Ist unser Ernst in Rage gekommen.

Schnell er zum Füllfederhalter griff

Und mit der steilen Malerschrift

Durft' er 'ne Tagebuchseite gestalten.

Auch das Tonbandgerät darf er verwalten,

Das das brave Orchester zusammengespielt,

Dem er oft kreischend die Nerven zermühlt.

 

+   +   +

 

Auflösungen unseres Preisrätsels sind beim Lehrerkollegium abzugeben und werden prämiiert.

 

Sollte sich hier jemand betroffen fühlen, so können wir ihm versichern, daß er sicher nicht gemeint ist. Beschwerden sind direkt bei der Seifenblase vorzutragen. Sie ist in Chemie- und Physiksälen bei entsprechenden Versuchen zu finden.

 

+   +   +

 



E s   s a g t e . . .

 

Dr. Hegele:

 

"Wenn man Ihre Klasse (9a) sieht, kann man nur sagen:

Jede Gemeinschaft steht unter dem Terror, den sie erträgt."

 

"Was Sie hier treiben, ist geistige Selbstkastration,

aber wir wollen doch keine intellektuellen Eunuchen werden."

 

"Sie sind ein sprachphilosophischer Ignorant!"

 

"Sie haben Arbeiten geschrieben, die sprachlich

unter den Notzuchtparagraphen fallen sollten."

 

"Sie schwindsüchtiger Satzkonstrukteur!"

 

"Ich fühle mich nicht als Perle vor den Schweinen,

aber in dieser Klasse (9a) reichlich deplaziert.

 

Herr Plickert:

 

"Diese beiden Worte sind miteinander verwandt

wie Gustav und Gasthof - sie stehen nämlich

in direkter Zusammenhanglosigkeit."

 

"Sie müssen mit zurückfederndem Genick niesen,

das wirkt besonders effektvoll!"

 

Herr Zeuner:

 

(Am Ende einer erregten Debatte, siegessicher:)

"Sie kriegen mich nicht klein!"

 

"Bei der Schriftlichen Prüfung müssen Sie überlegen,

daß das, was Sie schreiben, auch gelesen wird."

 

Herr Seibold:

 

(Auf eine Zeichnung an der Tafel deutend:)

"Dieser Teil der Figur würde aus dem

Unendlichen herausschauen."

 

"Herrschaften, ich habe schon wieder

die Kreide voll Schuh'!"

 

"Das habe ich nicht bezeugnißt!"

 

"Fehlt von den Anwesenden jemand?"

 

"Als ich in Ihrem Alter war, hatten die Schüler

noch 6 oder 7 Stunden mehr Wochen in der Schule!"

 

Herr Ulmschneider:

 

"1939 wurde zwischen Hitler und Stalin ein

Nichtverteidigungspakt abgeschlossen."

 



 

Für unsere Nachfolger am Schubartgymnasium, die ihre Allgemeinbildung verbessern und ihr Wissen erweitern wollen, empfehlen wir die von führenden Wissenschaftlern anerkannte, jeden Tag erscheinende und nur

10 Dpf. kostende, also für jedermann erschwingliche

 

B I L D ungs Z E I T U N G

 

Willst du das Zeitgeschehn erfassen.

Dich bestens unterrichten lassen,

Fehlt's dir an Allgemeinbildung

Dann kauf dir eine Bildzeitung!

 

In dicken Zeilen kannst du lesen,

Was am Tag vorher gewesen,

Und dazu, das ist ganz klar,

Einen langen Kommentar.

 

Zweieinhalb Millionen Leser

Von der Donau, bis zur Weser,

Vater, Mutter, Greis und Knabe

Warten auf die Bildausgabe.

 

 

"Hund biß Kind aus Eifersucht

Raubmörder ergreift die Flucht -

Mann fiel in die Mischmaschine,

Keilerei in Werkskantine.

Polizei verfolgt Statist

Bauernjunge warf mit Mist.

 

Riesensumme unterschlagen,

Kronjuwel im Mantelkragen,

Kind im Walde ausgesetzt,

Amokläufer wird gehetzt.

Liebespärchen nicht mehr sicher:

Aus dem Grabe quoll Gekicher!

 

Explosion im großen Werk,

'ne Frau geklaut und nicht gemerkt,

Flugzeugunglück in der Nacht,

Schnaps aus Rübenkraut gemacht.

Erster Krach bei Grace und Rainer,

Ist Steuerfreiheit nun im Eimer?

 

Überfall auf alte Frau,

Ollenhauer macht Radau,

Großalarm bei Polizei,

Huhn legt zwei Pfund schweres Ei.

Parteigenosse wird zum Hasser,

Friedensangebot durch Nasser.

 

Drohbrief an die Tür geklebt;

Nach dem Tod nochmal gelebt.

Englands Frauen übel dran:

Kriegen Kinder ohne Mann -

Faruk nicht mehr aktuell,

Ehedrama im Tunnel.

 

Aus dem Walde kam Liane

Liebesglück mit viel Schikane

Lili flirtet frech am Po

Und am Ebro ebenso.

Sternendeutung sehr gewünscht,

Kommunist wird fast gelyncht."

 

 

Hat der Leser dies geschluckt,

Dazu die Bilder angeguckt,

Bringen ihn zum phantasieren

All die Dinge, die passieren:

Hinter Zäunen, Hecken, Mauern

Sieht er Massenmörder lauern,

Die mit Messern, Colt, Pistolen

Ihn ins Reich der Träume holen.

 

Doch am nächsten Morgen dann

Schafft er "Bild" sich wieder an,

Denn er will nun mal nicht ruhn

Etwas für die Bildung tun.

 

 

 

K a t h e d e r b l ü t e n

 

Ein Mathematiklehrer

bei der Besprechung einer Mondfinsternis:

"Das beobachtete ich, als ich einmal abends ausging, um

noch ein Glas Bier zu trinken. Damals war ich noch ledig."

 

Ein Geschichtslehrer:

"Ich frage mich, warum sollen wir Europäer den Ast absitzen,

auf dem wir sägen?"

 

"Die Hirsauer hatten einen großen Einfluß auf den Investiturstreit,

den Streit zwischen Kirche und Papst im 12. Jahrhundert."

 

Bei der Besprechung der russischen Revolution:

"Damals gab es noch keine Presse- und Meinungsfreiheit,

die Leute mußten also in den Untergrund gehen."

 

Bei der Besprechung der "St. Joan" von Shaw:

"Dieses Kreuz war glücklicherweise ein Engländer!"

 

 



 

 

 

+   +   +

 

Anmerkung in einem Physikheft,

beim Beugungsgitter:

 

Es war einmal ein Lattenzaun

Mit Zwischenraum

Um durchzuschaun. . .

 


 

A N Z E I G E N   A N Z E I G E N   A N Z E I G E N   A N Z E I G E N

 

Dringend Pril-Kanone zur Vernichtung der "Seifenblase" gesucht

Gogo

Wer ergreift für mich die 17 "Schmutzigen Hände" von Sartre?

Heipli

Gesuchtwird ein noch möglichst ungebrauchtes Leintuch das man als Kapitulationsflagge verwenden könnte.

Angebote unter Chiffre Nr. 9a
an die Redaktion.

Wer entwirft mir ein Schulabzeichen für mein Denkmal? Ich möchte endlich beruhigt sterben Köhnen.
Wer kann mir das Wort "pflegelhaft" ethymologisch herleiten?

Bullschneider

Weiß mir jemand eine neue Stilblüte? Garantie für 10jähriges Ankommen ( 1000-Zünder) erwünscht.

Plinius

Wer stiftet einen Vorhang für den Duschraum im Untergeschoß?

Angebote dringend erwünscht!

Tauschangebot

Tausche älteren, dicken Bleistift gegen zwei neuere, dünnere.

Matthäus

Wer erfindet für mich Patent-Hosenschließer?

Eilofferten an j o e l

Stets für Sie bereit ist

DETEKTIVBÜRO KLEINHAUPT

Ich habe den Nürnberger Trichter erfunden!

Privatdozent

Kleinhaupt

Altwaren und Papier nimmt laufend entgegen.

August der Dicke

 

BEKANNTMACHUNG!

 

Der biologische Anschauungsunterricht

des Mädchenprogymnasiums

soll ab sofort nur noch nach Rücksprache

mit den Turnlehrern

des Schubartgymnasiums stattfinden.

 

Dr. Schmalmüller