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- T r i s t r a n t
D a s M a g d e b u r g e r
F r a g m e n t
Ende 12. Jahrhundert
Preußische Staatsbibliothek,
Ms. germ. quart. 661.
Ergänzungen nach der
Ausgabe von Hadumod Bußmann,
Tübingen 1969
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Magdeburger Fragment
Verse M 4r 4-39
- M1/M2: Lst 2809-3005,
M3/M4: 3404-3601)
- M 1r
- [Tristr]ant zu sîme hêren:
«waz m[ac]h iz uc[h gewerren,
des ûch diu frowe heizit biten,
daz ir irn [lantsiten
mit] ir wellent begân?»
dô vrâgite der cuoning [sân,
- 5
- was siten] ir lant habite.
Tristrant ime sagete,
da[ne sold niht] lîhtis sîn,
suwenne sô diu cuonigîn
z[uo dem êrsten bî im lêge],
- 10
- durh daz si nieman ne sage
biz si [morgens wider ûf] stunde.
wie wol er ir des gunde,
sprac[h der cuoning zuo] sîneme neben.
er wolt im den gewa[lt geben,
- 15
- daz er] selbe wêre
des nahtis kamerêre.
daz [er diu lîht leschte],
wann er wol weste,
wie iz gescien solt[e
- 20
- und suwaz diu] frowe wolte,
daz er daz alliz tête,
m[it vlîz er in des bête].
Der kamerêre Tristant
sich der kameren underwant.
- 25
- dâ der cuo[ning slâfen solde],
lâzin er des niht ne wolde
des im s[în hêrre gebot].
suwî di frowe dûhte guot,
alsô tet er [rehte iren wil]len.
- 30
- Brangênen br[â]cht er stille
zu b[ette deme cuonin]ge.
daz was diu meiste trugine,
dî [Tristrant ie ge]tete,
wan er rehte an der selbin stete
- 35
- [lac bî sîner] frowen.
doch ne was iz niht unt[ruwe,
wan er] tet iz âne sînen danc.
der vil uns[êlige tranc]
hêt iz an di rête brâcht.
- 40
- rehte an der m[itternacht]
dô quam Brangêne gegân.
ir frow[en hiez siu ûf]stân,
daz siu gienge ze ir man.
su[s wart das ane]gevân,
- 45
- daz der cuoning wart bet[rogen.
dô was Tristrant] in deme hove
ein jâr sô stêticlîch[
- M 1v
- [Darnâch uber] niut lang
gewan diu frowe den [gedang,
daz] man Brangênen solte tôtin
mit vil [. . .
- 5
- und] harte unscône.
daz wurde ir ze [lône,
daz si i]r gedienet habite.
sie vorhte, daz si von [ir sagite,
suwaz] siu von ir wiste,
- 10
- und wolde ir mit [liste
den lîp a]ne gewinnin.
daz wâren ubile min[nen!
zuwên] armen riteren siu bôt,
- daz si ir tê[tin den tôt -
- 15
- s]echzik marh silberis.
iene wêren [willig des].
si lobitin, daz si tâten,
suwes sie di[u frowe bâte.
d]az silbir siu in ze hant gap
- 20
- unde [wîsete sie an] eine stat,
daz sie huotin eines brun[nen,
und suw]er den wolte hollin,
daz sie ime nâ[men den lîb],
iz wêre man eder wîb,
- 25
- und ir [diu leberen b]râchten.
iene zuwêne dâchten
an [daz silbir vil] harte.
sie huobin sich zuo der warte,
[dâ diu cuonigîn] si legite.
- 30
- ze Brangênen siu redite,
[daz ir unsa]nfte wêre.
daz clagite vil sêre
[Brangêne diu] getruowe.
dô sprach diu falsce fro[we,
- 35
- daz siu i]r holite des brunnin,
der ûzir [deme bômgar]ten quême gerunnin.
[Brangêne des] niwt ne liez
des diu cuniginne [sie hiez.
ein] goltvaz siu an di hant gevienc,
- 40
- [in den bô]mgarten siu gieng
und wolde scef[fen ir des bru]nnin.
iene zuwêne quâmen ge[sprungin].
- M 2r
- . . .]sus sprach [di juncfrowen:
[«ich entgelde mîner grôzin truo]wen.
mîn frowe heizit mich [irslân.
nû sult] ir ûwer tugent begân
und tuo[t iz durch gotes] hulde,
- 5
- wane ich ne mach iz ni[t versculden,
und] lânt mich leben eine wîle,
und [einer zuo der cuonigîn] île
und iê daz ich irsclagen sî.
[und sage ir dâ bî
- 10
- daz] ich wider ûch sprêche:
ich ne w[eiz waz si an mir] râche
daz siu mich âne scult vi[rriet.
got weiz wol], ich ne gedenke niet,
daz ich ie [iewt getête
- 15
- dar umbe] siu zorn hête,
wene ich liez alle [mîne mâge
und vur] ûf ir genâde
mit ir in vremede [rîche.
sol ich dan sô jê]merlîche
- 20
- mînin lîp verliesen?
dô [wir von lande schieden],
dô gab uns ire mûter
zuwei hem[ide,
diu] wâren gelîche cleine.
- 25
- siu weiz [wol waz ich meine].
ê wir quêmen her an in diz lant,
[dô was daz ire sô zet]rant
und sô garwe zebrochen,
[daz si iz mit êren] niht ne mochte
- 30
- bî dem cuoninge [angehaben;
dô was] daz mîn ungetragen,
iz was ga[nz unde nûwe.
siu bat], daz ich iz ir lûwe,
daz tet ich v[il ungerne.
- 35
- dô bat] siu mich alsô verne,
daz ich iz [ir zelest lê,
ich] ne weiz waz ir inbietin mê,
w[ane daz ich] uber mere
mîn hemide mit m[ir here
- 40
- ganz und] nûwe brâcht,
daz lê ich ir an der [nacht,
do siu] zêrist lach bî dem cuonige.
dô w[art iz mir vil u]bile
in irme dieniste gevôrt. [. . .
- M 2v
- . . . . . . .] h[ielt d]en lîp.
si dahten, [irslugen si daz wîb,]
[si] ne verwunden iz nîmer mêre,
zir [wertlîchen êre.
dô] quam ein hunt dar gegân.
der [riter einer irslug i]n sân
- 5
- und nam die leberen ze hant,
[in sîn hemide er] si bewant
und trûch sî verhonlî[che
zuo der cuonigi]nne rîche.
siu dankete im sêre
- 10
- [und vrâgete in der] mêre:
«sprach siu iewt?» «Jâ, siu tete».
[« nu sag mir, waz!» e]r hûb ze stete
und sagite ir rehte, [wie siu sprach
vo]n deme hemide und wie siu jach:
- 15
- [siu habite iz] ir lûwin.
«Nû zuo dînen trû[win,
sprah] siu mêr?» «Zu wâren nît,
wene ir [wêr von herzen li]ep,
hête wir ir den lîp illâzen»
- 20
- [«nû muoz mich got] virwâzen,»
sprach diu frowe [lussam,
«daz ich den] lîp ie gewan,
daz muoze got ir[barmen!
waz sol i]ch nû vil arme,
- 25
- daz ich mich sus [gevelshet hân]?
e sol mir wîb noch man
getro[wen nîmerm]ê!
got lâz iz an mîn êre
und an [mînen lîp gân
- 30
- den] mort, den ich hân getân.»
siu be[gan dô sêre wei]nen,
alsiz dô torste besceinen.
«der [tûbil» sprach siu «ne]me mich!»
siu slôch unde roufte sich
- 35
- [sô vrevellîchen hart]e,
daz ienir von der warte
sî ze [wundir angesac]h.
grôzir rûwin siu dô phlach.
[dô der rîter daz vor]nam,
- 40
- daz ir von der grôzir lei[de quam
und die] rûwe, dî siu habite
niwet langer [er dô dagite].
er sprach «frowe, trôstent ûwe[rn muot!
- M 3r
- [. . .]
[und er] in solde cundin,
wî iz dar umbe stunde.
der vâlant dô begunde
daz gestirne scowin.
- 5
- er sprah: «mîne frowin
Tristant sigerlîche hât,
und wil der cuoning mînin rât
tuon, ich wil in lâzin sehen,
daz er selbe muoz jehen,
- 10
- daz ich iu rehte hân gesagit,
und ob ich liege, daz ir habint
mînin lîp gewunnin
ze suwelehen marterungin
sô mîn hêrre welle.»
- 15
- ich wêne, sîn geselle
der tûbil ûzzir im sprach,
biz daz er allis des verjach,
daz Tristant wêre lugensiech.
er sprach ne sî daz wâr niet,
- 20
- «sô heizint mir mîn houbit abesclân!»
dô brâchtin si in vor den cunig sân
und sagitin, wes er sich vermaz.
«ich will iz iu ouch noch bieten baz»
sprach der unholde;
- 25
- «ob mîn hêre selbe wolde,
er mout iz wol irvindin.
er nême sîn gesin[de]
und rite jagen in den walt,
sô worde Tristant sô ba[lt],
- 30
- daz er niwt ne mide de frowin.
sô saget ich iz ime in trouwen,
wenne er zô ire quême,
und brâchte in da er vernâme
selbe wol di wârheit.»
- 35
- der cuonig dô sciere jagen reit
mit allin den dâ wâren
und sprach opinbârin,
er wolte siben naht ûze sîn.
des frowede sich diu cuonigîn.[
- 40
- Do der cuoning in den walt quam
und der wênige man
vil rehte hête vernomen,
daz Tristant [. . .
- M 3v
- [«ich] sage iu, hêrre, waz ir tuont,»
sprach der gote leide tuwerk,
«wir ne hân anderes nehein geberc,
wene ir sulint hî ûf stîgen
- 5
- und sulit vil stille suwîgen!
ûfe disem selbin boume
sule wir nemen goume,
waz hie gescie von diesen zuwein.
der mâne sô lîhte scein,
- 10
- als iz tach wêre.
dô steich der cuonig hêre
ûf în boum, als er in heiz.
der tuwerk daz niwt ne liez,
er ne stige nâ im dâ uof.
- 15
- ich wêne, in sîn geselle huof,
satanâs der tûbil.
ich bin is ôch âne zuwîbil:
er huob in sicerlîche,
wane er wil sîn rîche
- 20
- mit im hân gemeine.
wî moht er in dâ sô einen
ûffe den boum stîgin lâzen?
daz si beide got verwâze!
Dâr ne stundin si niwt lange,
- 25
- ê Tristrant quam gegangen.
des loubis brach er in den wâch,
dô liez er den spân nâch
dar daz crûce ane was gescriben.
in dem brunnin sah er bî den scimen
- 30
- dise zuwêne <obin> im stâm.
dô tet er als ein wîs man,
daz er niwt ûf ne sach.
zô im selbin er dô sprach:
«nû muoz ich leider tôt sîn!
- 35
- owî, wiste diu cuonigîn
di hûte, dî uns is getân!»
dô flôz daz loub und der spân
durch die kamenâten.
diu frowe dô vil drâte
- 40
- zo irme nezzilîne gînc,
dâ siu den spân mite vînc,
und begunde daz crûce scowin.
dô wiste [
- M 4r
- . . . . . . . . . . . . . . . . . . ]ne,
«waz ist disim iungelinge,
daz er niwt ûf ne stât
noch er ingegin mir niht ne gât?
- 5
- des was ich harte ungewone,
ich ne weiz, wâ vone iz nû come.»
Do gesach siu daz wenkin
und begunde sân denkin
«im wirrit suwaz sô iz sî,
- 10
- ich wêne, hî etuswer sî bî,
der uns habe gehût.»
bî dem brunnin siu stûnt
und wart der spehêre geware.
der mâne truoch den scate dare
- 15
- in den brunnin von den mannin zuwein.
der frowin wîsheit da scein,
daz siu ir ouge dar niht ne kârte
und rehte alsô gebârte,
alse si ir dâ niht ne wiste,
- 20
- und sprach mit grôzir liste:
«Tristrant, waz sold ich her zô dir?»
«frowe, daz ir helpint mir,
daz mir mîn hêre sîne hulde gebe
und lâze mich wesin,
- 25
- als ich was, an sîneme hobe.»
«vil ernirsthafte ich dir gelobe:
dar zuo ne helben ich dir niet,
wane mir liebe is gesciet,
daz er dir sô gram is.
- 30
- des wis zuwâre gewis,
daz ich dir dar zuo niht ne vrome,
wane ich bin ze worte comen
von dir âne mîne scult.
ich was dir durch mînin hêren holt,
- 35
- wane dû sîn nebe wêrist
und sîner êren plêgist
baz den di anderen alle.
nû bin ich ze scalle
wordin [. . .
- M 4v
- . . . . . . . ] doch wesin leit,
daz er mir unrehte tut!
wiltû mir eine wesin guot,
sô werdint mir de hulde,
- 5
- wane er âne sculde
hât gezornit wider mich.»
dô sprach diu cuoninginne rîch:
«ich ne helfe dir niht dâ zô.
wil dir mîn hêrre genâde tuo,
- 10
- des gan ich dir wol und ist mir lieb,
ich ne bitten in aber dar umbe niet.»
Dô sprach der hêre Tristant:
«sô muoz ich rûmen daz lant
suwî luzil iz mîn hêrre clage.
- 15
- iedoch ne mach er den scaden
nîmer mêr verwinnin,
ob ich mit unminnin
ûzir sîme lande vare.
is wirt guot rât. ich rîten dare,
- 20
- dâr man iz mir wol bûtit
und mich guote luote
êrint unde habint liep.
mîn hêre ne wil des wizzin niet:
suwenne ich ze lande kêre,
- 25
- sô bin ich ein cuning hêre
und alsô rîche als er is.
ouch bin ich selbe des gewis,
suwâ ich wil belîben,
daz ich âne nîdin
- 30
- al eine wol verdiene <daz>
daz man mich lieplîche âne haz
behaldit ungehazzit
und mich ze rîter vazzit
und gift mir ros und perit.
- 35
- frowe, wêre ich is wider iu wert,
daz ir bâtent mînin hêren,
daz er durch sîn selbis êre
mir wolte lôsen mîn phant,
sô wold ich [. . .
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