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- Spervogel I
Herger
Minnesangs Frühling VII. I
- 1.1
- Ich sage iu, lieben süne mîn,
- 1.2
- iu enwáhset kórn nóch der wîn,
- 1.3
- ich enkán iu niht gezeigen
- 1.4
- diu lêhen noch diu eigen.
- 1.5
- Nu genâde iu got, der guote,
- 1.6
- und gebe iu saelde unde heil.
- 1.7
- vil wol gelanc von Tenemarke Fruoten.
- 2.1
- Mich riuwet Frúot über mer
- 2.2
- und von Hûsen Walther,
- 2.3
- Héinrîch von Gebechenstein,
- 2.4
- und von Stoufen was ir noch ein.
- 2.5
- Got gnâde Wernharte,
- 2.6
- der ûf Steinsberc saz
- 2.7
- und niht vor den êren versparte.
- 3.1
- Wér sól ûf Steinsberc
- 3.2
- würken Wernhartes werc?
- 3.3
- hei, wie er gap unde lêch!
- 3.4
- des er dem biderben man verzêch,
- 3.5
- Des enmóht er niht gewinnen.
- 3.6
- daz was der wille: kom diu state,
- 3.7
- si schieden sich ze jungest mit minnen.
- 4.1
- Dô der guote Wernhart
- 4.2
- an dise welt geborn wart,
- 4.3
- dô begónde er teilen al sîn guot.
- 4.4
- dô gewán er Rüedegêrs muot,
- 4.5
- Der saz ze Bechelaere
- 4.6
- und pflac der marke menegen tac.
- 4.7
- der wart von sîner vrumecheit sô maere.
- 5.1
- Steinsberc die tugende hât,
- 5.2
- daz ez sich nieman erben lât
- 5.3
- wan ein, der ouch êren pfligt.
- 5.4
- dem strîte hât ez an gesigt.
- 5.5
- Nû hât ez einen erben:
- 5.6
- der werden Oetingaere stam
- 5.7
- der wil im sînen namen niht verderben.
Minnesangs Frühling VII. II
- 1.1
- Wan seit ze hove maere,
- 1.2
- wie gescheiden waere
- 1.3
- Kerlinc unde Gebehart.
- 1.4
- sie liegent, sem mir mîn bart.
- 1.5
- Zwêne brúoder die gezürnent
- 1.6
- und underziunent den hof,
- 1.7
- si lânt iedoch die stigelen unverdürnet.
- 2.1
- Mich müet daz alter sêre,
- 2.2
- wan ez Hérgêrè
- 2.3
- alle sîne kraft benam.
- 2.4
- ez sol der gransprunge man
- 2.5
- Bedenken sich enzîte,
- 2.6
- swenne er ze hove werde leit,
- 2.7
- daz er ze gwissen herbergen rîte.
- 3.1
- Wie sich der rîche betraget!
- 3.2
- sô dem nôthaften waget
- 3.3
- dur daz lant der stegereif.
- 3.4
- daz sich zu bûwe niht engreif,
- 3.5
- Dô mir begonde entspringen
- 3.6
- von alrêst mîn bárt,
- 3.7
- des muoz ich nû mit arbeiten ringen.
- 4.1
- Weistu, wie der igel sprach?
- 4.2
- «vil guot ist [guot ist] eigen gemach.»
- 4.3
- zimber ein hûs, Kerlinc.
- 4.4
- dar inne schaffe dîniu dinc.
- 4.5
- Die hêrren sint erarget.
- 4.6
- swer dâ heime niht enhât,
- 4.7
- wie maneger guoter dinge der darbet.
- 5.1
- Swíe dáz wéter tuo,
- 5.2
- dér gást sol wesen vruo.
- 5.3
- der wirt hât truckenen vuoz
- 5.4
- vil dicke, sô der gast muoz
- 5.5
- Die herberge rûmen.
- 5.6
- swer in dem alter welle wesen
- 5.7
- wirt, der sol sich in der jugent niht sûmen.
Minnesangs Frühling VII. III
- 1.1
- Ez was ein wolf grâwe
- 1.2
- und ein man alwaere.
- 1.3
- diu liute wolten slâfen,
- 1.4
- er lie den wolf zen schâfen.
- 1.5
- Do begíenc er in der stîge,
- 1.6
- daz man in des morgens hienc
- 1.7
- und iemer mêre sîn künne ane schrîet.
- 2.1
- Ein wolf und ein witzic man
- 2.2
- sazten schâchzabel an,
- 2.3
- si wurden spilnde umbe guot.
- 2.4
- der wolf begonde sînen muot
- 2.5
- Nâch sînem vater wenden.
- 2.6
- dô kom ein wider dar gegân,
- 2.7
- dô gap er beidiu roch umbe einen venden.
- 3.1
- Ein wolf sîne sünde vlôch,
- 3.2
- in ein klôster er sich zôch,
- 3.3
- er wolde geistlîchen leben.
- 3.4
- dô hiez man in der schâfe pflegen.
- 3.5
- Sît wart er unstaete.
- 3.6
- dô beiz er schâf unde swîn.
- 3.7
- er jach, daz ez des pfaffen rüde taete.
- 4.1
- «Ez mac der man sô vil vertragen»,
- 4.2
- hôrt ich Kerlingen sagen,
- 4.3
- «daz man in deste wírs hât ».
- 4.4
- sô wirt sîn sus vil guot rât,
- 4.5
- Ist er widersaeze.
- 4.6
- zwêne húnde striten umbe ein bein,
- 4.7
- dô truoc ez hin ze jungest der raeze.
- 5.1
- Zwêne húnde striten umbe ein bein
- 5.2
- dô stuont der boeser unde grein.
- 5.3
- waz half in al sîn grînen?
- 5.4
- er muostez bein vermîden.
- 5.5
- Dér ánder truoc ez
- 5.6
- von dem tische hin ze der tür.
- 5.7
- er stuont zuo sîner angesiht und gnuoc ez.
Minnesangs Frühling VII. IV
- 1.1
- Er ist gewaltic unde starc
- 1.2
- der ze wîhen naht gebórn wárt.
- 1.3
- daz ist der heilige Krist,
- 1.4
- jâ lobt in allez, daz dir ist,
- 1.5
- Niwan der tievel eine.
- 1.6
- dur sînen grôzen übermuot
- 1.7
- sô wart im diu helle ze teile.
- 2.1
- In der helle ist michel unrât.
- 2.2
- swer dâ heimüete hât,
- 2.3
- diu sunne schînet nie sô lieht,
- 2.4
- der mâne hilfet in nieht
- 2.5
- Noch der liehte sterne.
- 2.6
- jâ müet in allez, daz er siht.
- 2.7
- jâ waer er dâ ze himel alsô gerne!
- 3.1
- In himelrîch ein hûs stât,
- 3.2
- ein guldîn wec dar in gât,
- 3.3
- die siule die sint marmelîn,
- 3.4
- die zieret unser tréhtîn
- 3.5
- Mit edelem gesteine.
- 3.6
- dâ kúmpt níeman in,
- 3.7
- ern sî vor allen sünden alsô reine.
- 4.1
- Swer gerne zuo der kirchen gât
- 4.2
- unde âne nît stât,
- 4.3
- der mac wol vroelîchen leben.
- 4.4
- dem wirt ze jungest gegeben
- 4.5
- der engel gemeine.
- 4.6
- wol in, daz er íe wárt!
- 4.7
- ze himel ist daz leben alsô reine.
- 5.1
- Ich hân gedienet lange
- 5.2
- leider einem manne,
- 5.3
- der in der helle umbe gât.
- 5.4
- der brüevet mîne missetât.
- 5.5
- Sîn lôn der ist boese.
- 5.6
- hilf mir, heiliger geist,
- 5.7
- daz ich mích von sîner vancnisse erloese.
Minnesangs Frühling VII. V
- 1.1
- Mich hungerte harte.
- 1.2
- ich steic in einen garten.
- 1.3
- dâ was obez innen,
- 1.4
- des moht ich niht gewinnen.
- 1.5
- Daz kom von unheile.
- 1.6
- dicke wégt ích den ast.
- 1.7
- mir wart des óbezès nie niht ze teile.
- 2.1
- Swâ ein gúot bóum stât
- 2.2
- und zweier hande obez hât,
- 2.3
- beide süez unde sûr,
- 2.4
- sô sprichet ein sîn nâchgebûr:
- 2.5
- «Wir suln daz obez teilen.
- 2.6
- wirt ir einez drunder vûl,
- 2.7
- ez bringet uns daz ander ze leide.»
- 3.1
- Swel man ein gúot wîp hât
- 3.2
- unde zeiner ander gât,
- 3.3
- der bezeichent daz swîn.
- 3.4
- wie möht ez iemer erger sîn?
- 3.5
- Ez lât den lûtern brunnen
- 3.6
- und leit sich in den trüeben pfuol.
- 3.7
- den site hât vil manic man gewunnen.
- 4.1
- Ein man sol haben êre
- 4.2
- und sol iedoch der sêle
- 4.3
- under wîlen wesen guot,
- 4.4
- daz in dehein sîn übermuot
- 4.5
- Verleite niht ze verre,
- 4.6
- Swenne er urloubes ger,
- 4.7
- daz ez im an dem wege niht enwerre.
- 5.1
- Kórn sâte ein bûman,
- 5.2
- dô enwolte ez niht ûf gân.
- 5.3
- ime erzornte daz.
- 5.4
- ein ander jâr er sich vermaz,
- 5.5
- Daz erz ein egerde lieze.
- 5.6
- er solde ez ime güetlîche geben,
- 5.7
- der dem andern umbe sîn dienest iht gehieze.
Minnesangs Frühling VII. VI
- 1.1
- Crist sich ze marterenne gap,
- 1.2
- er lie sich legen in ein grap.
- 1.3
- daz tet er dur die goteheit.
- 1.4
- dâ mite lôste er die cristenheit
- 1.5
- Von der heizen [heizen] helle.
- 1.6
- er getuot ez niemer mêr.
- 1.7
- dar an gedenke, swér sô der welle.
- 2.1
- An dem ôsterlîchen tage
- 2.2
- dô stuont sich Crist von dem grabe.
- 2.3
- künic aller keiser,
- 2.4
- vater aller weisen
- 2.5
- sîne hántgetât erlôste.
- 2.6
- in die helle schein ein lieht:
- 2.7
- sô kom er sînen kinden ze trôste.
- 3.1
- Wúrzè des waldes
- 3.2
- und érzè des goldes
- 3.3
- und elliu abgründe
- 3.4
- diu sint dir, hêrre, künde,
- 3.5
- Diu stênt in dîner hende.
- 3.6
- allez himelschlîchez her
- 3.7
- ez enmöhte dich niht volloben an ein ende.
- 3a.1
- Güsse schadent dem brunnen,
- 3a.2
- sam tuot dem rîfen diu sunne,
- 3a.3
- sam tuot dem stoube der regen.
- 3a.4
- armuot hoenet den degen.
- 3a.5
- Sô schadet ouch dem jungen man, wil er ze vil gehalten.
- 3a.6
- triuwe unde wîser rât daz zieret wol den alten.
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