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B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A

 

 

 

 
Gottfried von Straßburg
Tristan
 


 






 



XXVII
[Die Minnegrotte]


Sus kêrten sî driu under in
16680
allez gegen der wilde hin
über walt und über heide
vil nâch zwô tageweide.
dâ wiste Tristan lange ê wol
in einem wilden berge ein hol,
16685
daz haete er z'einen stunden
von âventiure vunden.
dô was er dâ geriten jagen
und haete in sîn wec dar getragen.
daz selbe hol was wîlent ê
16690
under der heidenischen ê
vor Corinêis jâren,
dô risen dâ hêrren wâren,
gehouwen in den wilden berc.
dar inne haeten s'ir geberc,
16695
so s'ir heinlîche wolten hân
und mit minnen umbe gân.
und swâ der einez vunden wart,
daz was mit êre bespart
und was der Minnen benant:
16700
la fossiure a la gent amant,
daz kiut: der minnenden hol.
der name gehal dem dinge ouch wol.
ouch saget uns diz maere,
diu fossiure waere
16705
sinewel, wît, hôch und ûfreht,
snêwîz, alumbe eben unde sleht.
daz gewelbe daz was obene
geslozzen wol ze lobene.
oben ûf dem slôze ein crône,
16710
diu was vil harte schône
mit gesmîde gezieret,
mit gimmen wol gewieret
und unden was der esterîch
glat unde lûter unde rîch,
16715
von grüenem marmel alse gras.
ein bette in mitten inne was
gesniten schône und reine
ûz cristallînem steine
hôch unde wît, wol ûf erhaben,
16720
alumbe ergraben mit buochstaben,
und seiten ouch die maere,
daz ez bemeinet waere
der gottinne Minne.
zer fossiure oben inne
16725
dâ wâren cleiniu vensterlîn
durch daz lieht gehouwen în,
diu lûhten dâ unde hie.
dâ man ûz und in gie,
dâ gienc ein tür êrîniu vür.
16730
und ûzen stuonden obe der tür
esterîcher linden drî
und obene keiniu mê derbî.
aber umbe und umbe hin ze tal
dâ stuonden boume âne zal,
16735
die dem berge mit ir blate
und mit ir esten bâren schate.
und einhalp was ein pleine,
dâ vlôz ein fonteine,
ein vrischer küeler brunne,
16740
durchlûter als diu sunne.
dâ stuonden ouch drî linden obe,
schoene und ze lobelîchem lobe,
die schirmeten den brunnen
vor regene und vor sunnen.
16745
liehte bluomen, grüene gras,
mit den diu pleine erliuhtet was,
diu criegeten vil suoze in ein.
ietwederez daz schein
daz ander an inwiderstrit.
16750
ouch vant man dâ ze sîner zît
daz schoene vogelgedoene.
daz gedoene was sô schoene
und schoener dâ dan anderswâ.
ouge und ôre haeten dâ
16755
weide unde wunne beide.
daz ouge sîne weide,
daz ôre sîne wunne.
dâ was schate unde sunne,
der luft und die winde
16760
senfte unde linde.
von disem berge und disem hol
sô was ein tageweide wol
velse âne gevilde
und wüeste unde wilde.
16765
dar enwas dekein gelegenheit
an wegen noch stîgen hin geleit.
doch enwas daz ungeverte
des endes nie sô herte,
Tristan enkêrte dar în,
16770
er und sîn trûtgesellîn,
und nâmen ir herberge
in dem velse und in dem berge.

Nu daz si sich geliezen nider,
sie sanden Curvenâlen wider,
16775
daz er in den hof jaehe
und swâ es nôt geschaehe,
daz Tristan und diu schoene Îsôt
mit jâmer und mit maneger nôt
hin wider z'Îrlande waeren,
16780
ir unschulde offenbaeren
wider liut und wider lant.
und daz er sich ouch al zehant
da ze hove nider lieze,
swie in Brangaene hieze,
16785
und mit durnehtekeite
der durnehtigen seite,
ir beider vriundinne,
ir vriuntschaft unde ir minne.
und ervüere ouch, waz der maere
16790
umb Markes willen waere.
ob er dekeinen argen rât
dekeiner arclîchen tât
ûf ir leben leite,
daz er in iesâ seite
16795
und daz er ouch genôte
Tristanden unde Îsôte
in sîne trahte naeme
und ie dar wider kaeme
mit sô getânen maeren,
16800
diu rât ze muote baeren,
ie z'einem mâle in zweinzec tagen.
waz mac ich iu nu mê gesagen?
er leiste, daz man ime gebôt.
hie mite was Tristan unde Îsôt
16805
in ein gezogen ze hûse
in dirre wilden clûse.

Genuoge nimet hier under
virwitze unde wunder
und habent mit vrâge grôze nôt,
16810
wie sich Tristan unde Îsôt,
die zwêne geverten
in dirre wüeste ernerten.
des wil ich sî berihten,
ir virwitze beslihten.
16815
si sâhen beide ein ander an,
dâ generten si sich van.
der wuocher, den daz ouge bar,
daz was ir zweier lîpnar.
si enâzen niht dar inne
16820
wan muot unde minne.
diu geliebe massenîe
diu was ir mangerîe
in maezlîchen sorgen.
si truogen verborgen
16825
innerthalp der waete
daz beste lîpgeraete,
daz man zer werlde gehaben kan.
daz truoc sich in vergebene an
und ie vrisch unde niuwe:
16830
daz was diu reine triuwe;
diu gebalsemete minne,
diu lîbe unde sinne
als inneclîche sanfte tuot,
diu herze vuoret unde muot.
16835
diu was ir bestiu lîpnar.
deiswâr si nâmen selten war
dekeiner spîse niuwan der,
von der daz herze sîne ger,
daz ouge sîne wunne nam
16840
und ouch dem lîbe rehte kam.
hie mite sô haeten sî genuoc.
in streich diu liebe, ir erbepfluoc,
niwan an iegelîchem trite
und z'iegelîchen stunden mite
16845
und gab in alles des den rât,
des man ze wunschlebene hât.
ouch muote sî daz cleine,
daz s'in der wüeste als eine
und âne liute solten sîn.
16850
nu wes bedorften s'ouch dar în
oder waz solt ieman zuo z'in dar?
si haeten eine gerade schar:
dane was niuwan ein und ein.
haeten s'ieman zuo z'in zwein
16855
an die geraden schar gelesen,
sô waere ir ungerade gewesen
und waeren mit dem ungeraden
sêre überlestet und überladen.
ir zweier geselleschaft
16860
diu was in zwein sô herehaft,
daz der saelige Artûs
nie in dekeinem sînem hûs
sô grôze hôhgezît gewan,
dâ mêre ir lîbe lustes van
16865
und wunne waere enstanden.
man haete in allen landen
dekeine vröude vunden,
die sî zwei zuo den stunden
wolten haben gekouft dar în
16870
umbe ein glesîn vingerlîn.
swaz ieman kunde ertrahten,
ze wunschlebene gahten
in allen landen anderswâ,
daz haeten s'allez bî in dâ.
16875
sine haeten umbe ein bezzer leben
niht eine bône gegeben
wan eine umbe ir êre.
waz solte in ouch dâ mêre?
si haeten hof, si haeten rât,
16880
dar an diu vröude elliu stât:
ir staetez ingesinde
daz was diu grüene linde,
der schate und diu sunne,
diu riviere unde der brunne,
16885
bluomen, gras, loup unde bluot,
daz in den ougen sanfte tuot.
ir dienest was der vogele schal:
diu cleine reine nahtegal,
diu troschel unde daz merlîn
16890
und ander waltvogelîn.
diu zîse und der galander
die dienden wider ein ander
inwette unde inwiderstrît.
diz gesinde diende z'aller zît
16895
ir ôren unde ir sinne.
ir hôhzît was diu minne,
ir vröuden übergulde,
diu brâhte in durch ir hulde
des tages ze tûsent stunden
16900
Artûses tavelrunden
und alle ir massenîe dar.
waz solte in bezzer lîpnar
ze muote oder ze lîbe?
dâ was doch man bî wîbe,
16905
sô was ouch wîp bî manne:
wes bedorften si danne?
si haeten daz si solten,
und wâren dâ si wolten.

Nu trîbent aber genuoge
16910
ir maere und ir unvuoge,
des ich doch niht gevolgen wil:
si jehent, ze sus getânem spil
dâ gehoere ouch ander spîse zuo.
da enweiz ich rehte, weder ez tuo.
16915
es dunket mich genuoc hier an.
ist aber anders ieman,
der bezzeren lîprât
an disem lebene erkunnet hât,
der jehe, als erz erkenne.
16920
ich treib ouch eteswenne
alsus getâne lebesite.
dô dûhte es mich genuoc dermite.

Nune sol iuch niht verdriezen,
ir enlât iu daz entsliezen,
16925
durch welher slahte meine
diu fossiure in dem steine
betihtet waere, als si was.
si was, als ich iezuo dâ las,
sinewel, wît, hôch und ûfreht,
16930
snêwîz, alumbe eben unde sleht.
diu sinewelle binnen
daz ist einvalte an minnen.
einvalte zimet der minne wol,
diu âne winkel wesen sol.
16935
der winkel, der an minnen ist,
daz ist âkust unde list.
diu wîte deist der minnen craft,
wan ir craft ist unendehaft.
diu hoehe deist der hôhe muot,
16940
der sich ûf in diu wolken tuot.
dem ist ouch nihtes ze vil,
die wîle er sich gehaben wil
hin ûf, dâ sich der tugende gôz
ze samene welbet an ein slôz.
16945
so gevaelet ouch daz niemer,
die tugende dien sîn iemer
gesteinet unde gewieret,
mit lobe alsô gezieret,
daz wir, die nidere sîn gemuot,
16950
der muot sich allez nider tuot
und an dem esterîche swebet,
der weder swebet noch enclebet:
wir kapfen allez wider berc
und schouwen oben an daz werc,
16955
daz an ir tugenden dâ stât,
daz von ir lobe her nider gât,
die ob uns in den wolken swebent
und uns ir schîn her nider gebent:
die kapfe wir ze wunder an.
16960
hie wahsent uns die vedern van,
von den der muot in vlücke wirt,
vliegende lob nâch tugenden birt.
Diu want was wîz, eben unde sleht.
daz ist der durnehte reht:
16965
der wîze und ir einbaere schîn
dern sol niht missemâlet sîn.
an ir sol ouch kein arcwân
weder bühel noch gruobe hân.
der marmelîne esterîch
16970
der ist der staete gelîch
an der grüene und an der veste.
diu meine ist ime diu beste
von varwe und von slehte.
diu staete sol ze rehte
16975
ingrüene sîn reht alse gras,
glat unde lûter alse glas.
Daz bette inmitten inne
der cristallînen minne,
daz was vil rehte ir namen benant.
16980
er haete ir reht vil rehte erkant,
der ir die cristallen sneit
z'ir legere und z'ir gelegenheit.
diu minne sol ouch cristallîn,
durchsihtic und durchlûter sîn.

16985
Innen an der êrînen tür
dâ giengen zwêne rigele vür.
ein valle was ouch innen
mit kündeclîchen sinnen
hin ûz geleitet durch die want,
16990
aldâ s'ouch Tristan dâ vant.
die meisterte ein heftelîn,
daz gie von ûzen dar în
und leite si dar unde dan.
noch slôz noch slüzzel was dar an
16995
und wil iu sagen umbe waz.
dane was niht slôzes umbe daz:
swaz man gerüstes vür die tür
(ich meine ûzerhalp dervür)
ze rûme oder ze slôze leit,
17000
daz tiutet allez valscheit.
wan swer zer Minnen tür în gât,
den man von innen niht în lât,
daz enist der minnen niht gezalt,
wan daz ist valsch oder gewalt.
17005
durch daz ist dâ der Minnen tor,
diu êrîne tür vor,
die nieman kan gewinnen,
ern gewinne sî mit minnen.
ouch ist si durch daz êrîn,
17010
daz kein gerüste müge gesîn
weder von gewalte noch von craft,
von liste noch von meisterschaft,
von valscheite noch von lüge,
dâ mite man sî verscherten müge.
17015
und innen ietweder rigel,
ietweder minnen insigel
daz was zem andern gewant
ietwederhalben an der want.
und was der einez cêderîn,
17020
daz ander helfenbeinîn.
nu vernemet die tiute ir bêder:
daz eine insigel der cêder
daz meinet an der minne
die wîsheit und die sinne;
17025
daz von dem helfenbeine
die kiusche und die reine.
mit disen zwein insigelen,
mit disen reinen rigelen
sô ist der Minnen hûs bewart,
17030
valsch unde gewalte vor bespart.
Daz tougenlîche heftelîn,
daz von ûzen hin în
zer vallen was geleitet hin,
daz was ein spinele von zin.
17035
diu valle was von golde,
als sî ze rehte solde:
valle unde haft, diz unde daz,
diu enmohten beidiu niemer baz
an ir eigenschaft sîn brâht.
17040
daz zin daz ist diu guote andâht
ze tougenlîchem dinge.
daz golt daz ist diu linge.
zin unde golt sint wol hier an.
sîn andâht mag ein ieclîch man
17045
nâch sînem willen leiten,
smalen oder breiten,
kürzen oder lengen,
vrîen oder twengen
sus oder sô, her oder hin
17050
mit lîhter arbeit alse zin
und ist dâ lützel schaden an.
swer aber mit rehter güete kan
ze minnen wesen gedanchaft,
den treit binamen dirre haft
17055
von zine, dem swachen dinge,
ze guldîner linge
und ze lieber âventiure.

Obene in die fossiure
dâ wâren niwan driu vensterlîn
17060
schône unde tougenlîchen în
gehouwen durch den ganzen stein,
dâ diu sunne hin în schein.
der einez ist diu güete,
daz ander diemüete,
17065
daz dritte zuht. ze disen drîn
dâ lachet in der süeze schîn,
diu saelige gleste,
êre, aller liehte beste
und erliuhtet die fossiure
17070
werltlîcher âventiure.
ouch hât ez guote meine,
daz diu fossiure als eine
in dirre wüesten wilde lac,
daz man dem wol gelîchen mac,
17075
daz minne und ir gelegenheit
niht ûf die strâze sint geleit
noch an dekein gevilde:
si lôschet in der wilde,
z'ir clûse ist daz geverte
17080
arbeitsam unde herte.
die berge ligent dar umbe
in maneger swaeren crumbe
verirret hin unde wider.
die stîge sint ûf unde nider
17085
uns marteraeren allen
mit velsen sô vervallen.
wir engân dem pfade vil rehte mite,
verstôze wir an eime trite,
wir enkomen niemer mêre
17090
ze guoter widerkêre.
swer aber sô saelic mac gesîn,
daz er zer wilde kumet hin în,
der selbe hât sîn arbeit
vil saeleclîchen an geleit.
17095
der vindet dâ des herzen spil.
swaz sô daz ôre hoeren wil
und swaz dem ougen lieben sol,
des alles ist diu wilde vol.
sô waere er ungern anderswâ.

17100
Diz weiz ich wol, wan ich was dâ.
ich hân ouch in der wilde
dem vogele unde dem wilde,
dem hirze unde dem tiere
über manege waltriviere
17105
gevolget unde nâch gezogen
und aber die stunde alsô betrogen,
daz ich den bast noch nie gesach.
mîn arbeit und mîn ungemach
daz was âne âventiure:
17110
ich vant an der fossiure
den haft und sach die vallen.
ich bin ze der cristallen
ouch under stunden geweten.
ich hân den reien getreten
17115
dicke dar und ofte dan.
ine geruowet aber nie dar an.
und aber den esterîch dâ bî,
swie herte marmelîn er sî,
den hân ich sô mit triten zebert:
17120
haet in diu grüene niht ernert,
an der sîn meistiu tugent lît,
von der er wahset alle zît,
man spurte wol dar inne
diu wâren spor der minne.
17125
ouch hân ich an die liehten want
mîner ougen weide vil gewant
und hân mich oben an daz gôz,
an daz gewelbe und an daz slôz
mit blicken vil gevlizzen,
17130
mîner ougen vil verslizzen
an der gezierde dar obe,
diu sô gestirnet ist mit lobe.
diu sunnebernde vensterlîn,
diu habent mir in daz herze mîn
17135
ir gleste dicke gesant.
ich hân die fossiure erkant
sît mînen eilif jâren ie
und enkam ze Curnewâle nie.

Diu getriuwe massenîe,
17140
Tristan und sîn amîe
si haeten in der wilde
ze walde und ze gevilde
ir muoze und ir unmuoze
besetzet harte suoze.
17145
si wâren z'allen zîten
ein ander an der sîten.
des morgens in dem touwe
sô slîchen sî zer ouwe,
dâ beide bluomen unde gras
17150
mit dem touwe erküelet was.
diu küele prâerîe
was danne ir banekîe.
dâ giengen si her unde hin
ir maere sagende under in
17155
und loseten mit dem gange
dem süezen vogelsange.
sô danne nâmen s'ainen swanc,
hin dâ der küele brunne clanc,
und loseten sînem clange,
17160
sînem sliche und sînem gange.
dâ er hin ûf die plaine gie,
dâ gesâzen sî durch ruowen ie,
dâ loseten sî dem duzze
und warteten dem vluzze
17165
und was daz aber ir wunne.
Als aber diu liehte sunne
ûf begunde stîgen,
diu hitze nider sîgen,
sô giengen sî zer linden
17170
nâch den linden winden,
diu bar in aber danne lust
ûzen und innerthalp der brust.
si ervröuweten ouge unde sin:
diu süeze linde süezet in
17175
luft unde schate mit ir blate.
die winde wâren von ir schate
süeze, linde, küele.
der linden gestüele
daz was von bluomen und von grase
17180
der baz gemâlete wase,
den ie linde gewan.
dâ sâzen si z'ein ander an
die getriuwen senedaere
und triben ir senemaere
17185
von den, die vor ir jâren
von sene verdorben wâren.
si beredeten unde besageten,
si betrûreten unde beclageten,
daz Villîse von Trâze,
17190
daz der armen Canâze
in der minnen namen geschach;
daz Biblîse ir herze brach
durch ir bruoder minne.
daz ez der küniginne
17195
von Tîre und von Sidône,
der seneden Didône
durch sene sô jaemerlîche ergie.
mit solhen maeren wâren s'ie
unmüezic eteswenne.

17200
So s'aber der maere denne
vergezzen wolten under in,
sô slichen s'in ir clûse hin
und nâmen aber ze handen,
dar an s'ir lust erkanden,
17205
und liezen danne clingen
ir harphen unde ir singen
senelîchen unde suoze.
si wehselten unmuoze
mit handen und mit zungen.
17210
si harpheten, si sungen
leiche unde noten der minne.
si wandelten dar inne
ir wunnenspil, swie sî gezam.
sweder ir die harphen genam,
17215
sô was des anderen site,
daz ez diu notelîn dermite
suoze unde senelîche sanc.
ouch lûtete ietweder clanc
der harphen unde der zungen,
17220
so s'in ein ander clungen,
sô suoze dar inne,
als ez der süezen Minne
wol z'einer clûse wart benant:
la fossiure a la gent amant.
17225
swaz aber von der fossiure
von alter âventiure
vor hin ie was bemaeret,
daz wart an in bewaeret.
diu wâre wirtinne
17230
diu haete sich dar inne
alrêrste an ir spil verlân.
swaz ê dar inne ie wart getân
von kurzewîle oder von spil,
dazn lief niht ze disem zil.
17235
ezn was niht von meine
sô lûter noch sô reine,
als ir spil was under in.
si triben der minne ir stunde hin
sô wol sô nie gelieben baz.
17240
sine tâten niht wan allez daz,
dâ si daz herze zuo getruoc.
Der kurzewîle was genuoc,
der s'in dem tage begunden.
si riten under stunden,
17245
sô si des geluste,
mit dem armbruste
pirsen in die wilde
nâch vogelen und nâch wilde
unde ouch z'eteslîchen tagen
17250
nâch dem rôten wilde jagen
mit Hiudane ir hunde,
der dannoch niene kunde
unlûtes loufen sus noch sô.
in haete Tristan aber dô
17255
gelêret harte schiere
nâch dem hirze und nâch dem tiere,
nâch aller slahte wilde
durch walt und durch gevilde
ze wunsche loufen ûf der vart,
17260
sô daz er niemer lût wart.
mit dem vertriben si manegen tac,
niht durch dekeinen den bejac,
der an solhen dingen lît,
niuwan durch die kurzen zît,
17265
die man hie mite haben sol.
si üebeten, daz weiz ich wol,
den bracken unde daz armbrust
mê durch ir herzen gelust
und durch ir banekîe
17270
danne durch mangerîe.
ir geschepfede unde ir pflege
was alle zît und alle wege
niht anders wan des sî gezam
und in ze muote rehte kam.
 
 
 
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