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- P r o l o g
Die Klage der Kunst
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- Waz sol nû sprechen unde sanc?
man seit ir beider cleinen danc,
und ist ir zwâre doch unvil,
die mit getihte fröuden spil
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- den liuten bringen unde geben.
man siht der meister wênic leben,
die singen oder sprechen wol;
dâ von mich wunder nemen sol,
daz beide rîche und arme sint
- 10
- an êren worden alsô blint,
daz si die wîsen ringe wegent,
die wol gebluomter rede pflegent,
diu schne ist unde wæhe.
ich wânde, swaz man sæhe
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- tiur unde fremde werden,
daz solte man ûf erden
für manic sache minnen,
der man hie gnuoc gewinnen
und alze vil gehaben mac.
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- den weisen ie vil hôhe wac
der keiser und daz rîche,
dur daz nie sîn gelîche
wart under manigem steine.
sît man gimmen reine
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- dar umb ie künde triuten,
daz si niht al den liuten
wol veile sint, sô diuhte mich
gevellic unde mügelich,
daz guot getihte wære
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- ze hove niht unmære
durch sîne tiuren fremdekeit.
diu schrift von einem vogele seit,
der fênix ist genennet.
ze pulver sich der brennet,
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- dar ûz er lebende wider wirt,
sô daz kein ander vogel birt
sîn fleisch und sîn gebeine;
jô lebt er alters eine,
und wart nie sîn genôz erkant.
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- vlüg er ûf eines herren hant,
mich diuhte wol gefüege,
daz er in gerner trüege
denn einen sperwære,
der niht sô fremde wære,
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- noch alsô tiure worden.
ich wil den spæhen orden
getihtes ime gelîchen,
der schiere in tiutschen rîchen
sô vaste wil verswinden,
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- daz man kûm einen vinden
mac in der lande creizen,
der müge ein meister heizen
red unde guoter dne;
dâ von getihte schne
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- den liuten adelbære
billichen lieber wære,
denn ob der wîsen wære gnuoc,
die mit ir sange wæren cluoc
und mit ir sprechen hövelich.
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- die nû verstânt ze rehte sich
getihtes in den landen,
die trüege man ûf handen
billîche enbor durch die geschiht,
daz man ir alsô wênic siht
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- und man der vindet gnuoge,
die trîben ander fuoge
schôn unde rehte kunnent.
ist, daz ir mir sîn gunnent,
ich sage zwivalt êre,
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- die got mit sîner lêre
ûf einen tihter hat geleit.
sîn herze sunderlichen treit
ob allen künsten die vernunst,
daz sîne fuoge und sîne kunst
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- nâch volleclichen êren
mac nieman in gelêren,
wan gotes gunst aleine.
kein mensche lebt sô reine,
dem got der sælden günde,
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- daz er gelernen künde
wort unde wîse tihten.
swaz künste man verrihten
hie kan ûf al der erden,
diu mac gelernet werden
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- von liuten, wan der eine list,
der tihten wol geheizen ist
und iemer ist alsô genant.
diz ist ein êre wîte erkant
und rîlîche ein wirdikeit,
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- die got besunder hât geleit
ûf einen tihter ûz erwelt.
ein ander lop wirt iu gezelt,
dâ mite in hât getiuret got.
im gap sîn götelich gebot
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- als edellîche zuoversiht,
daz er bedürfe râtes niht,
noch helfe zuo der künste sîn,
wan daz im unser trehtîn
sinn unde mundes günne,
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- dâ mite er schône künne
gedenken unde reden wol.
swer ander kunst bewæren sol
den jungen und den alten,
der muoz geziuges walten
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- und helferîcher stiure,
mit der sîn kunst gehiure
müg an daz lieht gefliezen.
und sol ein schütze schiezen,
er muoz hân bogen unde bolz.
- 110
- kein snîder lebt sô rehte stolz,
der sîne kunst bewære,
gebristet im der schære,
dâ mite er schrôte ein edel tuoch.
ein kurdiwæner wæhen schuoch
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- nâch lobelichen sachen
mac niemer wol gemachen,
hât er niht alen unde borst.
nieman des wilden waldes worst
ân akes mac gehouwen.
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- swer durch die werden frouwen
rîlîche sol turnieren,
den müezen schône zieren
ros unde wâpenkleider:
jô darf er wol ir beider,
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- sol im sîn frouwe nîgen.
tambûren, harpfen, gîgen
bedürfen ouch geziuges wol.
swaz künste man eht öugen sol,
die müezen hân gerüste,
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- mit dem si von der brüste
ze liehte künnen dringen,
wan sprechen unde singen:
diu zwei sint alsô tugenthêr,
daz si bedürfen nihtes mêr
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- wan zungen unde sinnes.
der wirde und des gewinnes
genüzzen si von schulden,
daz man si gerne dulden
ze hove solte und anderswâ.
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- nû tuot man in ze liebe dâ
vil harte lützel guotes.
die wilden junges muotes
an der bescheidenheite sint
sô toup und alsô rehte blint,
- 145
- daz guotiu rede und edel sanc
si dunket leider alze kranc,
swie si doch sîn ein künstic hort.
diu swachen schemelichen wort
von künstelôsen tôren
- 150
- baz hellent in ir ôren,
dann edele sprüche tugentsam.
ir muot der ist getihte gram,
daz prüeve ich unde kiuse:
si tuont der fledermiuse
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- gelîch, diu nahtes fliuget,
daz si der glanz betriuget
an einem fûlen spâne,
daz si lebt in dem wâne,
daz von dem holze fiuhte
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- ein wârez lieht dâ liuhte
und ein gar endelicher schîn.
sus kan ze hove manger sîn
sô vinster an dem muote
und an wîslicher huote
- 165
- sô gar unmâzen tunkel,
daz als ein lieht karfunkel
ein fûler und ein bser funt
in sînes trüeben herzen grunt
vür edele sprüche schînet.
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- swer sich ûf tihten pînet,
der kan sich selben tren:
man wil ungerne hren
wol sprechen unde singen.
unfuoge diu kan dringen
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- vür aller zühte mâze.
dar umb ich doch niht lâze
mîn sprechen und mîn singen abe.
swie cleine ich drumbe lônes habe
von alten und von jungen,
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- doch mac ich mîner zungen
ir ambet niht verbieten.
ich wil und muoz mich nieten
getihtes al die wîle ich lebe:
ze lône und z'einer hôhen gebe
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- mir selben üebe ich mîne kunst.
dur waz verbære ich die vernunst,
diu dicke und ofte fröuwet mich?
ob nieman lepte mêr, denn ich,
doch seite ich unde sünge,
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- dur daz mir selben clünge
mîn rede und mîner stimme schal.
ich tæte alsam diu nahtegal,
diu mit ir sanges dône
ir selben dicke schône
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- die langen stunde kürzet.
swenn über si gestürzet
wirt ein gezelt von loube,
sô wirt von ir daz toube
gevilde lûte erschellet.
- 200
- ir dôn ir wol gevellet,
dur daz er trûren stret.
ob si dâ nieman hret,
daz ist ir alsô mære,
als ob ieman dâ wære,
- 205
- der si vernemen künde wol.
seht, alsô wil ich unde sol
dur daz niht lâzen mînen list,
daz ir sô rehte wênic ist,
die mîn getihte wol vernemen.
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- mîn kunst mir selben sol gezemen:
wan mir ist sanfte gnuoc dâ mite.
dâ von ich mînen alten site
ungerne wil vermîden:
ich muoz eht aber lîden
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- den kumber, des ich hân gewent.
mîn sin der spannet unde dent
dar ûf mit hôhem flîze,
daz ich vil tage verslîze
ob einem tiefen buoche,
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- dar inne ich boden suoche,
den ich doch vinde kûme.
z'eim endelôsen pflûme,
dar inne ein berc versünke wol,
gelîchen man diz mære sol,
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- des ich mit rede beginne.
wil ich den grunt dar inne
mit worten undergrîfen,
sô muoz ich balde slîfen
hie mîner zungen enker.
- 230
- mîn lop daz würde krenker,
ob ich des hie begünde,
daz ich mit rede niht künde
z'eim ende wol gerihten.
ich wil ein mære tihten,
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- daz allen mæren ist ein her.
als in daz wilde tobende mer
vil manic wazzer diuzet,
sus rinnet unde fliuzet
vil mære in diz getihte grôz.
- 240
- ez hât von rede sô wîten vlôz,
daz man ez kûme ergründen
mit herzen und mit münden
biz ûf des endes boden kan.
daz ich ez hebe mit willen an,
- 245
- dar ûf hât wol gestiuret mich
der werde singer Dietrich
von Basel an dem Orte,
der als ein êren borte
mit zühten ist gesteinet;
- 250
- vor schanden ist gereinet
sîn herze alsam ein lûter golt.
dur sîner miltekeite solt,
den ich hân dicke enpfangen,
ist von mir an gevangen
- 255
- vil snelleclîche ein ursuoch,
der zieren künne wol diz buoch
mit rede in allen enden.
geruochet helfe senden
ein meister aller künste mir,
- 260
- sô kêre ich mînes herzen gir
mit flîze ûf einen prologum,
der nütze werde und alsô frum,
daz er den liuten künne geben
ein bilde ûf tugentrîchez leben
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- und ûf bescheidenlîche tât.
von Wirzeburc ich Cuonrât
von welsche in tiutsch getihte
mit rîmen gerne rihte
daz alte buoch von Troye.
- 270
- schôn als ein vrischiu gloye
sol ez hie wider blüejen.
beginnet sich des müejen
mîn herze in ganzen triuwen,
daz ich ez welle erniuwen
- 275
- mit worten lûter unde glanz,
ich büeze im sîner brüche schranz:
den kan ich wol gelîmen
z'ein ander hie mit rîmen,
daz er niht fürbaz spaltet.
- 280
- ob sîn gelücke waltet,
und wil mir got ze helfe komen,
sô wirt ein wunder hie vernomen
von âventiuren wilde,
dâ bî man sælic bilde
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- und edel bîschaft nemen sol:
man hret übel unde wol
gedenken hie der liute.
swer zuht und êre triute,
der biete herze und ôren her:
- 290
- sô merket und erkennet er
überflüzzeclichen hort
von strîte, daz er hie noch dort
bevant nie grzer slahte,
sô die vor Troye mahte
- 295
- vil manic ellentrîcher helt.
Dâres, ein ritter ûz erwelt,
der selbe vil vor Troye streit,
swaz der in kriechisch hât geseit
von dirre küniclichen stift,
- 300
- daz wart mit endelicher schrift
ze welsche und in latîne brâht.
dâ wider hân ich des gedâht,
daz ich ez welle breiten
und mit getihte leiten
- 305
- von welsche und von latîne:
ze tiuscher worte schîne
wirt ez von mir verwandelt.
wird ich sô wol gehandelt
von götelicher stiure,
- 310
- daz ich dis âventiure
mac ûf ein ende bringen,
ich sag iu von den dingen,
wie daz vil keiserlîche wîp
Helêne manigen werden lîp
- 315
- biz ûf den tôt versêrte,
und waz man bluotes rêrte,
daz durch si wart vergozzen.
ir clârheit was geflozzen
für alle frouwen ûz erkorn.
- 320
- des wart vil manic lîp verlorn,
der von ir minne tôt gelac:
daz man vil wol gehren mac,
ê diz getihte neme ein zil,
des ich nû hie beginnen wil.
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