| |
|
-
- W â n u f r ö i d e , w â n u ê r e .
L i e d L I X
(309C, HMS II 61a)
Text:
Deutsche Liederdichter des 13. Jahrhunderts
herausgegeben von Carl Kraus,
Band 1, S. 428-494, Tübingen 1952
- __________________________________________________
- 1
- Wâ nu fröide, wâ nu êre,
wâ nu volger guoter lêre?
werlt, du trûrest al ze sêre,
dîn lop gêt an einem stabe.
- 5
- hübscheit was hie vor dîn krône,
dô man ranc nâch wîbes lône
âne valsch mit zühten schône;
die hâstû geworfen abe.
reîner wîbe güetlîch grüezen
- 10
- kan wol swære sorge büezen
von dem houbet zuo den füezen,
diu vert in swacher tugende habe.
- 2
- Wîp, dîn name uns fröide mêret;
got hât dich mit sælden gêret,
daz dîn leben niht mêr zerrêret;
dû bist aller wunne ein dach.
- 5
- wîp, du solt unwîpheit mîden
und lâ dich die schande nîden,
sôn mac niht dîn lop versnîden;
ganc der scham mit zühten nâch.
wilt aber du valsch für tugende minnen,
- 10
- des wirt diu schande mit dir innen,
sî lât dich unprîs gewinnen:
fliuch ir mat, sagt si dir schâch.
- 3
- Ritterschaft, wie stêt dîn orden?
sage an, wem'st dîn wirde worden?
man sach dich in tugenden horden,
dannoch was dîn lop vil ganz.
- 5
- daz klagent nû die edeln frouwen,
daz man dînen schilt sol schouwen
alsô ganz und unverhouwen:
wâ'st dîn turnei, wâ'st dîn tanz?
du miz dîn leben baz in der mâze
- 10
- dâ dich diu schande in êren lâze;
ir gewalt vert ûf der strâze:
setze ûf wider der êren kranz.
|
|