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B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A

 

 

 

 
Johann Fischart
1546/47 - 1590
 


 






 



G e i s t l i c h e
L i e d e r


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INN deim Namen, O Hoher GOT
geb ich mich auf die Strasen:
Ich wag es auf dein Güt und Gnod,
du wirst mich nun nicht lasen.
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      Dan du bist je auch vnser GOT,
der vnserm ein vnd ausgang rhot,
du thatst es so bestellen,
Auf das, so wir Raisen allhie,
denken, das wir sint Pilger ie
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vnd dorthin müsen stellen.

Zu Raisend Leuten hastu lust
vnd fräud zuhelfen jnen,
Dan auch dein liber Son je mußt
raisend sein Amt beginnen,
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      Als er floh inn Egipten gschwind,
da Herodes nachtracht dem Kind,
das er es pring zu falle.
So raißten auch die Väter all
vnd das Volk Israel zumal
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vnd die Aposteln alle.

Wie nun denselben gholfen hast,
das sie jr thun erraichten,
Also wöll auch dein Gnaden glast
meim fürnemen vorleuchten:
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      Wie forgingst dem Volk Israel
Nacht vnd tags inn der Wolken hell,
also dein Gnad mir scheine;
Las vber mich aufgehn dein Güt,
wie die schön Morgenröt herplüht,
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dein trost mich stäts anscheine.

Kom vns heut vor mit deiner Gnad,
frü vns dein Güt erwecke,
Behüt vns auch den Abend spat,
das vns nicht args erschrecke,
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      Das vnser Gaist auch wach zu Nacht
zu dir, der du hältst die Schiltwacht
durch ganze Engelshaufen,
Welche sich vm vns lägern her
wie ain stark Wagenburg zur Wehr
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widers Teufels anlaufen.

Dein Engel gib mir allzeit zu,
die mich auf meim Weg laiten
Vnd pringen mich gsund haim zu Rhu,
vnd mein geschäft beraiten,
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      Gleichwie der Jung Tobias het
den Raphael zum Gfärten stät,
vnd jm glücklich erginge:
Dan wa du nicht zur seiten bist,
da praucht der Teufel gleich sein list,
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das er inn Not vns pringe.

O HERR, bewar für Wassersnot,
für Lebensgfärlichkaiten,
Für des Schwerds schärf vnd gähen Tod,
für Gift vnd schnell Krankhaiten,
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      Für Vngewitter, Hagel, Feur,
für Thirn vnd Menschen vngeheur,
für Vnnützen Gefärten,
Für vnverschamten Herzen auch,
rochlosen Leuten, argem prauch
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vnd anderen beschwerden.

Erhalt mich Nüchtern auf der fart,
dan Fülle pringt mutwillen.
Schaff, das mein Herz sei rain verwart,
nichts arges zu erfüllen.
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      Bewar mein Zung vor falscher Red,
trug, schandparkait vnd Afterred,
das ich kainn ärger, schmähe;
Verleih mir auch gnad, Rhat vnd Kräft,
das ich nuzlich ausricht mein gschäft
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vnd allain auf dich sehe.

Beweis dich mir, wie dich beweist
dort Jacob, dem Erzvater,
Als er weit zu dem Laban raißt
vor seines Pruders hader;
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      Halt mir, was jm dein Güt verhaißt,
als er weit inn Egipten Raißt,
da du jm thätst zusagen:
«Ich will zihen hinab mit dir,
vnd will dich herauf füren mir»:
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wer wolt zu dem Wort zagen?

Konstu die Kinder Jsrael
durch vngbant Wüsten füren,
Ja durch das Mör on allen fäl,
was solt mir dan nicht gbüren?
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      Dieweil ich je auch binn dein Kind,
der dir durch dein Son binn Versünt
vnd durch sein Lib dir Libe:
So führ mich nun durch deinen Sun
auf diser Rais in meinem thun,
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das mich nichts args betrübe.

Zu dir mein Gsicht heb ich allain,
daher all hülf entspriset.
Vom HERREN scheint mir hülf herein,
von GOT mein Trost herfliset.
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      Dan Er die Sünd verzeihen kan
vnd nimmt mich gern vm Christum an,
der dis Elend versuchte,
Damit er aus dem Jamertal
vns prächt inn seines Vaters Sal
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vnd das Verloren suchte.

O Christe, frü stärk mich dein Gnad
wie ain Tauwolk des Morgens;
Erquick mich wie der Regen spat,
so darf ich nicht vil sorgens.
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      Mir soll nicht grausen vberal,
ob ich wandert im finstern thal,
weil mich tröstet dein Stecken,
Dein Stab mich vor dem Fall wol stüzt,
dein ausgestreckter Schilt mich schützt,
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wer wolt drunter erschrecken?

Vm solche deine Güt, O GOT,
wollen wir dir Lobsingen,
So bald die libe Sonn aufgoht,
mit den Feldvöglin klingen
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      Vnd abends, wann die Nacht einpricht,
dir dancken für dein Ewigs Licht,
welchs inn vns pflanzt dein Gaiste.
O GOT, schlis inn dein Hand mein Sel,
mich vnd das mein ich dir befel,
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dein Hülf zur Rais mir leiste.
 
 
 
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