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B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A

 

 

 

 
Albrecht von Haller
Tagebuch seiner Beobachtungen
 


 






 




T a g e b u c h
s e i n e r   B e o b a c h t u n g e n
ü b e r   S c h r i f t s t e l l e r
u n d   ü b e r   s i c h   s e l b s t .


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X I .

K l o p s t o c k .


1 7 4 8   ( G . G . A.   S . 7 5 7 . )


Wir haben das vierte Stück des vierten Bandes der neuen Beyträge zum Vergnügen des Verstandes und Witzes nicht durchlesen können, ohne dem Leser unsre Gedanken von dem darinn enthaltenen Anfange zu einem Heldengedichte bekannt zu machen. Es sind drey Gesänge davon hier zu lesen, das übrige soll gleichfalls schon fertig seyn, und der bescheidene Verfasser hat es nur aus einem löblichen Mißtrauen zurückbehalten, bis er die Meynungen der Kenner darüber eingesammlet haben wird. Die Verse sind nach dem römischen Sylbenmaß in Hexametern ohne Reimen. Uns ist diese neue Art von deutschen Versen gar nicht anstößig, ob wohl andre seyn mögen, denen die vielen Dactylen hüpfend, und die Spondeen holpricht vorkommen. Wir lassen uns dadurch gar nicht hindern, eine ungemein nachdrückliche, poetische und erhabene Kraft in den Ausdrücken durchaus, zu finden, die wir in unserer Sprache noch selten so Miltonisch und so vollkommen bemerkt haben. Die Gesänge, die wir gelesen, sind hauptsächlich mit den Thaten und Gedanken der guten und bösen Engel angefüllt, die freylich einen natürlichen Anlaß zu erhabenen Bildern geben. Der Titel ist der Messias, und der Verfasser Hr. Friedrich Gottlieb Klopstock.
 
 
 
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