B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
     
   



O d e n   u n d   E l e g i e n .

A n   Y o u n g .
1 7 5 3 .


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Stirb, prophetischer Greis, stirb, denn dein Palmenzweig
Sproste längst schon empor, und dir zu rinnen, steht
      Manche freudige Thräne
            Schon im Auge der Himmlischen.

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Du verweilst noch? und hast fern an die Wolken hin
Schon dein Denkmal gebaut. Denn die geheiligten
      Ernsten, festlichen Nächte
            Wacht der Freygeist mit dir, und fühlts,

Daß dein tiefer Gesang drohend des Weltgerichts
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Prophezeiung ihm singt! fühlts, was die Weisheit will,
      Wenn sie von der Posaune,
            Diesem Weker der Toden, spricht.

Stirb! du hast mich gelehrt, daß mir des Todes Schall
Wie ein Jubellied tönt, das ein Gerechter singt.
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      Bleib, o bleib denn mein Lehrer!
            Stirb, und werde mein Genius!