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B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  Karl Philipp Moritz
1756 - 1793

 
 
   
   



N e u e s
A . B . C .   B u c h .


( 1 7 8 5 / 9 4 )

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Das sechzehnte Bild.
G e n ü g s a m k e i t .

     Ein Wanderer hat sich an einen Quell gebückt,
     Um Wasser mit der Hand zum Munde zu schöpfen.
     Sein Hut und ein Wanderstab liegen neben ihm.
     Sein Haar ist schlicht gekämmt.
     Der Wanderer ist zufrieden mit Wasser seinen Durst zu löschen.
     Ihm schmeckt der kühle Trunk aus seiner hohlen Hand so gut,
     Als dem Reichen der theure Wein aus dem goldenen Becher.
     Der Mensch braucht wenig, um zufrieden zu leben.
 
))25((

Das siebzehnte Bild.
B e w e g u n g .

     Bewegung.Ein Rad in einer Mühle wird von der Gewalt des Wassers umgetrieben.
     Das Rad ist so groß, daß ein Mensch es nicht umdrehen könnte.
     Aber der Mensch hat den Gedanken, das Wasser zu dem Rade hinzuleiten,
     Damit das Rad dadurch umgetrieben werde.
     Das Wasser treibt also die Räder durch die Einrichtung des Menschen.
     Das Wasser in einem Teiche bewegt sich nicht.
     Ein Stein bewegt sich nicht von selber.
     Der Stein, den ich in die Höhe werfe, fällt immer wieder auf die Erde
     herunter.
     Das Wasser fließt immer abwärts.
 
))26((

Das achtzehnte Bild.
L e b e n .

     Ein Mann sitzt auf einem Stuhle,
     Und hält ein Becken in der rechten Hand.
     Ein Wundarzt läßt ihm am linken Arm zur Ader.
     In den Adern fließt das Blut.
     Das Blut aus der eröfneten Ader strömt in das Becken.
     Die Ader wird verbunden; dann hört das Bluten wieder auf.
     Das Aderlassen ist zuweilen heilsam.
     In den Röhren der Pflanzen steigt der Saft empor.
     Die Pflanzen wachsen in die Höhe, aber sie bewegen sich nicht.
     Sie hohlen auch nicht Athem.
     Der Mensch hohlt beständig Athem.
     Das Blut strömt durch das Herz.

))27((

     Das Herz schlägt jeden Augenblick:
     Wenn das Herz auf immer still steht, so lebt der Mensch nicht mehr.

 
 
 
 
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