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B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  Karl Philipp Moritz
1756 - 1793

 
 
   
   



N e u e s
A . B . C .   B u c h .


( 1 7 8 5 / 9 4 )

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Das neunzehnte Bild.
T o d .

     Ein Mensch liegt schlaff und ausgestreckt am Boden.
     Ein Knabe steht neben ihm mit einer umgekehrten und ausgelöschten Fackel.
     So wie die Fackel ihren Schein verlohren hat, ist bei dem Menschen auch des Lebens Glanz verloschen.
     Sein Auge sieht nicht mehr.
     Sein Ohr vernimmt nicht mehr.
     Er athmet nicht.
     Sein Herz schlägt nicht mehr.
     Die Schlafenden gleichen den Todten.
     Auf den Tag folget die Nacht.

))28((

     Auf das Wachen folget der Schlaf.
     Auf die Arbeit folget die Ruhe.
     Auf das Leben folget der Tod.
 
Das zwanzigste Bild.
T r i e b w e r k   o h n e   V e r s t a n d .

     Eine Uhr hängt an der Wand.
     An der Uhr hängen Gewichte.
     Durch die Gewichte drehen sich die Räder in der Uhr um.
     Durch die Räder beweget sich der Zeiger auf dem Zifferblatt, und zeiget die Stunden an.
     An dem Tische sitzt der Lehrer und unterrichtet drei kleine Knaben.
     Die Knaben sind fleißig und wenden ihre Zeit sehr nützlich an.
     Mit der Arbeit wird nicht eher aufgehöret, bis die gesetzten Stunden
     vorbei sind.

))29((

     Der Unterricht und die Arbeit werden nach den Stunden eingetheilet.
     Man siehet nach der Uhr, um jede Viertelstunde gut anzuwenden, und keine Zeit unnütz zu verlieren.
 
Das ein und zwanzigste Bild.
A r b e i t   m i t   V e r s t a n d .

     Ein Uhrmacher steht am Tische, und verfertigt Uhren.
     Am Fenster hängen kleine Uhren.
     Um ihn herum stehen große Uhren.
     In der Uhr offenbaret sich der Verstand des Menschen.
     Der Verstand des Menschen setzt die Uhr zusammen, daß sich die Räder in dem Uhrwerk umdrehen, und ein Rad das andere treibt.

))30((

     Der Verstand des Menschen bezeichnet selbst die Stunden durch die Einrichtung der Uhr.
     Die Uhr ist an sich ein lebloses Ding, und steht still, sobald sie nicht aufgezogen wird.
     Der Gedanke des Menschen hat die Uhr erst in Bewegung gesetzt.
     Der Mensch selbst aber bewegt sich durch seine eigenen Gedanken.
     Ein vernünftiger Mensch bedenket alles, was er thut.

 
 
 
 
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