B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Friedrich Schiller
1759 - 1805
     
   


A n t h o l o g i e
a u f   d a s   J a h r   1 7 8 2


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[132]
      Meine Blumen.
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Schöne Frühlingskinder lächelt,
      Jauchzet Veilchen auf der Au!
Süser Balsamathem fächelt
      Aus des Kelches Himmelblau.
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Schön das Kleid mit Licht gestiket,
Schön hat Flora euch geschmüket
      Mit des Busens Perlenthau!
Holde Frühlingskinder weinet!
Seelen hat sie euch verneinet,
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      Trauert Blümchen auf der Au!

Nachtigall und Lerche flöten
      Minnelieder über euch,
Und in euren Balsambeeten
      Gattet sich das Fliegenreich.
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Schuf nicht für die süsen Triebe
Euren Kelch zum Thron der Liebe
      So wollüstig die Natur?
Sanfte Frühlingskinder weinet,
Liebe hat sie euch verneinet,
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      Trauert Blümchen auf der Flur!

Aber wenn, vom Dom umzingelt,
      Meine Laura euch zerknikt,
Und, in einen Kranz geringelt,
      Thränend ihrem Dichter schikt –
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Leben, Sprache, Seelen, Herzen
Flügelboten süser Schmerzen!
      Goß euch diß Berühren ein.
Von Dionen angefächelt,
Schöne Frühlingskinder lächelt,
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      Jauchzet Blumen in dem Hayn!

Y.