BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Johann Peter Hebel

1760 - 1826

 

Biblische Geschichten

Für die Jugend bearbeitet

 

I. Theil

 

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39.

Davids königliche Thaten.

 

Als die Philister die Leichname Sauls und seiner Söhne auf dem Schlachtfelde gefunden hatten, nahmen sie selbige mit in ihre Heimath und henkten sie zur Schmach außenwendig an eine ihrer Stadtmauern. Da gedachten die Männer von Jabes an das Heil, das einst ihr tapferer König ihrer Stadt gebracht hatte, als sie von den Ammonitern belagert waren, und holten in der Nacht mit eigener Lebensgefahr die theuern Leichname von den Mauern der feindlichen Stadt, und begruben ihre Gebeine in Jabes unter einem Baume.

Es ist eine schöne Grabstätte unter einem Raum, wie wenn ein müder Wandersmann unter einem schattenreichen Baume Kühlung und Erquickung sucht. Er schläft ein Stündlein oder etwas, und steht alsdann wieder auf. Wiewohl die Männer verbrannten zuerst die Leichname, daß ihnen nie mehr eine Unehre widerfahren möchte.

Als aber David die ehrenwerthe That der Männer von Jabes erfahren hatte, ließ er sie vor sich kommen und segnete sie dafür. – «Gott thue an euch Barmherzigkeit und Treue», so sprach er zu ihnen, «und ich will auch Gutes an euch thun, daß ihr solches gethan habt.»

Also ehren gute Menschen das Andenken ihrer Verstorbenen und denken noch an ihre Wohlthaten, aber nicht mehr an ihre Fehler.

Nach diesem griff David die Feinde an, die noch von den Zeiten des Josua her im Lande waren, und besiegte sie. Er zog vor die Stadt Jerusalem und eroberte ihre Burg, Zion, die feste Burg. Von dieser Zeit an wohnte er und seine Nachfolger in Jerusalem in der Burg Zion. Es ist dieses die nämliche Stadt, in welcher einst Melchisedek ein König und Priester des höchsten Gottes war, welchem Abraham den Zehnten gab von seiner Beute. Also regierte jetzt daselbst ein Abkömmling des Abraham als König über das schöne Land, das Gott seinen Nachkommen verheißen hatte.

Daselbst errichtete er zwar auch die Stiftshütte, und brachte die heilige Bundeslade hinein, daß die schönen Gottesdienste unter seinen Augen gehalten würden. Aber inwendig in seinem Herzen hatte er seinem Gott einen viel heiligeren Tempel gebaut, in welchem er gar schöne Gebete und Kinderlehren hielt.

Denn Gott wohnt nicht in Tempeln von Menschenhänden gebaut. Seiner wird auch nicht von Menschenhänden gepflegt.

Folgendes sind einige Gebete und Kinderlehren Davids:

«Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen! – Aus dem Munde der Kinder hast du dir ein Lob bereitet. – Wann ich den Himmel sehe, deiner Hände Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet, was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich sein annimmst?»

Ferner:

«Du warst meine Zuversicht, da ich noch an meiner Mutter Brüsten war. – Du bist mein Gott von meiner Mutter Leibe an.»

Ferner:

«Deinen Willen, mein Gott, thue ich gerne, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen.»

Ferner:

«Kommet her, Kinder, höret mir zu: ich will euch die Furcht des Herrn lehren. Wer ist, der gut leben begehret, und gerne gute Tage hätte? Behüte deine Zunge vor Bösem, und deine Lippen, daß sie nicht falsch reden. Laß vom Bösem, thue Gutes, suche Frieden, und jage ihm nach!»

David ermahnt auch die Kinder zu einem fleißigen Morgen- und Abendgebet:

«Wenn ich mich zu Bette lege, so denk' ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir. Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel rühme ich. Meine Seele hanget dir an; deine rechte Hand erhält mich.»

So kann jeder Mensch sein Inwendiges, sein Herz zu einem Kirchlein Gottes machen, wenn er solche Gebete und Lehren in sich hinein nimmt und daran denkt, und also lebt.

«Gib mir, mein Kind, dein Herz,»

David sprach: «Ist auch noch Jemand übrig geblieben von dem Geschlechte Sauls, daß ich Barmherzigkeit an ihm thue, um Jonathans willen?» Es war noch ein Sohn des Jonathan übrig, mit Namen Mephiboseth. Er wohnte in Lodebar und war lahm an beiden Füßen. David gab ihm alle Aecker seines Großvaters Saul wieder. Mephiboseth aber mußte nach Jerusalem ziehen und alle Tage von dem Tische Davids essen, wie seine eigenen Kinder, daß er den Sohn seines Freundes bei sich hätte, und ihm eine königliche Ehre anthäte.