BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Johann Peter Hebel

1760 - 1826

 

Biblische Geschichten

Für die Jugend bearbeitet

 

II. Theil

 

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20.

Das Gleichniß vom Säemann.

 

Während als diese erschreckliche Sünde an Johannes vollbracht wurde, fuhr Jesus fort, die Menschen in das heilige und selige Reich Gottes einzuladen. Es wird zu gleicher Zeit viel Gutes unter den Menschen durch Gottes Geist im Stillen befördert, wann zu gleicher Zeit der Feind des Guten viel Böses stiftet.

Warum sind so viel böse Menschen auf der Welt? Warum folgen sie nicht alle der Einladung in das heilige und selige Reich Gottes?

Jesus trug oft seine Lehren in schönen Gleichnissen und Erzählungen vor. Auch die Kinder hören Gleichnisse und Erzählungen gern.

Es gieng ein Säemann aus, zu säen seinen Samen, und indem er säete, fiel etliches Samenkorn auf den Weg, und die Vögel fraßen es auf. Etliches fiel auf das Steinichte, das nicht so viel Erde hatte, und gieng bald auf, weil es nicht tief in die Erde kam. Als aber die Sonne aufgieng, welkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrete es. Etliches fiel unter die Dornen, und die Dornen giengen mit auf, und erstickten es. Etliches fiel in ein gutes Erdreich, und trug Frucht dreißigfältig, sechszigfältig und hundertfältig.

Was will dieses Gleichniß sagen? Wie deutet es Jesus seinen Jüngern aus?

Der Same ist das Wort Gottes, die Lehre. Der Säemann säet das Wort.

Etliches fiel auf den Weg. Mancher Mensch hört das Wort, die Lehren und Ermahnungen Jesu, und nimmt sie nicht zu Herzen. Das Wort geht seinem Herzen verloren. Es kann keine Früchte bringen. Etliches fiel auf das Steinichte. Manche Menschen nehmen das Wort mit Freuden an. Aber es wurzelt nicht. Sie sind wetterwendisch. Eine Zeitlang glauben sie. Hernach, wann Trübsal kommt, fallen sie ab. Etliches fiel unter die Dornen. Manche Menschen hören das Wort. Aber in ihrem Herzen liegt die irdische Sorge, und die Wollust dieses Lebens, und erstickt den guten Keim. Darum sind noch so viele böse Menschen auf der Welt und folgen nicht alle der Einladung in das heilige und selige Reich Gottes. Aber etliches fiel auf ein gutes Erdreich. Das bedeutet die, welche das Wort aufnehmen und bewahren in einem feinen guten Herzen, und bringen nach Vermögen gute Frucht.

Was will ein Kind aus diesem Gleichniß und seiner Deutung abnehmen? Ist nicht die Schule einem solchen Acker gleich? Rührt nicht Jesus mit so manchem schönen Sprüchlein die zarten Herzen an, und säet das Wort? Wie steht es um mein Herz? Bewahre mich, mein Gott, vor Unachtsamkeit, vor Leichtsinn, vor bösen Begierden! Erhalte in mir ein feines und gutes Herz! Mein Leben sey fruchtbar an guten Gesinnungen und Thaten!