BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Rosa Luxemburg

1871 - 1919

 

Das Herbarium

 

1913 - 1918

 

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Das Herbarium Rosa Luxemburgs befindet sich im „Archiwum Akt Nowych“ in Warschau. Es handelt sich um 18 dunkelblaue Hefte im Format DIN A5: 17 Hefte mit eingeklebten Pflanzen und ein Dokumentationsheft. Angeregt wurde sie durch das Buch von Otto Wünsche „Anleitung zum Botanisieren und zur Anlegung von Pflanzensammlungen“, Berlin 1901 (>>>). Seit 1913 klebte sie, die während ihres Studiums in Zürich auch Vorlesungen in Botanik gehört hatte, akribisch Blüten und Blätter in die Hefte ein, versah sie mit ihren deutschen und lateinischen Bezeichnungen, notierte das Datum der Blüte, sowie Farbe und Duft. Selbst in der Haft in Berlin, Wronke und Breslau führte Rosa Luxemburg ihr Herbarium weiter. 1815 während einer Haftzeit im Gefängnis in der Berliner Barnimstaße erhält sie von ihren Freundinnen Mathilde Jacob und Marta Rosenbaum 1) Pflanzen. An Mathilde Jacob schreibt sie: „Für die Blumen einen ganz besonderen Dank. Sie wissen gar nicht, welche Wohltat sie mir damit erweisen. Ich kann nämlich wieder botanisieren, was meine Leidenschaft und beste Erholung ist. Seit Mai 1913 habe ich ungefähr 250 Pflanzen eingeklebt, sie sind alle wunderbar getrocknet.“ Heft XVI des Herbariums etwa trägt den Titel „Breslau Strafgefängnis. 1. Oktober – 6. Oktober 1918“. Die letzte Pflanze des Herbariums in Heft XVII stammt vom 15. Oktober 1918: „Verbascum lychnitis, Mehlige Königskerze“. Genau drei Monate später wird Rosa Luxemburg ermordet.

 

Blätter verschiedener Johannisbeerarten

 

Anemone vom Gärtner. Der Kelch sitzt ca. zwei Zentimeter tiefer und frei am Stengel (wie bei der Kuhschelle, pulsatilla).

NB! Der Kelch ist am Grunde gleich angehaucht mit derselben Farbe wie die Knospe. Die Staubbeutel und der Staub sind bei allen Blüten dunkelblau.

Von Frau Marta Rosenbaum zu Ostern.

 

Narzisse, narcissus.

Echte Narzisse, Märzbecher (Narcissus poeticus).

Familie: Amaryllisgewächse (Unterordnung der Liliengewächse).

Zu Ostern 1915 geschickt von Frau Marta Rosenbaum.

 

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1) Nähere Informationen zu den beiden: siehe die Seite In den Briefen erwähnte Personen