Prof. Michael Stoll

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Wissenswertes für Studierende der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Augsburg (HSA)

Lebensmittel aus dem Proviantbach-Viertel

Proviantbach-Viertel

Proviantbach-Viertel, originally uploaded by Prof. Michael Stoll.

O.K. – jeder ist etwas verrückt. Die einen sammeln Briefmarken, die anderen lieben’s größer. Ich gebe zu, zu letzter Gruppe zu gehören. Ziel meiner Sammelleidenschaft sind ausrangierte Werbeanlagen. Vorzugsweise solche, die sich typografisch und handwerklich von neumodischen Leuchtkästen, Folienschriften auf Basisplatte oder anderen Schrecklichkeiten deutlich abheben. Sie ahnen es bereits: handgefertigte Schriftzüge – ob Einzelbuchstaben, silbenweise oder en bloc – sind eine aussterbende Spezies. Und deshalb zu erhalten. Wer nun denkt, ich stünde mit diesem “Hobby” alleine da, der irrt. In Berlin gibt’s z. B. das Buchstabenmuseum.

Viele Studierenden der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Augsburg wissen um diese Leidenschaft: so wies mich Sophie T. vor nicht einmal einer Woche auf oben abgebildeten Schriftzug hin. Ein heißer Tipp. Zu finden im Proviantbach-Viertel und aus einer Zeit, als der Hinweis auf “Lebensmittel” ganz allgemein Kundenfrequenz brachte. Doch wegen anstehender Sanierung drohte Abriss und Entsorgung dieses Kleinods durch den Bauträger.

Also bat ich den Bauträger (http://www.neues-proviantbachquartier.de) darum, den Schriftzug für die Nachwelt im Allgemeinen und meine Studierenden im Speziellen abmontieren zu dürfen. Auf so viel Verständnis bin ich selten gestoßen: “Kein Problem, kommen Sie vorbei, wann immer Sie wollen.” Heute wollte ich und rückte mit Leiter und Werkzeugkasten an. Alles lief nach Plan, bis auf zwei Schrauben die zusammen mit ihren Wanddübeln partout nicht Abschied vom angestammten Platz nehmen wollten.

Da hielt ein Wagen längseits und ein junger Mann fragte, was mit den Buchstaben geschehen würde, ob sie doch hoffentlich nicht entsorgt würden? … Verrückte finden sich. Wir kamen in’s Gespräch darüber, dass Augsburg noch viele solcher Schätze birgt (er selbst kam gerade von einer Tour zurück, den Kofferraum voller frühindustrieller Preziosen – genial!). Und wir kamen ins Gespräch über die beiden oben erwähnten Schrauben. Der junge Mann bot an, zusätzliches Werkzeug im nahegelegenen OBI-Baumarkt zu kaufen. Gesagt. Getan. Kurze Zeit später standen wir beide abwechselnd auf der Leiter – und schon war’s um die Schrauben geschehen.

Nach drei Stunden war alles vorbei: ich bin um eine nette Bekanntschaft und die Studierenden um ein Anschauungsstück reicher. Zu bewundern nach einer sanften Renovierung demnächst in der Fakultät für Gestaltung. Zur Vervollständigung fehlt nun nur noch “Design ist ein …”.

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