Prof. Michael Stoll

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Wissenswertes für Studierende der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Augsburg (HSA)

Erstsemester-Einführung 2006

Hallo allerseits, wir heißen sie recht herzlich willkommen – in Bayern, in Augsburg und ganz besonders hier in der Fakultät für Gestaltung. Wir freuen uns, dass Sie hier sind. In einem Moment, in dem Sie sich an einem wichtigen Referenzpunkt ihre Lebensweges befinden. Das kommt Ihnen bekannt vor, was ich da erzähle? Lebensweg? Referenzpunkt? Achso: das haben Sie schon gehört: bei Ihrer Kommunion, Konfirmation, Ihrem 18. Geburtstag, als Sie den Führerschein hatten? Und doch: wir freuen uns. Denn: Ob sie nun gegen Widerstände – “… Bub’, studier’ doch lieber was Richtiges” – oder mit Unterstützung – “…toll, Design wollte ich auch immer mal” – hier sind, ist unerheblich. Erheblich ist aber, daß Sie aus der selben Motivation – nicht nur heute – hier sind, aus der wir als ihre Lehrer hier sind: Wir sind alle hier, weil wir wollen. Niemand hat gesagt, wir müssen, wir sollten, wir könnten ja mal. Nein – wir – Sie – haben sich ganz bewußt dafür entschieden. Sie haben einen riesen Aufwand betrieben, um einen dieser Studienplätze zu ergattern: Mappenberatung, einmal, vielleicht zweimal, Mappe, Mappe ändern, zwei Tage Eignungsprüfung mit Interview. Nach der Zusage – vielleicht die Auswahl zwischen Studienplätzen – Umzug nach Augsburg … Man könnte mit Fug und Recht sagen: Sie sind wirklich freiwillig hier! Und darüber freuen wir uns. Aus dieser Freiwilligkeit auf beiden Seiten erwächst eine ungeheure Freiheit. Eine Freiheit, die das was Ihnen wichtig ist, Ihre Prioritäten, erheblich verändern wird. Und eine Neugier, die – wenn wir’s richtig anstellen – im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Gier auf Neues wird. All’ der Aufwand, um ein Phänomen zu erforschen, das in vielen Lebensbereichen eine so entscheidende Rolle spielt: die Kommunikation. Und die Gestaltung derselben. Kommunikation spielt eine tragende Rolle: Im Kleinen wie im Großen. In der Biologie zum Beispiel: funktioniert da auf Zellebene die Kommunikation nicht – kann Krebs entstehen. In der Religion zum Beispiel: wo ein Papst mit guten Intentionen, aber falscher Kommunikation das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte. Oder in der Politik, wo das unglückliche Design eines Stimmzettels wahlentscheidend war. Oder im ganz privaten Umfeld: Sie kennen das, wenn ihr Gegenüber erst einmal nicht mehr mit Ihnen kommuniziert, wird’s richtig gefährlich. Ich empfehle Ihnen in diesem Zusammenhang die Rahmengeschichte zu den Geschichten aus 1001 Nacht, in der die Erzählerin allein aus dem Grunde am Leben bleibt, weil sie mit ihrem Gegenüber kommuniziert, ihm Geschichten erzählt. Und doch wenden Kritiker häufig ein, dass Kommunikationsdesign – verglichen mit den Problemen unserer gesellschaftlichen Umwelt – nicht besonders wichtig einzuschätzen ist: Täglich sterben allein 30.000 Kinder an Unterernährung, müssen Kinder ihre Eltern erschießen, um dann Kindersoldaten zu werden. Werden Frauen verstümmelt und ihrer Rechte beraubt. Da muss man sich schon einmal fragen lassen, ob es legitim ist, sich wochenlang mit irgendwelchen Designtheorien zu befassen, in lockerer Runde Akt zu zeichnen oder an der Unterscheidung zwischen den Buchstaben “Groß-W” und “Klein-a” zu feilen, bis sie optisch passend zueinander stehen. Um es gleich zu sagen: es ist legitim. Und mehr noch: es ist dringend notwendig. Denn in keinem anderen Studium lernen Sie umfassender, Kommunikation zu analysieren und kompetent zu planen. Doch das ist nicht genug. Wir wollen Ihnen auch die Theorien, Methoden und Werkzeuge an die Hand geben, die Sie selbst befähigen, aktiv Kommunikation zu initiieren. Nur wenn Sie ein Fachwissen vom typografischen Detail bis hin zur Kommunikationstheorie entwickeln, sind Sie für die Anforderungen Ihres Berufslebens gewappnet. Im Grunde wollen wir, dass Sie am Ende Ihres Studiums umfassend ausgebildete, nachhaltig gebildete und kritisch agierende Designer sind, die in der Lage sind, kompetent an der Weiterentwicklung unseren Gesellschaft mitzuwirken. Nicht mehr und nicht weniger. Sie ahnen schon, die Freiheit, die ich vorhin erwähnt hatte, war nur die halbe Wahrheit. Wir hoffen darauf, dass Sie in der Tiefe und der Breite unseres Fächerangebots, das finden, was sie zu so einer wichtigen Profession befähigt. Wir hoffen nicht nur, wir helfen gerne und wir helfen gerne etwas nach. Das klingt jetzt nach harter Kost, macht aber “tierisch” Spaß. Bei jeder Kollegin, bei jeden Kollegen können Sie Ihr Glück finden. Sie werden überrascht sein über die thematische Vielfalt. Und Sie werden überrascht sein, was außerhalb des Unterrichts noch alles statt findet: Die Studentenvertretung, die Fakultät, einzelne Kolleginnen und Kollegen organisieren Exkursionen und Besichtigungen. Nach Venedig oder London. Ins Gutenberg-Museum nach Mainz oder zu einschlägigen Kongressen und Messen. Wir holen Referenten ins Haus: Sie können erfahren, was aus ehemaligen Absolventen geworden ist oder was sich hinter “Web 2.0″ verbirgt. Und wir richten alle zwei Jahre das Festival der Sinne aus, das Sie inspirieren soll, sensorische Wahrnehmung bei Ihrer Arbeit verstärkt zu berücksichtigen. Schließlich: Bei unseren Diplomfeiern “tanzt der Bär”. Sie sehen, wir wollen viel von Ihnen und bieten Ihnen viel. In diesem Sinne: viel Spaß beim Studieren.

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