Prof. Michael Stoll

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Wissenswertes für Studierende der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Augsburg (HSA)

Erstsemester-Einführung 2005

Liebe Erstsemester,

Sie wollen Design studieren – Gestaltung oder Multimedia? Das ist eine gute Idee. Denn als Designer hat man ein tolles Leben. Das kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung berichten: im Sommer bin ich nach Augsburg gezogen. Und da musste viel Neues angeschafft werden. Ich habe festgestellt: für keine andere Berufsgruppe gibt es mehr speziell zugeschnittene Produkte als für uns Designer: Designerschuhe, Designerbrillen, Designermöbel und Designerhandtaschen. Nur um ein paar zu nennen.

All diese Dinge sehen dann mehr oder weniger hübsch aus, kosten aber eher mehr als wenig. Und auffällig ist auch, dass gerade die Produkte „Designer-xyz“ heißen, die eher alles andere als „well-designed“ sind.

Die Frage ist also: Was aber macht gutes Design aus? Und: können Sie das bei uns vermittelt bekommen?

Um gleich zum Kern guter Gestaltung zu kommen: Als Designer gestalten wir ja zunächst Kommunikation. Die Kommunikation zwischen jemandem der etwas zu sagen hat (oder es meint) und jemandem der gefälligst zu zu hören hat. Wirklich?

Wie wäre es mit jemandem, der „gefällig“ zuhört? In dieser kleinen Nuance liegt – meiner Meinung nach – das Zentrum unserer Arbeit. Denn noch vor der Kommunikation geht es in unserer Arbeit um das knappste Gut überhaupt: die Aufmerksamkeit. Ohne Aufmerksamkeit keine Kommunikation. Ohne Kommunikation keine Gestaltung derselben. Der Versuch, diese Aufmerksamkeit herzustellen, ist der Dreh- und Angelpunkt jeder Gestaltungsarbeit.

Gelingt es, diese Aufmerksamkeit herzustellen, spreche ich von einer Idee. Von der Idee. Und sie ist gut, wenn sie genau in der Schnittmenge von Auftraggeber, konkretem Auftrag, Kommunikationsbedarf und Zielgruppe wirksam ist.

Das macht sie unverwechselbar und prägnant.

Ich möchte eine solche Idee kurz anhand eines Beispiels deutlich machen, das sie kennen oder kennen lernen werden: anhand unseres FH-Logos.

Wobei mir der Begriff Logo zu abgenutzt und unklar erscheint. Ich verwende deshalb den Begriff „Identifikationselement“, weil er die Anforderungen von der Ästhetik zunächst auf den Inhalt lenkt.

Dieses „Identifikationselement“ macht also identifizierbar. Nicht nur die Institution an und für sich, sondern vor allem seinen Charakter.

Was sehen sie also? Drei Personen.

Zunächst sind damit die, um die es an unserer Hochschule eigentlich geht, ins Zentrum gestellt: die Menschen. Und nicht abstrakte Quadrate, Punkte oder antike Sigel.

Doch weiter: die starke Reduktion auf Linien und Punkte macht das Logo universell. Man könnte sagen, diese Reduktion macht es erst möglich, sich darin wieder zu finden. Ja, ich könnte einer von den dreien sein.

In diesem Logo können Sie auch ein wenig von den unglaublichen Möglichkeiten des Design finden: obwohl hier nur Linien und Punkte dargestellt sind, interpretiert unser Gehirn diese zwangsläufig als drei Gesichter. Oder gibt es hier jemanden, der damit Probleme hat?

Und das, obwohl sie gar nicht vollständig sind. Nicht einmal zwei Augen hat jedes Gesicht.

Das liegt daran, dass die Drei nicht nebeneinander stehen, sondern miteinander reden. Als Gruppe.

Wir wollen damit sagen, dass Einzelkämpfern und Fernstudenten ein wesentlicher Teil unserer Hochschulkultur entgehen würde. Ein herber Verlust.

Als Identifikationselement werden die eben genannten Punkte zu einem allgegenwärtigen Anspruch, der eingefordert werden kann und eingelöst werden muss. Ich finde es toll, dass unsere Hochschule sich das so offensiv auf die Fahnen schreibt.

Und darauf sollten Sie sich als Studienanfänger auch berufen.

Sie sehen, Designlösungen liegen oft nicht im Offensichtlichen, in dem was andere auch machen, sondern warten am Rande oder im Detail darauf, von Ihnen entdeckt zu werden.

Beobachten sie in Ihrem Studium also genau und bleiben Sie aufgeschlossen. Verfolgen Sie nicht, was sie schon können, sondern lassen Sie sich zu Neuem inspirieren.

Ein wesentlicher Teil Ihres Studienerfolges wird davon abhängen, wie umfassend Sie sich mit neuen Inhalten auseinandersetzten können. Mit neuen Techniken, mit neuen Theorien, mit Architektur ebenso, wie mit Kunst und Musik.

Für all diese Bereiche können wir Ihnen hier im Fachbereich Angebote machen.

Doch damit nicht genug. Schauen Sie auch über den Tellerrand hinaus: wenn Sie wollen, verbringen Sie ein Semester an einer unserer Partnerhochschulen.

Oder engagieren Sie sich in der SVG, der Studentenvertretung Gestaltung, die wesentlich zur Vielfalt an unserem Fachbereich beiträgt.

Vielleicht fühlen Sie sich jetzt etwas erschlagen von den vielfältigen Möglichkeiten.

Darum vergessen Sie nicht, in Ihrem Studium auch ein wenig verrückt zu sein, viel Spaß zu haben und saugutes Design zu zu gestalten.

In diesem Sinne: Los geht’s!

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