Well-ordering and
Continuum-hypothesis
In 1882 Cantor coined the
expression "wohlgeordnete Menge" // "well-ordered set", and
he replaced the usual symbol oo of potential infinity by omega, the last letter
of the Greek alphabet (in print 1883).
The expression
"Kardinalzahl" //"cardinal number" appears first in 1886 in
a letter to Cardinal Franzelin.
The symbol aleph (Cantor
wrote alef), the first letter of the Hebrew alphabet, was introduced by Cantor in 1893.
In his later years Cantor is
reported to have denoted the cardinal number aleph_0 by the first transfinite
ordinal omega, as is usual today.
Ich
habe manche Veränderungen in der Darstellung und Bezeichnung vorgenommen, die
wohl zum Vortheil des Verständnisses gereichen werden. Unter zweiter
Zahlenclasse (II) verstehe ich jetzt die Zahlen von omega an soweit sie zur
bisher als zweiter Zahlenclasse bezeichneten gehören, u.s.w.
Den
größten Vortheil gewinne ich jetzt durch die Einführung ... der "Anzahl
einer wohlgeordneten Menge".
Unter
einer "wohlgeordneten Menge" verstehe ich jede Menge (E) deren
Elemente in eine solche Beziehung gesetzt sind, dass
1)
ein erstes unter ihnen ist E1.
2)
zu jedem Elemente E' - mit Ausnahme des letzten, wenn ein letztes vorhanden ist
- ein ihm nächst folgendes E'' vorhanden ist.
3)
zu jedem endlichen oder unendlichen Bestandtheile (E') von (E) ein Element
E* vorhanden ist, welches das allen E'
nächst folgende ist - mit Ausnahme des
Falles, dass auf alle E' folgende Elemente überhaupt nicht vorhanden sind. -
Ist
eine solche Zuordnung der beiden wohlgeordneten Mengen überhaupt möglich, so
ist sie es nur auf eine Weise. Die Anzahl einer wohlgeordneten Menge ist also
ein Begriff der in Beziehung steht zu ihrer Anordnung; bei endlichen Mengen
findet er sich offenbar als unabhängig von der Anordnung; dagegen jede
unendliche Menge verschiedene Anzahlen im Allgemeinen hat, wenn man sie auf
verschiedene Weise als "wohlgeordnete" Menge denkt.
Die
"Anzahl" lässt sich nun immer durch eine bestimmte Zahl meiner
erweiterten ganzen Zahlenreihe angeben. Zum Beispiel betrachten wir die Menge
aller endlichen positiven ganzen Zahlen, so ist sie in der natürlichen Folge
1, 2, 3, ...,
nu...
eine
wohlgeordnete Menge und hat in dieser Ordnung gedacht die Anzahl: omega.
Schreibt
man sie aber in der Ordnung
(n + 1), (n +
2), ... (n + nu), ....1, 2, 3, ..., n,
so
hat sie nun die Anzahl omega + n.
In
der Ordnung
2, 4, 6, ...,
2nu, ..., 1, 3, 5, ..., (2nu + 1), ...
hat
dieselbe Menge (nu) die Anzahl 2omega u.s.w. u.s.w.
Jede
Menge von der Mächtigkeit erster Classe ist abzählbar durch Zahlen der zweiten
Zahlenklasse (II); und zwar läßt sich jede Menge von der Mächtigkeit erster
Classe in solche Succession (als wohlgeordnete Menge) bringen, dass ihre Anzahl
mit Bezug auf diese Succession gleich wird einer beliebig vorgeschriebenen Zahl
alpha der zweiten Zahlenclasse. (Georg Cantor in a letter to Mittag-Leffler, Dec. 17,1882)
"Das Element a_omega
ist im Sinne der transfiniten Induktion ... bestimmt ... und jeden einzelnen
Bestimmungsakt wie deren Reihenfolge parallel der Reihenfolge der Ordnungszahlen
hat man sich gänzlich zeitlos zu denken. Zur Unterstützung dieser zeitlosen
Auffassung hat E. Zermelo den glücklichen Gedanken gehabt, von vornherein aus
jeder von Null verschiedenen Teilmenge A' von A eins ihrer Elemente a' = f(A')
auszuwählen, so daß man also, sozusagen, mit dieser Auswahl nicht wartet, ob
und bis die Menge A' einmal an die Reihe kommt, sondern für jede Menge, ob sie
daran kommt oder nicht, das aus ihr zu wählende Element prae limine bereit hat.
Das System sukzessiver Wahlakte ist damit durch ein, in der Praxis des Denkens
natürlich ebenso unausführbares System simultaner Wahlakte ersetzt" [HAU14,
p. 134].
"Die
großen, heute noch unabsehbar scheinenden Schwierigkeiten, die sich der Wohlordnung
des Kontinuums und der Lösung des Kontinuumproblems entgegenstellen, haben es
nämlich vielen Mathematikern wahrscheinlich gemacht, daß das Kontinuum und um
so mehr allgemeinere Mengen überhaupt nicht wohlordnungsfähig, die
Mächtigkeiten ... also keine Alefs seien" [FRA23, p. 209].
1904
hat Ernst Zermelo das umstrittene Auswahlaxiom eingeführt und gestützt darauf
bewiesen, daß die Menge |R der reellen Zahlen wohlgeordnet werden kann [ZER04],
[ZER08]. Damit können alle Mengen miteinander verglichen werden, denn zwei
wohlgeordneten Mengen sind entweder einander ähnlich, oder eine von ihnen ist
einem Abschnitt {1, 2, 3, ..., alpha} der anderen ähnlich. Der Beweis ist allerdings kein konstruktiver. Es ist
bisher niemandem gelungen, eine Wohlordnung für |R anzugeben, und es gibt
vermutlich keinen Mathematiker, der auch nur einen geringen Betrag darauf
wetten würde, daß eine solche Wohlordnung innerhalb seiner Lebensspanne
gefunden werden könnte. Nichtsdestoweniger behauptet jeder Verfechter des
Auswahlaxioms, daß eine solche Wohlordnung für |R (und auch jede andere Menge)
"existiert" und darin jede Teilmenge ein erstes Element a_nu besitzt.
Man weiß seit der Erfindung des Forcing (Cohen), daß
es keine definierbare Wohlordnung von R geben kann, d.h. daß die Theorie ZF +
„R ist nicht wohlordbar“ relativ konsistent zu ZF ist.
[FRA23] Fraenkel, Adolf:
"Einleitung in die Mengenlehre", Springer, Berlin (1923).
[HAU14] Hausdorff, Felix: "Grundzüge der Mengenlehre", Chelsea
Publishing Company, New York (1965).
[ZER04]
Zermelo, E., "Beweis, daß jede Menge
wohlgeordnet werden kann", Math. Ann. 59
(1904) 514 - 516.
[ZER08]
Zermelo, E., "Neuer Beweis für die Möglichkeit
einer Wohlordnung", Math. Ann. 65
(1908) 107 - 128.
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