Architektonische und energetische Neudefinition eines historischen Gebäudeensembles

 
Energieeffizientes Planen und Bauen
Neudefinition eines historischen Bestands: Der Gutshof Wellenburg (Abb.: Anna Stark)
Neudefinition eines historischen Bestands: Der Gutshof Wellenburg (Abb.: Anna Stark)

Projektbeschreibung

Bachelorarbeit Anna Stark, 2014
Studiengang: Energieeffizientes Planen und Bauen - E2D

 

Aus der Aufgabenstellung:

"Das Fuggerschloß Wellenburg befindet sich am Übergang der "Westlichen Wälder" in das Tal der Wertach auf einem bewaldeten, aus dem Gelände herausragenden Felsen südlich von Augsburg. Es stammt im Kern aus dem 16. Jahrhundert und ist seit 1595 im Besitz der Familie Fugger (bzw. seit 1764 der Familie Fugger-Babenhausen), die u.a. ein äußeres Schlosstor durch Elias Holl und eine Schlosskapelle hinzufügen ließ.

Zum Ensemble des Komplexes gehören ein im 18. Jahrhundert angelegter Park sowie, am Fuß des Schlossbergs, eine Gaststätte mit Nebengebäuden und ein Gutshof. Dieser Gutshof besteht aus einem zweigeschossigen Wohngebäude mit Satteldach entlang der Straße "Zum Fuggerschloss", in dem sich heute verschiedene Nutzungen befinden. Rückseitig schließt sich ein großer Innenhof ein, der von einer U-förmigen Anlage gefasst wird. In diesen Gebäudeteilen befand sich ursprünglich die Stallungen für Kühe und Jungvieh (Nordflügel), Wagenremise, Pferdestall, Magazin und Wohnung (Westflügel) sowie Garagen, Milchküche und Wohnungen (Ostflügel). Die großen Flächen im Dachraum wurden als Lagerflächen z.B. für Getreide und Heu genutzt.

Für den heute größtenteils leer stehenden Komplex des Gutshofs, bestehend aus Wohngebäude und U-förmigem Ökonomiegebäude, wird ein neues Nutzungskonzept gesucht. Welche Nutzungen sind dem Ort angemessen und nutzen das Potenzial des Bestandes in idealer Weise? Wie lässt sich durch eine Nutzungsmischung ein Mehrwert für alle erzielen? Wie könnte die gesamte Anlage auch nach außen hin attraktiv werden?

Eingriffe in den Bestand sind unvermeidlich und notwendig, alleine schon, um gute Tageslichtverhältnisse im Gebäude zu schaffen. Hierzu muss aus- und umgebaut werden, auch Ergänzungen/ (Teil-) Neubauten sind möglich. Die detaillierte Betrachtung eines Gebäudeausschnitts einschließlich energetischer Neudefinition erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit dem Bestand, sowohl in konstruktiver als auch gebäudetechnischer Hinsicht. Ausgehend von einer sorgfältigen Analyse mit Bewertung der Potenziale und Schwächen sind hier konstruktive und energetische Neudefinitionen vorzunehmen, die als integraler Entwurfsbestandteil das Gebäude in das Niveau heutiger Anforderungen überführen."

 
Der Gutshof Wellenburg im Bestand
Der Gutshof Wellenburg im Bestand
(Fotos: J. Müller)
(Fotos: J. Müller)
 
Vorschlag zur Neunutzung der unterschiedlichen Ensemble-Bereiche (Abb.: Anna Stark)
Vorschlag zur Neunutzung der unterschiedlichen Ensemble-Bereiche (Abb.: Anna Stark)

Die Bachelorarbeit der Studentin Anna Stark thematisiert die architektonische und energetische Neudefinition des historischen Gebäudeensembles "Gutshof Wellenburg". Für den früher als Stallungen, Wagenremise und Wohnungen genutzten Gutshof zu Füßen des gleichnamigen Fugger-Schlosses am Rand der westlichen Wälder wurde hierbei zunächst ein neues Nutzungskonzept entwickelt. Dieses sieht vor, mit Hofladen und Cafe, Atelier- und Verkaufsräumen, einem Smart-Office-Bereich mit Werkstätten (Fabrication Lab) für kreatives Arbeiten sowie Räumen für Veranstaltungen und Konzerte, die gesamte Anlage unter Verwendung der vorhandenen Potenziale neu zu beleben und als Impuls für die Umgebung zu nutzen.

Für die Umsetzung wird vorgeschlagen, die historische Gebäudesubstanz weitestgehend zu erhalten, in Teilen jedoch auch als deutlich sichtbarer Eingriff zu ergänzen und anzupassen - etwa im Bereich der oberen Geschosse, wo großflächige Verglasungen der Dachflächen hinter einer neuen Lamellenhaut erst eine sinnvolle Nutzung und Erlebbarkeit der beeindruckenden Dachstühle ermöglichen. Gleichzeitig wurde als integraler Entwurfsbestandteil eine Konzeption der Energie- und Gebäudetechnik vorgeschlagen, das Gebäude behutsam auf das Niveau heutiger Anforderungen (Kfw 70-Standard) zu überführen.

Die von Prof. Dr.-Ing. Joachim Müller und Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Nowak betreute Abeit überzeugt durch eine gesamtheitlich gelungene Vision, die trotz mutiger Eingriffe in die Substanz den Charakter des Ortes zu schärfen versteht und so vorbildhaft für den Umgang mit Bestandsgebäuden insgesamt gelten kann.

Grundriss Erdgeschoss (Abb.: Anna Stark)
Grundriss Erdgeschoss (Abb.: Anna Stark)
Grundriss 1. Obergeschoss (Abb.: Anna Stark)
Grundriss 1. Obergeschoss (Abb.: Anna Stark)
Grundriss 2. Obergeschoss (Abb.: Anna Stark)
Grundriss 2. Obergeschoss (Abb.: Anna Stark)
Perspektive Innenhof mit neuer Gebäudehülle (Abb.: Anna Stark)
Perspektive Innenhof mit neuer Gebäudehülle (Abb.: Anna Stark)
Schnitt durch Innenhof und nördlichen Gebäudeflügel (Abb.: Anna Stark)
Schnitt durch Innenhof und nördlichen Gebäudeflügel (Abb.: Anna Stark)
Ansicht des nördlichen Gebäudeflügels (Abb.: Anna Stark)
Ansicht des nördlichen Gebäudeflügels (Abb.: Anna Stark)
Längsschnitt durch den nördlichen Gebäudeflügel mit mehrgeschossigen Räumen (Abb.: Anna Stark)
Längsschnitt durch den nördlichen Gebäudeflügel mit mehrgeschossigen Räumen (Abb.: Anna Stark)
Neue mehrschichtige Gebäudehülle mit Dachkonstruktion des Bestands (Foto: A. Stark)
Neue mehrschichtige Gebäudehülle mit Dachkonstruktion des Bestands (Foto: A. Stark)
Smart-Office-Nutzung im Bestand: Offene Flächen und geschlossene Kuben wechseln sich ab (Abb.: Anna Stark)
Smart-Office-Nutzung im Bestand: Offene Flächen und geschlossene Kuben wechseln sich ab (Abb.: Anna Stark)
Neue Lichtführung im historischen Dachstuhl (Abb.: Anna Stark)
Neue Lichtführung im historischen Dachstuhl (Abb.: Anna Stark)
Konzept Heizung im Gebäudeschnitt (Abb.: Anna Stark)
Konzept Heizung im Gebäudeschnitt (Abb.: Anna Stark)
Konzept Lüftung im Gebäudeschnitt (Abb.: Anna Stark)
Konzept Lüftung im Gebäudeschnitt (Abb.: Anna Stark)
 

Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing. Joachim Müller

Architektur und Bauwesen

Telefon: 

+49 821 5586-2114

Fax:

+49 821 5586-3110

Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Nowak

Architektur und Bauwesen

Telefon: 

+49 821 5586-3612

Fax:

+49 821 5586-3110