Integraler Entwurf mit Schwerpunkt Ökobilanzierung und nachhaltigem Ressourceneinsatz

 
Energieeffizientes Planen und Bauen
NaturErleben (Abb.: Pascal Jason Hartlage)

Projektbeschreibung

Bachelorarbeit Pascal Jason Hartlage, WS 2018-19
Betreuung: Prof. Dr. Joachim Müller, Prof. Susanne Runkel
Studiengang: Energieeffizientes Planen und Bauen - E2D

Aus der Aufgabenstellung:

„Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten.“ (Michel und B. Heckmaier)

In Augsburg soll ein „Haus für Erlebnispädagogik“ entstehen, das Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen diese Erfahrung der Persönlichkeitsentwicklung ermöglicht. Das geplante Gebäude befindet sich an markanter Lage zwischen dem Augsburger Siebentischwald, Lech und Hochablass sowie der Kanuanlage am Eiskanal. Es ist hervorragend in das Wegenetz eingebunden und bietet direkten Zugang zu einer Vielzahl möglicher Outdoor-Erlebnis-Aktivitäten. Gerade für die Begegnung mit der Natur bieten sich am gewählten Standort hervorragende Möglichkeiten.

Als Teil dieses Grundgedankens einer Erlebnispädagogik sind folgende Nutzungen vorzusehen: Foyer, Veranstaltungsraum, Übernachtungsbereich, Gastronomie/ Cafe, Verwaltung, Kletterbereich, Bootshaus, Fahrradlager- und Werkstatt.

 

Erläuterung des Entwurfs

Architektonisches Konzept:

Der starke Bezug zur Natur sollte in diesem Entwurf besonders durch die zurücknehmende und doch prägnant begrünte Außenhülle dargestellt werden. Die erdhausähnliche Außenhülle legt sich wie eine ökologische Decke über die im Inneren befindlichen stark zonierenden rechteckigen Quader, welche sich in vier Themenbereiche aufgliedern: Erde, Wasser, Luft und Feuer.

Die Öffnung dieser Hülle folgt dem Prinzip des Sonnenstandes und dem Bezug zum Außenraum, besonders der Wald und der historische Eiskanal sollten dabei eine Rolle spielen.

Eine Verbindung der einzelnen Themenbereiche findet durch ein komplexes Rampensystem statt, wodurch das Gebäude zu einer Erlebniswelt heranwächst, welche auch Spaß macht. Die Besucher bekommen so eine mit allen Sinnen spürbare Themenwelt zu erleben, welche den vollkommensten Themenbereich, Mutter Erde besonders in Szene setzt.

Dieses Konzept wird durch den Einsatz organischer Materialien, den reduzierten Materialeinsatz und dem energetischen Prinzip „Haus – in – Haus“ bestärkt. Dem Prinzip folgend, also das Schaffen einer unkonditionierten Pufferzone, ergeben sich so geringere Anforderungen an die zur Pufferzone angrenzenden Bauteile der inneren Hüllfläche.Temperaturspitzen (Sommerfall) und Temperatursenken (Winterfall) werden durch die Pufferzone abgefangen und geglättet. Im architektonischen Kontext, wird so ein Erlebnisraum geschaffen, der Sommer wie Winter gleichwertig genutzt werden kann.

Das in der ökologischen Bilanzierung nach DGNB ermittelten Global Warming Potential (GWP) unterstützt dieses Konzept, es konnte ein positiver ökologischer Fußabdruck erzielt werden.

Ansicht von Westen (alle Abb.: Pascal Jason Hartlage)
Ansicht von Westen (alle Abb.: Pascal Jason Hartlage)
Ansicht von Osten (Eiskanal)
Ansicht von Osten (Eiskanal)
Lage des Gebäudes zwischen Siebentischwald (Westen), Kanustrecke Eiskanal (Nordosten) und Lech (Osten) im Schnittpunkt verschiedener Wegeführungen
Lage des Gebäudes zwischen Siebentischwald (Westen), Kanustrecke Eiskanal (Nordosten) und Lech (Osten) im Schnittpunkt verschiedener Wegeführungen
Konzeption der Gebäudekörper
Konzeption der Gebäudekörper
Ansicht von Süden
Ansicht von Süden
Ansicht von Norden
Ansicht von Norden
Grundriss Untergeschoss
Grundriss Untergeschoss
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Grundriss 2. Obergeschoss
Grundriss 2. Obergeschoss
Gebäudeschnitt
Gebäudeschnitt

Struktur und Funktionsbereiche

Ein Besucher des Gebäudes wird durch das Rampensystem zu den einzelnen Funktionsbereichen hindurchgeführt. Jeder Themenbereich sollte durch seine Materialität eine klare Zuordenbarkeit schaffen und eine gute Orientierung gewährleisten. Die jeweiligen Themenbereiche unterliegen weiterhin einem starken Thema, so fungiert der Bereich „Erde“ als Foyer und Veranstaltungskomplex, Bereich „Wasser“ beherbergt das Bootshaus, Bereich „Luft“ den Kletterbereich und das hoch gelegene Cafè mit Dachterrasse und Aussichtsplattform und der Bereich „Feuer“ die zu implementierende Jugendherberge sowie einer Lernküche in welcher gemeinschaftlich gekocht werden kann.

Die Schnittmenge der einzelnen Quader sollen dabei besondere Qualitätsräume darstellen, so prägen sich diese zumeist als Atrium aus und sind von dem jeweilig vorrangehenden Körper ersichtlich.

Das in den Veranstaltungssaal hineinragende gläserne Röhrensystem zum Erleben der luftigen Höhen im Quader „Luft“ sowie die unterirdisch vollständig verglaste Stirnseite des Quaders „Wasser“ hin zu dem bereits vorhandenen Eiskanal stellen dabei zwei Besonderheiten dar.

Die unkonditionierte Hülle fungiert dabei als mögliche Erweiterung des Veranstaltungssaals, weiterhin wurde der Boulderbereich in diesen implementiert, sowie ein Pausenbereich im Bereich der Jugendherberge geschaffen.

Blick in den Eingangsbereich (EG)
Blick in den Eingangsbereich (EG)
Blick in das Cafe (2.OG)
Blick in das Cafe (2.OG)

Tragwerk, Fassade, Materialität

Die innenliegenden Baukörper sollen als Brettstapelkonstruktion umgesetzt werden. Das Dach unterliegt einem stark gerastertem waffelartigem Brettschichtholzgefüge, welches aus Brettschichtholz ausgeführt werden soll und intensiv begrünt werden soll. Die Fassade dieser Körper soll ihr jeweiliges Thema durch vertikale Holzlamellen bestärken, welche jeweils durch verschiedene Oberflächenbearbeitungen zum Ausdruck gebracht wird. Diese können wie das gesamte Gebäude auch schadstofffrei umgesetzt werden, da die Baukörper dank Haus – in Haus Prinzip nicht der Witterung ausgesetzt sind. Durch dieses Prinzip kann weiterhin auch auf den Einsatz von Abdichtungsbahnen – und Folien verzichtet werden, welches den ökologischen Fußabdruck weiterhin verbessert. Dank der geringen energetischen Anforderungen der Außenhülle als Pufferzone fungierend, kann der hohe Verglasungsanteil Süd/West materialreduziert ausgeführt werden, welches zu einer weiteren Verbesserung der Ökologie führt.

Konzeption Energie und Lüftung
Konzeption Energie und Lüftung
Fassadendetail
Fassadendetail

Abgabeleistungen

  • Lageplan (M 1: 500), Grundrisse, Ansichten, Schnitte (M 1: 100)
  • Materialkonzept incl. Detaildarstellungen M 1:10 mit Darstellung von Sonnen- und Blendschutz.
    Ein besonderer Fokus liegt auf einem nachhaltigen Materialeinsatz incl. der Demontage- und Recycling-Fähigkeit
  • Energie- und Ökobilanzierung:
    _ Konzeptphase: Drei strategische Varianten mit qualitativer Beschreibung der Konzeption, Konstruktion und Technik sowie Kenndaten (U-Werte, Ökodaten, …)
    _ Entwurfsphase Energiebilanzierung: mit Auswertung End- und Primärenergiebedarf Ist und Referenz, Einsatz erneuerbare Energien sowie passive Maßnahmen
    _ Entwurfsphase Ökobilanzierung (Legep oder eLCA): mit Randbedingungen der Zertifizierung und mit folgender Auswertung (Zahlenwerte und grafisch): 
    - Global Warming Potential (in kg CO2äquivalent pro m2NGF) Gesamt sowie differenziert nach Konstruktion und Nutzung
    - Global Warming Potential (in kg CO2äquivalent pro m2NGF) der Konstruktion: Differenziert nach AW, DE, DA, BP, FE, IW
  • Soziale Kriterien:
    Bewertung der Aspekte: Barrierefreiheit, Tageslicht, sommerlicher Wärmeschutz gemäß des BNK Systems
  • Modelle M 1:500 / 1:100
 

Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing. Joachim Müller

Architektur und Bauwesen

Telefon: 

+49 821 5586-2114

Fax:

+49 821 5586-3110