Ein Haus für Erlebnispädagogik mit nachhaltigem Ressourceneinsatz

 
Energieeffizientes Planen und Bauen
NaturErleben (Abb.: Sebastian Graf)

Projektbeschreibung

Bachelorarbeit Sebastian Graf, WS 2018-19
Betreuung: Prof. Dr. Joachim Müller, Prof. Susanne Runkel
Studiengang: Energieeffizientes Planen und Bauen - E2D

Aus der Aufgabenstellung:

„Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten.“ (Michel und B. Heckmaier)

In Augsburg soll ein „Haus für Erlebnispädagogik“ entstehen, das Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen diese Erfahrung der Persönlichkeitsentwicklung ermöglicht. Das geplante Gebäude befindet sich an markanter Lage zwischen dem Augsburger Siebentischwald, Lech und Hochablass sowie der Kanuanlage am Eiskanal. Es ist hervorragend in das Wegenetz eingebunden und bietet direkten Zugang zu einer Vielzahl möglicher Outdoor-Erlebnis-Aktivitäten. Gerade für die Begegnung mit der Natur bieten sich am gewählten Standort hervorragende Möglichkeiten.

Als Teil dieses Grundgedankens einer Erlebnispädagogik sind folgende Nutzungen vorzusehen: Foyer, Veranstaltungsraum, Übernachtungsbereich, Gastronomie/ Cafe, Verwaltung, Kletterbereich, Bootshaus, Fahrradlager- und Werkstatt.

 

Erläuterung des Entwurfs

Architektonisches Konzept:

Der Grundgedanke der Gebäudekonzeption beruht auf der Idee, die Natur in das Gebäude aufzunehmen. Die einzelnen Nutzungsbereiche verzahnen sich mit dem umgebenden Grünraum und erzeugen dadurch differenzierte und qualitative Innen- und Außenräume und spannende Ein- und Ausblicke, sodass ein unverwechselbarer Ort entsteht. Durch die einzelnen Höfe soll der Wald im Gebäude erlebbar werden. Durch die in der Dachlandschaft ablesbaren, unterschiedlichen Höhen der jeweiligen Funktionsbereiche, wird der einzigartiger Charakter zusätzlich herausgearbeitet.

Lageplan, Verzahnung mit dem Ort und Grundriss Erdgeschoss (Alle Abb.: Sebastian Graf)
Lageplan, Verzahnung mit dem Ort und Grundriss Erdgeschoss (alle Abb.: Sebastian Graf)
Perspektive Foyer
Perspektive Foyer
Entwurfskonzepte: Lage der Themenräume, Lufträume und Leitwände, Orientierung in die Natur
Entwurfskonzepte: Lage der Themenräume, Lufträume und Leitwände, Orientierung in die Natur

Struktur und Funktionsbereiche

Der Neubau ist klar und übersichtlich strukturiert. Die einzelnen Funktionsbereiche ordnen sich um einen zentralen zweigeschossigen Eingangsbereich an, der durch einen innenliegenden, begrünten Hof belichtet wird. Im Erdgeschoß befindet sich ein großer Veranstaltungssaal, der bei Bedarf geöffnet werden kann, sodass eine große variable Veranstaltungsfläche entsteht. Das Café mit einer nach Süden orientierten Terrasse bietet Tagesbesuchern einen gemütlichen Ort zum Entspannen.

Am südlichen Ende befinden sich das Fahrrad-Lager mit Werkstatt, das ideal an die vorhandenen Fahrradwege angebunden ist. Im Norden befindet sich das Bootshaus direkt am Eiskanal. Der über drei Etagen gehende Kletterbereich dient als Schaufenster für das Gebäude und wird durch zwei Outdoor anlagen erweitert. Im Obergeschoss befinden sich die Schlafräume der Übernachtungsgäste und die Verwaltung, die durch ein Restaurant ergänzt werden. Die „Fenster“ bieten einzigartige Ausblicke in die Natur. Dahinter befinden sich drei Themenräume, die den Gästen Einblicke in die einzelnen Sportarten und die Natur geben. Das nach Osten orientierte „Fenster“ bietet einen Treffpunkt und einen Ort für eine morgendliche Yogarunde.

Grundriss Obergeschoss (links) und Untergeschoss (rechts)
Grundriss Obergeschoss (links) und Untergeschoss (rechts)
Ansicht Ost und Ansicht Süd
Ansicht Ost und Ansicht Süd
Ansicht West und Ansicht Nord
Ansicht West und Ansicht Nord

Tragwerk, Fassade, Materialität

Der mehrgeschossige Baukörper soll als Massivholzkonstruktion auf einer Stahlbeton-Bodenplatte (teilweise Stahlbeton-Keller) ausgeführt werden. Die Decken sind als eingefräste Brettstapeldecken geplant. Das leicht schräge Dach wird als extensives Gründach auf einer Brettstapel-Konstruktion ausgeführt. Die opaken Flächen werden mit heimischen Hölzern als vorgehangene hinterlüftete Fassade geplant und von Holz-Aluminium-Fenster und einer Holz-Aluminium-Pfosten-Riegel-Fassade ergänzt. Wo möglich sollen materialimmanente und naturbelassene Oberflächen verbaut werden, die durch den Gebrauch und die Zeit patinieren.

Schnitte durch das Gebäude
Schnitte durch das Gebäude

Außenanlagen

Alle sich auf dem Grundstück befindende Bäume sollen erhalten bleiben und durch weitere ergänzt werden. Die sich im Süden befindenden Bäume sollen als Klettergarten genutzt werden, um die Kletterbereiche am Gebäude zu ergänzen. Im Norden ist vor dem Bootshaus ein kleiner Skateplatz geplant. Im Wald soll ein Erlebnispfad zum „Wald-Baden“ entstehen.

Wärmeversorgung

Das Gebäude wird von einer Solaranlage in Kombination mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe versorgt. Die Anlage sorgt mit einem Kombispeicher auch für die Warmwassererwärmung. Der Strom für die Wärmepumpe kommt aus dem regionalen Netz und wird am nahegelegenen Wasserkraftwerk erzeugt.

Prinzipschema Wärmeversorgung
Prinzipschema Wärmeversorgung

Lüftungskonzept

Die natürliche Querlüftung wird mithilfe von Fenstern und Öffnungen auf zwei Fassadenseiten des Gebäudes erreicht, wodurch ein quer verlaufender Luftstrom erzeugt wird. In den Themenräumen können Lüftungsklappen geöffnet werden, um ein erhöhte Nacht-Lüftung zu garantieren. Zusätzlich wird über den Innenhof ungelüftet. Die Verdunstungskühle der Pflanzen kühlt das Gebäude zusätzlich.

Natürliche Belüftung des Gebäudes
Natürliche Belüftung des Gebäudes
Energiebilanz
Energiebilanz
Materialeinsatz
Materialeinsatz
Ökobilanzierung mit Global-Warming-Potential der Bauteile in Herstellung, Entsorgung, Instandhaltung und Recycling-Potenzial
Ökobilanzierung mit Global-Warming-Potential der Bauteile in Herstellung, Entsorgung, Instandhaltung und Recycling-Potenzial
Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes
Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes
Fassadendetail in Ansicht, Schnitt und Grundriss
Fassadendetail in Ansicht, Schnitt und Grundriss

Abgabeleistungen

  • Lageplan (M 1: 500), Grundrisse, Ansichten, Schnitte (M 1: 100)
  • Materialkonzept incl. Detaildarstellungen M 1:10 mit Darstellung von Sonnen- und Blendschutz.
    Ein besonderer Fokus liegt auf einem nachhaltigen Materialeinsatz incl. der Demontage- und Recycling-Fähigkeit
  • Energie- und Ökobilanzierung:
    _ Konzeptphase: Drei strategische Varianten mit qualitativer Beschreibung der Konzeption, Konstruktion und Technik sowie Kenndaten (U-Werte, Ökodaten, …)
    _ Entwurfsphase Energiebilanzierung: mit Auswertung End- und Primärenergiebedarf Ist und Referenz, Einsatz erneuerbare Energien sowie passive Maßnahmen
    _ Entwurfsphase Ökobilanzierung (Legep oder eLCA): mit Randbedingungen der Zertifizierung und mit folgender Auswertung (Zahlenwerte und grafisch): 
    - Global Warming Potential (in kg CO2äquivalent pro m2NGF) Gesamt sowie differenziert nach Konstruktion und Nutzung
    - Global Warming Potential (in kg CO2äquivalent pro m2NGF) der Konstruktion: Differenziert nach AW, DE, DA, BP, FE, IW
  • Soziale Kriterien:
    Bewertung der Aspekte: Barrierefreiheit, Tageslicht, sommerlicher Wärmeschutz gemäß des BNK Systems
  • Modelle M 1:500 / 1:100
 

Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing. Joachim Müller

Architektur und Bauwesen

Telefon: 

+49 821 5586-2114

Fax:

+49 821 5586-3110