Studierende auf einer Aussichtsplattform mit Blick auf das Ahrtal.
20.12.2021

Mitte Juli 2021 hat eine verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal im Norden von Rheinland-Pfalz zahlreiche Menschenleben gekostet und große Teile der in der gesamten Tallage liegenden Gebäude und Infrastruktur zerstört oder stark beschädigt. Unter anderem wurden zahlreiche Brücken und Verkehrswege des sonst so malerisch durch das kleine Tal am Rande der Eifel fließenden Flusses zerstört.

 
Stark beschädigte Brücke im Ahrtal

Da es für viele der historischen Gebäude und Bauwerke keine Bestandsunterlagen gibt, müssen die Grundlagen für neue Planungen erst wieder geschaffen werden. Ziel ist es, unter anderem auch Möglichkeiten aufzuzeigen, die den zukünftigen Anforderungen aus dem Hochwasserschutz und dem historischen Erbe Rechnung tragen. Insofern dürfte in vielen Fällen eine exakte Wiederherstellung der zerstörten Strukturen nicht ausreichend sein. „Das Leben an Flüssen muss neu gedacht werden“ mahnte Cornelia Weigand, parteilose Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr beim Staatsakt für die Opfer der Flutkatastrophe an.

Auf Initiative von Prof. Heinrich Lessing von der Frankfurt University of Applied Sciences und in Abstimmung mit der Obersten Denkmalpflegebehörde Rheinland-Pfalz beteiligen sich eine Reihe von deutschen Hochschulen an der Bestandsaufnahme von beschädigten Bauwerken.

In einem ersten Schritt hat sich eine Projektgruppe von Studierenden der Fakultät Architektur und Bauwesen der Hochschule Augsburg die Dokumentation einer teilzerstörten Flussbrücke in der Ortslage Altenahr zum Ziel gesetzt. Hierbei werden bei der Erfassung der aktuellen Bestandssituation des Bauwerks auch die unmittelbar benachbarten und ebenfalls teilweise oder ganz zerstörten Bauwerke betrachtet, wie zwei Bahn- und ein Straßentunnel. Für die gesamte Ortslage und die benachbarten Hänge wird zudem ein digitales Geländemodell erstellt. Zur Erfassung der Bestandssituation kamen neben den klassischen Vermessungsverfahren vor allem die luftgestützte Photogrammetrie und Laserscans zur Anwendung.

3D-Modell des Ahrtals

Im Rahmen des Hochschulprojekts sind auch Maßnahmen zur Umgestaltung des Straßen- und Radwegenetzes aufzuzeigen. Hiermit soll Raum für eine zukünftige und nachhaltige Nutzung des historischen Ortskerns in der touristisch geprägten Region geschaffen werden. Das Projekt soll im nächsten Semester von Studierenden des Masterstudiengangs Architektur weitergeführt werden, hier wird der Schwerpunkt dann auf dem Thema einer klimaangepassten Ortsentwicklung in der Verbandsgemeinde Altenahr liegen.

Das Projekt wurde freundlicherweise durch die Dr. Spang Ingenieurgesellschaft für Bauwesen, Geologie und Umwelttechnik mbH in Witten finanziell unterstützt.

Die Studierenden der Fakultät Architektur und Bauwesen arbeiten häufig bei Projekten interdisziplinär zusammen und führen so die Kompetenzen aus den verschiedenen Studienrichtungen Architektur, Bauingenieurwesen und Energieeffizientes Planen und Bauen zu einem gemeinsamen Ziel zusammen.

Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Jens Gattermann / Prof. Marcus Rommel
Luca Baufeld, Lukas Burchard, Nadine Dosch, Kristina Bigelmaier, Stefan Croner, Daniel Heindorf, Alexander Brucklacher, Raphael Pauer, Robin Haerting, Tobias Rueckl, Elias Rieder, Franz Zacherl