Lernen von lokalen Traditionen und modernem Umgang mit Ressourcen

 
Moderne in der Alpenlandschaft: Bushaltestelle Krumbach (Arch.: S. Fujimoto) (Foto: J. Müller)
Moderne in der Alpenlandschaft: Bushaltestelle Krumbach (Arch.: S. Fujimoto) (Foto: J. Müller)
 

Exkursionsbericht:

Vom 26.- 28. Mai 2014 fuhren Studierende und Lehrende des Bachelorstudiengangs E2D zur Exkursion "Nachhaltiges Bauen in Vorarlberg" - in eine Region also, die in den letzten 30 Jahren eine zeitgenössische Kultur des energieeffizienten Bauens in Einklang mit Ort, Tradition und lokalen Baustoffen hervorgebracht hat und tief in den alten bauhandwerklichen Traditionen verwurzelt ist. Die vielen Beispielen dieser Bauten sind im besten Sinne einfach und können auf modische Formalismen weitgehend verzichten.

 
Lichthof in der Hauptschule Klaus (Arch.:  D. Untertrifaller) (Foto: J. Müller)
Lichthof in der Hauptschule Klaus (Arch.: D. Untertrifaller) (Foto: J. Müller)

Schulhaus in Klaus

Die gelungene Kombination aus nachhaltigem Gebäudekonzept und hoher räumlicher und gestalterischer Qualität zeigte exemplarisch die Schule in Klaus, geplant von Dietrich Untertrifaller. Der kompakte Baukörper mit Klassenräumen wird von einem dreigeschossigen Luftraum durchzogen, welcher auch im Gebäudeinneren Tageslicht bis in die unteren Geschosse leitet und von Brücken überspannt wird. Die lange Erschließungszone wandelt sich so in einen lebendigen Begegnungsort mit vielfachem Austausch. Der vielfach preisgekrönte Holzbau wurde im Unterrichtsteil aus vorgefertigten Hohlkastenelementen aus heimischer Weißtanne gefertigt. Die nach Süden ausgerichtete vollverglaste Fassade der Veranstaltungshalle mit Foyer sowie der Bibliothek wurde mit einem vorgesetzten "Schleier" aus profiliertem Kupferblech versehen, um bei einem Lochanteil von 30% vor zu starken sommerlichen Wärmeeinträgen zu schützen, gleichzeitig aber den Blick nach außen in Richtung Rheintal zu ermöglichen. Die Schule ist mit ihrer Fertigstellung 2003 eines der frühen Beispiele energieeffzinezter Schulgebäude. Zum Niedrigenergie-Standard trägt die zentrale Be- und Entlüftungsanlage mit Erdregistern und Rückgewinnung durch Rotationswärmetauschern bei. Die bestehende Photovoltaik-Anlage wird in Zukunft um Solarkkollektoren ergänzt und Synergien mit der gerade im Bau befindlichen neuen Sporthalle genutzt.

Holz-Deckenkonstruktion Gemeindehaus Raggal (Arch.: J. Kaufmann) (Foto: J. Müller)
Holz-Deckenkonstruktion Gemeindehaus Raggal (Arch.: J. Kaufmann) (Foto: J. Müller)

Gemeindehaus in Raggal

Für das 2006 fertiggestellte Gemeindehaus Raggal im UNESCO-Biospharenpark "Großes Walsertal", geplant von Johannes Kaufmann, wurde im gemeindeeigenen Waldfur gewachsenes und geschlagenes Fichtenholz für alle konstruktiven Elemente sowie massives Tannenholzplatten für alle Bekleidungen im Innen- und Außenbereich verwendet. Zur passgenauen Einfügung in die Umgebung trägt auch zudem die sorgfältige Ausbildung des Gebäudevolumens bei, das trotz Niedrigenergie-Standard mit großen Fensterflächen den Blick in Landschaft und Tal inszeniert. Eine Biomasse-Heizanlage liefert Heizenergie für weitere 7 Gebäude im Dorf.

Modulare Holz-Hybrid-Bauweise am "Life Cycle Tower One", Dornbirn (Arch.: H. Kaufmann) (Foto: J. Müller)
Modulare Holz-Hybrid-Bauweise am "Life Cycle Tower One", Dornbirn (Arch.: H. Kaufmann) (Foto: J. Müller)

LifeCycle Tower ONE

Mit dem 2013 fertig gestellten LifeCycle Tower ONE in Dornbirn, wiederum geplant von Herrmann Kaufmann, wurde das erste achtgeschossige Holzgebäude in Österreich besichtigt, dessen Konstruktion neue Möglichkeiten material- und energieeffizienten Bauens mit Holz auch in Hochhausdimensionen eröffnet. Die vorgefertigten großformatigen Deckenelemente bilden das innovative Schlüsselelement. Sie bestehen aus einem Verbund von Holzbalken und 8 cm Betonplatte, die die erforderliche brandschutztechnische Separierung der Geschosse ebenso gewährleistet wie die Übertragung der hohen Vertikallasten zwischen den Holzstützen. Innen bleibt die Tragkonstruktion aus Holz auch in den Stützen sicht- und erlebbar.

Kunsthaus Bregenz (Arch.: P. Zumthor) (Foto: J. Müller)
Kunsthaus Bregenz (Arch.: P. Zumthor) (Foto: J. Müller)
Werkraum Andelsbuch (Arch.: P. Zumthor) (Foto: J. Müller)
Werkraum Andelsbuch (Arch.: P. Zumthor) (Foto: J. Müller)
Islamischer Friedhof, Altach (Arch.: B. Bader) (Foto: J. Müller)
Islamischer Friedhof, Altach (Arch.: B. Bader) (Foto: J. Müller)

Baukultur in Vorarlberg

Neben diesen Projekten wurden Ausstellungsgebäude wie das Kunsthaus Bregenz, das Vorarlberg-Museum oder der Werkraum in Andelsbuch besichtigt sowie Sondernutzungen wie der Veranstaltungsraum "Nordwesthaus" im Hafen Rohner in Fußach oder der vielfach ausgezeichnete islamische Friedhof mit Gräberfeld und Gebetsraum in Altach.

Nordwesthaus, Fußach (Arch.: Baumschlager Eberle) (Foto: J. Müller)
Nordwesthaus, Fußach (Arch.: Baumschlager Eberle) (Foto: J. Müller)
Lichtforum Zumthobel, Dornbirn  (Foto: J. Müller)
Lichtforum Zumthobel, Dornbirn (Foto: J. Müller)

Innovative Kunstlicht-Konzepte

Einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen energieeffizienter Beleuchtungstechnik und Lichtgestaltung, insbesondere hinsichtlich der Möglichkeiten des Einsatzes von LED, brachte ein Besuch beim Leuchtenhersteller Zumthobel in Dornbirn mit Führung durch die umfangreichen Show-Rooms. Experimentelle Kleinarchitekturen gab es in Krumbach: Hier haben namhafte Architekten aus der ganzen Welt jeweils eine Bus-Wartestelle realisiert, die mit dem Spannungsfeld zwischen Tradition und Abstraktion spielt. So wird die begehbare Installation des Japaners Fujimoto aus einem Spiel vertikaler weißer Stäbe zum Wahrnehmungs-Erlebnis.

Sennerei Bezau (Foto: J. Müller)
Sennerei Bezau (Foto: J. Müller)
Bregenzerwaldhaus, traditionelles Sonderdach als thermische Pufferzone (Foto: J. Müller)
Bregenzerwaldhaus, traditionelles Sonderdach als thermische Pufferzone (Foto: J. Müller)

Lokale Traditionen

Ein Rückzugsort mit Eintauchen in die faszinierende Bergwelt Vorarlbergs war die Unterkunft: Nur mit der Gondel ist die holzschindel-bekleidete Hütte in Sonderdach oberhalb von Bezau erreichbar und der Weg zum historischen Bregenzerwaldhaus und zur Käseverkostung in die Sennerei nicht weit - noch ein echtes Stück Vorarlberg.

 

Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing. Joachim Müller

Architektur und Bauwesen

Telefon: 

+49 821 5586-2114

Fax:

+49 821 5586-3110

Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Nowak

Architektur und Bauwesen

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+49 821 5586-3612

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Ansprechpartner

Prof. Dipl.-Ing. Michael Schmidt

Architektur und Bauwesen

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