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Interview mit Federica Tomola

Trägerin des VDMA-Nachwuchspreises 2021

 
Foto: VDMA
Federica Tomola, ehemalige Studentin im Bachelorstudiengang Internationales Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule Augsburg, berichtet über ihre Bachelorarbeit und den VDMA-Nachwuchspreis.
10.01.2022
Fakultät für Elektrotechnik

Federica Tomola, Absolventin im Bachelorstudiengang Internationales Wirtschaftsingenieurwesen, war dieses Jahr eine von vier Studierenden, die den VDMA-Nachwuchspreis für junge Digitalisierungs-Talente verliehen bekam. In einem kurzen Interview berichtet Frau Tomola über ihre Bachelorarbeit und gibt uns einen Einblick in ihr spannendes Forschungsgebiet, mit dem sie den ersten Preis in der Kategorie Bachelorarbeit erhielt.

 

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Auszeichung, Frau Tomola. Wie und wann haben Sie denn von der Nominierung und der Preisverleihung erfahren?

Meine Bachelorarbeit habe ich von Anfang Februar bis Ende Juni geschrieben. Im Juli hatte ich einen Termin mit meinen Betreuern, um meine Bachelorarbeit vorzustellen. Einige Tage später hat mir Professor Florian Kerber angeboten, die Bachelorarbeit für den VDMA-Nachwuchspreis vorzuschlagen. Schon die Nominierung allein hat mich sehr gefreut. Mit dem Preis selbst hatte ich gar nicht gerechnet, nachdem 27 Personen nominiert waren. Die Preisverleihung fand dann im Dezember statt. Nachdem alles online durchgeführt wurde, konnte ich von meiner Heimat Italien aus daran teilnehmen.

Was bedeutet Ihnen der Nachwuchspreis für junge Digitalisierungs-Talente?

Es war eine große Ehre für mich, diesen Preis zu bekommen. Es war großartig zu wissen, dass die Vorgehensweise und die Ergebnisse nicht nur im Rahmen des Projekts und für mein Unternehmen von Bedeutung waren, sondern dass sie auch im Sinne der allgemeinen Digitalisierung im Maschinenbaubereich anerkannt werden. Außerdem habe mich sehr gefreut, da ich während meines Praktikums und in den fünf Monaten der Bachelorarbeit viel am Projekt gearbeitet habe.

Wie sind Sie zum Thema Ihrer Bachelorarbeit gekommen?

Während meines Praktikums im Werkzeugbau der BMW Group in München habe ich mit vielen Themen zu tun gehabt, die zur Digitalisierungsstrategie des Konzerns gehören. Mein Betreuer war sehr offen und das hat mir richtig gut gefallen, da ich viele Innovationsthemen, die bei ihm auf dem Tisch lagen, einsehen konnte: Themen wie Augmented Reality zur Qualitätskontrolle, zur Fehlerprüfung und für eine angereicherte Kommunikation bei Werkzeugabnahmen; Indoor Navigation und Tracking von Komponenten; die Anbindung der Anlagen an die unternehmensinterne Cloud zur Speicherung der Daten sowie die Analyse von Prozessdaten anhand unterschiedlicher prozessnaher Sensorik. Über den Wunsch diese letzten zwei Themenbereiche näher zu kommen, hat sich das Thema der Bachelorarbeit ergeben.

Was war Ihre Motivation für die Bachelorarbeit?

Zu wissen, dass extrem viel Potential in Daten steckt, die nur in die Cloud gespeichert werden, aber nur mit hohem manuellem Aufwand analysiert werden konnten. Das war für mich der Anfangspunkt. Wir haben festgestellt, dass die gespeicherten Daten nur ab und zu von Praktikanten angesehen werden, aber nicht wirklich etwas damit passiert. Nach zwei Jahren braucht man diese Daten auch gar nicht mehr, denn wenn die Werkstücke im Nachhinein weiterverarbeitet werden, kann man die Daten nicht mehr labeln. Mich hat die Idee angetrieben, dass anhand der Analyse einer kleineren Menge von experimentellen Daten, mit dokumentierten Ergebnisgrößen (in meinem Fall die Rauheit), eine Datenpipeline geschaffen werden konnte. Diese konnte auch auf die anderen Daten angewendet werden, um für die Fertigung relevante Informationen zu gewinnen und so Prozesswissen zu generieren. Ich wollte also herausfinden, inwiefern man die vorhandenen Maschinen-, Prozess- und Sensordaten kombinieren kann, um konkrete Schlüsse über die Werkstückqualität zu ziehen und das Entstehen einer schlechten Oberflächenqualität zu vermeiden. Das ultimative Ziel dabei ist die objektive Unterstützung in Form eines Regelkreises, das aktive Eingreifen in die Prozesse.

Was hat Ihnen an der Arbeit besonders gefallen?

Am meisten hat mir die Verantwortung für das Projekt gefallen und die Freiheit, mit der ich die Arbeit strukturieren durfte. Außerdem haben mir der Kontakt zu den Kollegen innerhalb des Werkzeugbaus viel Freude bereitet und mir die Möglichkeit gegeben, mir hochspezialisiertes Prozesswissen in der Zerspanung anzueignen. Darüber hinaus war für mich die Kollaboration mit den Lieferanten und externen Projektpartnern eine Bereicherung. Ich durfte beispielsweise mit dem Maschinenhersteller PLC Adressen in den Anlagen einprogrammieren, mich mit den Ingenieuren der Sensorherstellerfirmen über ihr Produkt unterhalten sowie mit dem Instandhalter die IPCs und Sensorik verkabeln und einstellen.

Was waren die größten Herausforderungen?

Die Datenerhebung und die Datenanalyse, die für mich etwas Neues war, waren eine große Herausforderung. Mein Analyseansatz benötigte eine genaue Synchronisierung von drei unterschiedlichen Systemen und ich hatte schon in der Vorbereitung gemerkt, dass das nicht so leicht zu bewältigen ist. Ich musste mit den Systementwicklern lange daran arbeiten, um das Problem zu lösen.

Was war Ihr größter Lernerfolg?

Ich habe gelernt mich selbstständig in neue Bereich einzuarbeiten, zum Beispiel als ich das Thema Datenanalyse recherchiert und dazu viele Artikel gelesen habe. Neben der Datenanalyse war es vor allem die Kommunikation, da mir klar geworden ist, dass Missverständnisse durch gute Absprachen mit Kolleg:innen vermieden werden können.

Wie sind Sie auf Professor Kerber als Betreuer für Ihre Bachelorarbeit gekommen?

Ich wollte die Bachelorarbeit eigentlich während meines Auslandssemesters in Spanien schreiben und hatte mich an Professor Finkel gewendet, um herauszufinden, wer meine Arbeit betreuen könnte. Professor Finkel hat mir dann Professor Kerber als Betreuer empfohlen. Leider konnte ich wegen Corona nicht mehr in Spanien bleiben, aber wir haben uns für ein ähnliches Thema entschieden und so konnte Professor Kerber auch meine Bachelorarbeit bei BMW betreuen.

Welche Fächer und Kenntnisse haben Ihnen bei der Bearbeitung der Bachelorarbeit besonders weitergeholfen?

Informatik, Mechanik und Mathematik, aber am meisten haben mir das Praktikum und der Kontakt zu den Kolleg:innen weitergeholfen.

Welche nächsten Schritte im Studium oder Berufsleben haben Sie nun geplant?

Seit Oktober studiere ich im Masterstudiengang „Praktische Informatik“ an der FernUniversität und arbeite noch 20 Stunden in der Woche als Werkstudentin für die Firma pro-micron GmbH, mit der ich über die Bachelorarbeit in Kontakt gekommen bin.

Was würden Sie anderen Studierenden empfehlen, die gerade auf der Suche nach einem geeigneten Bachelorarbeitsthema sind?

Ich würde ihnen empfehlen im Vorfeld ein Praktikum zu absolvieren, weil sich oft währenddessen interessante Themen, Projekte und Ansatzpunkte für eine tiefere und strukturiertere Projektarbeit ergeben. In einem Unternehmen darf man außerdem an die Praxis und das Projekt bleibt nicht nur theoretisch. Man kennt das Unternehmen, die Abteilungen und Prozesse schon und startet nicht von Null. Bei der Vorbereitung des Projekts ist dann die Kommunikation mit den Kolleg:innen das A und O und natürlich ist es wichtig, dass die Zusammenarbeit mit dem Betreuer oder der Betreuerin einfach gut passt.

Vielen Dank für das Interview Frau Tomola und wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre weiteren Pläne!

 

Zur Bachelorarbeit

Frau Tomolas Abschlussarbeit entstand an der Fakultät für Elektrotechnik und bei der BMW Group unter der Betreuung von Prof. Dr. Florian Kerber und Jürgen Heinzer. Mit Hilfe einer Fusion aus zusätzlich integrierten Sensor-, Prozess- und Maschinendaten entwickelte Federica Tomola KI-basierte Vorhersagemodelle für die Rauigkeit von Presswerkzeugen. Grundlage dafür war der Aufbau einer durchgängigen Datenpipeline mit automatisierter Auswertung, die in die Digitalisierungsstrategie des BMW-Werkzeugbaus München eingebettet ist. Durch neuronale Netze konnten Ergebnisse in der Vorhersage der Rauheitswerte erzielt werden, die großes Potential für weitergehende Analysen aufzeigen.

Die Pressemitteilung der Hochschule Augsburg zum VDMA-Nachwuchspreis finden Sie im News-Archiv der Fakultät für Elektrotechnik.
Federica Tomola mit Ihrem Betreuer Jürgen Heinzer von der BMW Group. Foto: Federica Tomola
Federica Tomola mit Ihrem Betreuer Jürgen Heinzer von der BMW Group