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„Pflegekräfte entlasten“: 1,47 Millionen Euro für Forschungsprojekt zur Digitalisierung von Pflegeberichten

Staatsminister Klaus Holetschek überreichte in Kempten den Förderbescheid im Rahmen des Verbundprojekts CARE REGIO

 
Übergabe des Förderbescheids durch den Bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek
Bei der Übergabe des Förderbescheids in Kempten (v.l.): Prof. Dr. Claudia Reuter, Prof. Dr. Alexandra Teynor (beide Fakultät für Informatik), Thomas Kreuzer, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion, Hochschulpräsident Prof. Dr. Gordon Thomas Rohrmair und Klaus Holetschek, Staatsminister für Gesundheit und Pflege. (Bild: Hochschule Kempten)
19.03.2021

In Bayerisch-Schwaben entsteht mit dem Projekt CARE REGIO eine Leitregion für die digital unterstützte Pflege von morgen. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege fördert das Projekt insgesamt mit rund 6,1 Millionen Euro. 1,47 Millionen Euro Förderung fließen an die Hochschule Augsburg für ein gemeinsames Projekt mit dem Universitätsklinikum Augsburg, um die Pflegekräfte bei der Überleitung der Patient:innen digital zu unterstützen.

 

Klaus Holetschek, Staatsminister für Gesundheit und Pflege, überreichte am 18. März 2021 an der Hochschule Kempten feierlich den Förderbescheid. „Wir müssen die Pflege zukunftssicher machen. Das ist eine unserer zentralen Aufgaben. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, die Anforderungen an den Pflegeberuf nehmen zu. Hier brauchen wir innovative, kluge Lösungen – und das Projekt CARE REGIO setzt genau an dieser Stelle an. Ich unterstütze das Projekt deshalb gerne und freue mich, dass sich die geballte Fachkompetenz in der Region zusammentut, um Schwaben als Leitregion für die Pflege digital zu etablieren und damit auch den Pflegeberuf weiterzuentwickeln.“ 

Der Projektverbund CARE REGIO besteht aus den Hochschulen Augsburg, Kempten und Neu-Ulm sowie der Universität Augsburg und dem Universitätsklinikum Augsburg. Die Hochschule Kempten leitet und koordiniert das Projekt, das in sechs Teilprojekte aufgeteilt ist. Der Hauptfokus der Hochschule Augsburg liegt mit dem Universitätsklinikum auf dem gemeinsamen Teilprojekt „Digitalisierung des Pflegeüberleitungsberichtes“.

„Digitale Unterstützung wird für die moderne Pflege immer wichtiger. Es ist uns ein Anliegen, nutzerfreundliche, integrierte und sichere Lösungen zu entwickeln, die die Pflegenden auch tatsächlich entlasten“, so Prof. Dr. Alexandra Teynor, wissenschaftliche Leiterin des Projekts an der Hochschule Augsburg. Um das Ziel zu erreichen, arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Softwareentwickler:innen, IT-Sicherheitsexpert:innen und einer Spezialistin für nutzerzentriertes Design an der Digitalisierung von Patientenberichten.

Pflegeberichte enthalten wichtige Daten, die für eine weiterführende Pflege unerlässlich sind. Aktuell erhalten die meisten Patient:innen die Berichte in Papierform und müssen diese zur nächsten Einrichtung mitbringen. Das Fachpersonal kann sich dadurch nicht frühzeitig auf die Pflegebedürftigen vorbereiten. Passende Hilfsmittel oder Medikamente können nicht im Vorfeld bereitgestellt werden. Hinzu kommt ein immenser Verwaltungsaufwand. Die ausgedruckten Berichte müssen meist manuell in das hauseigene System eingetragen werden. Eine übergreifende digitale Lösung für diese Prozesse gibt es nicht. Jede Einrichtung greift auf ein eigenständiges System zur Datendokumentation zurück.

Im Innovationslabor der Hochschule Augsburg (HSA_innolab) erarbeitet das interdisziplinäre Team im Rahmen von CARE REGIO ein System, das die unterschiedlichen Schnittstellen der Pflegeeinrichtungen bündelt, vereinfacht und den Medienbruch zwischen den Systemen umgeht. Dazu stehen sie im engen Austausch mit dem Universitätsklinikum Augsburg, der Altenhilfe der Stadt Augsburg, Awonia – Christian-Dierig-Haus und der Sozialstation Augsburg-Göggingen.

„Wir prüfen, wie wir die unterschiedlichen Berichte in ein einheitliches strukturierteres Format bringen und digital versenden können. Pfleger:innen könnten dadurch relevante Informationen schnell auf einen Blick sehen, ohne dass sich die Art der Datenerfassung für sie ändert“, betont Prof. Dr. Claudia Reuter, Expertin für Softwareentwicklung an der Hochschule Augsburg. Und Elisabeth Veronica Mess, wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Bereich nutzerzentriertes Design, ergänzt: „Mit der geplanten digitalen Überleitung der Pflegeberichte soll in Zukunft Zeit gespart werden, damit sich Pflegekräfte wieder mehr um die Patient:innen kümmern können.“

Eine weitere Herausforderung für die Wissenschaftler:innen der Hochschule Augsburg bei der Zusammenführung der Systeme: die IT-Sicherheit. Die unterschiedlichen Schnittstellen können ein Einfallstor für Cyber-Angriffe sein. Deshalb richtet das Team schon zu Beginn des Projekts den Fokus auch auf die IT-Sicherheit: „Gerade im Pflegebereich haben wir es mit hochsensiblen Daten zu tun. Je früher in der Software-Entwicklung die IT-Sicherheit berücksichtigt wird, umso höhere Sicherheitsstandards weist das finale Produkt auf­ – ein entscheidender Punkt, um das Vertrauen bei der digitalen Unterstützung von Pflege weiter zu steigern“, betont Dominik Merli, IT-Sicherheitsexperte und Leiter von HSA_innos – Institut für innovative Sicherheit der Hochschule Augsburg.

„Software-Entwicklung, IT-Sicherheit, Interface-Design: Mit dem Projekt zur ,Digitalisierung des Pflegeüberleitungsberichtes‘ zeigen wir als Hochschule für angewandte Wissenschaften, welche Innovationskraft ins uns steckt, wenn wir gemeinsam interdisziplinär forschen und angesehene Kooperationspartner:innen aus der Region im Boot haben: für ein Thema, wie es aktueller und wichtiger nicht sein könnte, für die Unterstützung der Digitalisierung im Pflegebereich, zur Entlastung der Pflegekräfte“, freut sich der Präsident der Hochschule Augsburg, Prof. Dr. Gordon Thomas Rohrmair, über die Förderung im Rahmen von CARE REGIO

Weitere Informationen zu CARE REGIO:
www.hs-augsburg.de/Informatik/innolab/CAREREGIO