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Produktionsdaten sammeln, intelligent auswerten und für innovative Geschäftsmodelle nutzen

706.000 Euro Zuwendung für Verbundprojekt mit überregionalem Wissensaustausch

 
Internet of Things. Foto: Colourbox
13.06.2018

Die Digitalisierung krempelt ganze Geschäftsfelder um, auch die mittelständische produzierende Industrie kann da nicht abseitsstehen. „Internet of Things“ und „Big Data“ sind die Stichworte der Stunde. Doch wie lassen sich Produktionsdaten sammeln und intelligent auswerten? Und welchen Nutzen können kleine und mittelständische Unternehmen daraus für ihre Geschäftsmodelle ziehen? Diesen Fragen geht das neu gestartete Projekt „Transparenz in Produktionsprozessen“, kurz TRiP, nach. Die Hochschule Augsburg und ihr Forschungspartner, die Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT, sowie sechs Unternehmen aus Schwaben und Oberfranken erhalten jetzt für das interdisziplinäre Vorhaben Fördergelder in Höhe von insgesamt 706.000 Euro. Die Mittel stammen aus dem FuE-Programm „Informations- und Kommunikationstechnik“ des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Energie und Technologie.

 
Bayerns Wirtschafts- und Technologieminister Franz Josef Pschierer
Franz Josef Pschierer, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft,Energie und Technologie. Bild: stmwi

Bayerns Wirtschafts- und Technologieminister Franz Josef Pschierer: „Die Verbindung komplexer IT-Systeme, zum Beispiel mit dem Maschinenbau, birgt die große Chance auf Innovationsführerschaft bei gleichzeitigem Know-how-Schutz. Damit können einerseits höchste Ansprüche an Qualität und Zuverlässigkeit erfüllt werden und andererseits kann die Wirtschaftlichkeit enorm erhöht werden. Überdies ergibt sich aus der Verknüpfung mit komplexer Hard- und Software auch ein wirkungsvoller Kopierschutz im Produkt selbst, aber auch bei der Produktion und im Kundenservice. Mit steigender Komplexität wird die Nachahmung sehr aufwendig. So wollen wir die Wettbewerbsfähigkeit sowohl der IT-Industrie, vor allem aber der IT-Anwenderbranchen stärken und die Attraktivität des Technologiestandortes Bayern weiter erhöhen.“

 

Das Thema hat für die bayerische Industrie und Wissenschaft eine besondere Bedeutung, da Bayern sowohl der bedeutendste Standort innerhalb Deutschlands für die informationstechnische Branche bzw. Softwareindustrie ist und gleichzeitig software-intensive Anwenderbranchen sehr stark vertreten sind, wie z.B. die Automobilindustrie, die Luftfahrt, der Maschinenbau, die elektrotechnische Industrie, die Automatisierungstechnik, die Medientechnik sowie innovative Dienstleister (Banken und Versicherungen).

Die am Projekt beteiligten kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region sehen sich vor die Herausforderung gestellt, ihre Produktionsprozesse zu digitalisieren und digitale Geschäftsmodelle für ihre Kunden zu entwickeln. „Unser Unternehmen durchläuft aktuell eine entscheidende Transformation hin zur digitalen Produktion und zu innovativen Produkten in Verbindung mit digitalen Services“, erklärt Leopold Munk, Mitglied der Geschäftsleitung der Günzburger Steigtechnik, die Konsortialpartner von TRiP ist.

„Wir arbeiten zum einen daran, wichtige Produktionsprozesse mit ‚Internet of Things‘-Technologien zu digitalisieren und dadurch die Effizienz und Produktqualität weiter zu steigern. Auf der anderen Seite beschäftigen wir uns auch mit der Weiterentwicklung unseres Geschäfts und innovativen Ideen für die Zukunft. „So arbeitet die Günzburger Steigtechnik beispielsweise im Rahmen ihrer Innovationswerkstatt an der Ausstattung von Produkten mit intelligenten Sensoren. „Mit dieser Technik können wir sehen, wie und in welchem Umfang unsere Kunden das Produkt nutzen und so maßgeschneiderte Nutzungsmodelle anbieten“, erklärt Munk. „Durch Forschungsprojekte wie TRiP erhalten regionale Unternehmen wie unseres, wichtige Impulse für die digitale Transformation, da sie den Austausch zwischen Unternehmen verschiedener Branchen und Forschungseinrichtungen aktiv fördern.“ Auch Axel Burscheid, Director Global Service von WashTec und Projektpartner von TRiP, hält datengetriebene Services für entscheidend: „Wir arbeiten insbesondere an der Auswertung von Betriebs- und Umgebungsdaten unserer Waschanlagen, um intelligente Vorhersagen zu Wartungsbedarfen treffen und optimierte Wascheinstellungen vornehmen zu können.“

Die dazu erforderliche Auswertung von digitalen Produktions- und Produktdaten erfolgt per Big Data Analytics, also durch intelligente analytische Verfahren, die Daten sammeln, aufbereiten und Zusammenhänge erschließen. „Aktuell greifen viele kleine und mittelständische Unternehmen auf gängige Cloud-Technologien zurück, die generisch und austauschbar sind. Diese Lösungen sammeln zwar Daten, gehen aber in der Datenauswertung nicht auf die anwendungsspezifischen Eigenheiten der Produktionsprozesse ein – dies aber ist zwingend erforderlich um die vorhandenen Effizienzpotenziale zu heben, sowohl intern als auch auf der Kundenseite“, erläutert Prof. Dr. Björn Häckel, Projektleiter von TRiP an der Hochschule Augsburg. „Mit TRiP arbeiten wir an der Entwicklung hochspezialisierter, sicherer, und zugleich kundenindividueller Lösungen, die den regionalen Unternehmen eine Differenzierung im globalen Wettbewerb erlauben und so einen wichtigen Beitrag zu deren nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit leisten. Die Sicherheit der Daten muss dabei immer gewährleistet sein, da der Schutz sensibler Produktions- und Kundendaten die Grundvoraussetzung für die Entwicklung sicherer digitaler Geschäftsmodelle ist.“

Beteiligte Forschungs- und Praxispartner
Das Forschungsvorhaben wird von einem interdisziplinär besetzten Konsortium durchgeführt, dem neben der Hochschule Augsburg auch die Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT angehört, die an den Universitäten Augsburg und Bayreuth verankert ist. Zu den Industriepartnern aus der Region Schwaben und Oberfranken zählen BMK (BMK Group GmbH & Co. KG und BMK professional electronics GmbH), GROB-WERKE, Günzburger Steigtechnik, HEINZ-GLAS, RENK und WashTec. Die Forschungs- und Hochschuleinrichtungen übernehmen die wissenschaftliche Begleitung des Projekts und sorgen für die Verbindung zwischen Forschung und Praxis.

Weitere Informationen unter:
www.transparente-produktionsprozesse.de

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Björn Häckel

Hochschule Augsburg
Institut für innovative Sicherheit (HSA_innos) und zugleich Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT

Telefon +49 821 5586-3325
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Hochschule Augsburg
Institut für Technologie- und Wissenstransfer (ITW)
Telefon: +49 821 5586-3294
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