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Buenos Días Argentina: Lena Kempf zum Auslandssemester an der Universidad de Buenos Aires

Nach anfänglichen organisatorischen Hürden wurde Lena Kempfs Auslandssemester zu einem unvergesslichen Erlebnis.

 
Patagonien
Während ihres Auslandssemester reiste Lena Kempf auch nach Patagonien. (alle Bilder: Lena Kempf)
12.08.2019
Buenos Aires, Argentinien

Nach längerer Zeit war ich die erste Studentin der Fakultät für Architektur und Bauwesen, die für ein Auslandssemester an die Universidad de Buenos Aires ging. Es war ein halbes Jahr mit Höhen und Tiefen, aber schlussendlich kann ich sagen, dass ich wahnsinnig glücklich über die Entscheidung bin, hierher gekommen zu sein. Die Organisation meines Aufenthalts erwies sich im Vorfeld als schwierig, da ich erst knapp drei Wochen vor meinem Abflug die endgültige Zusage bekam. Zudem gab es Probleme mit meinem Visum, was einige Behördengänge in Buenos Aires zur Folge hatte. Im Hinblick auf eine Unterkunft buchte ich mir ein Airbnb für die ersten Wochen. Ein Zimmer in Argentinien zu finden, war viel einfach als in Deutschland, da es keine WG-Castings gibt. Ich wohnte mit zwei Argentiniern in einem Haus, was großes Glück war, da es in Südamerika unüblich ist, während des Studiums von zuhause auszuziehen. Die meisten Austauschstudenten lebten in WGs mit anderen extranjeros.

 
Facultad de Ingeniería Las Heras
Die Facultad de Ingeniería Las Heras in Buenos Aires.

In Augsburg studiere ich energieeffizientes Planen und Bauen. In Buenos Aires gestaltete sich die Wahl meiner Kurse etwas problematisch, da es mehrere Standorte der facultad de ingeniería gibt, was orts- und verkehrstechnisch bedingt circa eine Stunde Fahrtzeit erfordert. Des Weiteren finden abgesehen von den Vorlesungen aus dem Grundstudium beinahe alle Kurse in der Zeit von 15 und 23 Uhr statt und deren Umfang variiert zwischen 4 und 8 Stunden – teilweise auf zwei Tage verteilt – was die Teilnahme an mehr als vier Fächern quasi unmöglich macht. 

Die Universidad de Buenos Aires ist nach aktuellem Ranking die beste Universität Lateinamerikas und das Niveau der Lehre ist daher recht hoch. In den meisten Fächern waren die Durchfallquoten besonders im ersten Versuch der Prüfungen dementsprechend sehr hoch. Die Kurse waren meist recht klein und auf 15 bis 40 Personen beschränkt, was für ein angenehm familiäres Klima sorgte.

 

Ich entschied mich insgesamt für drei Kurse des Bauingenieurwesens. Alle meine Fächer bestanden aus einem theoretischen Vorlesungsteil und einem praktischen Anwendungsteil. Im letzterem mussten in regelmäßigen Abständen Leistungsnachweise, sogenannte trabajos practicos, abgegeben werden, welche Voraussetzung für die Teilnahme an Zwischenprüfungen und Examen waren. Alle Kurse beinhalteten zudem mindestens ein bis zwei Zwischenprüfungen sogenannte parciale, welche bestanden werden mussten, um an den Examen teilnehmen zu dürfen.

Unterstützt wurden alle Studierenden der facultad de ingeniería durch ein Patenprogramm, bei dem jeder Austauschstudent durch einen argentinischen Studenten betreut wurde. Neben Reisen, Grillen, Partys und vielen weiteren Unternehmungen, war das internationale Studierenden-Netzwerk eine tolle Anlaufstelle, durch die ich viele wahnsinnig tolle Menschen kennenlernen konnte.  

 
Freunde aus aller Welt (Unternehmungen der INFIUBA dem internationalen Studierendennetzwerk der universidad de Buenos Aires.
Freunde aus aller Welt: Unternehmungen der INFIUBA, dem internationalen Studierendennetzwerk der Universidad de Buenos Aires.
Floralis Generica Buenos Aires
Floralis Generica Buenos Aires: Ein Abend im Park mit Mate und Freunden.
 

Alle materias werden ausschließlich auf Spanisch unterrichtet. Zu Beginn der Vorlesungszeit musste ich an einem Einstufungstest in Spanisch teilnehmen. Das Ergebnis spielte allerdings kaum eine Rolle. Die UBA legt einem bei Nichtbestehen allerdings nahe, einen Spanischkurs der Universität zu besuchen. Zugegebenermaßen verstand ich in den ersten Wochen nicht sehr viel (was nicht nur an dem sehr gewöhnungsbedürftigen, argentinischen Dialekt inklusive vieler nur hier existierender Worte lag). Das größte Problem war, meine Hemmungen zu sprechen zu überwinden. Es ist wichtig, dass man, selbst wenn man bereits gut Spanisch spricht, den Aufwand, den man durch das Erlernen des Fachvokabulars hat, nicht unterschätzt. Außerdem findet ein großer Teil der Examen auch mündlich statt, was sehr anspruchsvoll ist.

Dass das Leben in einer Stadt wie Buenos Aires aufregend ist, steht außer Frage. Es gibt unzählige Museen, Theater, Bars, Cafés, Parks und vieles mehr zu erleben. Die Universität empfahl allen Studierenden, einige Wochen vorher anzureisen, um sich „an das Tempo der Stadt zu gewöhnen“. Dass dieser Tipp in mehr als einer Hinsicht empfehlenswert ist, kann ich rückblickend nur bestätigen – sogar Busfahren kann ohne Haltestellen und Fahrplan eine Herausforderung sein. In meiner Zeit in Argentinien lernte ich neben der Hauptstadt auch den Rest dieses unglaublich großen und vielseitigen Landes kennen und lieben. Von den Weinregionen, Canyons und Salzwüsten im trockenen Norden, über die beeindruckenden Wasserfälle im tropischen Iguazú bis hin zu den Gletschern und Nationalparks Patagoniens bietet Argentinien einfach alles an beeindruckenden Landschaften und Naturschauspielen. An allen Orten wurde ich von den Menschen, die dort leben, herzlich empfangen, merkte allerdings auch, wie schwer das Land unter seiner fortwährenden wirtschaftlichen Krise zu leiden hat.

 
Blick über Buenos Aires vom Palacio Barolo
Blick über Buenos Aires vom Palacio Barolo.
Cataratas de Iguazú im Dreiländereck Paraguay, Argentinien, Brasilien
Cataratas de Iguazú im Dreiländereck Paraguay, Argentinien, Brasilien.
Bariloche in der Region Patagonien, ein Trip auf der berühmten Ruta 40
Bariloche in der Region Patagonien: ein Trip auf der berühmten Ruta 40.
Wochenendtrip ins benachbarte Uruguay
Wochenendtrip ins benachbarte Uruguay.
 

Während ich diesen Bericht schreibe, erscheint es mir beinahe unwirklich, dass mein Auslandssemester nun offiziell vorbei ist. Meine letzten Prüfungen sind geschrieben und nun liegt noch ein Monat voller Reisen vor mir, bis ich nach Deutschland zurückkehre.

Auch wenn mein Auslandssemester nicht ganz leicht war, war es die richtige Entscheidung, nach Argentinien zu gehen. Es ist oft nicht einfach die „Alltagsblase“ zu verlassen, in der wir alle leben, aber ich kann jedem nur empfehlen, die Möglichkeit zu ergreifen, wenn sie sich einem bietet. Wir werden viel zu oft von unserer Bequemlichkeit und unseren Ängsten aufgehalten, großartige Dinge zu tun, die unser Leben verändern können. Neben all den Dingen wie Sprache, interkulturelle Kompetenzen und neuen Freundschaften, die ein Auslandssemester mit sich bringt, kann ich eines sicher versprechen: Man wird seine eigene unvergessliche Erinnerung schreiben.

Weitere Informationen

 

Kontakt

 

Falls ihr Fragen oder Ähnliches zum Auslandssemester in Buenos Aires habt, schreibt mir gerne eine E-Mail: [Bitte aktivieren Sie Javascript].