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B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A

 

 

 

 
Konrad von Würzburg
Herzmære
 


 






 




D a s 
H e r z m æ r e



Ich prüeve in mîme sinne
daz lûterlîchiu minne
der werlte ist worden wilde.
dar umb sô sulen bilde
5
ritter unde frouwen
an diesem mære schouwen,
wand ez von ganzer liebe seit.
des bringet uns gewisheit
von Strâzburc meister Gotfrit:
10
swer ûf der wâren minne trit
wil eben setzen sînen fuoz,
daz er benamen hœren muoz
sagen unde singen
von herzeclichen dingen,
15
diu ê wâren den geschehen
die sich dâ hæten undersehen
mit minneclichen ougen.
diu rede ist âne lougen:
er minnet iemer deste baz
20
swer von minnen etewaz
hœret singen oder lesen.
dar umbe wil ich flîzec wesen
daz ich diz schœne mære
mit rede alsô bewære
25
daz man dar ane kiesen müge
ein bilde daz der minne tüge,
diu lûter unde reine
sol sîn vor allem meine.

Ein ritter unde ein frouwe guot
30
diu hæten leben unde muot
in einander sô verweben,
daz beide ir muot unde ir leben
ein dinc was worden alsô gar:
swaz der frouwen arges war,
35
daz war ouch deme ritter;
dâ von ze jungest bitter
wart ir ende leider;
diu minne was ir beider
worden sô gewaltec,
40
daz si vil manicvaltec
machte in herzesmerzen.
grôz smerze wart ir herzen
von der süezen minne kunt.
si hæte si biz an den grunt
45
mit ir fiure enzündet
und alsô gar durgründet
mit minneclicher trûtschaft,
daz niemer möhte ir liebe kraft
mit rede werden zende brâht.
50
ir lûterlichen andâht
niemen künde vollesagen.
nie ganzer triuwe wart getragen
von manne noch von wîbe,
danne ouch in ir lîbe
55
si zwei zesamne truogen.
doch kunden sie mit fuogen
zuo einander komen niht
alsô daz si zer minne pfliht
ir gernden willen möhten hân.
60
daz süeze wîp vil wol getân
het einen werden man zer ê,
des wart ir herzen dicke wê:
wande ir schœne was behuot
sô vaste daz der herre guot
65
nie mohte an ir gestillen
sîns wunden herzen willen,
daz nâch ir minne lac versniten.
des wart diu nôt von in geliten
diu strenge was und engestlich,
70
nâch ir lîbe minneclich
begunde er alsô vaste queln
daz er sînen pîn verheln
niht mohte vor ir manne.
zuo der schœnen danne
75
reit er swenne ez mohte sîn,
und tet ir dô mit clage schîn
sînes herzen ungemach;
dâ von ze jungest im geschach
ein leit daz in beswârte.
80
der frouwen man der vârte
mit starker huote ir beider
sô lange unz er leider
an ir gebærden wart gewar
daz si diu süeze minne gar
85
het in ir stric verworren,
daz si muosten dorren
nâch einander beide.
dar umbe wart vil leide
disem guoten herren dô.
90
er dâhte wider sich alsô:
«enhüete ich mînes wîbes niht,
mîn ouge lîhte an ir gesiht
daz mich hernâch geriuwet,
wan sie mir schaden briuwet
95
mit disem werden edeln man.
deiswâr ob ichz gefüegen kan,
ich bringes ûzer sîner wer.
über daz vil wilde mer
wil ich zwâre mit ir varn,
100
dur daz ich künne si bewarn
vor im unz daz er gar von ir
gewende sînes herzen gir
und si den muot von im geneme.
ich hôrte sagen ie daz deme
105
sîn liep vil sanfte würde leit
daz mit langer stætekeit
von im gescheiden würde gar.
dar umbe ich gerne mit ir var
zuo dem frônen gotes grabe,
110
unz daz si gar vergezzen habe
der hôhen minne die si treit
dem werden ritter vil gemeit.»

Alsus kam er des überein
daz er den gelieben zwein
115
ir trûtschaft wolde leiden,
diu niemer doch gescheiden
mohte werden under in.
er kêrte dar ûf sînen sin
daz er mit der frouwen
120
benamen wolte schouwen
Jerusalem daz reine lant.
und dô der ritter daz bevant,
der nâch ir süezen minne bran,
dô wart der muotsieche man
125
vil schiere des ze râte
daz er nâch ir drâte
wolte ouch varen über mer.
in dûhte daz er âne wer
dâ heime tôt gelæge,
130
ob er sich des verwæge
daz er wendic würde.
der strengen minne bürde
twanc sô vaste sînen lîp
daz er durch daz schœne wîp
135
wær in den grimmen tôt gevarn;
dar umbe er doch niht langer sparn
wolte nâch ir sîne vart.
und dô des an im innen wart
diu süeze tugende rîche,
140
do besande in tougenlîche
daz vil keiserlîche wîp.
«friunt, herre», sprach si, «lieber lîp,
mîn man ist an den willen komen,
als dû wol selbe hâst vernomen,
145
daz er mich flœhen wil von dir.
nû volge, trûtgeselle, mir
durch dîner hôhen sælden art
unde erwende dise vart,
die sîn lîp hât ûf geleit
150
über daz wilde mere breit:
var alters eine drüber ê,
dar umbe daz er hie bestê.
wan swenne er hât von dir vernomen
daz dû bist vor im über komen,
155
sô belîbet er zehant,
und wirt der arcwân erwant
den sîn lîp hât ûfe mich,
wand er gedenket wider sich:
«wære an diesen dingen iht
160
der mîn herze sich versiht
an mînem schœnen wîbe guot,
der werde ritter hôchgemuot
wære niht von lande komen.»
sus wirt der zwîvel im benomen
165
den wider mich sîn herze treit.
ouch sol dir niht wesen leit
ob dû bist eine wîle dort,
unz man verredet hie daz wort
daz von uns fliuget über lant.
170
sô dich her wider hât gesant
der vil süeze reine Crist,
sô hâstu sam mir alle frist
dînen willen deste baz,
ob man gar verredet daz
175
daz man ûf uns ze mære saget.
dem edeln gote sîz geclaget
daz du nâch dem willen dîn
niht iemer maht bî mir gesîn
und ich bî dir nâch mîner ger.
180
nu genc, vil lieber herre, her,
enpfâch von mir diz vingerlîn:
dâ bî soltû der swære mîn
gedenken under stunden,
dâ mite ich bin gebunden,
185
sô dich mîn ouge niht ensiht:
wan zwâre swaz sô mir geschiht,
ich muoz an dich gedenken,
dîn vart diu kan mir senken
jâmer in mîns herzen grunt.
190
gip mir her an mînen munt
einen süezen friundes kus
und tuo dur mînen willen sus
als ich hân gesaget dir.»
«gerne, frouwe», sprach er zir
195
ûz trüebes herzen sinne,
«swaz ich daran gewinne,
ich tuon mit willen swaz ir went.
ich hân sô gar an iuch versent
herze, muot und ouch den sin,
200
daz ich iu von rehte bin
eigenlichen undertân.
nu lânt mich iuwern urloup hân,
ûzerwelte frouwe guot,
und wizzent daz mîn sender muot
205
nâch iu muoz grôzen kumber doln.
ich bin sô gar an iuch verquoln
mit herzen und mit lîbe,
liebest aller wîbe,
daz ich des michel angest habe,
210
man trage tôten mich ze grabe,
ê daz diu sælde mir geschehe
daz ich iuch iemer mê gesehe.»

Hie mite was diu rede hin
die si dâ triben under in
215
von ir herzeleide.
diu zwei gelieben beide
schieden sich mit marter,
und twungen sich dô harter
ze herzen an der stunde
220
danne ich mit dem munde
iu bescheiden künne.
an werltlicher wünne
lag ir beider herze tôt:
ir liehten münde rôsenrôt
225
vil senfter küsse pflâgen,
dar nâch si sich verwâgen
aller fröuden under in.
der werde ritter kêrte hin
mit jâmer an daz mer zehant;
230
den êrsten kiel den er dâ vant,
darinne wart er über brâht.
er hæte sich des wol bedâht
daz er ûf der erden
niemer wolte werden
235
fröudehaft noch rehte frô,
got gefuoctez danne alsô
daz er ze lande quæme
und etewaz vernæme
von der lieben frouwen sîn.
240
des wart sîn herzeclîcher pîn
vil strenge und ouch vil bitter:
der tugenthafte ritter
begunde nâch ir trûren
und in sîn herze mûren
245
vil jâmerlîche riuwe.
sîn altiu sorge niuwe
nâch ir süezen minne wart.
der reinen turteltûben art
tet er offenlîche schîn,
250
wande er nâch dem liebe sîn
vermeit der grüenen fröuden zwî
und wonte stæteclîche bî
der dürren sorgen aste.
er sente nâch ir vaste,
255
und wart sîn leit sô rehte starc
daz im der jâmer durch daz marc
dranc unz an der sêle grunt;
er wart vil tiefer sorgen wunt
und inneclicher swære.
260
der sende marterære
sprach ze maneger stunde
mit siufzendem munde:
«gêret sî daz reine wîp,
der leben und der süezer lîp
265
mir gît sô herzeclichen pîn.
jâ si liebiu frouwe mîn,
wie kan ir süeziu meisterschaft
sô bitterlicher nœte craft
senden mir ze herzen!
270
wie mac sô grôzen smerzen
ir vil sælic lîp gegeben!
sol si trœsten niht mîn leben,
sô bin ich endelîche tôt.»

In dirre clagenden herzenôt
275
was er mit jâmer alle tage,
und treip sô lange dise clage
biz er ze jungest wart geleit
in alsô sende siecheit
daz er niht langer mohte leben.
280
im wart sô grimmiu nôt gegeben
daz man wol ûzen an im sach
den tougenlichen ungemach
den innerhalp sîn herze truoc.
und dô der werde ritter cluoc
285
der leiden mære sich versach
daz im ze sterbenne geschach,
dô sprach er zuo dem cnehte sîn:
«vernim mich, trûtgeselle mîn;
ich bevinde leider wol
290
daz ich benamen sterben sol
dur liebe mîner frouwen,
wan si mich hât verhouwen
biz ûf den tôt mit sender clage.
dar umbe tuo daz ich dir sage:
295
swenne ich sî verdorben
unde ich lige erstorben
durch daz keiserlîche wîp,
sô heiz mir snîden ûf den lîp
und nim dar ûz mîn herze gar,
300
bluotic unde riuwevar;
daz soltu denne salben
mit balsam allenthalben,
durch daz ez lange frisch bestê.
vernim waz ich dir sage mê:
305
frum eine lade cleine
von golde und von gesteine,
dar în mîn tôtez herze tuo,
und lege daz vingerlîn dar zuo
daz mir gab diu frouwe mîn:
310
sô diu zwei bî einander sîn
verslozzen und versigelet,
sô bring alsô verrigelet
si beidiu mîner frouwen,
durch daz si müge schouwen
315
waz ich von ir habe erliten,
und wie mîn herze sî versniten
nâch ir vil süezen minne.
si hât sô reine sinne
und alsô ganze triuwe
320
daz ir mîn jâmer niuwe
lît iemer an ir herzen,
bevindet si den smerzen
den ich durch si lîden sol.
dar umbe tuo sô rehte wol
325
unde erfülle mîn gebot.
der reine und der vil süeze got,
der kein edel herze nie
mit der helfe sîn verlie,
der ruoche sich erbarmen
330
über mich vil armen,
und müeze der vil lieben geben
fröud unde ein wünneclichez leben,
von der ich hie muoz ligen tôt.»

Mit dirre clagenden herzenôt
335
der ritter nam sîn ende.
dar umbe sîne hende
der cneht vil jâmerlîche want;
er hiez in snîden ûf zehant
unde erfulte im sîne bete.
340
swaz er in ê gebeten hete
daz tet er unde kêrte dan
als ein fröudelôser man
mit dem herzen alsô tôt.
er fuorte ez, als er im gebôt,
345
zuo der selben veste
dâ er si ûfe weste
durch die der liebe herre sîn
leit des grimmen tôdes pîn.

Dô er zuo der veste quam
350
dâ diu frouwe tugentsam
was inne bî der selben zît,
dô reit im ûf dem velde wît
ir man engegen von geschiht
und wolte, als uns daz mære giht,
355
dâ lîhte hân gebeizet.
des wart der cneht gereizet
ûf clegelichez ungemach;
wan dô der ritter in gesach,
dô gedâhte er alzehant:
360
«zwâre, dirre ist her gesant
umb anders niht wan umbe daz
daz er mæres etewaz
bringe mînem wîbe
von sînes herren lîbe
365
der nâch ir minne jâmer treit.»
hie mite er zuo dem cnehte reit
und wolte in mære frâgen sâ.
dô gesach er schiere dâ
die lade von gezierde cluoc,
370
darinnen er daz herze truoc
und der frouwen vingerlîn.
er hætes an den gürtel sîn
gehenket beidiu von geschiht
als ob ez wære anders iht.

375
Dô der ritter daz ersach,
den cnappen gruozte er unde sprach,
waz er dar inne trüege.
dô sprach der vil gefüege
und der getriuwe jungelinc:
380
«herr, ez ist einer hande dinc
daz verre bî mir ist gesant.»
«lâ sehen», sprach er alzehant,
«waz drinne sî verborgen!»
dô sprach der cneht mit sorgen:
385
«zwâre des entuon ich niht,
kein mensche ez niemer gesiht
wan der ez sol von rehte sehen.»
«nein, alsô mag ez niht geschehen»,
sprach der ritter aber zime,
390
«wand ich dirz mit gewalte nime
und schouwe ez sunder dînen danc.»
Dar nâch was vil harte unlanc
biz daz er im daz ledelîn
brach von deme gürtel sîn.
395
daz tet er ûf mit sîner hant:
daz herze sach er unde vant
dâ bî der frouwen vingerlîn.
an den zwein wart ime schîn
daz der ritter læge tôt
400
und disiu beidiu sîner nôt
ein urkünde wæren
ze der vil sældenbæren.

Der ritter sprach dem cnehte zuo:
«ich sage dir, cnappe, waz du tuo:
405
var dîne strâze, wellest dû,
ich wil daz cleinœte nû
mir selben hân, daz sage ich dir.»

Sus reit er heim nâch sîner gir
und sprach ze sînem koche sâ,
410
daz er im ûz dem herzen dâ
ein cleine sundertrahte
mit hôhem flîze mahte.
daz tet der koch mit willen gar:
er nam zuo im daz herze dar
415
und mahte ez alsô rehte wol
daz man enbîzen niemer sol
dekeiner slahte spîse,
diu alsô wol nâch prîse
mit edeln würzen sî gemaht
420
als daz herze vil geslaht.

Als ez wart gar bereitet,
dô wart niht mê gebeitet;
der wirt gienc ezzen über tisch
und hiez tragen alsô frisch
425
die trahte sînem wîbe dar.
«frouwe», sprach er suoze gar,
«diz ist ein spîse cleine,
die solt du ezzen eine,
wan dû ir niht geteilen maht.»
430
sus nam diu frouwe vil geslaht
und az ir friundes herze gar,
alsô daz si niht wart gewar
welher slahte ez möhte sîn.
daz jâmerlîche trehtelîn
435
sô süeze dûhte ir werden munt
daz si dâ vor ze keiner stunt
nie dekeiner spîse gaz
der smac ir ie geviele baz.

Dô diu frouwe stæte
440
daz herze gezzen hæte,
dô sprach der ritter alzehant:
«frouwe, nû tuo mir bekant,
wie disiu trahte dir behage.
ich wæne daz du dîne tage
445
enbizzest keiner spîse nie
süezer, frouwe, denne die.»

«Lieber herre», sprach si dô,
«niemer werde ich rehte frô,
ob ich ie spîse gæze
450
diu sô zuckermæze
mich dûhte und alsô reine
sô disiu trahte cleine
der ich iezuo hân bekort.
aller spîse ein überhort
455
muoz si mir benamen sîn.
sprechent, lieber herre mîn,
ist diz ezzen lobesam
gewesen wilde oder zam?»

«Frouwe», sprach er aber zir,
460
«vernim vil rehte waz ich dir
mit worten hie bescheide:
zam und wilde beide
was disiu trahte, sam mir got!
den fröuden wilde sunder spot,
465
den sorgen zam ân underlâz:
du hâst des ritters herze gâz
daz er in sîme lîbe truoc,
der nâch dir hât erliten gnuoc
jâmers alle sîne tage.
470
geloube mir waz ich dir sage.
er ist von sender herzenôt
nâch dîner süezen minne tôt,
und hât dir daz herze sîn
und daz guote vingerlîn
475
zeim urkünde her gesant
bî sînem cnehte in ditze lant.»

Von disem leiden mære
wart diu sældenbære
als ein tôtez wîp gestalt,
480
ir wart in deme lîbe kalt
daz herze, daz geloubent mir.
ir blanken hende enphielen ir
beide fürsich in die schôz,
daz bluot ir ûz dem munde dôz,
485
als ir diu wâre schult gebôt.
«jâ», sprach si dô mit maneger nôt,
«hân ich sîn herze denne gâz
der mit hât ân underlâz
von grunde ie holden muot getragen,
490
sô wil ich iu benamen sagen,
daz ich nâch dirre spîse hêr
dekeiner trahte niemer mêr
mich fürbaz wil genieten.
got sol mir verbieten
495
durch sînen tugentlichen muot,
daz nâch sô werder spîse guot
in mich kein swachiu trahte gê.
enbîzen sol ich niemer mê
dekeiner slahte dinges,
500
wan des ungelinges
daz geheizen ist der tôt.
ich sol mit sender herzenôt
verswenden hie mîn armez leben
umb in der durch mich hât gegeben
505
beidiu leben unde lîp.
ich wære ein triuwelôsez wîp,
ob ich gedæhte niht daran
daz er vil tugenthafter man
sante mir sîn herze tôt.
510
wê daz mir ie nâch sîner nôt
wart einen tac daz leben schîn!
zwâr ez enmac niht langer sîn
daz ich âne in eine lebe,
und er in deme tôde swebe
515
der vor mir triuwe nie verbarc.»
sus wart ir nôt sô rehte starc
daz si von herzenleide
ir blanken hende beide
mit grimme zuo einander vielt.
520
daz herze ir in dem lîbe spielt
von sender jâmerunge.

Hie mite gap diu junge
ein ende ir süezen lebene
und widerwac vil ebene
525
mit eime swæren lôte
swaz ir dâ vor genôte
ir friunt geborget hæte.
si galt mit ganzer stæte
und ouch mit hôhen triuwen ime.

530
Got welle, swaz ich dinges nime,
daz ich wider geben daz
müeze sanfter unde baz
dann ir vil reinez herze tete.
ich wæne daz an keiner stete
535
wart nie vergolten alsô gar
noch niemer wirt: des nim ich war
an den liuten die nu sint;
wand in froun Minnen underbint
lît niht sô strengeclichen an
540
daz beidiu frouwen unde man
zesamene gebunden sîn,
daz si des grimen tôdes pîn
nu durch einander lîden.
man slîzet ab der wîden
545
ein bast vil sterker mit der hant,
dann iezuo sî der minne bant
dâ nu liep bî liebe lît.
âne grimmes tôdes strît
werdent si gescheiden wol
550
die nu kumberlîche dol
durch einander wellent tragen.
frou Minne gît bî disen tagen
in selten alsô guoten kouf.
wîlen dô sie niender slouf
555
ze tugentlôser diete
umb alsô swache miete,
dô dûhte ir süezekeit sô guot
daz durch si manic edel muot
biz ûf den tôt versêret wart.
560
nu hât verkêret sich ir art
und ist sô cranc ir orden,
daz sie wol veile ist worden
den argen umbe ein cleinez guot.
dar umbe lützel iemen tuot
565
durch si nû dem lîbe wê.
man wil dar ûf niht ahten mê,
und tiuret daz vil cleine
daz sich algemeine
den liuten hât gemachet,
570
daz ist dâ von geswachet.
als ist ez umb die minne:
gewünne si die sinne
daz si noch tiurre würde,
ez wære jâmers bürde
575
nie geleget vaster an
dann iezuo frouwen unde man:
ez würde nâch ir sô gestriten
und für einander sô geliten
daz man ez gerne möhte sehen.

580
Niht anders kan ich iu verjehen,
von Wirzeburc ich Cuonrât.
swer alsô reine sinne hât
daz er daz beste gerne tuot,
der sol diz mære in sînen muot
585
dar umbe setzen gerne,
daz er dâ bî gelerne
die minne lûterlichen tragen.
kein edel herze sol verzagen!

 
 
 
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