BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Ulrich von Liechtenstein

ca. 1200 -1275

 

Vrowen dienst

 

1255

 

Ulrich reist von Wien nach Neuenburg.

Seine frouwe erfährt von seiner Begegnung

mit der Burgfrau und wendet sich von ihm ab.

Mit Ulrichs Lied XI versucht der Bote sie

umzustimmen. Sie erlaubt den beiden einen

Besuch, als Ausätzige verkleidet.

(Strophe 986 - 1123)

 

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Âventiure von dem turney nâch

der fart ze Niwenburc.

 

986

Nu wâręn ouch sî ze Wiene komen.

ir kunft mir liep was dar vernomen,

wan mir kom daz gesinde mîn:

daz kundę mir lieber niht gesîn.

5

ich hiez mîn herbergę machen dô

vil schœn. ich was von hertzen vrô,

daz ich die ritter solde sehen:

dô was vil liebe mir geschehen.

 

987

Diu pferde ich mir gewinnen bat:

dô wolde ich rîten in die stat.

ich wolde den tuomvogt hân gesehen.

des liez der biderbe niht geschehen:

5

wan ê daz würden mir bereit

diu pferde, der biderbe höfsche reit

ê in die herberge mîn.

er sprach: «got grüeze iuch, künegin!»

 

988

Er sprach: «got wunder hât getân

an iu, daz ir nu sît ein man

und wârt vor vier tagen ein wîp.

daz ir sus wandelt iwern lîp,

5

daz ist ein wunder endelîch.

ir wârt ein küneginne rîch:

nu sît ir als ein ander man.

wem habt ir iwer küncrîche lân?»

 

989

Des lacht ich und manic ritter guot,

als man nâch spæher rede tuot.

die ritter kômęn dô alle gar

in mînę herberge, daz ist wâr,

5

der mich vil maniger gern sach.

manic schimpfwort man zuo mir sprach.

uns was mit rede dâ wol genuoc;

dar zuo man ofte trinken truoc.

 

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Daz ist ein sincwîse, und ist diu einleft wîse.

(Bechstein II,33; Lachmann 322,1)

1

Vil sælic Minne, hab ich nu getân

den dienest den dîn gewalt mir gebôt,

des sol dîn helfe geniezen mich lân:

hilf, ob du künnest iht für sende nôt

5

daz diu vil süeze noch getrœste mînen muot,

diu mich trûren tuot.

nu fröit mich beide: ir sît doch beide guot.

 

2

Ir edeln frouwen, ir vil reinen wîp,

ich hân geworben mîn unde iuwer dinc.

daz niemen meine mit valsche iuwern lîp,

des wünsch ich iu. dâ bî sost mîn gerinc

5

daz der vil guoten, der vil werden, werde schîn

al diu stæte mîn.

daz wil ich immer besorgende sîn.

 

3

Ich wünsch iu frouwen daz ir schône lebt

bî sender liebe und an swæren muot,

und mir ze lône den wunsch wider gebt,

daz mîn gedinge noch werde sô guot,

5

daz sie vil liebe die ich in dem herzen trage,

nâch leitlîcher klage

mir füegen müeze vil frœlîche tage.

 

4

Der werlde werde ich unwert als ein man

der nie nâch êren noch fröiden geranc,

obe ich ir immer gewenke dar an,

ichn sî ir stæte unde sleht âne wanc.

5

mîn trôst, mîn wünne, mîner sælden keiserîn

sol sie eine sîn.

des gert mîn stæte und al daz herze mîn.

 

5

Mich lât niht scheiden ir wert süezer lîp

von mîner stæte noch daz herze mîn.

mich kan unstæte dehein ander wîp

ir niht gemachen. des muoz si mir sîn

5

vor allen wîben; wan ir güete ist sô guot

daz ich hôhen muot

hân von ir güete, swie sô si mir tuot.

 

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