BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Das Volksbuch von Dr. Faust

um 1580

 

Historia vnd Geschicht

Doctor Johannis Faustj

 

Das Ander Theil

 

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) 23. (

Ein Abentheur

von den Geystern jnn der Hell.

 

Doctor Faustj herr vnnd Maister kam zu jm / wolt jn Visitiern / Doctor Faustus erschrackh nicht ein wenig vor seiner grewligkait / Dann ein sollicher kalter Luft gieng vom Teuffel (vnangesehen das es jm Sommer oder Augusto ward) Das Doctor Faustus gemeint Er mueste erfriern /

Dem Fausto antwurt der Teuffel / welcher sich Belial nannte / vnnd sprach Doctor Fauste Vmb Mittnacht als du erwachtest hab jch deine gedannckhen gesehen / vnnd seind dise / Das du gern ettliche Teuffelische Hellische Geister die Furnembsten mochtest sehen / So bin jch mit meinen Furnembsten Räthen vnnd Diennern erschinen / Das du Sie auf dein begern besichtigen sollest / Faustus Antworttet Wolan wo seind sie nun draussen sagt Belial.

Belial aber erschin Doctor Fausto jnn gestalt eines zotteten vnnd gantz kholschwartzen Beeren mit Deme klawen vnnd Fuessen allein das seine Ohren vber sich stuenden/ Vnnd waren die Oren vnnd Riessel gantz brinnendt Rott mit hohen schneeweiß zähnen vnd einem Langen schwantz Drey Eln lanng vngeuerlich / Am halß hett Er Drey fliegender flugl Also kam zu dem Doctor Fausto ein Gaist nach dem andern jnn die Stuben / das Sie nicht alle sitzen konndten/

Der Belial zeigt dem Fausto einen nach dem andern ahn / Wer sie sein / vnnd wie jre Namen heissen / Es giengen aber am Ersten hinein Siben Furnembste Geister /

Erstlichen Lucifer. Doctor Faustj Rechter Herr dem Er sich verschriben in gestaltt eines Mannes Hoch ward harig vnd Zottig jnn farb wie die Rotten Aychharelein seind / den schwantz gantz vber sich gehebt wie die Aichhorn /

Zum Anndern der Beelzebub. Der hatt ein Leibfarbes Haar vnnd ain Ochsen kopff mit zwey lanngen erschrockhenlichen Ohren / auch ganntz zottig vnnd harig mit zwen grossen Flugeln / vnnd so scharpff wie Die Distell jm Feldt / auch so halb grien vnnd gelb / allein das vber den Flugeln Feurstramen herauß flogen / hat einen khue schwantz/

Zum Dritten dann der Astaroth. Diser kam hinein jnn gestalt eins Wormbs/ vnnd gieng auf dem Schwantz aufrecht hinein / hat keinen Fueß / Der schwantz hett ein Farb wie die blind schleichen / Der Bauch ward dickh / oben hat Er zwen kurtzer fueß gar gelb / der bauch ein wenig weiss vnnd gelblicht / Vnnd der Rugkh ganntz kestenbraun / vnnd eines fingers lang spitzige stachel wie die jgell/

Zum Vierdten kam der Sathanas ganntz weiss vnnd groe Zottel / hat ein Eselskopff / vnnd doch Der Schwantz / wie ain katzen schwantz mit klawen einer Eln lanng/

Zum Funfften / darnach der Anubis Diser hat einen Hundskopf Schwartz vnnd weiss den schwantz glatt / hat weisse Dipffelein / vnnd das weiss schwarze / sonst hat er fueß vnnd Ohren hangenndt wie ein hundt Vier Eln lang.

Zum Sechstñ Dann der Dithyrambus. ward auch bey Drej Eln lanng / vnnd sonst gestalt wie ein Rebhun allein der Halß ward grien vnd schattiert.

Zum Sibenden vnnd Letsten Dracus erschin mit Vier kurtzen Fuessen gelb vnnd grien / Der Leib oben Braun / wie ein Blaw Fewer / vnnd der Schwantz Rottlecht.

Die Siben hetten solliche Farb / Die andern aber erschinen auch gleicher gestalt wie die Vnuernunftige Thier / als wie die Schwein / Rech / Hiersch / Beeren / Böckh / Geiß / Eber / Esell etc. vnnd dergleichen / Also das ettlich auß der Stuben muesten herauß gehn/

Doctor Faustus verwundert sich sehr ob dem / Vnnd Fragt Die Siben Vmbsteendt warumb Sie nicht jnn anderer gestalt erschinen wern / Sie Antworten jm vnnd sprachen Das sie sich jnn der Hell anderst nicht verendern khönnen / Dañ also seyen Sie Hellische Thier vnnd Wurm wiewol Sie grewlicher vnnd scheutzlicher sein / Dann do / Aber bey den Menschen können Sie gstalt vnnd berd annemen wie Sie wöllen. Doctor Faustus batth hierauff es wer gnueg wann Sie Siben da seyen / Sie sollen den Andern Vrlaub geben das geschach /

Darauff begert Doctor Faustus Sie sollen jn ein Prob sehen lassen / Das ward Er gewert / vnnd also verenderten Sie sich einer nach dem Andern wie Sie zuuor thon haben jnn aller Thier gestalt / auch wie die grossen Vögell / Schlangen oder kriechennde Thier vnnd zwifuessige Thier / das gefiel Doctor Fausto gar wol vnd fragt ob ers auch könndte/ ja sagten Sie vnd warfen jm ein zauber Biechlin Dar / Er solt sein Prob auch thuen / Das thett Er Doctor Faustus köndt zuuor nicht furuber / Als Sie von jm Vrlaub namen zufragen / Wer Dann das Vnzyfer erschaffen habe? Sie sagten jm nach dem fall des Menschen ist auch erwachsen das Vnzyfer/ Das die Menschen plagen vnnd schaden thuen soll / So können wir vns eben so wol zu Vnzyfer verwandlen als zu andern Thiern. Doctor Faustus Lächelt vnnd Bath Sie / Sie solten jn ein solchs werckh sehen lassen / Das geschach/ Dann bald Sie vor jm verschwunden /

Da erschin jn Doctor Faustj Gemach oder Stuben allerlay vnzyfer / als Omeissen / Egell / khuefliegen / grillen/ hewschreckhen etc. Also das sein gantzes hauß voller vnzyfer wardt / sonderlich vber diss ward Er erzurnet / vnnd vnwillig / das vnder anderm vnzifer jn auch ettlich plagten / Als die Omeissen die krochen vf jn vnnd beseichten jn / Die Bynnen stachen jn / Die Mucken fueren jm vnder das Angesicht vnnd setzten vff jn / Die Floe byssen jn / Die jmmen flogen vmb jn das Er zu Wehren hat / Die Leyß auff dem kopff vnnd hembder / Die SPynnen fuern auf jn herab / Die Rauppen krachen vff jn / Die Wespen stachen jn / jnn Summa Er war vberal gnueg mit Vnzyfer geplagt; Also das Er recht sagte / jch glaub das jr Lautter jung Teuffel seyet / vnnd also nicht jnn der Stuben bleiben konndte /

alsbald Er aber auß der Stuben gieng/ Da hett Er kein plag oder Vnzyfer meher an jm / zu dem so verschwandñ Sie auch darauff zu gleich.