BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Johann Fischart

1546/47 - 1590

 

Affentheurlich Naupengeheurliche

Geschichtklitterung von Thaten und

Rhaten der vor kurtzen Langen und je

weilen vollenwolbeschreiten Helden und

Herren Grandgoschier Gorgellantua

 

1575/1582/1590

 

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Das dritte Capitel.

 

Von dem ordenlichen Kosten oder Diät,

welche Grandgoschier mit essen vnd

trincken halten thät.

 

 

VOrzeiten «in die illa», da treizehenelenbogige reysende oder reissende Risen, Recken, Giganten oder Wiganten waren, vnnd Groß Christoffelgmäse Langurionen, Langenlänter, Langdärmige Longherri, Langeschröter, Langgamba, Blattfuß, Patagonische Pfalkränch, Alzen­fidler, Asperian, Pusolt, Strausfüssige Staudenfüß vnd Schrutthanen, ha, da war nur die sag von Zwerchen Elberich, Rauch Elsen auffwartern, König Laurin, des Herman von Sachssenheim Eckartszwerch, Amadis Nainchen, vnd solchen Spinnenstubischen Bergmänlin, Elnhohen Kranchshelden, vierspannigen Juden inn Arabischen gebürgen, deren Hercules für flöh zwölff Schilling in ein nackenden busen schob, als sie jhm zwischen den beynen vmbgiengen zu grob, vnd jm die Hünerstang oder das Daubenstänglin vnterstützten, darauff zusitzen, vnnd zum Taubenschlag vnd hinderm Badstubenthürlin auß vnnd ein zuplitzen: ja von solchen treckbatzen, Kruckäntlin, Kotäntlin, Muckenscheisserlin, Hafenguckerlin, Schnackenstecherlin, Geyßnopperlin, Wollenzupfferlin, Benckmauserlin, Nancken, Bulcken, Mäußfüßlin, Erdtelberlin, Zaun­schlipferlin, Nußbengelin, Reiffspringerlin, Froschhupfferlin, Kurtgam­berle, Hauptleut Gerngroß, Holla wa tregt der Tegen den Man hin, vnnd andern dergleichen mißgewächssen, die man an eim Rost erhieng, vnd hopffen im Bachofen treschen könten, deren neun inn einer Spinnwepp behangen möchten, vnnd wann sie auff den Meulen oder Pantoffeln herschlappen, diesen vortheil haben, daß sie weder Stümpff noch Mäntel betreppen, sonder den treck vber den kopf außschlaudern: von solchen Bachofentrescherlein vnd Ballenspilerlein inn eim Hellhafen gieng allein damals die sag: Gleich wie heut zu tag, da Treikniehohe leut fallen, vnnd hohe hertzen auf eim nidern gerüst, sagt man hingegen von Risen vnd Haunen, zeigt jhr gebein in den Kirchen, vnter den Rahtsheusern, jhre Nimrotische spiß, Stälin Stangen, Goliatische Weberbäum, Starckarterisch Degen, Palladisch Schäfelin, Hörnenseifrige Wurmstecher, Durandal, Rolanden, etc. Welches ein anzeigung gibt heutiger vnvollkommenheit, daß die Leut wie erfrorene oder erdörrte Fröschleych, Roßnagel vnnd Hauptbrüchel nicht mehr zu rechtzeitiger grösse gelangen.

 

 

Was mag aber die vrsach sein, daß jhr also wachssen wie ein Nuß inn der Kisten, oder wie ein Rub inn die ründe? On zweiffel diese, daß jr den Heuwagen nicht genug mistladet, euch am täglichen vnd nächtlichen Futer zu vil abprechet: schwelgen, schlemmen, temmen das macht starck hälß, deren neun ein Galgen niderzihen. Jr daurt mich, daß jr euch also kasteiet, sintemal die Fasten nicht will gedeien: wem spart jhr die trei Badheller? villeicht zu des Pfaffen Opffer, vnd also «per consequens» seiner lieben getrewen.

Wißt jr nicht den schönen Spruch, Trincken wir Wein, so beschert Gott Wein, Je mehr man auff den stock geußt, je mehr er auffscheußt. Wa wer der Bauer von Saltzburg, so ein kleins groß Hänslin worden, wann er nicht sein Muter schier arm an trockengebachenen Dorffs­rondelen gefressen hette? Wa wer Hercules gebliben, wann er nicht vor durst offt den Bach, darinn er gefahren, hett wie ein Zungstreckiger Hund außgeleppert? Wa het der Kämpffer Milo ein lebendigen Ochsen auff den achseln getragen, vnd (zusetzlich zulügen) wie ein Ballen mit der Racketlichen hand bandirt vnd geschlagen, wann er nit auch ein solchen Stier zu einer stehenden Schneidersuppen het mögen vermagen? wa könten die Pomerische Säu vnnd Beckermoren gedulden, daß jhnen die Meuß also spannentieff hinden auß dem Ars speck nagen, ja gar Nester hinein tragen, vnd Hochzeit darinn halten, wann sie nicht stäts im trog legen?

Also auch jr (verzicht mir, daß ich euch den Säuen vergleich, sie geben dannoch guten Speck) wie könt jr gedeuen, wann jhr nicht tapffer keuen, speien vnd widerkeuen, vnd gleich werd den Säuen. Aber den Säuen gleich werden ist kein schand, fürnemlich was den Magen antrifft: dieweil doch die Menschen vnnd Säu, so viel den jnnern Leib betrift, einander änlich sind: man sagt doch, ein Jungfraw soll vntersich sehen wie ein Sau: Sollen es die zarte Jungfräwlin thun, was wöllen wir schönen Gesellen, wie ich vnd du seind, erst vns schämen?

Derhalben wolt jhr eweren Vorfahren recht nachschlagen vnd erweisen was inn aller Edelgestein Großmuter «Gemma gemmarum» stehet. «Est procerum verè, procerum corpus habere», Die grossen Herren, soll auch ein grosser Leib ehren, vnd ein grosser Arß muß ein grosse Bruch haben: so müßt jhr euch der närrischen weiß vnd speiß, die jr täglich brauchet, abthun: Als daß jr frembder außgedörrter Völcker gefräß, darbei sie selbs nicht gedeien können auff euern Tisch bestellen: kommen vnd prangen daher mit vilen kleinen Plättlin vnd Mucken­lädlin, inn deren keim vber ein Pfund steckt, von Pfeffer ein lot, von Saffran ein Quintlein, von Reiß ein Pfündlein, von Welschen Disteln oder von Postimelisso verbottenen Artischock, so das Arsschockeln pringen, ein Bündlein, mit zwoen Schüsseln gegen Orient vnd Occident mit Eulenspieglischem Hanff, rotten Rüblein, Melonen, Pfed, Granat, Citrinat, wurtzgeketzerten Pastetlin, Chelonophagischen Schnecken Fröschen, Ottern, Tachs, Murmelthier, Eichhörnlin, Biber, Storcken, ohn das hinder loch, darinn der Frösch hinder viertheil vnverdäuet ligen, vnd des gedachten Niderlendischen Edelgesteins schreibers Fungi, Schwammen, «Si fuerint fungi dulces, poteris bene fungi», Seind die Schwammen süß so genieß. «Imo»:

 

«Mandentes fungos, faciunt fungi quoque fungos»:

Wer solche vngeschmackte Schwammen frißt

Wird auch zu eim solchen vngeschmackten tölpel gewiß.

 

Auß mit solchem Schleck (hett schier anders gesagt) wann er schon befürtzt ist: Es solt einer den Magen nicht mit bescheissen. Solt ich nicht lieber ein starcken Quallen mit Knoblauch gespicket darfür essen, wann mir jhn schon ein Kochersperger oder Odenwälder fürstellt. Ich bin schier auch des glaubens, des jener Kabsbaur, der meynet, wann ein Sau federn hett, vnnd vber ein Zaun könt fliegen, es wird das aller adelichst Federwildprett sein: Gewiß wann einer derselben ein par im leib hett, sie würden jm den Magen besser erdänen als etlich vnd zwentzig Sester wolln Röhrspätzlin oder Knopfsterteckens. Wiewol man sagt, Ain Haselhun das fleugt, ain Rech dz da steubt, ain äsch der da schwimmet, sey das best Wildpret, das man find.

Dann an dem außdänen ligt es, merckts wol, daß man fein den Magen allgemach mit ein vnnd zuschütten auff die Mül gewöhn sich zuergeben, wie ein par stümpff von geschlachten Bocksfellen? Dann were das Leder breit genug, so dörffts der Schuster nicht inn Zenen vmbzihen.

So sind on das der Menschen Mägen darzu geartet, daß sie sich erstrecken, wann man sie nur übet, aber was verroscht nicht, das man laßt verligen: Ich muß wissen (doch dir auff deinen Trüssel) wie der jnnerst Brütkessel geschaffen ist, besser als Vesalius: dann ich weyß mit was Noht wir etwann dem Bauren von Krafftshofen haben geholffen, der den Magen mit Kuttelfleck vnd Molcken on Weintrincken also verwüst gehabt, daß wir jhn haben müssen außnemmen, ein Inuentari mit Numero darüber machen, vnd wie ein Pfeffersack vmbstilpen, auch mit eim Strohwisch, Kalck vnd Sand wol reiben vnnd fegen, wie die Weiber die Stegen: Aber ein vnglück hat darzu geschlagen, daß wie wir jhn zutrucknen an den Zaun gehenckt, ein Elementsloser Rab jhn hat herab gezuckt vnd verschluckt? Was solten wir damals thun? wir thaten wie erfarene Leut, die aller Megen gelegenheit erkannten, vnd wol wußten daß der Saumagen dem Menschlichen sehr ehnlich, fügten vnnd setzten jhm flugs den Saumagen für seinen Baursmagen ein: Ist auch darmit auff vnd daruon, vnd soll noch kommen, daß er seinen andern hol.

Es heißt «experto crede Lugmerdo», derhalben wagets nur sicher darauff, schicket ewere Wolffsmegen nur weydlich auff die Rackbanck, sie seind spitzhirtzich zeh, schlagen nicht durch wie vngeleimt Lotringisch Papir, sind etwas stercker als das Pergamen inn den alten Meßbüchern: thenets nur dapffer, schüttet dapffer auff, schüttelt den Sack, so steht er strack, stopfft vnd schopfft, plotzt vnnd klopfft, nemt die Ballenhöltzer, die Wollsackstangen, die Wind Bengel, vnnd was zu außthänung helffen mag: ein Schiff wol geladen, erleidet vor dem Wind mindern schaden. Vnnd wa es schon nit wer, so beweißt doch Aristoteles, daß der Mensch nach eingeladenem tranck vnd speiß, eben das gewicht behalt, so er zuuor nüchtern hatte: Das erfehrt man ja täglich, wie man voller weis so leichtfertig den hals abfellt.

Wann jr disem rhat folgt, so werd jr sehen, daß jhr schöne auffgeschissene grosse Buben solt werden, die auff eim Treifuß inn Hafen gucken können: vnnd werdet also ewer Vrvräne Gurgelstrozza, Gargantzsus, vnd Durstpanthel fein Modelmessig außtrucken, erstatten, ersetzen, exprimiren vnnd representiren, daß jr, so bald jhr auß der schalen schlieffet, werd nit wissen, wie jr euch breit genug machen sollet, vnnd kein Teufel gleich mit euch wird naher kommen können: Hüt euch jr Teuffel, wie vor S: Leons Hauptpolster, sie dörfften euch sonst mit dem Wein hinein sauffen.

Dann wie gedachter Arles meldet «proble. 3 sect. 4 De arte & aqua», vnnd Plutarch von der Kinderzucht, so soll nicht ein kleins zu schöner Kinderzielung vortragen, wann die Eltern rechter ordenlicher Speiß vnd Tranck gebrauchen. Wie jhr dann dessen ein stattlich Exempel an vnsers Gurgelstroßlingers Vatter Gurgelgroßlinger werdet vernemmen, der darumb solche vierschrötige, ja sibenschrötige Plotzwedel, Balcken­hotzler, Secktrager, Trollen, Knollen, stollen vnd Babilonische Thurn- bawer hat verlassen, dieweil er sich nach bestimbter Regel, oder die Regel nach jhm wüßt zumassen.

Dann jr solt diß wissen, daß vnser hochgedachter vnd hochgeachter Grandgurgler bei seiner lebzeit ein mächtig Seellos gut gesell gewesen ist, vnd ein zimlicher Rollart vnd Ramler, dem man warlich die Geyssen hat auß dem weg führen müssen: vnnd war sein lust sauber außzutrincken: het einen lieber vmb hundert Gulden beschissen, als im trunck: es war auch seiner Meisterstuck vnd siben freier Kunst eine, sauber rein arbeyt im Becher zumachen, wiewol er kein Goldschmid war, dann sein Reimen war, Wer etwas im glaß vberlast, dem Teuffel ein Opffer laßt: darumb mußt er täglich nach der Weinvisirer Tabulatur viermal weyselen, treubelen vnd beibelen. Nach demselben theilet er auch inn seim Land die tagstunden, wie Julius Cesar auß.

Doch pflegt er auch der gesundheit, tranck nit vngefüttert, sonder versah sich zuvor mit den «scalis vini», die zu dem vntertrunck mundten: fürnemlich aß er gern die Weinzihende Fisch, auch on ein Zürichischen Kalender, es wer im Wolff oder Schafmonat: verursacht derhalben offt ein grosse thewrung darein, wie die Schweitzer ins holtz, wann sie gen Paris kommen, oder die Schnitter inn den Nörnbergischen Platsch, Pritschen vnd Bierlackel, wann sie zur Erndschnitt dadurch zihen: inn massen solches, nach dem Lebwein im buch «De Necessitate lupanarium» die Fastenstifter wol erachten können.

Angesehen daß er der Stör, Mörthunnen vnd Hausen etlich Legion auff einen schnitt nam, wie der Baur die Bambele, Mülling vnd Grundeln, da er sie für Welsch kraut aß. Acht sich derhalben nicht der Scheinmal, da man nicht die Hand füllen kan. Als der Spanier «ayantar de gorrion», da auch die Fliegen dabei müssen hungers sterben, wann sie trei gebrüt Mandeln inn dem einen Pletlin, zwen eingemacht Tattelkern in der andern, ein verpomerantzten Pfannenstiel, vnd Pfifferling in dem dritten aufftragen, vnd alsdann auß Nußschalen trincken. Solche gesellen wolt ich zu dem Bodin in Franckreich verschicken, der wird sie fressen lehren: oder nur gen Mittelburg inn Seeland, da sie Oelkuchen fressen lehrnten, aber wegen vnschmack­samkeit es bald auffgaben.

Vil weniger acht er den Cynischen Hundsschlamp, das ist, ein Malzeit ohn Wein: vnnd das Schwebisch Suppenmal, da man trei Suppen auf einander gibt, dann «Offa nocet fanti, nec prodest esurienti». Suppen machen schnuppen, vnnd füllt dem Bauren nicht die Juppen: Wiewol es den Schwatzschwaifige Schwaben nur die Zung desto mehr wäscht. Noch ein Polnisch Wiezerza, dann hoffieren sie schon nicht gar ins Gesäß, so sind doch jre Koppen vnd Fürtz von Gewürtz Krisamssaur räß: dann sie schütten mehr gewürtz vberm Herd ab, dann man in dem gantzen Zwibelland braucht. Kölner Peperkornisch Pepermal von der Pepermül, die auch den Imber peperen, dann «Copia cui piperis, hic vescitur ipse polentis», welcher hat vil Pfefferruß, der pfeffert auch darmit dz Muß: O wie erkaltet Meuler sind Westfeling Meuler, welche die Bonen essen, vnd sie mit Peper vnnd Magsamen bestreien, darumb haben sie allzeit. das hinderthürlin often, vnd ein erfrorenen Eyerstock, vnd schlaffen wie die Ratzen.

An des Saturns ars, das ist, den Hessischen Schneiderspeck rib er sich auch nicht: vnnd ließ den alten Käsfressern jhr weiß, ein tag nur einmal zuessen vnnd sich zufüllen: wiewol ers auch kont, mit der Sonnen auffgang die Kandel auffheben, vnd rnit dem nidergang nidersetzen. Jedoch gefül jhm vil besser die Edelsessische weiß «de virtute in virtutem», von eim schlamp zu dem andern, ein tag fünff mal gezehrt vnnd außgelehrt. Dann Aristotel von natürlichen Gweschionen schließt, daß die viel murrischer sein, die nur einmal essen, als die zweymal: Vnd ich glaubs warlich, dann manche Fraw empfind es wol daheym.

Auch war er gern bei seines gleichen, da er sich regen mocht, da jhm das Schwerdt nicht vber dem Damoclischen Kopff hieng, vnd das Hütlein beschmutzet, vnnd den Bart verliert, komm Bawer, mach mir die Supp sauer, inn expensis, Baur zahl den Kosten, wie viel hast Gersten getrescht? Jssest auch Feigen? O weh, da kopirt man bald auff, was «pro» widerpart auß der Kannen fellt, da heyßt es, Der mit mir in die Schüssel greifft, «hic est», welcher treyfft, etc. Vnnd «ipsi obseruabant eum, vt caperent, &c.» Jtem «accessit Tentator, &c.» O wie heylige Kirschenstiel, die sie eim inn Bart werffen. Settigen eynen mit Worten, wie jener Goldschmid seine Gäste mit beschawung Salomons Staffel auff dem CredentzTisch. Der Herr nemm Wasser, Der Herr netz sich, Der Herr setz sich, der Herr ruck hinauff, der Herr sey gedeckt, der Herr greiffs an, der Salat wird kalt. Ach der Herr sitzt vnproperlich, Ey daß man jhm das groß Küssen bring, so sitzt er höher. Alsdann muß die Antipha im anderen Chor antworten, Ach der Herr sey vnbemühet: der Herr ist zu vil angsthafft: der Herr machts nur zu viel. Dann darumb grüsset man: Bona dies, daß der ander antworte semper quies: Vnd rüfft Dominus Strildriotus, «Transeat vestra dignitas», daß die Magisno­strisch Echo widerhall «Transite melius venerabilis Andræas»: Darumb singt der Vt ist la, daß der Sol ist antwort va: darumb hotzelt der ein hernider, daß der ander auff hotzel wider: Der ein steht auff, Ich will dem Herrn ein dienstlichs Trüncklein bringen, so knapt der ander hinwider, des Herrn Diener, ich wills vom Herrn dienstlich warten sein. Darumb reuspert sich der Herr auff der Gassen, dz man an die schlapp greiff, vnd weich auß der strassen: Macht dem Herren platz, Ach (wie heuchlerisch geantwort) Gott ist ein Herr. Wo hat der Jungherr sein Pferd stehen? ho, kein Guncker, ein armer Stallbroer, mein Jung ritts gester voran: Darumb lecket der ein die finger jmmerzu, daß der ander hinden außschlag vnnd zisch mit dem Schuch: darumb wisch ich die Naß, das Jungherr Hochtrapp ans Hütlein stoß. Ich gribel inn der Nasen, so reib du das Aug. Kurtzumb wäsch du mich so wesch ich dich, so sind wir beyde schöne Buben.

Er vermocht sich nicht des Bellischierens vnd Kappenruckens, wer dem andern zu erst die Hend vnter dz Hänlin stoß die Handzwehl halt, mit dem Hartzkäpplin hinder den Tisch zih, den ersten Löffel steck inn die Hünerbrü, sich mit Wurstanatomieren bemühe: wie den Kindern fürschneid vnnd fürleg, das höltzen gepreng mit Tellern trib. Er hielt was die Gelerten lehren, «Dum conuiuaris», hüt dich, «ne multa loquaris» noch viel «moraris»: Wer vber Tisch vil schwetzen will der wird gewiß nicht fressen vil: Wer stets will brangen, ist jhm bald ein guter bissen entgangen. Im Rhat sey ein Schwetzer, im Bett ein Pfetzer, vber dem Tisch ein Ketzer: zu der arbeit sey kretzig, zum fressen auffsetzig: im schwetzen sey ein hetz, im fressen Bel der Götz.

Er kont nicht mit den gemodelten, Labirintischen Seruieten vnd fatziolen vmbgahn: kont nicht den Küchleinthurn vnzerrürt abnemmen, sein finger waren zu tölpisch stumpff darzu. Die wahl that jhm weh, wann man jm viel Senffschüsselein vnnd Capresplettlin zu den vier Eckwinden setzet. Der Spiler Abendzehren oder vntertrunck, sagt er, schmack eben, als wann einer im Schlaff schmatzt.

 

 

Gleichwol hetten die Spitzmeulige Weberzechlin auch kein Stul inn seim Magen, dann er war gern da man mit grossen Löffeln auffgiesset: den Butter ins fewer schüttet, wanns nit brennen will: was soll man Brot zu Brot brocken, mit viel Häberen, hechten, Gsathaber, Graupen vnd Heidelbrei den Magen verwollstopffen: spick Galle, meine ist feißt: pfui der Sohneiderfisch zwischen den fingern, vnd kalt seichigen Biersup­pen. Solche ermagerte Spitzmeuß werden durch solch Strupisch Seg­spänenessen mit der weil dahin gebracht, daß sie dem Pitagora zu leyd auch dem leben nicht verschonen, fressen wie die Moren vnd Sanct Johan inn der Wüsten die Spanische Hewschrecken, wider Mosis gesatz: Wie es dann kundbar von jenem Algewer, der auff dem Kirschenbaum Kefer für Kriechen aß: sie hoissen ja Kroichen, sie kroichen wider auher. Solche kunden dörfften die alt weiß wider anfangen vnd mit den Iberis Eicheln essen: Was Eicheln? lehr michs nur keiner, ehe ich wolt hungers sterben, ich äß ehe, wie jene Gnad Fraw, Käß vnd Brot: Es ist genug daß einer die Säw jßt, solt einer erst jhr Speiß darzu geniessen, wird einer wol gar zur Saw: Inn betrachtung das Cardanus schreibet, die Teutschen seien darumb solche Ochssen vnd Kälber, weil sie viel Milch essen: So wird er gewiß Treck gesogen haben, weil er so ein wüst Maul hat. Aber Camerarius gefallt vns, der probiert, daß die Spartanischen Weiber jhre Kinder nicht allein schöns Leibs halben im Wein haben gebadet (gleich wie sie die Alten Teutschen auf eim Schilt im Eiß badeten, vnnd die Hollender jhre Kinder noch mit Butter schmieren) sondern auch das Gemüt dardurch zuscherpffen. Daher die Teutschen Hebammen noch recht thun, daß sie den Kindern die Zung mit Wein lösen, vnd hernach allzeit die billerlein mit Wein steiffen, dann diß macht, daß sie beim Wein so beredt sein.

Ferrner von der Regula Bursalis, excipiert er «omni, tempore malis». Er konnt nicht im flug die dick rauch coquinaz also vngereuspert durch seinen halstrechter inn Kessel lauffen lassen, fürnemlich da man getreng tabuliert, als wann man auff der Spirer Roll rotuliert.

Die Hofmäler an der Heren Höfen ließ er den Haberlachenden Pferden, die jn wol hören schwingen, aber nicht sehen bringen, dann was ist da wolfeilers, als Spulwasserige Hofsuppen, vnd den blunder geschwind postweiß mit Stifelgespickten taschenlöffeln einwerffen, Ja, daß man eim den Bettel dazu bald vergont: Ich weiß wol, daß wann «Aeneas Syluius» solt aufferstehn, er kem warlich wol fressens halben nit gehn Hof, eben so wenig alß gen Rom, in massen er sich gantz jämerlich in seinen Miserijs Curialium beklagt, dann an einem ort tregt man wüst gifft auff, am andern geschmuckt gifft, vnnd an beiden tödtlich gifft, vnd vnterscheidets nichts, dann daß ains länger wert dann das ander. Es will jm nit schmacken auß den schwartzen schmutzigen Hofbechern zutrincken, welche die Hofleut bißweilen für pißkacheln prauchen: Noch das Weichwasser zu Hof, da man allzeit inn die Weingeschirr, wie in die Weihstein das Weihwasser schütt, vnd nicht drauff acht gibt, was am boden ligt: Jtem die schmutzigen Hofermel vnnd kleberig brust an statt der Tischtüchlein: Noch daß man alda bald ainem das kleid betreifft vnd beschütt, vnd sich doch nicht darff mercken lassen, daß es einen verdreußt: Ist daß nit ein Ilias vnd Aeneas von Cardinatischen plagen? Neyn ich hab nicht Hans Streidels Stein vnter der Zungen, daß ich blasen kan vnd schreien.

Deßgleichen des Hofs schatten, nebenregenbogen vnnd Teuffels­kappell, der Jarkuchen oder Scharrkuchen Sudelei, verflucht er wie die Bauren den Büttel: Dann trei rauchige, Spaltenverkleibte, Daumens­dickwüste höltzene Kar, was resonantz geben die? Jtem trei vnnd treissig Regiment magerer schmeissiger Mucken, Schnacken, Prämen, was für streifenblündern, speißfreibeuterei, vergifftung, suppenschä­digung, vnnd Birnerlegung können die vorhaben?

Jtem des Garkuchners vier rotzklitzige, grindschupige, reudige, beschissene, beseichte, molckentremlige Hurenkinder, was lusts können die eim geben? wann das ein neben den Tisch pflatteret, das ander darunter die beyn abwässerlet, das dritt bei den Herd hoffiert, das viert mit Hunden vnnd Katzen auß den Schüsseln frißt, vnnd alle Kar mit dem spiegeligen ermel außspilet, auch das Sudelweib das ein strelt, wischt vnd wescht, dem andern schreiling mit Muß wie den Rappen das Maul stopfft vnd mest. O weh es beißt mich, wann ich ein anderen jucken sihe: derhalben hat Eulenspiegel nicht vnrecht gehabt, daß er vngern einkehrt ist da Kinder waren: Dann, sagt er, sie haben tach­tropfige Nasen, helle stimmen, verguldete löcher vnd glitzende ermel, vnnd vor der Kinder nötlichkeit, vergeß man eins Gasts allzeit.

Demnach beseh einer den kleberigen, schmotzigen, klotzigen Sudelkoch vnnd Kuchenlumpen, Vnnd sein holdseligs Ehegemahl die naßtrieffige, vberkupfferte, pfitzige, Säwpfinnige, Plewelwäschige, bachschnadrige, pfudelnasse, Sacksteubige, Sackwirdige, vnnd (daß ich mich nicht verredt) Schneckkrichige, belzpletzige alte kupplern, Pfaffen­krawerin, Teuffelsfängerin, vnnd Gabelreuterin.

Ja die zwen Diebische, tuckelmeusige, eckschilige, banckraumige, ruckenfegige, Ohrenschlitzige, Galeenpeitschige, Brandnarbige, Win­ckelglurige (die solch liebäugeln am pranger gelehrnt haben) naschige, sackbloderige, seckelschneidige Galgenschwengel, Halbhößler, Galgen­aß, Rabenfuter, zu bestalten Kuchenboßlern. Folgends trei lausige, schläfferige, flöhbeissige, Hundsflöhige, Düttenwelcke, mistfaule, füß­schleiffige, Zwibelstinckende Harigel, Blaßbelg, Hurenbelg, Schlepp­seck, Zwibelseck, zu schönen Bratenwenderin, Kuchenrätzen, Rauch­meusen vnd Rußleusen.

Ach was für senffigen lust vnd Mörrettigen Appetit solten wolgedachte saubere Kuchenmuster einem zufressen vnnd zuscheissen bringen? was für herrliche Muckenfüll, Laußzucker vnd Flörosinlen solt es da geben? O auß für tausent Teuffel auff die Schelmenschlut mit solchem vngebaliertem, vngehöfeltem, Henckermässigem, Radbrüchi­gem, Rauchhimmeligem, vnd nichtigem Gesind. Sie solten dem Teuffel darunder inn der Höllen zu Kuchen dienen, vnnd des Teuffels Muter zu gast haben. Geschweig auff Reichstagen vnnd Hoflägern vnsere Sammethütige, Seidenkappige, Goldrappirige, Gelbringige, befederte, hochtrappende, Elenbogensperrige, sauerblickende, beknechtete, Maul­eselige, Fotzenbehelmte Hoffrätzlin, vnnd Hagjünckerlin. Ja geschweig vnser Katzenreines, Seidenspinniges Kölblin Großwustier, der warlich seiner Muter nicht an den fersen gewachssen ist, daß man jm also die höllenküchlein verbitterte. Hört aber nun dargegen, was vnserm Grosgoschier für sein Stomachitet vnd Magerei war gelegen, so werd jr sehen, daß jhm sein Maul nicht war mit Leder besetzt, noch sein Magen mit Geisblasen gebletzt. Derhalben on lenger Senffmalen, so hört, wamit er sich ergetzt.