BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Josua Harrsch alias Kocherthal

1669 - 1719

 

Bericht von der berühmten

Landschaft Carolina

 

1706/09

 

Beschluß des Authoris

 

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Beschluß des Authoris /

Begreiffend / was diejenige zu bedencken /

die dahin zu ziehen Lust haben.

 

AUß allem bißherigen wird verhoffentlich der geneigte Leser zur Genüge ersehen / was es mit mehrbesagter Landschafft Carolina vor eine Bewandtnuß habe. Ob es nun einigen Personen rahtsam seye / daß sie sich dahin begeben oder nicht / darüber dörffen zweiffels ohn eben so ungleiche Urtheil fallen / als ungleich dißfalls die menschlichen Gemühter seyn. Denn bey etlichen findet sich eine solche Liebe zu ihrem Vatterland / daß sie lieber in demselben die gröste Sclaverey erdulten / als anderwertig einer Freyheit sich bedienen wollen / ja etlichen ist das Unglück selbsten in ihrem Vatterland süsser und erträglicher / als wann sie anderwärts die erwünschte Glückseligkeit geniessen solten.

Gleich wie aber diese der Sache zu wenig thun / also thun dargegen andere zu viel / die nemlich ohne Noht und auß lauter Neugierigkeits / Fürwitz / und Leichtsinnigkeit / oder auch auß Hoffnung grössern Reichthums / das bereits in Händen habende verlassen / und anderwärts das ungewissere suchen wollen. Wer demnach den Entschluß fassen will / sich in ermeldte Landschafft zu begeben / der wolle vor allem folgende 3. Stücke wol erwegen.

Erstlich / was seine Absicht hierinnen seye / und auß was Ursachen er sich dahin begeben wolle: Ist es etwan nur die Begierde nach Reichthum, so [37] sehe er / daß ihn nicht treffe / was 1. Timoth. 6. v. 9. stehet: Die da reich werden wollen / fallen in Versuchung und Stricke. Auch in dem gelobten Land selbsten hieß es bey der allerglückseligsten Zeit: Reiche und Arme müssen miteinander seyn / wie zu sehen in den Sprüchen Salom. 22. v. 2. und c. 29. v. 13. Ist aber seine Absicht / müssige Tage und gute Gemächlichkeit zu erlangen / so wisse er / daß er nicht ehe wird Ruhe geniessen können / er habe dann vorhero erst recht erfahren / was Unruhe und Ungemächlichkeit seye. Ist endlich die Ursache seines Entschlusses eine blosse Curiosität / Neugierigkeit oder Leichtsinnigkeit / so wird er die Rückkehr eben so bald / als anjetzo die Abreyse wünschen.

Wer aber im Gegentheil durch unglückliche Zufälle getrieben / seine Nahrung und Auffenthalt anderwärtig suchen muß / oder in einer augenscheinlichen täglichen Gefahr lebt / und derselben vernünfftiger Weise nicht wohl besser entfliehen kan / oder endlich durch andere Begebenheiten auß Gottes sonderbarer Schickung also geleitet wird / daß er den Willen seines GOttes sattsam dabey erkennen kan / der wird nicht allein / seines Entschlusses wegen / sich kein Bedencken machen / sondern auch von dem Außgang desselben um so vielmehr gute Hoffnung schöpfen dörffen.

Vors andere / wolle ein jeder / der sich Gedancken macht / in mehrbesagte Landschafft zu ziehen / die Beschwerlichkeit der Reyse wol erwegen. Denn diese ist gefährlich / nicht nur wenn ein Sturm zur [38] See sich era[i]gnen / sondern auch wenn die Convoy mit vielen Capern oder See-Räubern in Streit gerathen solte: hiernechst ist sie sehr kostbar / vorauß wenn man in Holland oder Engelland lang still liegen und auf guten Wind warten muß: über das ist sie höchst beschwerlich / indeme ein hauffen Leute / die mit Weib und Kind sich beysammen in einem Schiff befinden / nicht viel besser als die Gefangenen in einem Gefängniß logirt seyn / und da man an nichts wenigers gedencken darff / als an die Bequemlichkeit / die man zu Hause mit ordentlicher Speiß und Tranck / mit Liegerstatt / mit warmen Stuben / oder andern dergleichen Dingen gehabt hat.

Drittens / erwege man auch / wie hart der Anfang nach beschehener Uberkunfft seyn werde. Denn da hat man zu Anfang noch kein Hauß / keine Scheuren / keine Stallung / keinen Wagen noch Pflug / oder andere Bereitschafft / die zu eines jeden Handthierung erfordert wird / keine Pferd / Ochsen noch anderes Viehe / es fehlet an mancherley Haußrath und vielen andern Dingen; das angewiesene und in Besitz genommene Land ist noch wüst / keine Aecker seyn da / die gepflügt/ keine Wiesen / die recht sauber / keine Gärten / die mit Bäumen und andern Gewächsen bepflantzt; alles dieses aber in gehörigen Stand zu richten / ist zwar freylich mit Göttlicher Hülffe gar wol müglich / kan aber anderst nicht als durch viele / und wie leichtlich zu erachten / vielmal sehr saure Arbeit/ auch nicht wol ohne mercklichen Kosten / vollzogen werden. [39]

Wie nun dieses alles solche Dinge seyn / die man vorauß sehen / und bedencken kan / also ist müglich / daß noch einige Beschwerlichkeiten sich hervor thun können / die man vorauß so nicht wissen oder erkennen mögen. Dahero der Leser die gantze Sache nach allen Stücken so viel müglich vorhero selbsten wol erwegen / und vorderist durch eyfferiges Gebät seinen GOtt um Liecht / Erkantnuß und gnädige Regierung demüthig bitten / hiernächst aber einerseits die Fehler und Mängel / wie auch den Nutzen und Vortheil seines Standes / in welchem er sich jetzo befindet / anderseits aber die Beschwernissen und Verdrüßlichkeiten / wie auch hinwiederum den Nutzen und Vortheil / so durch die Uberfahrt in diese Landschafft ihme zuwachsen möchten / aufs genaueste betrachten / und gleichsam gegeneinander abwegen wolte: Widrigenfalls und da sein unbedachtsamer und übereilter Entschluß ihne nachgehends reuen solte / wird er niemand als ihme selbsten / keines wegs aber dem Authori (als der dieses zum Beschluß mit gutem Bedacht hieher gesetzet / und anbey den Leser bittet / daß er es gleichgestalten mit gutem Bedacht und aufmercken lesen wolte) die Schuld beyzumessen haben.

Der HErr HErr aber wolle nach seinem allweisen Rath alles also richten und ordnen / wie er weiß / daß es gereichen mag zu seines  Namens Ehre / und  unserer  aller Geist- und

leiblichen Wolfahrt / vornemlich aber zu einem

gesegneten und seligen Ende.