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Manfred Schußmann über das Verbundstudium

Ausbildungsleiter der KUKA berichtet

 
Ausbildungsleiter Manfred Schußmann / © Teresa Herzgsell
Lieber Herr Schußmann, vielen Dank, dass Sie ein paar Fragen zum dualen Studium aus Unternehmenssicht beantworten. Können Sie uns zu Beginn etwas über sich und Ihre Aufgaben bei KUKA erzählen, insbesondere im Hinblick auf die Ausbildung dualer Studierenden?

Manfred Schußmann: Ich bin Ausbildungsleiter für alle Erstausbildungen bei KUKA, ob normale Berufsausbildung, Verbundstudium oder duales Masterstudium, Trainees, Abschlussarbeiten oder Praktika. Wir bilden in 10 Ausbildungsberufen aus und bieten sieben verschiedenen Studiengänge als Verbundstudium an. Das Verbundstudium ist ein großes Miteinander, das macht Spaß und es kommt ein tolles Ergebnis raus.

Warum hat sich KUKA dazu entschlossen, im dualen Verbundstudium mit der Technischen Hochschule Augsburg zusammenzuarbeiten?

Manfred Schußmann: Die Theorie, die an der THA vermittelt wird, wird im Unternehmen benötigt. Gleichzeitig hat uns bei anderen dualen Studienmodellen die Tiefe in der Praxis gefehlt. Im Unternehmen wird die Praxiserfahrung mitgenommen, die Theorie kommt aus der Hochschule.

Wichtig im Verbundstudium ist darüber hinaus auch der Ausbau von Netzwerken im Unternehmen. Man lernt eine Firma nie so gut kennen wie in der Ausbildung. So erlebt man im dualen Modell neben dem Studium eben auch das Unternehmen von der Pike auf: Wie tickt die KUKA und welche Anforderungen gibt es? Das sieht man von Beginn an.

Welche Vorteile bringt ein duales Studium für Ihre Auszubildenden und für das Unternehmen KUKA mit sich?

Manfred Schußmann: Es wird von Anfang an alles gelernt. Die Verbundstudierenden sind auch in der Produktion dabei. Wenn sie dann in die Konstruktion kommen, ist der Blick fürs Praktische da. Ihr Denken ist ganz anders ausgeprägt.

Es dauert immer, bis man richtig in einem Unternehmen ankommt. In einem Verbundstudium ist man mit dem Ende der Ausbildung bzw. mit dem Ende des Studiums bereit, direkt voll im Unternehmen weiterzumachen.

Außerdem bietet das Verbundstudium einen doppelten Boden. Bei Schwierigkeiten im Studium hat man dann immer noch die Berufsausbildung, auf die man zurückgreifen kann. Sie ist eine Grundlage, die einem niemand nehmen kann, und es kann immer darauf aufgebaut werden. Das Verbundstudium bietet deshalb durch die Kombination von Studium und Berufsausbildung große Sicherheit.

Wie sieht der Alltag in der Ausbildung bei KUKA aus?

Manfred Schußmann: Die drei Jahre Ausbildung werden gut am Bild einer Waage deutlich. Zu Beginn sind die Auszubildenden im Ausbildungszentrum parallel zur Berufsschule. Im zweiten Ausbildungsjahr beginnt die Waage dann, sich in die andere Richtung Praxiseinblicke zu neigen. Das Verhältnis ist so 50/50: Neben speziellen Aufbaukursen im Ausbildungszentrum arbeitet man bei einfachen Arbeiten direkt im Unternehmen in der Produktion mit. Im dritten Ausbildungsjahr sind die Auszubildenden dann zu 80 % im Unternehmen. Sie sollen in dieser Zeit in ihrer Zielabteilung ankommen. So hält die Ausbildung die optimale Balance zwischen Theorie und Praxis.

Die Verbundstudierenden sind während des Semesters wie alle anderen Studierenden ausschließlich an der Hochschule. In der vorlesungsfreien Zeit arbeiten sie dann im Unternehmen. Sie haben 30 Tage Urlaub, die in der vorlesungsfreien Zeit genommen werden können.

Am Anfang des Verbundstudiums werden die Grundlagen in der Ausbildungswerkstatt gelernt: Drehen, Schweißen, Fräsen, Pneumatik, Hydraulik. Dann geht es für die Verbundstudierenden nach und nach immer mehr in die Produktion.

Ab dem Praxissemester werden sie dann in ingenieursnahen Tätigkeiten eingesetzt. Je nach Interesse der Verbundstudierenden bei Projekten draußen, auch im Ausland oder in der Konstruktion. Es geht darum, dass die Verbundstudierenden sehen, wo ihre Stärken liegen und wo sie sich wohlfühlen. Ein halbes Jahr vor Ende der Ausbildung finden Zielgespräche statt, in denen besprochen wird, wo sie sich in der Zukunft im Unternehmen sehen.

Das Thema der Bachelorarbeit suchen sich die Verbundstudierenden eigenständig, dabei geht es auch darum, thematisch in einer Abteilung anzukommen. Unser Ziel ist immer die Übernahme der jungen Leute. Es wird von Anfang an bedarfsgerecht eingestellt.

Manfred Schußmann mit dual Student Lukas Wenger in der Ausbildungswerkstatt / © Teresa Herzgsell
Wo sehen Sie Herausforderungen im Verbundstudium?

Manfred Schußmann: Das Unternehmen möchte natürlich, dass die Ausbildung und das Studium erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. Als Betrieb begleiten wir die Ausbildung und unterstützen, wo wir können. Außerdem erhalten die Verbundstudierenden vom Unternehmen über die gesamte Vertragslaufzeit eine Vergütung, auch während des Semesters. Daher wünschen wir uns generell auch einen Abschluss in der Regelstudienzeit.

Zum Thema Work-Life-Balance bzw. Vereinbarkeit von Ausbildung, Studium und Privatleben. Welchen Eindruck haben Sie davon, wenn Sie an Ihre Beschäftigten im dualen Studium denken?

Manfred Schußmann: Es bleibt auf jeden Fall genug Freizeit für Hobbies und gesellschaftliches Engagement wird von KUKA unterstützt. Zum Beispiel, wenn Verbundstudierende bei Starkstrom, dem Formula Student Team der Hochschule, mitmachen wollen. Wir haben bei KUKA außerdem eine Jugend- und Ausbildungsvertretung. Die organisiert immer wieder Veranstaltungen für die Auszubildenden und Studierenden.

Während der Ausbildung gibt es kein Homeoffice, das Ausbildungszentrum ist aber komplett digitalisiert und wir arbeiten auch virtuell zusammen, zum Beispiel über Microsoft Teams. Sobald die Berufsausbildung abgeschlossen ist und die dualen Studierenden in ingenieursnahen Tätigkeiten eingesetzt werden, ist Homeoffice möglich.

Im Verbundstudium wechseln die Studierenden immer wieder zwischen der Hochschule und dem Unternehmen. Wie funktioniert der Anschluss bzw. der Übergang?

Manfred Schußmann: Einerseits ist es wichtig, den Studierenden Freiheiten zu lassen, damit sie ihren Interessen folgen können und herausfinden, wo ihr Platz im Unternehmen ist. Andererseits sind wir immer in Kontakt mit den dual Studierenden, besonders rund um den Wechsel zwischen Hochschule und Unternehmen. So treffen wir uns jedes Mal, bevor es wieder an die Hochschule geht bzw. wenn die Studierenden nach einem Semester wieder in der Firma ankommen, um zu sehen, welche Anliegen es gibt und um eine gute Abstimmung von Studium und Ausbildung zu gewährleisten. Wir halten natürlich über Treffen auch Kontakt zur Technischen Hochschule selbst.

Welche Voraussetzungen müssen Studieninteressierte erfüllen und welche Anforderungen stellen Sie an Ihre dual Studierenden?

Manfred Schußmann: Für das Verbundstudium wird das Abitur oder ein Abschluss der FOS benötigt. Wichtig ist uns, dass ein Kennenlernen vorher stattgefunden hat, über Messen oder ein Praktikum. Das Schnupperpraktikum ist eine tolle Sache, denn genau darum geht es, dass die jungen Leute und wir als Unternehmen uns „beschnuppern“. Es muss von beiden Seiten aus passen. Ja, die Noten müssen in den relevanten Fächern stimmen, aber es muss auch menschlich Klick machen. Zentral ist, dass die Leute Interesse am Fach haben und in dem Bereich arbeiten wollen.

Wie kann man sich bei KUKA für ein duales Studium bewerben?

Manfred Schußmann: Einfach digital bewerben über unsere Homepage. Offene Stellen werden dort meist im August oder September ausgeschrieben.

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