B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Johans, der Jansen Enikel
um 1230/40 - nach 1300
     
   


W e l t c h r o n i k

P r o l o g

Verse 1 - 128

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    Got, aller ding ein überkraft,
gip mînem muot die meisterschaft,
alsô daz mîn zunge
von dîner barmunge
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und ouch von dîner gotheit,
dâ nimmer ze end wirt von geseit,
sprech ein teil von dem sin,
wan ich ze kranc dar zuo bin.
wie sol ich mich des nemen an,
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daz ich ze end niht bringen kan?
dâ von bit ich dich, herre got,
daz dû mich habest in dînem gebot.
wan ich weiz von der wârheit wol,
dâ von ich ez sagen sol,
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daz aller griez und alliu loup
und swaz ie geflouc oder stoup,
wærn daz allez zungen gar,
die möhten niht in tûsent jâr
gar gesagen diu wunder,
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diu got alliu besunder
mit sîner kraft beschaffen hât
an einer ieslîchen stat.
dâ von bin ich ein tumber man,
daz ich mich des wil nemen an
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und ein teil wil dâ von sagen.
ich möht gerner stille dagen,
wan daz ich mich des trœsten sol,
daz got ist aller gnâden vol.
dâ von wil ich mich nemen an
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des ich nie begunnen hân,
wan gotes genâd ist sô starc,
si hilfet baz dan tûsent marc.
wan swem got hilf mit teilen wil,
der hât immer êren vil:
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er hilfet baz dann alz daz lebt.
ist ieman der dâ wider strebt,
er hât niht kristenlîchen sit,
dâ er sîn sêl behaltet mit.

    Wil mir nû got bî gestân,
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sô wil ich mich nemen an,
daz ich daz buoch wil slihten,
nâch mînem sinne rihten
ûf die genâd der gotheit,
dâ nimmer ze end wirt von geseit.
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nâch der künclichen lêr wil ich
tihten und ouch rihten mich,
wie die heiden besunder
stiften manic wunder
verr in der heidenschaft -
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si hêten liut michel kraft -
und waz si dâ begiengen;
si stiften unde viengen
beidiu stet unde lant:
wie daz stuont allez in irr hant.
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ich wolt iu sagen mêre,
verdruzz iuch sîn niht sêre,
wie die künig ze Rôm sâzen
und ir trûrens vergâzen,
und wie si dar bequæmen
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und ouch ir ent næmen,
wie ieslîcher besunder
stifte in Rôm wunder.
daz wolt ich gern bescheiden,
wie die kristen und die heiden
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dâ gekrœnet giengen
und werdiclîch enpfiengen
den zins von den rîchen,
des mohtens niht entwîchen,
die fürsten muosten in zins geben.
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dâ mohten si niht wider streben,
wan die Rœmære
lobt man dô âne swære,
wan si gewaltic wâren
bî den selben jâren:
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[wan] ein ieglîch fürst muost gâhen
diu lant von in enpfâhen.
swer des selben niht entet,
der wart vertriben dâ ze stet.
des hêt er schaden unde schant,
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swâ er fuor in dem lant.
des moht in nieman widerstân,
swer von Rôm niht wolt lêhen hân.

    Der ditz getiht gemachet hât,
der sitzt ze Wienn in der stat
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mit hûs und ist Johans genant.
an der korôniken er ez vant.
der Jansen enikel sô hiez er.
von dem buoch nam er die lêr.
sî ieman, dem ez missehag,
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der mach ein bezzer sag,
daz wil ich lâzen âne zorn.
er sî edel oder ungeborn
oder swie er ist sô gestalt,
er sî junc oder alt,
95
dürr oder veist genuoc:
der dar zuo ist alsô kluoc,
daz dâ heizet tihten,
nâch dem wolt ich mich rihten
und lernen die gefuoc,
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daz ich kund genuoc.
ir tihter über tiutschiu lant
oder swâ die tihter sîn bekant
von dem mer hinz an den Rîn,
die lâzen mich irn diener sîn,
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wan ich in den gedenken bin,
daz ich die gefuog wil von in
lernen unde tihten;
der gefuog wolt ich mich rihten.

    Ich wil die red nû lâzen sîn.
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sî ieman der nû spotte mîn,
daz ich daz buoch getihtet hân,
der sî des tievels kappelân
und müez sîn der helle kint.
an den ougen werd er blint.
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an handen, [an] füezen werd er lam,
an armen, [an] beinen alsam.
hab er iht, daz im sî liep,
daz müez im steln ein diep.
den liuten werd er widerzæm
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und sînen mâgen ungenæm.
des helfe mir der süeze Krist,
der himel und erd gewaltic ist.
den fluoch wil ich lâzen stân
und wil daz buoch heben an.
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ich wil iu allen tuon bekant,
wie got den êrsten menschen vant,
und wie ouch got der reine
beschuof die engel gemeine.