B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Johans, der Jansen Enikel
um 1230/40 - nach 1300
     
   


W e l t c h r o n i k

D e s   R e u s s e n k ö n i g s
T o c h t e r


Verse 26677 - 27356

_____________________________________

 
 
    Nû süllen wir ân schande
von der Riuzen lande
von dem künig heben an,
26680
wie der dar nâch rîchsen began.
er was gewalticlîch starc;
er het goldes, silbers manic marc.
er hêt ein schœn wîp,
diu was im liep sam der lîp.
26685
dâ bî hêt er ein tohter guot,
der was er frô und wolgemuot.
si was sô schœn, daz ist wâr,
daz man nindert offenbâr
vinden moht irn gelîch.
26690
des muotes wart si alsô rîch,
daz si keinen man wolt nemen,
wan der ir ze man möht gezemen.
diu tohter dem vater liep was,
daz er vor freuden kûm genas,
26695
sô er sie ane sehen solt.
sîn herz, sîn lîp was ir holt.

    Dô er alsô ân wîp was,
als man von dem künig las,
dô giengen zuo die herren sîn.
26700
si sprâchen: «lieber herre mîn,
sol ditz lant verderben
alsô, daz ir sült sterben,
daz wir niht haben von iu ein kint,
dem lant und liut gemein sint
26705
vil genzlîchen undertân?
süllen wir gebresten hân,
daz kumt dâ von, daz iuwer lîp
niht wil haben ein wîp.»
des antwurt der künic zehant:
26710
«ez muoz immer daz lant
von mînen schulden ân erben sîn,
ich müg dann haben ein megedîn,
diu mîner tohter sî gelîch,»
alsô sprach der künic rîch.
26715
die herren sprâchen zehant:
«sô süllen wir boten in diu lant
senden sicherlîche,
ob ieman ir gelîche
müg vinden ein schœne magt,
26720
diu mînem herren behagt,
sît ez mac anders niht gesîn.»
si santen boten zuo dem Rîn
und in diu lant gemein.
dâ vant man nindert ein,
26725
diu irm antlütz wær gelîch.
daz sagt man dem künig rîch,
daz man gelîch niht vund irm lîp.
«sô wil ich immer âne wîp
sîn,» sprach der künic guot,
26730
«swie daz lant werd behuot.»

    Dô wurden die herren ze râte dô,
ê si beliben ân herren alsô,
si solden ê zuo dem bâbste kêrn
und in mit gold, mit silber êrn,
26735
daz er dem künig erloubt daz,
daz er die tohter âne haz
næm zuo einem wîbe,
daz von ir beider lîbe
got sie eines kinds beriet,
26740
daz daz lant nâch im hiet.
des volgt in der bâbst dô,
wan er des schatzes was frô,
daz man im gap silber und golt,
dâ von er was dem künig holt
26745
und erloubt im sicherlîch
ze nemen sîn tohter wunneclîch.
dô die boten kâmen,
und der künic, die Riuzen vernâmen,
daz er die tohter solt nemen mit reht,
26750
des freuten sich ritter und kneht.
der künic was herzenlîchen frô,
wan er sant nach den fürsten dô
und nâch sînen mâgen,
und begundz in allen sagen,
26755
daz im erloubt wære
sîn tohter âne swære
nemen ze einem wîbe;
irn êren und irm lîbe
solt er pflegen als er kan.
26760
«der bâbst hât mir kunt getân,»
begund er in dô verjehen,
«an mîner sêl dâ sol niht geschehen
von der geschiht dhein leit;
alsô hât mir der bâbst geseit.»
26765
die herren begunden all jehen:
sô möht ez wol mit reht geschehen;
sît ez der bâbst erloubet hât,
sô wær ez ân missetât.
die herren begunden aber jehen:
26770
sô möht ez wol mit reht geschehen,
wan ez der bâbst erloubt hiet.
er sprach: «sît mich got ie beriet
der schœnen tohter mîn,
sô möht mîn freud niht grœzer sîn.»

26775
    Dâ mit er ûz in diu lant
manigen frumen boten sant,
daz man im rîchiu kleider brâht,
wan er hêt im des gedâht,
daz er gæb rîchiu kleit
26780
al den sînen. als man seit,
der tohter sîn hiez er geben
ân aller hand widerstreben
von pfeller und von sameît
gap er ir diu rîchsten kleit,
26785
diu ie dhein frou an getruoc;
zwâr si wârn rîch genuoc.
noch was der juncfroun unbekant,
daz si iren vater zehant
solt nemen ze einem mann dâ.
26790
si wânt, er wær anderswâ,
der ir ze mann solt gezemen,
unde den si solt nemen.
dô seit man ir daz mære,
daz ez ir vater wære.
26795
des wart si trûric und unfrô.
in ir kemnâten gie si dô
und nam ein scharf schære.
si sprach: «mir ist unmære
mîn schœnez hâr daz ich hân
26800
und sol mîn vater sîn mîn man.»
daz hâr si von dem houbt sneit,
ir guot gewant daz was ir leit:
daz zôch si ab irem lîp,
daz selb wolgetân wîp.
26805
einen grâwen roc leit si an sich.
si sprach: «wærlîch nû, ich wil mich
machen als ein schem gevar.»
si zerkratzt ir antlütz gar,
daz ir daz bluot ze tal ran.
26810
alsô begund si her für gân
für die fürsten âne zal,
daz si sie sæhen überal.
dô si sie dâ sâhen,
gemeinclîch si dâ jâhen,
26815
si wær dem tiuvel gelîch,
diu ê was schœn und wunniclîch.

    Dô ditz ir vater ersach,
wider sich selber er dô sprach:
«herre, waz mac ditz gesîn?
26820
waz wirt der schœnen tohter mîn,
daz si ist alliu bluotvar
über ir antlütz gar?»
den fürsten si alsô geneic.
ir vater hinder sich seic
26825
vor leid und vor ungemach.
do er widerkam, gên in er sprach:
«ir herren, vart heim ze lande:
mîn tohter diu hât schande
an mich geleit vil sêre.
26830
sô wil ich nimmer mêre
erwinden, ir müez wê geschehen
des wil ich vor iu allen jehen.»
ein vaz er hiez bereiten drât,
daz was gên der naht spât,
26835
und hiez si verslahen schier.
daz guot gewant leit man zuo ir
und liez sie rinnen als ein wîp,
diu gar hiet einn verschamten lîp.
er sprach zuo sînem marschalc guot:
26840
«si muoz deun den kraz, daz bluot,
daz si umb sust hât getân;
des muoz si wol ze buoz stân.»

    Dô der marschalc daz erhôrt,
des küniges red an ein ort,
26845
dô sprach er: «liebiu juncfrou mîn,
ir müezt sô gar verstôzen sîn
in disem vaz. mîn herr hât
geschaffet, daz ich ez tuo drât.»
diu juncfrou sprach trûriclîch:
26850
«ê daz ich in mînes vater rîch
wær gewesen sîn wîp,
zwâr ich wil ê mînen lîp
verliesen, wan ez nie geschach,»
alsô si wider den marschalc sprach;
26855
«wan von kristen nie dhein man
sîn kint ze wîb gewan.»
in daz vaz man sie twanc.
ir kleider wît unde lanc
leit man zuo ir, diu wârn rîch.
26860
«herr got, mir niht entwîch!»
sprach si, «wan dû bist sô guot.»
man stiez sie ûf des wâges fluot.
dâ mit si von dannen ran.

    Diu selb magt wolgetân
26865
diu ran ze Kriechen in daz lant.
daz wart dem künig wol bekant,
wan er stuont bî dem mer zwâr.
er sprach: «tuo war, waz dort var
in des wâges fluot,»
26870
sprach er zuo einem vischer guot.
der vischer fuor dem wâge nâch,
als der künic gegen im sprach.
als er daz vaz swebent vant,
er fuort ez mit im an daz lant.
26875
dô sprach der künic rîch,
vil gar gewalteclîch:
«besehet, lieben knappen mîn,
waz in dem vazz müg gesîn.»
die selben ez ûf sluogen gar
26880
und nâmen in dem vazz war.
dâ sâhen si ein schœn meit,
diu was rein und unverzeit.
die selben maget si viengen.
für den künic si giengen
26885
vil balde und vil schier.
ir kleider truogen si mit ir.
der künic wider sie dô sprach:
«wer tet iu disen ungemach,
daz ir gevangen sît gesant
26890
her zuo mir in ditz lant?»
si sprach: «der ez hât getân,
zwâr ich den niht genennen kan:
ez hât getân mîn unheil,
daz ich dem wazzer wart ze teil.»
26895
er sprach: «sagt mir, sît ir ein magt?
daz sol von iu sîn unverdagt.»
diu juncfrou sprach wunniclîch:
«daz weiz got von himelrîch,
daz ich nie dheinen man
26900
bî mînem leben gewan
noch nimmer gewinnen wil,
wan ich hân nôt alsô vil
erliten,» sprach diu juncfrou guot,
«als ir mich ûf des wazzers fluot
26905
sâhet her zuo iu fliezen.
wolt iuch sîn niht verdriezen,
ich klagt iu mînen kumber schier,
wolt ir ez gelouben mir,
wan daz ez wær ein kintheit,
26910
ob ich iu mînen kumber kleit.»
der künic zühticlîchen sprach:
«mir ist vil leit dîn ungemach.
an iuwern kleidern ich wizzen sol,
daz ir sît edel und guot wol:
26915
ir habt fürstlîchiu kleit,»
alsô er der junkfroun seit.

    Dâ mit er sie behielt.
ir tugent sich niht enspielt.
si was bî im, daz ist wâr,
26920
völliclîch ein halbez jâr,
daz si nie getet, des si hiet scham.
dar nâch sie der künic nam
ze einer konen êlîch,
als ez wolt got von himelrîch.
26925
dô stuont ez unlanger,
eins kindes wart si swanger,
als ez got selber wolde,
und als ez wesen solde.

    Der künic ein muoter hêt zwâr,
26930
diu was bitter gar,
als noch diu übeln wîp sint:
si müezen werden all blint!
die niht wellent guot sîn,
man sol si trenken in dem Rîn
26935
und dar in versenken:
des muoz ich ir gedenken.
des küniges muoter ûz Kriechenlant
diu was mit übel wol erkant,
dâ von der frouwen ungemach
26940
vil dick dâ von ir geschach,
wan si zuo dem künig sprach:
«dû soldest billîch ungemach
lîden umb die hîrât dîn.
man solt dich werfen in den Rîn
26945
und dar in versenken
und dich ze tôd ertrenken,
hâst dû genomen ein bœsez wîp.
wie kan diu gezemen dînem lîp?
ich sag dir daz für vol,
26950
mit ir sô kan ich nimmer wol
geleben unz an mînen tôt.
ich tuon ir hie vil grôz nôt.»

    Dô daz der künic erhôrt und sach,
wider den marschalc er dô sprach:
26955
«lâ dir von mir enpfolhen sîn,
nim die alten muoter mîn
ûf ein burc verr hin dan.
jâ hât si leides vil getân
der lieben hûsfrouwen mîn.
26960
lâ sie verr von uns sîn,
dâ ichs niht hœr noch müg gesehen.»
alsô begund der künic jehen.
dô der marschalc erhôrt
des küniges red und sîn wort,
26965
dô fuort er sie balde dan
ûf ein burc wol getân.

    Ze den zîten was ein künic balt
geriten mit gewalt
in daz lant ze Kriechen,
26970
und macht dâ mangen siechen,
die wund lâgen in den tôt,
daz si liten grôze nôt.
dô wart dem künig geseit.
der hiez ouch unverzeit
26975
ruofen zehant hervart.
dô wart niht lenger gespart,
daz sült ir wol gelouben mir,
mit her leit er sich gên im schier
an einem wazzer, daz was breit.
26980
dâ lâgen diu her unverzeit
beid gegen einander. –
dô wart diu frou swanger,
diu künigin ûz Kriechenlant.
einen brief si dem künig sant
26985
nâch des marschalkes rât,
als ir frümkeit wol an stât.
der brief dô geschriben wart.
der bot huop sich ûf die vart.
geschriben was dar an zwâr,
26990
daz si ein kint offenbâr
hêt gewunnen mit liehtem schîn,
daz nimmer schœner möht gesîn.
ein degenkint wær ez ze reht,
ez wær ritter oder kneht,
26995
allen liep, sô frum ez wær.
der brief solt sagen dem künig diu mær.

    Dô der bot von dannen schiet,
sîn reis zuo der frouwen geriet,
des küniges muoter ûz Kriechenlant.
27000
wærlîch tet er ir bekant,
daz er fuort dem künig zwâr
einen brief offenbâr.
er sprach: «liebiu frouwe mîn,
mir sol niht versagt sîn
27005
iuwer werdez botenbrôt:
mîn frou ist genesen von ir nôt
und hât ein schœn degenkint.
swâ friunt unde mâg sint,
die süllen des werden freuden rîch.
27010
ez ist ein kint wunneclîch.
mîn herr mac mich zwâr
von mîner armuot gar
scheiden und von mîner nôt.
er gît mir rîchez botenbrôt.»
27015
daz übel wîp wider in sprach:
«wæn mir lieber nie geschach!
ich wil dir helfen ûz der nôt
und wil dir geben daz botenbrôt,
so dû kümst von dem sun mîn;
27020
dîn armuot sol verswunden sîn.»
si macht in trunken, daz ist wâr,
und hiez im sanft betten dar.
den rehten brief si im stal.
daz selb si vor den liuten hal.
27025
einen andern brief si im leit
in sîn briefvaz weît.

    Des morgens dô der tac ûf brach
und daz er den schîn sach,
dô huop er sich drâte,
27030
daz er niht kæm ze spâte,
und îlt von dannen zehant,
dâ er den werden fürsten vant.
dô er den herren an sach,
vil zühticlîch er zuo im sprach:
27035
«iu enbiut mîn frou hôchgemuot
iren willen und iren dienst guot
und hât iu disen brief gesant
und der marschalc von dem lant.
den brief er dâ lesen hiez,
27040
als in sîn frümkeit tuon liez.
an dem brief geschriben was,
den man im vor der hütten las:
der marschalc enbiut iu, herre,
daz ein grôzer werre
27045
ist worden in iurm lande,
des müezt ir haben schande.
einen tiuvel hât mîn frou getragen,
daz wil ich iu für wâr sagen,
ez ist gestalt als ein schem.
27050
ein tiuvel ez schier hin nem!
ir müezt mit im haben schant,
und kœmt ir immer in daz lant,
sô mügt ir niht belîben.
heizt sie von hinnen trîben.
27055
des habt ir frum und êr,
oder ir müezet herzensêr
lîden unz an iuwern tôt.
alrêst sô hebt sich iuwer nôt:
ez ist sô eislîch getân,
27060
ez getar nieman sehen an.

    Zehant dô der herre
erhôrt disen werren,
do gewan er grôzen ungemach.
wider sînen schrîber er dô sprach:
27065
«schrîp snelliclîche
mînem marschalc rîche,
wan er den brief seh an,
daz er des niht lâz understân,
er slah die hûsfrouwen mîn
27070
in ein vaz eichîn,
als si mir ê wart bekant,
und send sie ûz in diu lant
vil balde und vil schier,
daz kint leg zuo ir,
27075
daz eislîch ist getân.
wil er mîn botschaft übergân,
und er daz niht tuot zehant,
er muoz mir rûmen daz lant;
und ist daz ich sie vinde,
27080
des ich nimmer erwinde,
er müez mir lân den lîp sîn;
daz hab er ûf den triuwen mîn.
vind ich kint oder wîp,
zwâr ez gêt im an den lîp.»

27085
    Der bot îlet drât,
als er in rîten bat,
und fuort den brief dem marschalc guot;
des wart trûric dô sîn muot.
dô er den brief dâ gelas,
27090
wie reht trûric er dô was,
daz kan iu nieman gesagen.
sîn lîp begund verzagen.
des vorht er des küniges zorn,
daz sîn lîp wær verlorn,
27095
ob er nû daz liez,
daz sîn herr tuon hiez.
ein vaz gewan er drât.
die frouwen er weinend bat,
daz si im vergæb daz,
27100
er müest sie slahen in ein vaz;
des möht kein rât sîn.
si sprach: «wem sol das kindlîn
belîben? daz solt dû mir sagen.»
er sprach: «man sol ez ouch tragen
27105
zuo iu in daz eichîn vaz;»
doch er des weinens niht vergaz.
dô sprach diu frou wolgetân:
«daz ich die huld verlorn hân
und mînes herzen swære,
27110
west ich, wannen daz mære,
von welhen sachen ez wær geschehen,
der mir des wolt ein wênic verjehen –
ich hiet mich ê geleit in ein suht,
ê ich dhein unzuht
27115
hiet an ihtiu begân –,
ich kund ez vil wol understân.»

    Waz sol ich mêr dâ von jehen?
sô manic klag wart nie gesehen
als umb daz klein kindlîn
27120
und umb ir minneclîchen schîn.
in dem vaz man sie versluoc.
daz kint man zuo ir truoc
und guoter kleider ein michel teil.
riu und jâmer was ir wol veil
27125
man stiez sie ûf des wâges fluot.
dô ran diu schœn frou guot
in die Tîver, daz ist wâr,
ûz dem mer offenbâr
ze Rôm für die grôzen stat,
27130
als sie gotes will bat.
dô was ein Rœmære
gegangen mit swære
ze der Tîver ûf die bruck,
dem was wê in dem ruck,
27135
und hêt das püllisch vieber gar.
der sach daz vaz, daz ist wâr,
in der Tîfer fliezen.
«ir lât iuch niht verdriezen,»
sprach er zuo einem vischær,
27140
«daz vaz sî vol oder lær,
bringt mir ez her an die stat.
iuwern lôn gib ich iu drât.
der vischær tet, als er in bat.
er brâht daz vaz an die stat.
27145
daz wart zerbrochen an der zeît.
diu kleider man zesamen leit.
diu frou was minneclîch getân.
mit zühten sie der Rœmer an
sach und sprach: «frou guot,
27150
got hab iuch in sîner huot,
iuch und daz kleine kindelîn –
dâ von ich ez wil ziehend sîn.»
alsô er wider die frouwen sprach:
«ir habt bî mir guoten gemach.»
27155
daz kindel und die frouwen guot
behielt er; des wart si wolgemuot,
diu edel Rœmærinne.
von Kriechen diu küniginne
übergie der frouwen willen nie,
27160
swâ si saz oder gie.

    Nû lâzen wir die red stân
und grîfen von Kriechen den künic an,
der dort mit sînem her lac.
vor leid er dheiner fröuden pflac.
27165
doch gesiget der künic zwâr
den heiden an vil gar
und fuort si heim gevangen.
ez was im wol ergangen.

    Dô er ze land kêrte,
27170
als in sîn frümkeit lêrte,
und den marschalc ersach,
«wie klagest dû mînen ungemach,»
sprach er, «lieber marschalc guot?»
ez wart zornic mîn muot,
27175
dô man mir dînen brief las.
wie reht trûric ich was,
daz kan ich dir niht gesagen:
mîn herz, mîn lîp wolt verzagen.
dô mir wart kunt von im getân –
27180
dô muost mîn fröud zergân –,
daz ez als ein tiuvel wær,
dô wart mîn herz swær,
wan mir leider nie geschach.
ich muoz leider ungemach
27185
lîden von dem brief dîn.»
dô sprach der marschalc: «herr mîn,
den brief den ich gesant hân,
dâ was daz niht geschriben an.
mîn brief sprach, daz nie dhein kint,
27190
diu ê noch sît geborn sint,
nie sô schœnez wart getân.»
der künic sich roufen began.
vor jâmer und vor leide
viel er ûf die heide,
27195
daz er ein wort nihte ensprach,
noch weder gehôrt noch gesach.
er hiez den boten für sich gân.
er sprach: «sag mir, verteilter man,
wie ist dem brief geschehen?
27200
der wârheit solt dû mir verjehen
oder ich tuon dir den tôt.»
diu vorht dem boten gebôt,
daz er sprach: «lieber herr mîn,
ich kan niht wizzende sîn,
27205
wie dem brief sî geschehen,
wan eines wil ich iu verjehen:
do ich kom zuo der frouwen mîn,
diu iuwer muoter sol sîn,
dâ beleip ich über naht.
27210
ob si iht arges mir hab gedâht,
des kan ich gesagen niht.»
«der tiuvel hât mit ir pfliht!»
sprach der künic an der stat.
«den brief si dir verkêrt hât.»
27215
vor zorn hiez er gâhen,
sîn muoter vâhen,
und hiez sie vermûren êwiclîch.
dâ muost si, diu sünderîch,
büezen unz an iren tôt
27220
mit smerzen, jâmer unde nôt.

    «Ich lîd billîch ungemach,»
alsô der künic ûz zorn sprach.
«ôwê mir vil armen!
wie lützel ich erbarme
27225
dem almehtigen got!
des muoz ich lîden spot
umb die lieben frouwen mîn
sô muoz ich immer trûric sîn.»
er gedâht: ich muoz ze Rôm gên
27230
und wil dâ in buoz stên
umb mîn angstlîch getât,
die mîn lîp begangen hât.
ze Rôm huop er sich an der stat.
in grôz buoz er dâ trat.

27235
    Dô was dem bâbst gesagt mær,
daz ein edel frou wær
und ein kleinez kindelîn,
daz nimmer schœner kund gesîn,
zesamen geslozzen wære
27240
in ein vaz mit swære,
und wær ze Rôm gerunnen gar;
des hiet genomen ein burger war,
der hêt sie behalten schôn.
«sô wil ich im geben ze lôn,»
27245
sprach der bâbst, «ze urkünd –:
ich wil im für sîn sünd
geben und für sîn missetât,
die sîn lîp begangen hât,
daz er behalt die frouwen guot;
27250
sîner sêl er ein grôz êr tuot;
und behaltet er sie schôn,
im gît got der êren krôn.»

    Dar nâch den künic ze urkünd
rouwen dar nâch sîn sünd.
27255
von Kriechen was er genant.
ze Rôm gie er, dâ er vant
unsern vater, den bâbst zwâr.
sîn sünde wolt er sagen gar,
die er an sîner frouwen guot
27260
getân hêt, und den übermuot.
daz was dar nâch zwâre
in dem fünften jâre.

    Ze den zîten got der rîch
mant ouch andæhticlîch
27265
den künic von Riuzen, daz ist wâr.
er gedâht: ich wil mîn sünd gar
büezen, die ich begangen hân
an mîner tohter wolgetân,
wan ich ez gar umb sust tet;
27270
sie enhalf weder flêg noch bet,
si muost den tôt von mir doln:
ûf daz wazzer hiez ich sie boln,
dâ hât si verlorn irn lîp.
ich gesach nie sô schœnez wîp.
27275
ze Rôm wil ich mich heben an
und wil in grôzer buoz stân.
ze Rôm der selb künic gie,
wan im diu riu sîn herz vie.

    Dô ieglîch künic ze Rôm kam
27280
und der bâbst ir bîht vernam,
dô west der bâbst diu mære,
daz ez diu frou wære,
die der Rœmær hêt behalten,
daz junc kint und die alten.
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dô si ir sünde heten geseit
und iren bresten gekleit
dem bâbst an gotes stat,
der bâbst die fürsten beid bat,
daz si in sîn hûs sæzen
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und sîn brôt mit im æzen.
dô sant der bâbst ân swære
nâch dem Rœmære,
und bat in durch den willen sîn,
daz er bræbt daz kindelîn
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und die frouwen dâ ze stet.
daz was sîn flêg und sîn bet.
dô brâht der burgære
die frouwen âne swære;
diu truoc dô an ir rîchiu kleit,
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als ich iu vor hân geseit.
dô si dâ gesâzen,
getrunken und geâzen,
dô sprach der bâbst: «herr guot
von Riuzen, nû sît wolgemuot!
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sæht ir iht gern iuwer kint?»
er sprach: «ich wolt sîn blint,
daz ich solt sehen die tohter mîn
und irn werden liehten schîn.»
dô sprach er: «herr von Kriechenlant,
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ob iu iur hûsfrou wirt bekant,
woldet ir des iht frô sîn?»
«jâ, lieber herr mîn,
daz ich sie sehen solt an,
sô wær ich gar ein sælic man;
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dar umb sô wolt ich geben,
sô mich got lâze leben,
mînen fuoz und mîn hant,
daz si mir noch wurd bekant.»
der bâbst zühticlîchen sprach:
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«ein end hab iuwer ungemach
und iuwer herzensêre,
nû habt beid freud und êre!»
dar bâbst gie ûz für die tür.
die frouwen wîst er hin für
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und daz klein kindelîn.
ir freud kund niht grœzer gesîn.
dô si die frouwen an sâhen,
dô begunden si beid gâhen;
daz was an in ein guot sin.
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der bâbst sprach: «nemt iur tohter hin,
her künic von Riuzen, diu ist guot.»
dô wart der künic wolgemuot.
gên dem von Kriechen er dô sprach:
«nû sît frî vor ungemach!
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habt iu wîp unde kint!»
all die ê geborn sint,
die wurden in irm rîche
nie sô frœlîche.
dô was ir freud niht ze klein.
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die frouwen und daz kint rein
fuortens beidiu gelîche
heim in ir rîche.
dâ wart si schôn ein küniginn.
nâch êren kund si ring
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beidiu tac unde naht.
dâ wart freud ûz der aht.
daz sült ir wizzen alle,
si lebten mit grôzem schalle
und mit grôzer wirdikeit.
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alliu wunn was in bereit,
und wurden ergetzet gar
alles des in ie gewar
von got von himelrîch,
dem niht ist unmüglîch.
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der geb uns daz êwic rîch
und mach uns all freudenrîch.